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Schmid Samuel · Bundesrat · 2007-09-20

Schmid Samuel · Bundesrat · Bern · 2007-09-20

Wortprotokoll

Zwei Vorbemerkungen, Herr Büttiker: Erstens hält es der Direktor des Bundesamtes für Sport mit dem Bundesrat. Es gibt keine Differenz in Bezug auf die Grundaussage, dass Doping nicht akzeptabel ist. Zweitens bin ich persönlich mit Ihnen zu vier Dritteln einverstanden; einen Drittel haben Sie dem Bundesrat zugestanden, und im Übrigen gibt es keine Differenz zwischen Ihnen und dem Bundesrat. Allerdings sind wir in der Zeitachse teilweise bereits in der Umsetzungsphase, teilweise sind wir in der Vorbereitungsphase.

Die Geschichte ist leider nicht ganz so einfach, aber beginnen wir beim Prinzip. Es gibt effektiv die Meinung, dass man das laufen lassen soll; es gebe ja auch andere Süchte, die man nicht extrem bekämpfe. Das kann nicht die Auffassung des Bundesrates sein, und sie ist es auch nicht, weil es nämlich nicht ausschliesslich eine sogenannte "Elite" ist - in diesem Zusammenhang ist das Wort in Anführungszeichen zu setzen -, die sich dem Doping hingibt, sondern weil es auch in der Breitensportförderung bereits gewisse Risiken gibt. Es gibt gelegentlich auch ehrgeizige Eltern, die wollen, dass ihre Kinder Sportkarrieren machen. Dann gibt es ehrgeizige Sponsoren und was weiss ich was alles, die da irgendwo mitmischen. [PAGE 733]

Unsere Haltung ist es deshalb, auf der einen Seite gesetzlich zu tun, was getan werden kann. Der Aufbau der Anti-Doping-Agentur ist von Ihnen erwähnt worden. Als Zweites unterstützen wir vom Bund her die Dopingbekämpfung in der Schweiz seit Jahren stärker, als es die Sportverbände tun; wir bezahlen 1,8 Millionen, Swiss Olympic gibt jetzt 1 Million Franken. Wir stehen auch dazu, die Synergien zwischen unserer Forschung, Aufklärung und Ausbildung in Magglingen und Swiss Olympic zu nutzen. Ich muss in diesem Zusammenhang gleich auch erwähnen, dass Swiss Olympic selber in den letzten Monaten gewaltige Anstrengungen unternommen hat und im Bekämpfen dieses Übels sehr aktiv ist.

Schliesslich sind wir daran, das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport zu überarbeiten. Wir werden dem Parlament voraussichtlich Vorschläge machen in Bezug auf härtere Strafen bei Abgabe von Dopingmitteln an Kinder und Jugendliche, in Bezug auf härtere Strafen bei bandenmässigem Vorgehen, in Bezug auf Überwachungsmassnahmen bei Verdacht auf qualifizierte Verletzung der Dopingstraftatbestände und in Bezug auf die Verbesserung der Kooperation zwischen dem Bundesamt für Gesundheit, Swissmedic, Schweizer Zoll, Polizei und Staatsanwaltschaft auf operativer Ebene. In dieser Politik liegt aber eigentlich auch eine erzieherische Zielsetzung, nämlich die Sportverbände selber in die Pflicht zu nehmen, denn letztlich müssen primär sie dieses Problem lösen. Es geht nicht nur darum, mehr Kontrollen durchzuführen und mehr Geld einzusetzen; es geht darum, diese Problematik effektiv auch in der Sporterziehung verbreitet durchzuexerzieren. Man darf in dem jeweiligen Umfeld nicht mehr die Augen verschliessen, wenn man, und sei es auch nur vermutungsweise, davon ausgehen muss, dass in den eigenen Kreisen so etwas passiert. Deshalb liegt mir daran, die Sportverbände hier zu verpflichten. Ich bin sehr froh, dass Swiss Olympic das tut. Ich bin sehr froh - ich sage das mit Respekt -, dass der Präsident von Swiss Olympic öffentlich darüber nachdenkt, Verbände, bei denen so etwas passiert, mit entsprechenden Bussen zu belegen, deren Wirkung dann auch in die Bekämpfung von Doping einfliessen kann.

Es ist auch vorgesehen - die Sportverbände werden das lancieren -, dass beim ersten schweren Fall eine zweijährige Sperre ausgesprochen wird und dass beim zweiten schweren Fall eine lebenslängliche Sperre verfügt wird. Soweit ich die Möglichkeit habe, ergänze ich das. Ich sage: Soweit ich die Möglichkeit habe. Ich mache hier ein Beispiel öffentlich: Vorhin haben wir über eine Bedingung gesprochen, die ich beim Nationalen Sportanlagenkonzept einfliessen lasse. Mit der Leistungsvereinbarung mit Swiss Olympic habe ich solche Aktivitäten zur Voraussetzung für die generelle Ausschöpfung von Bundesbeiträgen gemacht. Wir haben hier also eine Leistungsvereinbarung, die wir miteinander abschliessen. Ursprünglich war sie auf vier Jahre angesetzt, doch das letzte Mal habe ich gesagt - genau wegen derartiger Massnahmen -, dass ich diese Geschichte jedes Jahr vor der "Schmitte" haben will, damit wir es miteinander besprechen können. Wir tun das einvernehmlich - zwischen Swiss Olympic, dem Departement und dem Bundesamt für Sport gibt es da keine divergierenden Auffassungen. Wir versuchen das also parallel zu tun.

