Widmer Hans · Nationalrat · 2007-06-21
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-06-21
Wortprotokoll
Wir unterstützen grossmehrheitlich die Mehrheit. Wir wollen, dass Bund und Kantone sich dafür einsetzen - so lautet die Bestimmung und nicht anders -, "dass als erste Fremdsprache eine Landessprache unterrichtet wird". Mit dieser Forderung bekennen wir uns gleichzeitig auch zur Mehrsprachigkeit, denn wir stehen dezidiert zum Englischen als zweiter Fremdsprache. Aber wir setzen eine klare Priorität bei der Landessprache. Dies tun wir, weil wir in einem Bundesgesetz ganz bewusst nationale Interessen in den Vordergrund stellen. Aus einer solchen [PAGE 1086] Perspektive heraus ist es völlig logisch, eine Landessprache als erste Fremdsprache zu bezeichnen.
Damit bringen wir zum Ausdruck, dass wir eine Sprachen- und Verständigungspolitik wollen, die es auch in einigen Jahren noch möglich machen soll, dass es in der mehrsprachigen Willensnation Schweiz über die Sprachregionen hinaus eine Verständigung in einer Landessprache gibt. Wir wollen mit dieser Priorisierung im Weiteren auch zum Ausdruck bringen, dass die Landessprachen etwas mit unserer Identität zu tun haben, und das wollen wir vom Bund aus garantieren. Das heisst aber nicht, dass wir uns dem Englischen oder später vielleicht einmal einer anderen international bedeutsamen Sprache verschliessen. Ihr Erlernen erfolgt einfach in der Zeitachse ein wenig später. Im Übrigen brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, dass die Leute zum Erlernen des Englischen nicht motiviert wären, denn die englischen Ausdrücke gelangen - vor allem in der deutschen Sprache - sehr früh in alle Kinder- und Schulzimmer hinein. Darüber brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.
Die Schweiz erfährt sich als Nation in der globalisierten Welt dann am besten, wenn sie beim Fremdsprachenerwerb die Landessprachen zeitlich favorisiert, um in einer zweiten Lernphase eine internationale Sprache zu fördern. Damit haben wir den Ausgleich zwischen der Tradition und der internationalen Vernetzung.
Ich bitte Sie: Denken Sie nicht nur zürcherisch oder ich weiss nicht wie; denken Sie daran, dass Sie jetzt im Nationalratssaal und nicht irgendwo in einem kantonalen Parlament sind.