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Schenk Simon · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2008-09-30

Wortprotokoll

Im Namen der SVP-Fraktion bitte ich Sie, die Anträge der beiden Minderheiten I (Gilli) und II (Neirynck) abzulehnen. Dem Antrag Bortoluzzi werden wir zustimmen, ich werde am Schluss meiner Ausführungen begründen, weshalb.

Es wäre finanzpolitisch unvernünftig, wenn der Bund die berufliche Vorsorge der Kulturschaffenden regeln würde, so, wie das hier vorgeschlagen wird, weil dies massive Mehrausgaben zur Folge hätte. Wir appellieren an die Eigenverantwortung und lehnen die Ausweitung auch deshalb ab, weil es zu Ungerechtigkeiten führen würde. Bei den Beratungen in der Kommission ist in diesem Zusammenhang immer wieder der Sport zum Vergleich hinzugezogen worden. Es gab sogar Voten, in denen Roger Federer, Marc Streit und andere Sportler im gleichen Satz mit Pippilotti Rist und Thomas Hirschhorn erwähnt wurden. Dagegen wehre ich mich, weil das nicht vergleichbar ist.

Das Problem sind sowohl im Sport wie bei den Kulturschaffenden nicht die Spitzenleute, sondern die jungen, wahrscheinlich talentierten und hoffnungsvollen Nachwuchsleute, die das Hobby zum Beruf machen wollen. Im Sport kann auch nicht jeder sein Hobby zum Beruf machen, das gelingt nur wenigen. Ich kenne das Problem von meiner Arbeit als Sportchef einer Eishockeymannschaft. Wir haben bei den GCK Lions eine Nationalliga-B-Mannschaft mit mehrheitlich jungen, talentierten Eishockeyspielern, die in einer Berufslehre sind, vielleicht in der privaten Minerva-Schule Unterricht haben oder die ihre Ausbildung am K+S-Gymnasium oder an einer öffentlichen Schule machen. Die Dreifachbelastung - Sport, Ausbildung, Privatleben - ist für die jungen Spieler eine grosse Herausforderung und Belastung. Nach dem Abschluss der beruflichen Ausbildung haben alle diese Spieler den gleichen Wunsch: Sie wollen Berufsspieler werden. Da wäre es natürlich auch ihnen willkommen, wenn der Staat die berufliche Vorsorge sichern würde.

Die grössten Talente schaffen den Sprung ins Berufssportlerleben, vielleicht sogar mit einem gutdotierten Vertrag. Für diejenigen, die das nicht schaffen, besteht genau das gleiche Problem, wie wir es hier für die Kulturschaffenden lösen möchten. Im Sport sucht man als Clubverantwortlicher zusammen mit dem Sportler nach einer vernünftigen, massgeschneiderten Lösung. Diese Lösung muss auf das Profil des Sportlers zugeschnitten sein. Es darf nicht sein, dass bei Kulturschaffenden und Sportlern betreffend berufliche Vorsorge andere Gesetze gelten. Ich akzeptiere es, dass für den Sportler, unterstützt von Club oder Verband, die Eigeninitiative an erster Stelle steht, und erwarte, dass das weiterhin auch für Kulturschaffende gilt.

Jetzt noch ein paar Bemerkungen zum Antrag Bortoluzzi: Im Gegensatz zu den zwei Minderheitsanträgen auf der Fahne hätte er keine Mehrkosten zur Folge, weil ein Teil der Bundesleistungen in die berufliche Vorsorge fliessen würde. Falls dies ohne grösseren administrativen Aufwand umgesetzt werden könnte, wäre das ein gangbarer Weg. Nicht zuletzt könnten wir, wenn wir diesen Antrag unterstützen, am Schluss dann auch auf die Kommissionsmotion in dieser Angelegenheit verzichten.

Ich bitte Sie im Namen der SVP-Fraktion, die beiden Minderheitsanträge auf der Fahne abzulehnen und dem Antrag Bortoluzzi zuzustimmen.

Schenk Simon · Nationalrat · 2008-09-30 | Lexipedia | Lexipedia