Ich habe eine weitere Möglichkeit, die ich im Moment in Bezug auf die Kriterien prüfe. Nehmen wir einen Sportverband, der zwar einiges für die Dopingbekämpfung tut, bei dem man jedoch - ich sage das aus meiner Sicht - immer noch den Eindruck hat, dass vielleicht noch mehr getan werden muss. Wenn beispielsweise der Teamchef von Phonak, der in seinem Team 12 Dopingfälle hatte, heute der Teamchef der Schweizer Nationalmannschaft ist, dann muss das mindestens diskutiert werden. Ich habe keinen Einfluss darauf, aber ich mache es bei Gesprächen zum Thema. Ich habe deshalb auch zum Thema gemacht, wieweit ich die Armee überhaupt noch zur Unterstützung bei der Tour de Suisse einsetze. Es gibt durchaus auch in dieser Disziplin Breitensportarten, die nur von der freiwilligen Mitarbeit leben; aber es gibt auch andere Bereiche, bei denen ich mir sage: Gut, wenn es so läuft und in diesem Sport mindestens teilweise Geld vorhanden ist, dann erarbeite ich Kriterien, um zu sagen: Ich stelle die Truppe nur noch zur Verfügung, wenn ihr da entsprechende Massnahmen trefft.

Schliesslich, und das ist das Zentrale: Über die Sporterziehung, über die Trainerausbildung und über die Arbeiten in Magglingen versuchen wir, hier den Kopf zu drehen und die Leute darauf aufmerksam zu machen. Wir haben eine ganze Reihe von Erziehungsmitteln, von Informationen hergestellt, wir haben CD geprägt und verteilen dieses Material bei den Tausenden von Kontakten, die wir über Magglingen haben. Wir stellen die entsprechenden Schulen zur Verfügung und versuchen - ich muss es wiederholt sagen -, auch die Eltern anzusprechen.

Mit den Verboten ist es leider nicht ganz so einfach. Die Abgabe von Anabolika in Fitnesszentren ist kein Doping, das ist Medikamentenmissbrauch. Es ist aber offenbar gang und gäbe oder soll zumindest vorkommen; ich weiss es nicht persönlich. Einer sagte mir, dass Haschisch beruhige, es sei gut für die Schützen. Gut, ob es gerade diese Klientel ist, weiss ich nicht; ich schiesse im Moment sogar, ohne vorher einen Zweier Roten zu trinken. Als ich vor vierzig Jahren einmal als Student in Bern versucht habe, an Haschisch heranzukommen, habe ich keines erhalten, weil meine Haare zu kurz waren: Man hat mir sofort bedeutet, ich sei von der Polizei, mir gäben sie ohnehin nichts. Ich bin also in diesem Geschäft unverdächtig. Aber Haschisch ist auf der Dopingliste. Wenn Sie jetzt ganze Umfelder generell über alles hinweg bestrafen, möchte ich dann noch sehen, was das für Auswirkungen hat! Einen Teil dieser jungen Leute wollen wir ja gerade zu einer sportlichen Aktivität hinführen, um sie von dieser Praxis abzubringen.

Deshalb ist das eine subtile Geschichte. Ich traue eigentlich - das sage ich mit Anerkennung - meinen Leuten in Magglingen und auch Swiss Olympic, diesen Spezialisten, auch der Forschung zu, dass sie das über diese Erziehungsmassnahmen, über diese Begleitmassnahmen, die eben bis hin zu Dingen gehen, die eigentlich einen indirekten Zusammenhang damit haben, erreichen. Ich formuliere von der V-Seite her in der S-Seite meines Departementes Bedingungen, um Truppen zur Verfügung stellen zu können - ich tue das mit Überzeugung -, damit wir die Meinung und die Motivation beeinflussen und das Ganze mit einem Marschstreifen an gesetzlichen Bestimmungen begleiten können. Darüber werden Sie bei der Revision oder der Teilrevision des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport sprechen können.

Sie sehen also, wenn ich sage, ich sei zu vier Dritteln mit Ihnen einverstanden, sind das keine hohle Worte, sondern es ist so, dass wir hier ein Problem zu lösen haben. Doping ist für den Sport unerträglich. Ganz abgesehen von der Unlauterkeit im Wettbewerb ist es von der gesundheitsschädigenden Wirkung her abzulehnen. Es kann nicht angehen, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr in den Unterricht auch für Leistungssportarten schicken und sie nicht mehr darin fördern lassen wollen, nur weil sie Angst haben müssen, dass diese in Verbindung mit derartigem Gift kommen. Es liegt mir daran, dass wir effektiv diesen Sumpf trockenlegen können. Ob das zu 100 Prozent gelingt? Wir alle kennen die Wirkung des Strafrechtes generell, aber doch: Wenn wir da einiges ausräumen, wenn wir da einen guten Schritt vorwärtskommen in den nächsten Jahren oder im nächsten Jahr - dann soll die Gesetzesrevision über die Bühne gehen -, dann, glaube ich, haben wir dem Sport und auch der Volksgesundheit in der Schweiz einen Dienst erwiesen.

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