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Schweiger Rolf · Ständerat · Zug · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2009-03-10

Wortprotokoll

Im ersten Satz hat Frau Kollegin Sommaruga gesagt, dass der Bundesrat heute wohl nicht mehr das Gleiche schreiben würde, nachdem die Finanzkrise gezeigt habe, was Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen angestellt haben. Weiter wurde von der schädlichen Spirale gesprochen. Es ist mir durchaus bewusst, dass es wenig charmant ist, über Aspekte des Finanzplatzes zu sprechen, die derzeit keine Gunst geniessen. Aber ich glaube, wir müssen uns doch bewusst sein, dass Pauschalierungen bezüglich bestimmter Institutionen und bestimmter Formen nicht richtig sind.

Ich möchte das anhand des Beispiels von Private-Equity-Firmen zeigen - ich werde nicht lange ausholen. Zufälligerweise kenne ich die Partners Group, welche im Kanton Zug tätig ist und Private Equity betreibt. Private Equity ist meines Erachtens etwas vom Vernünftigsten, was es in der Finanzwirtschaft überhaupt geben kann. Selbstverständlich sind auch bei Private-Equity-Firmen Situationen und Vorgehensweisen möglich, die schädlich sind. Eine gut geführte Private Equity liegt vor allem im Interesse derjenigen Staaten, die selbst Leute haben - oder solche vom Ausland rekrutieren können -, die ein erhebliches Know-how in der Betreuung von Firmen und Personen besitzen.

Private Equity ist Folgendes: Private Equity ist der Versuch und das Bemühen, Leuten zu helfen, die in einer bestimmten Art und Weise auf einem bestimmten Gebiet etwas Hervorragendes hervorbringen. Ein ganz einfaches Beispiel: Wenn Sie skifahren und dabei eine bestimmte Art von Unterwäsche tragen, bleiben Sie relativ trocken, und zwar deshalb, weil einerseits der Schweiss absorbiert wird und andererseits die Kälte nicht hereindringt. Die Erfindung dieser Textilie wurde in Skandinavien gemacht. Es gelang aber nicht, diese Unterwäsche gross in die Wirtschaft zu bringen. Da hat sich eine Private-Equity-Firma gesagt: Diese Erfindung ist an sich etwas Fantastisches. Und sie hat sich gesagt: Wir sind bereit, diese Leute während einer Dauer von mindestens zehn Jahren zu begleiten und zu finanzieren. Das wurde getan.

Während dieser vier Jahre wurden Leute rekrutiert, die dank dem Erfahrungsschatz dieser Private-Equity-Firma überhaupt ermittelt werden konnten, dies wegen deren Kenntnisse über den weltweit bestehenden Personalmarkt. Insgesamt viermal während dieser zehnjährigen Phase musste die begleitete Gesellschaft vor dem Ruin gerettet werden. Da wurden Millionen, eine zweistellige, fast eine dreistellige Zahl an Millionen investiert. Nach zehn Jahren hatte diese Gesellschaft Erfolg. Sie beherrscht heute im Bereich der von mir geschilderten Unterwäsche einen weiten Teil des Weltmarktes. Gäbe es nun diese Firmen nicht, würde es kritisch.

Nun ist die Situation so: Eine Private-Equity-Firma kann sich nicht nur an einer Gesellschaft beteiligen, nein, sie muss versuchen, eine möglichst grosse Zahl von Gesellschaften auf verschiedenen Gebieten zu begleiten, zu finanzieren, aufs Management Einfluss zu nehmen oder es sogar selbst zu betreiben. Der Grund ist ganz einfach: Wenn Sie bereit sind, zehn Firmen auf diese Art und Weise zu unterstützen, müssen Sie damit rechnen, dass sieben Firmen vielleicht nicht reüssieren, dass aber drei Firmen reüssieren könnten. Die Chance dieser drei Firmen ist notwendig, um in einer grossen Breite finanzieren zu können.

Wäre diese Art und Weise des Finanzgeschehens nicht mehr möglich und müsste sich das Finanzgeschehen in Zukunft auf das traditionelle Finanzverwaltungsgeschäft beziehen, also auf das Halten von Aktien von Gesellschaften, denen es an sich schon gut geht, auf die Verwaltung von Obligationen, die von Gesellschaften herausgegeben werden, denen es an sich schon optimal geht, dann ist etwas in der Wirtschaft nicht mehr gewährleistet, nämlich der Forschritt auch von denen, die in einem kleinen Bereich anfangen, die risikoreich anfangen. Wenn wir im Finanzgeschehen nicht mehr bereit sind, Risiken zu tragen, dann ist etwas nicht mehr gut. Darum wehre ich mich im Bewusstsein, dass ich heute gegen sämtliche Ströme schwimme, dass man gewisse Dinge wie Hedge-Fonds und Private Equity so darstellt, als ob sie abgeschafft werden sollten. Das wäre allerdings eine Katastrophe.