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Büttiker Rolf · Ständerat · 2007-09-20

Büttiker Rolf · Ständerat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2007-09-20

Wortprotokoll

Wir haben gerade wieder Steuergelder für den Sport ausgegeben. Ich meine, wir sollten dafür sorgen, dass diese Steuergelder dann auch richtig investiert werden. Ich möchte nicht alle Fälle, die in diesem Sommer enthüllt worden oder durch Geständnisse an die Öffentlichkeit gelangt sind, aufrollen; Sie haben es zur Genüge miterlebt. Ich halte es eigentlich bei dieser Geschichte mit dem Baspo-Direktor Remund, der es auf den Punkt gebracht hat, indem er gesagt hat: "Doping ist Verrat am Sport und an seinen Werten." Dem ist eigentlich nichts beizufügen.

Nun gibt es Verräter am Sport nicht nur im Spitzensport. Deshalb sollten wir auch ein Auge auf diese Geschichten werfen. In einem Reader der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) habe ich gelesen, dass von 15 Millionen Konsumenten jährlich rund 700 Tonnen anaboler Steroide zu Zwecken des Dopings missbraucht werden. Es wird dort gesagt, die Kunden seien nur zu einem Bruchteil Leistungssportler. Wenn man mit Leitern von Fitnesscentern in der Schweiz spricht, wird einem das bestätigt. Sie sagen dann jeweils auch noch, dass die Gefährlichkeit auch darin liege, dass es oft ohne ärztliche Kontrolle und Verschreibung gemacht werde - nicht nur zu Sportzwecken, sondern eben auch zur Körperbildung oder wie man dem sagen muss.

Nun kann man natürlich sagen, wenn es oben so zu- und hergeht wie in diesem Sommer, müsse man nicht erstaunt sein, dass solche Missbräuche auch unten vorkommen: im Breitensport, beim Publikum, bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Deshalb ist es eigentlich richtig, dass man dopingfreien Spitzensport ohne Wenn und Aber anstrebt. In diesem Punkt sind wir uns wohl einig, Herr Bundesrat Schmid. Nun noch drei weitere Punkte:

1. Mit diesem Punkt bin ich zufrieden: Er bezieht sich auf jenen Drittel der Interpellationsantwort, bei dem es um den Beitritt zur Unesco-Konvention gegen Doping geht. Ich möchte Herrn Bundesrat Schmid danken, dass hier jetzt endlich vorwärtsgemacht wird. Ich kann auch feststellen, dass bis Ende 2006 immerhin 45 Staaten diese Konvention ratifiziert haben; sie ist Anfang 2007 in Kraft getreten. Wir kommen etwas zu spät, aber besser spät als nie.

2. Zur Anpassung der gesetzlichen Regelungen gegen Doping: Wir haben erlebt, wie es läuft. Schon 2002 haben wir darüber diskutiert. Ich wäre schon damals für eine etwas härtere Gangart gewesen. Seit 2002 enthält wenigstens das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport Bestimmungen gegen Doping. Verschiedene Dopingfälle - diese Enthüllungen und Geständnisse in diesem Sommer, Stichwort Tour de France und andere Dinge - haben aber gravierende Lücken und Schwächen des Gesetzes aufgezeigt, das kann man nicht wegdiskutieren.

