Ogi Adolf · Bundesrat · 2000-10-03
Ogi Adolf · Bundesrat · Bern · 2000-10-03
Wortprotokoll
Der Sportminister ist dankbar für die Möglichkeit, dass in diesem Rat einmal über den Sport gesprochen werden darf. Ich glaube, es war nicht nötig, dass alle Freude an den Olympischen Sommerspielen in Sydney gehabt haben, aber vielleicht sind diese Spiele auch der Kick-off, dass das Thema Sport in diesem Rat eben zu einem Thema geworden ist.
Ich möchte Herrn Kommissionssprecher Bieri bestens für die Einführung danken. Ich möchte hier die Möglichkeit nutzen, um Ihnen ganz kurz zu erläutern, wie das Nasak I abläuft. Das vorliegende Geschäft steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Kredit über 60 Millionen Franken, den Sie Ende 1998 für unsere Sportanlagen von nationaler Bedeutung gesprochen haben. Wo stehen diese Projekte heute? Der Zwischenstand, das darf man sagen, ist erfreulich. Es tut sich endlich etwas im Sportstättenbau. Die Sportinfrastruktur für internationale Anlässe ist in einem - ich muss das Wort brauchen - katastrophalen Zustand. Wer es nicht glaubt, der gehe heute abend ins Wankdorf und benütze wenn möglich keine Toilette. Die Stadien sind nun teilweise im Bau oder in einer fortgeschrittenen Planungsphase. Im "Joggeli" in Basel soll in sechs Monaten wieder Fussball gespielt werden, in Genf werden die Altbauten bereits abgebrochen. Die Baubewilligung soll demnächst erfolgen. In Zürich hat man sich zu Recht auf ein polysportives Stadion geeinigt.
Es soll im Jahr 2004 eröffnet werden. Last but not least tut sich auch im Wankdorf zu Bern etwas. Die Baubewilligung wird in einigen Wochen eintreffen, anschliessend soll sofort mit dem Neubau begonnen werden.
Auch bei den polysportiven Anlagen ist man weit fortgeschritten. Das nationale Ruderzentrum in Sarnen, Herr Hess, ist bereits in Betrieb. Weiter wird seit März 2000 am Centre mondial du cyclisme in Aigle gebaut, und andere Projekte wie das polysportive Zentrum Ostschweiz oder die Erweiterung der Sportanlage Huttwil sind in der Planungsphase.
Aus Sicht des Bundes ist das Fazit sehr positiv. Nicht zuletzt wegen der Bundesbeiträge, die in Aussicht stehen, haben die privaten Träger die einzelnen Projekte nun vorwärts gebracht - die Kick-off-Funktion des Kredites ist voll zum Tragen gekommen. Mit seiner Zustimmung zum Kredit hat der Ständerat den Match sozusagen lanciert. Jetzt zirkuliert der Ball in den Reihen unserer Partner und wird früher oder später in Form neuer Sportanlagen, die eines prosperierenden Landes wie der Schweiz würdig sind, an das Publikum zurückgespielt. Das Publikum, die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, hat bereits jetzt reagiert. Am Beispiel Basel ist ersichtlich, dass die Stadionfrage für die Öffentlichkeit von grosser Bedeutung ist. Der Run auf Saisonkarten und Logenplätze im neuen Sankt-Jakob-Park ist gewaltig und bestätigt, dass diese Anlagen keine Sandburgen, sondern für alle ein echtes Bedürfnis sind.
Mit Nasak II verfolgen wir die gleiche Zielsetzung, diesmal mit dem Schwergewicht Wintersport, wie es Herr Bieri sagte. Die Schweiz ist ein Wintersportland mit Tradition. Aber auch im Wintersport ist die Zeit nicht stillgestanden. Wer von Ihnen im Tourismus oder im Verkehrsbereich tätig ist oder aus einem Bergkanton stammt, weiss nur zu gut, wovon ich spreche. Mit Nasak II wollen wir schwergewichtig unsere Wintersportanlagen von nationaler Bedeutung à jour bringen, und die Zeit ist reif dafür.
Ein Beispiel hierfür ist die Renaissance des Skispringens und dessen Entwicklung zur attraktiven Fernsehsportart. Die bekannte Grossschanze Engelberg genügt diesen Ansprüchen heute nicht mehr. Herr Hess Hans hat es bestätigt und gesagt, dass der Umbau dank Nasak II im Gang kommt - sofern Sie zustimmen selbstverständlich. Als Sprungrichterturm und Kamerapodest sollen nicht mehr länger Bretterverschläge dienen. Vereiste Trampelpfade zum Erreichen der Startrampe können nicht mehr akzeptiert werden. All das muss der Vergangenheit angehören, sonst haben wir hier keine internationale Rolle mehr zu spielen. Nicht zuletzt aus Gründen der Sicherheit für die Benützer und Zuschauer muss hier dieser Schritt getan werden.
