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Tschäppät Alexander · Nationalrat · 2000-11-28

Tschäppät Alexander · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-11-28

Wortprotokoll

Ich möchte zuerst meine Interessenbindung bekannt geben: Ich bin Präsident von Cinesuisse. Das ist der Dachverband aller schweizerischen Filminteressierten und Filmbranchen. Ich möchte Sie im Namen der Vertreter all dieser Branchen - diese reichen von Trickfilmern über Techniker und Regisseure bis hin zu Kinobesitzern - dringend bitten, den Antrag der Minderheit Zuppiger abzulehnen und, wie von der grünen Fraktion beantragt, mindestens dem Bundesrat zuzustimmen.

Die Filmförderung in der Schweiz fristet im Gegensatz zu derjenigen vieler unserer Nachbarländer leider ein stiefmütterliches Dasein. Diese Länder haben längst begriffen, wie wichtig der Film bzw. die Filmproduktion sowohl kulturpolitisch als auch wirtschaftlich ist. Dänemark etwa steckt rund 70 Millionen Franken in die Filmproduktion. Ergebnis davon ist, dass dänische Filme weltweite Exportartikel sind. Sie sind auch ein Wirtschaftsfaktor geworden: 20 Prozent des Marktanteiles in Dänemark entfällt auf eigene Filme.

In der Schweiz bekommen Sie, wenn Sie einen Spielfilm machen, einen Beitrag von höchstens einer halben Million Franken vom Bund, dies bei steigenden Kosten. Die Filmförderung hat sich den Kosten nicht angepasst, sie bleibt bei dieser halben Million Franken. Was ist die Folge davon? Es gibt immer weniger Filme; die Qualität kann nicht gehalten werden, und die besten Filmer und Filmtechniker dieses Landes verlassen uns und suchen ihr Glück im Ausland.

Dem Film geht es in etwa ähnlich wie der Schweizer Landwirtschaft: Ohne Unterstützung des Bundes läuft nichts, aber dank dem Bund ist es möglich, Gelder von Privaten und Gelder aus der Wirtschaft zu generieren. So werden Produktionen und Koproduktionen erst möglich. Diese Produktionen sind besonders wichtig für ein Land, das vier Landessprachen hat, und wir sind auf Koproduktionen mit Deutschland, Frankreich und Italien angewiesen.

Die Bedeutung des Films nimmt sowohl kulturpolitisch als auch wirtschaftlich zu, wir erleben das alle. Wenn Sie in unsere Nachbarländer schauen und sehen würden, welch wichtige Bedeutung der Film als Imageträger eines Landes hat, würden Sie verstehen, dass es notwendig ist, dass auch wir unsere Filmproduktion stärken. Der Film kann ein Imageträger eines Landes und für ein Land von grösster Bedeutung sein, denken Sie nur etwa an "Cinema Paradiso" oder jetzt an die neuen kubanischen Filme. Er kann also im wahrsten Sinne des Wortes Botschafter eines Landes sein. Der Film ist auch ein sehr einfaches Kulturmittel im Austausch, zum Beispiel an Filmfestivals. Sie können einen Film mit ganz kleinem Aufwand problemlos in sehr vielen Länder vertreiben und so die Schweiz als Land auch vermarkten. Ein kleines Beispiel: "Die Salzmänner von Tibet", ein kleiner Dokumentarfilm aus der Schweiz, wurde an die Fernsehanstalten von über 70 Ländern verkauft.

Der Film ist eben auch ein wirtschaftlicher Faktor. Deshalb ist eine Investition in den Film nicht nur eine Investition in die Kultur, sondern eben auch in die Wirtschaft. Neueste Studien belegen, dass im Film angelegtes Geld gut angelegtes Geld ist. Bund und Kantone investieren zur Zeit rund 30 Millionen Franken in den Schweizer Film. Allein nur an Steuereinnahmen fliessen über 75 Millionen Franken zurück an die Subventionsgeber Bund, Kantone und Gemeinden.

Ich bitte Sie aus drei Gründen, der Erhöhung des Filmkredites zuzustimmen und den Antrag der Minderheit abzulehnen:

1. Diese Erhöhung ist für die Branche existenziell. Sie braucht das Geld dringend, wenn sie in ihrer Qualität nicht [PAGE 1257] noch weiter zurückschrauben soll, wenn nicht noch mehr Filmschaffende gezwungen werden sollen, das Land zu verlassen.

2. Wir brauchen die Erhöhung, um der Kulturszene eine Chance und einen notwendigen Impuls für Koproduktionen mit dem Ausland zu geben.

3. Geld für den Schweizer Film ist letztlich Geld für die Wirtschaft. Das Geld, das Sie hier beschliessen werden, wird sich als Katalysator erweisen und daher auch aus finanzpolitischen Gründen gut angelegtes Geld sein.

Ich möchte Sie dringend bitten, dem Bundesrat oder - wenn Sie nicht so bundesratsgläubig sind - mindestens der Kommissionsmehrheit zuzustimmen, in keinem Fall jedoch der Minderheit Zuppiger.