Kiener Nellen Margret · Nationalrat · 2007-12-11
Kiener Nellen Margret · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-12-11
Wortprotokoll
Ich begründe zuerst die Anträge der Minderheit zu den Positionen "Funktionsaufwand" und "Entschädigung für Ausbildungsaktivitäten der Kantone". Es geht insgesamt um eine Aufstockung von 2 Millionen Franken für die Ausdehnung der "Jugend und Sport"-Aktivitäten auf die fünf- bis zehnjährigen Kinder. Sie sehen das auf Seite A8 der Fahne in der entsprechenden Fussnote.
Jedes fünfte Kind ist übergewichtig. Genau darum braucht es die Ausdehnung von "Jugend und Sport" auf die fünf- bis zehnjährigen Kinder. Die Bundespolitik hat geschlafen, und der Bundessportminister vertröstet auf übermorgen. Das Thema wurde in der letzten Legislatur Jahr für Jahr verschleppt. Es braucht jetzt hier und heute eine Koalition der Vernunft, um diesem wichtigen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen. In der Finanzkommission wurde dieser Antrag äusserst knapp, mit 11 zu 10 Stimmen, abgelehnt.
Worum geht es? Es geht darum, dass das Pilotprojekt zu Bewegung und Sport für Fünf- bis Zehnjährige, das im Rahmen des Euro-2008-Kredits gestartet wurde und gut läuft, ab 2009 weitergeführt, in ein ordentliches Programm überführt werden kann. Dafür sind Einstiegsmittel von 2 Millionen Franken im Voranschlag 2008 nötig, insbesondere für die Ausbildung von Leiterinnen und Leitern für fünf- bis zehnjährige Kinder. Diese Leiterausbildung wird heute nicht systematisch durchgeführt, sie wird heute noch gar nicht vom Bund unterstützt. Darum muss "Jugend und Sport" ausgedehnt werden.
Wir wissen, die Altersjahre 5 bis 10 sind das Lern- und Prägealter. Deshalb sind sie besonders entscheidend für die körperliche, geistige und soziale Entwicklung. Zudem sind in diesem Alter die Voraussetzungen für das Training vieler körperlicher Fähigkeiten geradezu ideal. Zu wenig Bewegung, zu viel Medienkonsum, unausgewogene Ernährung, psychischer und sozialer Stress tragen leider zur Verschlechterung der Gesundheit unserer Kinder bei. Ein verschlechterter Gesundheitszustand im Kindesalter beeinflusst die Gesundheit im Erwachsenenalter, sodass die Lebensqualität im Erwachsenenalter und im Seniorenalter ganz entscheidend nachteilig beeinflusst werden wird. Eine positive Korrelation zwischen Bewegung und Gesundheit ist ganz klar belegt. Wir haben jetzt die Chance, im Voranschlag 2008 für diese 2 Millionen Franken die Erfolgsgeschichte "Jugend und Sport" in der Schweiz, von der bisher nur Kinder ab dem Alter von zehn Jahren profitieren konnten, auf die Fünf- bis Zehnjährigen auszudehnen.
Wieso ist diese Position in der Finanzkommission gelandet? Wieso stelle ich diesen Antrag seit Jahren in der Finanzkommission? Weil zum Beispiel im 5. Schweizerischen Ernährungsbericht von 2005 die Kosten der Folgekrankheiten von Übergewicht auf jährlich - hören Sie gut zu - 2,7 Milliarden Franken beziffert werden. Wir wollen doch keine amerikanische Gesellschaft, in der 66 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig gelten. Im Interesse der Gesundheit unserer Kinder, im Interesse des Rechtes unserer Kinder auf Gesundheit, aber auch im Interesse der Vermeidung horrender Folgekosten ersuche ich Sie, dem Antrag der Minderheit hier und heute zuzustimmen.
