Markwalder Bär Christa · Nationalrat · 2008-06-04
Markwalder Bär Christa · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2008-06-04
Wortprotokoll
Die Minderheit Hutter Jasmin - wir haben es eben gehört - will die Schaffung von Voraussetzungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Mittelstandes aus dem Legislaturprogramm kippen. Ja! Sie haben sich nicht verhört! Der Logik dieses Minderheitsantrages zufolge ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht zu verbessern; auch die Höhe der Kaufkraft und die Steuerbelastung des Mittelstandes scheinen dieser Minderheit egal zu sein. Die Streichung dieses Ziels, das alle erwerbstätigen Eltern in diesem Land betrifft, wäre nicht nur eine Provokation, sondern ein Affront gegenüber all jenen, die täglich erfahren, wie schwierig es ist, hierzulande die Betreuung von Kindern mit der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit zu koordinieren.
Wir konnten in den letzten Jahren die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schrittchenweise verbessern, zum Beispiel mit der Einführung von Blockzeiten in den Schulen oder mit einem breiteren Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung. Diese Massnahmen müssen weitergeführt und ausgedehnt werden, und zwar aus folgenden drei Überlegungen:
1. Die Demografie: Wir wissen alle, in welche Richtung der demografische Trend in der Schweiz geht: höhere Lebenserwartung, tiefere Geburtenrate und demzufolge eine wachsende Zahl an älteren Menschen in unserer Gesellschaft im Verhältnis zur Anzahl Erwerbstätiger. Diese Entwicklung bringt die AHV auf Dauer in Schieflage, weshalb wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unbedingt fördern müssen.
2. Die Volkswirtschaft: In der Schweiz sind mehr als 71 Prozent der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstätig. Unsere Wirtschaft ist auf qualifizierte Leute angewiesen. Frauen in der Schweiz haben sehr gute Qualifikationen. An den Hochschulen beträgt der Frauenanteil mittlerweile über 50 Prozent. Wenn wir das Potenzial dieser hochqualifizierten Frauen nicht mehr nutzen, sobald sie Mütter werden, erweisen wir unserer Volkswirtschaft einen Bärendienst.
3. Die Gesellschaft: Unsere Gesellschaft hat sich dahingehend entwickelt, dass selbstgewählte Lebensformen möglich und bestimmte Rollenmodelle nicht mehr zementiert sind. Patchworkfamilien und Alleinerziehende machen einen bedeutenden Teil unserer Gesellschaft aus, dem wir auch gerecht werden sollten.
Wir wissen, dass fast die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter bis zur 6. Klasse über Mittag oder in ihrer Freizeit unbetreut und unbeaufsichtigt ist. Genau dies schafft neue gesellschaftliche Probleme, sofern wir die Situation für die erwerbstätigen Eltern nicht verbessern.
Deshalb bitte ich Sie: Stimmen Sie der Mehrheit zu, und lehnen Sie den Antrag der Minderheit Hutter Jasmin ab.