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Aebi Andreas · Nationalrat · 2008-06-12

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2008-06-12

Wortprotokoll

Unsere Landwirtschaft und die Landwirtschaft dieser Welt haben sich in den letzten zwanzig Jahren gewaltig verändert. Während die Entwicklungsländer immer mehr von Agrarmultis dominiert werden und die kleinbäuerliche Landwirtschaft an den Rand gedrängt wird, kauft z. B. die Volksrepublik China neuerdings in Afrika und auch in Südamerika fruchtbares Land im grossen Stil, um die eigene Bevölkerung in China ernähren zu können. Die schweizerische Landwirtschaft ist in dieser Zeit, und das darf ich als Landwirt mit grosser Überzeugung behaupten, ökologischer geworden, ich denke hier an die Ausgleichsflächen. Sie ist auch tiergerechter geworden; ich denke an den Tierschutz, an das Tierschutzgesetz, und auch an die damit zusammenhängende Kontrolle, die nötig ist und nicht immer nur Schönes an den Tag bringt. Aber mit all den Auflagen ist unsere Landwirtschaft auch teurer geworden.

Unserem Land ist es bis heute gelungen, eine multifunktionale und vielseitige Landwirtschaft zu erhalten und zu unterstützen, welche unsere schöne Landschaft pflegt und gesunde Lebensmittel produziert, wenn auch, vom Selbstversorgungsgrad her, auf tieferem Niveau. Hierfür gebührt auch mein grosser Dank an Sie alle für Ihre Unterstützung unserer selbstständigen Landwirtschaft. Es geht um die Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität, ja die Sicherheit bei gestörten Zufuhren, die heute nicht mehr auf kriegerische Auseinandersetzungen zurückzuführen sind, sondern auf die schwache Weltproduktion wegen besserer Ernährung z. B. in China und Pakistan. Ich bin dankbar, dass wir das alles aufrechterhalten können.

Mir sind hierzu drei Gründe wichtig: Wie bereits Kollega Zemp gesagt hat, darf unsere Landwirtschaft in der landwirtschaftlichen Hochschulbildung nicht noch mehr ins Hintertreffen geraten. In den letzten Jahren wurden [PAGE 927] landwirtschaftliche Professuren an der ETH Zürich stetig abgebaut. Es ist zum Beispiel für uns Viehzüchter kaum mehr möglich, junge Forscher für Zuchtwertberechnungen zu erhalten, weil es offensichtlich nicht mehr aktuell und nötig ist, Nutztierwissenschaften zu unterrichten. Ich frage mich auch, wo wir all die Forscher und Berater hernehmen wollen, welche der FAO in Rom versprochen wurden. Was Gatt und WTO anbelangt, wurde immer gesagt: Die Landwirtschaft, die Landwirtschaft - wir brauchen die WTO! Aber heute sind wir so weit, dass wir uns anscheinend mit der Landwirtschaft einig wären; aber was macht die Industrie? Muss die Landwirtschaft auf die Industrie warten? Können wir beides miteinander verbinden oder nicht? Ich glaube, eher nicht.

Ein letzter Punkt: Ernährung geht uns alle etwas an. Ernährungssouveränität ist mehr als Links-rechts-Politik. Eine eigene landwirtschaftliche Versorgung zu haben ist kein wirtschaftlicher, sondern immer ein politischer Entscheid. Mir ist auch klar, dass wir bei der Banken- und der Pharmaindustrie mehr Wertschöpfung hätten als bei der Lebensmittelproduktion. Die Einberufung dieser Sonderdebatte zeigt, dass wir alle gewillt sind, eine eigene Landwirtschaft zu haben und gemeinsam etwas gegen den Hunger auf dieser Welt zu tun. Dazu wünsche ich uns allen viel Weitsicht und Durchblick, denn die nächsten Jahre werden uns in dieser Hinsicht sehr fordern.

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