Widmer-Schlumpf Eveline · Bundesrat · Graubünden · 2009-03-16
Wortprotokoll
Vorerst herzlichen Dank für Ihren Glückwunsch!
Zur Frage: Migranten wählen in der Regel ein Zielland, das möglichst direkt auf der von ihnen gewählten Migrationsroute liegt und in dem bereits eine nennenswerte Anzahl Landsleute lebt. Eritreische Asylsuchende können in der Schweiz auf ein bestehendes Netzwerk zählen, das ihnen in Österreich fehlen würde. In der Schweiz leben derzeit rund 6400 Eritreer, in Grossbritannien sogar gegen 20 000. Ende 2008 befanden sich 3956 der 6400 Eritreer in der Schweiz im Asylverfahren. Die Schweiz liegt zudem, im Gegensatz zu Österreich, geografisch in unmittelbarer Nähe zur Hauptwanderungsroute eritreischer Migranten, die sich nach Grossbritannien und Skandinavien begeben.
Die eritreische Diaspora in Österreich ist mit weniger als 100 Personen unbedeutend. Die Asylpraxis Österreichs gegenüber Eritreern entspricht grundsätzlich derjenigen der Schweiz, somit sind die unterschiedlichen Gesuchszahlen in Österreich und der Schweiz nicht auf die Schweizer Asylpraxis zurückzuführen. Hingegen führt Österreichs Nähe zu Osteuropa dazu, dass es vorzugsweise von russischen Asylsuchenden meist tschetschenischer Ethnie als Zielland gewählt wird. Die russische Diaspora ist in Österreich mit rund 25 000 Personen fast dreimal so gross wie jene in der Schweiz. Zudem ist der Anteil der Tschetschenen an der russischen Diaspora in Österreich wesentlich höher als in der Schweiz. Im Jahr 2008 stellten in Österreich 3436 russische Staatsangehörige ein Asylgesuch, in der Schweiz hingegen waren es nur 208.