Ich spreche nun noch zum anderen Minderheitsantrag, das ist jener zur Position "Turn- und Sportverbände und andere Organisationen" auf Seite A8 in der Mitte. Hier beantrage ich Ihnen im Namen der Minderheit eine Aufstockung der Mitteldotierung für die nationale Agentur Antidoping Schweiz (ADS), die sich in Gründung befindet, um 1 Million Franken. Die Schweiz hat ein grosses Interesse daran, in Sachen Dopingprävention, -kontrolle und -bekämpfung national, aber auch international vorbildlich zu sein. Weite Kreise inner- und ausserhalb des Sports, aber auch das Präsidium der Parlamentarischen Gruppe Sport, der rund 20 Mitglieder unseres Rates angehören, der Präsident der Eidgenössischen Sportkommission, immerhin mehrere Bundesratsparteien, Autorinnen und Autoren breitabgestützter parlamentarischer Vorstösse und die Plenarversammlung der Jugendsession 2007 sind der Auffassung, dass der Bund seine finanziellen Mittel im Kampf gegen Doping verstärken muss.
Ich beantrage deshalb namens der Minderheit, die Schaffung der unabhängigen nationalen Agentur Antidoping Schweiz (ADS) per 2008 mit zusätzlichen Bundesmitteln von 1 Million Franken zu unterstützen. Swiss Olympic, die Sportverbände und der Bund wollen Doping als eine der grössten Gefahren für den Spitzensport und insbesondere für den Breitensport, der mir besonders am Herzen liegt, vermehrt gemeinsam und energischer bekämpfen. Daher wurden die Fachstellen für Dopingbekämpfung in den Lokalitäten von Swiss Olympic zusammengelegt, als Vorstufe zur Gründung von ADS. Es sind aber weiterführende Massnahmen nötig. Die Aufstockung der Bundesmittel drängt sich auf, auch im Licht der bevorstehenden Ratifikation der Unesco-Konvention gegen Doping, die der Bundesrat erfreulicherweise im September 2007 zuhanden des Parlamentes verabschiedet hat und die zurzeit in den WBK behandelt wird. Gleiches gilt bezüglich der neuen, verschärften Bestimmungen der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der anstehenden Revision des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport.
Mehr private wie staatliche Mittel liegen im Interesse des Spitzen- wie des Breitensportes, aber allgemein auch im Interesse der Volksgesundheit. In der Schweiz haben rund dreissig internationale Sportverbände, das IOC und das Europabüro der Wada ihren Sitz. Aus diesem Grund kommt der Schweiz eine grosse Verantwortung zu. In der Dopingbekämpfung sind die hohen internationalen Anforderungen vorbildlich zu erfüllen und die Kontrollen auszuweiten. Die zusätzliche Million wird insbesondere dazu dienen, endlich auch auf Blutdoping testen zu können. Die Anzahl dieser jährlichen Blutkontrollen könnte damit deutlich erhöht werden.
Die private Mittelaufstockung ist im Gang. Swiss Olympic hat im November eine zusätzliche Million Franken an Mitteln gesprochen. Damit ist auch dokumentiert, dass Swiss Olympic bereit ist, in einen sauberen Sport und in die Gesundheit zu investieren. Swiss Olympic hat ebenfalls erklärt, allenfalls säumige Mitgliederverbände mit Subventionskürzungen zur Ordnung zu rufen. So wird denn die neue nationale Anti-Doping-Agentur 2008 gegründet werden können.
Ein Blick auf führende ausländische Anti-Doping-Agenturen belegt, dass die Dopingkontrolle in der Schweiz einen guten Ruf hat, dass sie aber in der Finanzierung ein eigentliches Unikat ist, beträgt doch der Anteil des privaten Sports ab 2008 mehr als 50 Prozent, während zum Beispiel in Norwegen, Irland, Kanada oder in den USA der Staat rund 80 Prozent der Kosten trägt. Also ausgerechnet in Ländern, deren Staatsquote bekanntlich tief ist, leistet der Staat mehr.
Ich bitte Sie daher, jetzt einen mutigen, sportlichen, konsequenten Schritt zu machen und dieser Mittelaufstockung heute zuzustimmen. Sport und Volksgesundheit, auch der Kinder und Jugendlichen, verdienen diesen Schritt.