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Schenker Silvia · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2008-03-17

Wortprotokoll

Immer wieder wird als Gegenargument zur Initiative ins Feld geführt, der Arbeitsmarkt brauche die älteren Arbeitnehmenden und es sei falsch, mit guten materiellen Bedingungen falsche Anreize für eine vorzeitige Pensionierung zu setzen. Ich wende mich darum direkt an die Arbeitgebenden und fordere sie auf: Setzen Sie andere Anreize! Gehen Sie mit Ihren Arbeitnehmenden so um, dass diese gerne bis zum 65. Altersjahr oder noch darüber hinaus arbeiten! Stellen Sie ältere Arbeitnehmende an, wenn sich solche bei Ihnen bewerben, und gehen Sie auf die Bedürfnisse der älteren Arbeitnehmenden ein! Dann werden nur wenige von der Möglichkeit eines vorzeitigen Rückzugs aus dem Arbeitsleben Gebrauch machen. Dann ist die Lösung, wie sie die Initiative vorschlägt, problemlos finanzierbar.

Die reale Arbeitswelt ist jedoch eine andere: Ältere Arbeitnehmende fühlen sich an den wenigsten Orten wirklich willkommen, und ältere Arbeitnehmende ziehen sich, wenn sie es sich leisten können, gerne vor 65 aus dem Arbeitsleben zurück. Das Bundesamt für Statistik hat kürzlich eine Untersuchung mit dem Titel "Erwerbstätigkeit der Personen ab 50 Jahren" publiziert. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Fakt ist, dass sich heute etwa 20 Prozent der Beschäftigten vorzeitig pensionieren lassen. Heute sind es vorwiegend Männer, mehrheitlich Beschäftigte in den Branchen Kredit- und Versicherungswesen, Verkehr und Nachrichtenübermittlung und in der öffentlichen Verwaltung, die sich vorzeitig pensionieren lassen. Dazu kommt, dass es bei den Personen, die vor dem gesetzlichen Rentenalter in den Ruhestand treten, einen Überhang von Arbeitnehmenden mit Vorgesetztenfunktionen gibt und von solchen, die in Unternehmensleitungen sind. Wenn Sie sich bei den Arbeitnehmenden umhören, sei dies nun im Verkauf, im Gastgewerbe oder zum Beispiel, wie ich es an meinem Arbeitsplatz tun kann, beim Pflegepersonal, dann wird Ihnen sehr schnell klar, dass auch in diesen Branchen und auch bei Personen, die nicht in Kaderfunktionen sind, der Wunsch nach vorzeitiger Pensionierung sehr gross ist.

Es ist nun mal so: Viele Menschen sind am Ende ihres Arbeitslebens gesundheitlich angeschlagen. Viele Arbeitnehmende haben zudem auch psychische Probleme; jahrelanger Druck, jahrelange Belastungen durch immer neue Anforderungen zollen ihren Tribut. Wir wissen, dass viele Betriebe deshalb ihre Angestellten ein paar Jahre vor der Pensionierung bei der Invalidenversicherung anmeldeten. So konnten die Arbeitgebenden dem Vorwurf entgehen, dass sie sich langjähriger Mitarbeitender durch Entlassung entledigt hätten. Die Invalidenversicherung weigert sich je länger, je mehr, in solchen Situationen in die Lücke zu springen. Richtiger ist es in der Tat, allen Arbeitnehmenden zu ermöglichen, sich in Würde und unter materiell günstigen Bedingungen aus dem Arbeitsleben zurückzuziehen. Die Initiative "für ein flexibles AHV-Alter" schafft diese Voraussetzungen.