Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-03-04
Wortprotokoll
1. Im Evangelium ist vorgesehen, dass dem Herrn das gehört, was dem Herrn zukommt, und dem Caesar, was des Caesaren ist. Diese Trennung wurde also von vornherein vorgesehen. Das ist in der Basis so angelegt.
2. Durch die Aufklärung haben wir die Tendenz zur Theokratie, die in Europa vorherrschte, infrage gestellt. Seither ist es ganz klar, dass die religiösen Aspekte von den rein zivilstaatlichen Aspekten getrennt sind. Wir können uns natürlich nicht unbedingt und hundertprozentig so schnell von einer so langen kulturellen Tradition loslösen, aber ich glaube, die Trennung ist doch ziemlich gut verwirklicht. Es würde heute niemandem einfallen, im Namen der katholischen Religion beispielsweise das Handabhacken oder das Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn", wie es im Alten Testament steht, zu fordern. Ich kenne heute im christlichen Bereich keine solche Forderung. Zudem haben wir immer noch dieses unglaubliche Primat der Nächstenliebe. Im Koran findet das Konzept der Liebe nur in drei Prozent der Suren seinen Niederschlag. Da gibt es doch eigentlich sehr starke Unterschiede.