Was mir fehlt, Herr Bundesrat, ist ein griffiges Sanktionssystem. Ich sage es noch einmal, ich habe es vor zwanzig Jahren schon gesagt: Die Verbände haben Mühe mit einem Sanktionssystem, weil sie in eigener Sache entscheiden müssen. Wir haben es auch im Ausland gesehen: Wenn ein Verband einen Spitzensportler unmittelbar vor einem grossen Anlass - Olympiade, WM, EM - herausnehmen muss, sägt er am Ast, auf dem er selber sitzt. Deshalb muss man sich schon überlegen - der Ständerat hat ja einmal einer Motion diesbezüglich zugestimmt -, ob man hier nicht ein etwas griffigeres Sanktionssystem, wie es ja auch von anderen Bundesratsparteien vorgeschlagen wird, einführen sollte. Denn es ist klar: Wer dopt, betrügt - vor allem beim Spitzensport, wo die grossen Geldsummen im Spiel sind -, und Betrüger im Sportbereich sind aus dem Verkehr zu ziehen. Ich meine auch, dass diese Grossverdiener im Spitzensport nur eine Sprache verstehen: Ein schweres Dopingvergehen muss ein lebenslanges Berufsverbot nach sich ziehen. Die Betrüger haben in diesem Bereich nichts mehr zu suchen, nicht als aktive Sportler und auch nicht als Betreuer oder Trainer. Da kann die Vorbildfunktion, wie wir sie immer wieder zu Hilfe ziehen, wenn wir über Kredite diskutieren, nicht mehr zum Tragen kommen. Deshalb, Herr Bundesrat, wäre es an der Zeit, hier durchzugreifen und ein wirklich griffiges Sanktionssystem aufzustellen.

3. Das dritte Standbein der Dopingbekämpfung ist die Gründung der unabhängigen nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. Ich bin froh, dass Swiss Olympic jetzt vorwärtsmacht. Ich bin auch mit dem Bundesrat der Meinung, dass das vor allem eine Sache des Privatbereichs ist; der Bund kann subsidiär unterstützen. Es muss möglich sein, dass jetzt endlich auch Blutkontrollen durchgeführt werden und dass auch ausserhalb des Wettkampfbereichs genug Kontrollen durchgeführt werden. Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie den Aufbau dieser Anti-Doping-Agentur in der Schweiz auch unterstützen, und zwar subsidiär. Ich verstehe den Bundesrat, dass er in dieser privaten Sache nicht gern mit Steuergeldern operieren will.

Zum Schluss noch etwas, das mir ebenfalls Sorgen bereitet: Wenn natürlich eine grosse Schweizer Zeitung, und zwar keine Boulevardzeitung, gemäss dem allgemeinen Tenor, der sich breitmacht und mit der Dopingpolitik zusammenhängt, "Doping? Ja und?" titelt und damit das schleichende Akzeptieren des Dopings illustriert, müssen wir zusehen, dass wir die Vorbildfunktion des Spitzensports nicht aufs Spiel setzen. Zudem haben wir ja auch gerade gestern noch argumentiert, dass der Sport gesundheitsfördernd sein soll. Doping stellt da einen Widerspruch dar, den wir aus der Welt schaffen müssen.

Ich bin gegen die Verharmlosung, gegen das Wegschauen. Es gibt auch in politischen Diskussionen immer wieder den Satz, man solle das laufen lassen, das sei doch jedem selbst überlassen. Wenn das die Folge wäre, könnte man dem ja noch zustimmen. Aber wir dürfen doch nicht einen Achtzehnjährigen vor die Wahl stellen, entweder Spitzensport zu machen, Resultate zu bringen und sich zu dopen - oder nicht mithalten zu können. Das heisst doch, dass er eben keine andere Wahl hat, wenn er im Spitzensport mithalten will, und das dürfen wir so nicht zulassen.

Zusammenfassend bin ich Ihnen, Herr Bundesrat Schmid, dankbar, dass Sie erstens die Konvention ratifizieren wollen und uns gelegentlich die Botschaft zustellen und dass Sie zweitens bei den gesetzlichen Anpassungen hart durchgreifen und den Versuch wagen, wenigstens in unserem Land Ordnung zu schaffen. Wenn Sie drittens die nationale Anti-Doping-Agentur NADA nicht nur mit Geld, sondern auch mit anderen Massnahmen unterstützen, helfen Sie mit, dass das Dopingproblem nicht verharmlost wird, sondern dass diese Eiterbeule aus dem Sport - ja, ich möchte fast sagen: aus der Gesellschaft - entfernt wird.