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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2007-06-05

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2007-06-05

Wortprotokoll

Morgenstund hat Gold im Mund - das zumindest hoffe ich für die heutige Debatte der Formel-1-Autorennen in der Schweiz, denn den parlamentarischen Sündenfall bei den Formel-1-Autorennen müssen wir heute korrigieren. Die Debatte wird hoffentlich die Idee der Formel-1-Autorennen dorthin bringen, wo sie eben hingehört, nämlich zu den Hirngespinsten und Bubenträumen von gewissen Nationalräten.

Herr Giezendanner hat uns sein Anliegen immer damit begründet, dass das Verbot von Formel-1-Autorennen nicht mehr zeitgemäss sei. Ich stelle Ihnen eine Gegenfrage: Sind nicht vielmehr Formel-1-Autorennen in einer Zeit des erschreckenden Klimawandels generell nicht mehr zeitgemäss?

Ich möchte auf die jeweiligen Berichte des Bundesrates, des Seco und des Bundesamtes für Umwelt eingehen. Darin wurden die Gründe abgewogen, warum Formel-1-Autorennen in der Schweiz zugelassen werden sollten oder warum eben nicht. Stellen wir zuerst die Umwelt ins Zentrum, die auch die SVP-Seite - für mich sehr heuchlerisch - im Zusammenhang mit den Formel-1-Autorennen immer wieder aufs Tapet bringt. Beginnen wir beim Hauptthema, dem Klima. Niemand kann das wegdiskutieren: Ein Formel-1-Autorennen trägt seinen Teil zum CO2-Ausstoss bei, zum einen durch die Rennautos selber, zum anderen aber auch durch den zusätzlichen Autoverkehr, den solche Rennen nach sich ziehen. Es ja nicht so, dass dann niemand mehr ins Ausland fahren würde, um Formel-1-Autorennen anzuschauen, wenn wir in der Schweiz Formel-1-Autorennen zulassen würden. Formel-1-Autorennen würden einfach Mehrverkehr verursachen. Deshalb ist es hier heuchlerisch, den Umweltschutz zu bemühen.

Zum Zweiten: Formel-1-Autorennen stehen auch im Widerspruch zu unseren raumplanerischen Zielsetzungen. Eine Rundstrecke wie die bei Nürburg benötigt 20 Quadratkilometer Land. In einem Land, in dem jeden Tag in jeder Sekunde ein Quadratmeter Boden überbaut wird, haben Formel-1-Autorennen keinen Platz. In einem Land, das so dicht besiedelt ist wie die Schweiz, will doch niemand eine Rundstrecke vor seiner Haustüre.

Rundstreckenrennen verursachen einen tosenden Lärm. Sowohl die Rennautos wie auch der Zubringerverkehr verwandeln die Gegend rund um eine Rundstrecke in eine lärmige Hölle. Hier von Freiheit zu sprechen, Herr Füglistaller, das rührt mich ja fast. Wer hat dann die Freiheit? Wird da nicht die Freiheit der Bewohnerinnen und Bewohner durch eine unnötige Rennsportart aufs Spiel gesetzt?

Ich komme nun zu den wirtschaftlichen Argumenten im Bericht des Bundesrates. Es tönt geradezu absurd, wenn im Bericht festgehalten wird, Rundstreckenrennen hätten ein wirtschaftliches Potenzial. Ich bezweifle, dass eine Randregion mit einer Formel-1-Rundstrecke einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Hier geht es doch vielmehr um den Kult der Raserei. Eine Formel-1-Rennstrecke ist der Circus Maximus der Neuzeit. Vollends absurd wird die Analyse, wenn ernsthaft behauptet wird, Formel-1-Rennen hätten eine positive Auswirkung auf den Tourismus. Der Schweizer Tourismus lebt von der Schönheit und Ruhe seiner Landschaft - und nicht von lärmenden und stinkenden Benzinmotoren. Die Industrie in der Schweiz lebt von ihrem Know-how - und nicht von Rundstrecken. Bilden wir doch lieber Ingenieure aus, die Technologien für den ressourcenschonenden Einsatz von Energie entwickeln.

Werfen wir noch einen Blick über die Grenze. In Belgien machte man sich vor Kurzem mit dem Bau einer Formel-1-Strecke ähnliche Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung, wie das jetzt die Befürworter der parlamentarischen Initiative Giezendanner tun. Doch es kam nicht wie vermutet zu einem Geldsegen, sondern die Investitionen entpuppten sich schnell als Fass ohne Boden. Bewahren wir also die Schweizer Wirtschaft vor solchen Fehlinvestitionen. Die Welt hat nicht auf Rundstrecken in der Schweiz gewartet. Vielmehr haben die europäischen Strecken je länger, je mehr Mühe, sich in der internationalen Konkurrenz durchzusetzen.

Das Parlament hat mit dem Folgegeben gegenüber der parlamentarischen Initiative Giezendanner am 22. September 2004 einen Sündenfall begangen. Die Beratung in der Kommission hat kein einziges überzeugendes Argument für die Aufhebung des Verbotes gebracht. Ich hoffe, dass wir heute nach der Debatte sagen können: Viel Rauch um nichts!