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Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · 2009-05-27

Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2009-05-27

Wortprotokoll

Alkohol ist ein Suchtmittel, welches, wie alle anderen Suchtmittel, bei übermässigem Konsum zu massiven Problemen führt. Viele Autounfälle und Gewalttaten ereignen sich unter dem Einfluss von Alkohol, auch häusliche Gewalt ist davon betroffen. Bund und Kantone geben darum Millionen von Franken für Präventionskampagnen aus. Ziel ist, vor allem Jugendliche auf die Gefahren des Alkohols aufmerksam zu machen. Dies ist insbesondere nötig, weil das Durchschnittsalter des ersten Alkoholkonsums in den letzten Jahren stetig sank.

Die Alkoholwerbung auf Plakaten und in Printmedien läuft diesen Bemühungen entgegen. Bisher herrschte Konsens darüber, dass wenigstens in Fernsehen und Radio Alkohol- wie auch Tabakwerbung verboten sein sollen. Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Sowohl der Ständerat wie auch die Aussenpolitische Kommission wollen ebenfalls daran festhalten.

Werbung wirkt. Wer sich Schoggiwerbung anschaut, hat Lust auf Schoggi. Wer mit Alkoholwerbung konfrontiert wird, bekommt Lust auf ein Glas Wein oder ein Bier. Jährlich werden schweizweit Milliarden von Franken für Werbung ausgegeben. Die betreffenden Firmen machen dies nicht, um die Medien finanziell zu unterstützen, sondern weil damit neue Kunden erreicht werden oder bisherige nicht verlorengehen sollen. Insbesondere Werbung, welche mit Ton und bewegtem Bild arbeitet, ist wirksam. Es werden damit nicht nur Fakten übermittelt. Man möchte ein Lebensgefühl suggerieren. Besonders Kinder und Jugendliche sind sehr empfänglich für solche Botschaften. Ziel der Werbung ist es, das Produkt mit einem Gefühl zu verbinden. Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass Alkoholfirmen bei der Werbung ihr Produkt mit Gewalt, Arbeitslosigkeit und Stress in Verbindung bringen. Sie werden wie alle anderen Werber den Konsum ihres Produktes mit Wohlgefühlen koppeln und damit Jugendliche und Erwachsene zum Kauf verlocken. Das ist ja auch der Sinn der Werbung.

In unserer Kommission wurde erklärt, dass man angesichts der unbeschränkten Möglichkeiten des Fernsehkonsums auf verschiedenen Sendern mit Alkoholwerbung konfrontiert wird. Tatsache ist: Der weitaus grösste Teil der Schweizerinnen und Schweizer schaut Sendungen von Sendern mit Schweizer Fenstern wie Sat1, Pro7 und DRS an. Ausländische Fernsehsender stellen eher einen kleinen Teil dar. Zudem kennen auch Nachbarländer wie Italien, Österreich und Frankreich das Werbeverbot für Alkohol.

Eine Lockerung des Verbotes wäre also ein Rückschlag für die Prävention. Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche sehr viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, auch zu Zeiten, in denen der Inhalt der Sendungen nicht unbedingt für sie bestimmt ist. Werbung prägt sich über Jahre ins Bewusstsein ein. Auch Sie hier im Saal können sich sicher noch an die Knorrli-Werbung erinnern, welche vor über vierzig Jahren im Fernsehern zu sehen war. Werbung allgemein, doch vor allem Fernsehwerbung wirkt nachhaltig und ist darum bei Suchtmitteln zu verbieten.

Sie haben einen Brief des Schweizerischen Städteverbandes erhalten. Warum setzt sich ausgerechnet der Städteverband für das Beibehalten des Verbots ein? Weil Städte und auch kleinere Gemeinden die Auswirkung des Alkoholkonsums hautnah miterleben und mit unterschiedlichen Massnahmen versuchen, den übermässigen Konsum einzudämmen. Eine Lockerung des heutigen Verbots hätte unabsehbare Auswirkungen und würde eine Erhöhung der Präventionskosten nach sich ziehen.

Wir Grünen bitten Sie darum, den Antrag der Minderheit Fehr Jacqueline zu unterstützen.