Ich wiederhole: Die Bundesbeiträge im Rahmen von Nasak helfen mit, unsere Sportanlagen von nationaler Bedeutung in vernünftigem, den Bedürfnissen entsprechenden Masse zu erneuern. Das war schon bei Nasak I der Fall und soll mit den vorliegenden Kreditbegehren ebenfalls erreicht werden.
Nun wurden einige Fragen in Bezug auf die Skiweltmeisterschaften 2003 in St. Moritz gestellt. Bekanntlich hat das Bündner Stimmvolk einen Kredit von 7 Millionen Franken abgelehnt.
Die 4 Millionen Franken des Nasak-Kredites, die für die Ski-Weltmeisterschaften und vor allem für die Verbesserung der Infrastruktur vorgesehen sind, können - wenn Sie diesen 20 Millionen Franken zustimmen - bezahlt werden. Was die 1,5 Millionen Franken Defizitgarantie betrifft, die der Bund ebenfalls in Aussicht gestellt hat - übrigens: bei den Ski-Weltmeisterschaften 1987 in Crans-Montana hat der Bund noch grosszügiger 2 Millionen Franken Defizitgarantie zur Verfügung gestellt; für St. Moritz sind es 1,5 Millionen Franken -, können nur bezahlt werden, wenn St. Moritz und der Kanton Graubünden mindestens 3 Millionen Franken aufbringen und bezahlen. Sollten diese 3 Millionen Franken nicht bereitgestellt werden, möchte ich Sie bitten zu überlegen, wie wir dieses Problem lösen. Es ist undenkbar, dass wir die Ski-Weltmeisterschaften zurückgeben. Deshalb wäre alles zu prüfen, bis und mit Sonderbotschaft. Das Skiland Schweiz könnte es sich nicht leisten zu sagen, es könne aus finanziellen Gründen - beispielsweise wegen 3 Millionen Franken - im Engadin keine Ski-Weltmeisterschaften durchführen.
Herr Hess stellte die Frage, wie es mit seiner Motion (99.3039, Förderung von Sportmittelschulen durch den Bund) stehe, die Ihr Rat und der Nationalrat überwiesen haben. Wo stehen wir heute? Mein Departement hat die Motion Hess Hans in seine Arbeiten am sportpolitischen Konzept einbezogen.
Dort sollen die Ziele des Motionärs im Rahmen der Nachwuchsförderung umgesetzt werden. Hauptziel ist es, [PAGE 650] durchgängige Bildungsangebote für Nachwuchssportler zu schaffen. Hier geht es um den Schulkostenausgleich bei einem Schulortswechsel der Sportlerin und des Sportlers. Stichwort: Bildungsgutscheine; das ist in Prüfung.
Zweites Hauptziel ist, ganzheitliche Bildungsangebote mit integrierter Sportförderung direkt zu unterstützen. Sport fördernde Schulmodelle sind zu entwickeln. Qualitätsstandards sind dafür zu formulieren und durchzusetzen, Bildungsangebote, die den gestellten Anforderungen entsprechen, sind zu zertifizieren. Der Bund könnte sich mit einem Sockelbeitrag an den Kosten dieser Schulen beteiligen.
Weiter könnte er einen Beitrag an so genannte Sport-Scholarships leisten. Dieser Stiftungsfonds würde weiter geäufnet mit Beiträgen der Kantone, des Schweizerischen Olympischen Verbandes, der Sporthilfe und von Privaten. Das definitive Konzept wird mir von Direktor Heinz Keller, Chef des Bundesamtes für Sport, in Kürze vorgelegt. Es soll dann dem Bundesrat Ende Jahr mit dem sportpolitischen Konzept zur Empfehlung vorgelegt werden. Wenn wir international Schritt halten wollen, dann müssen wir die Förderkette Eltern-Schule-Beruf-Sportverbände verbessern, sonst werden wir in Athen wiederum Enttäuschungen erleben. Zum Schluss gratuliere ich dem Kanton Zug zu dieser Goldmedaille, die Herr Bieri zu Beginn seines Votums zu Recht erwähnt hat.