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Unentgeltliche Prozessführung

AA090061 · Kassationsgericht Zürich

Dals 2 zercl. 2009

https://lexipedia.io/rm/docs/ch-zh/kassationsgericht/aa090061/de/unentgeltliche-prozessfuhrung

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Funtauna

Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

AA090061

Unentgeltliche Prozessführung

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AA090061/U/la

Mitwirkende: die Kassationsrichter Moritz Kuhn, Präsident, Paul Baumgartner, die Kassationsrichterin Yvona Griesser, die Kassationsrichter Reinhard Oertli und Georg Naegeli sowie der juristische Sekretär Jürg-Christian Hürlimann

Zirkulationsbeschluss vom 2. Juni 2009

in Sachen U, …, Kläger und Beschwerdeführer vertreten durch Rechtsanwalt …

gegen

F GmbH, …, Beklagte und Beschwerdegegnerin vertreten durch Rechtsanwalt …

betreffend Domain

Nichtigkeitsbeschwerde gegen einen Beschluss des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 5. Mai 2008 (HG070312/U/ei) (Rückweisung durch das Schweizerische Bundesgericht)

Erwägungen

1. Mit Eingabe vom 11. Dezember 2007 erhob der Beschwerdeführer beim Han- delsgericht Klage sinngemäss auf Feststellung seines Besitzes an der Internet- Domain "f.ch" (HG act. 1). Das Handelsgericht wies mit Beschluss vom 20. März 2008 ein Begehren des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und setzte ihm eine Frist bis 16. April 2008 an, um eine Pro- zesskaution von Fr. 10'600.-- zu leisten, mit der Androhung, dass bei Säumnis auf die Klage nicht eingetreten werde (HG act. 11 = KG AA080098 act. 3/4). Dieser Beschluss wurde dem Beschwerdeführer am 28. März 2008 zugestellt (HG act. 12) und blieb unangefochten. Der Beschwerdeführer leistete innert Frist die ihm auferlegte Prozesskaution nicht. Mit Beschluss vom 5. Mai 2008 trat das Han- delsgericht androhungsgemäss auf die Klage nicht ein (HG act. 14 = KG

Mit Eingabe vom 4. Juni 2008 erhob der Beschwerdeführer Nichtigkeitsbeschwer- de beim Kassationsgericht mit den Anträgen, (1) es sei das Verfahren bis zum Vorliegen eines Entscheids des Instituts für geistiges Eigentum bezüglich des Markenschutzes der Marke "f.ch" zu sistieren, (2) wenn das Bundesamt die Marke unter Schutz stelle, sei die Sache durch das Handelsgericht nochmals zu beurtei- len bzw. sei dem Beschwerdeführer nochmals Frist zur Einreichung einer "rechts- genügenden Klageschrift" anzusetzen, (3) es habe in jedem Fall eine Neubeurtei- lung unter Berücksichtigung von BGE 125 III 91 zu erfolgen, (4) es sei der Ent- scheid der WIPO (Expertenentscheid des WIPO Arbitration and Mediation Center vom 16. November 2007, HG act. 10/1 = KG act. 3/2 [WIPO = World Intellectual Properity Organization]) unter Berücksichtigung des Markenschutzgesetzes zu beurteilen und aufzuheben, (5) und es sei das Begehren um unentgeltliche Pro- zessführung unter Berücksichtigung der vorgebrachten Argumente neu zu beur- teilen (KG AA080098 act. 1).

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Oktober 2008 Abweisung der Nichtigkeitsbeschwerde (KG AA080098 act. 15). Das Han- delsgericht verzichtete auf Vernehmlassung (KG AA080098 act. 14).

2. Mit Beschluss vom 10. November 2008 wies das Kassationsgericht die vorlie- Ein Richter gab seine abweichende Meinung - Antrag auf Gutheissung der Nich- tigkeitsbeschwerde - zu Protokoll (KG AA080098 act. 21). Der Beschwerdeführer erhob gegen den genannten Beschluss des Kassationsgerichts Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht.

Das Bundesgericht (I. zivilrechtliche Abteilung) hiess mit Urteil vom 14. April 2009 diese Beschwerde gut, hob den Beschluss des Kassationsgerichts vom 10. No- vember 2008 auf und wies die Sache an das Kassationsgericht zurück (KG AA090061 act. 1). Es hielt zusammenfassend fest, das Kassationsgericht habe Art. 29 Abs. 3 BV verletzt, indem es den Nichteintretensentscheid des Handelsge- richts, welches die Klage zu Unrecht als aussichtslos qualifiziert habe, geschützt habe. Das Kassationsgericht hätte diesen Entscheid vielmehr aufheben müssen, so dass das Handelsgericht nach Beurteilung der Bedürftigkeit des Beschwerde- führers über dessen Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege neu entscheide (KG AA090061 act. 1 S. 7 oben).

Die Anweisung des Bundesgerichts an das Kassationsgericht ist klar und für die- ses verbindlich: in Gutheissung der Nichtigkeitsbeschwerde sind der Nichteintre- tensbeschluss des Handelsgerichts vom 5. Mai 2008 und der vorangegangene Beschluss vom 20. März 2008, mit welchem dem Beschwerdeführer die unent- geltliche Prozessführung verweigert wurde, aufzuheben. Die Sache ist zur Neu- beurteilung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung an das Handelsge- richt und zur entsprechenden Fortsetzung des Verfahrens zurückzuweisen. Für die nähere Begründung kann auf die Erwägungen des Bundesgerichts verwiesen werden.

3. Ausgangsgemäss wird die Beschwerdegegnerin für das Kassationsverfahren kosten- und entschädigungspflichtig (§ 64 Abs. 2 ZPO, § 68 Abs. 1 ZPO). Bei der Bemessung der Prozessentschädigung ist zu berücksichtigen, dass der Be- schwerdeführer erst ab dem bundesgerichtlichen Verfahren anwaltlich vertreten ist, dies also bei Erhebung und Begründung der heute gutzuheissenden Nichtig- keitsbeschwerde noch nicht war. Die Entschädigung ist deshalb nicht nach den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung zu bemessen.

Dispositiv

1. In Gutheissung der Beschwerde werden die Beschlüsse des Handelsge- richts des Kantons Zürich vom 20. März 2008 und vom 5. Mai 2008 aufge- hoben und es wird die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf Fr. 2'900.--.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens werden der Beschwerdegegnerin auf- erlegt.

4. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer für das Kassationsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 500.-- zu entrich- ten.

5. Gegen diesen Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 90 ff. BGG innert 30 Tagen nach dessen Empfang schriftlich durch eine Art. 42 BGG entsprechende Eingabe Beschwerde gemäss Art. 72 ff. BGG an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, erhoben werden. Der Streitwert beträgt Fr. 100'000.--.

Hinsichtlich des Fristenlaufes gelten die Art. 44 ff. BGG.

6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an das Handelsgericht des Kantons Zürich und die SWITCH (Serving Swiss Universities), je gegen Empfangs- schein. KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH Der juristische Sekretär:

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Lescha federala davart il Tribunal federal*, Art. 42, Art. 44, Art. 72 und Art. 90 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2009; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. April 2011, 5. Dezember 2011, 1. Januar 2012, 1. April 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 1. Februar 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. August 2014, 1. November 2015, 1. Januar 2016, 1. Januar 2017, 1. April 2017, 1. Juni 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2024, 1. Februar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. April 2026 und 13. Mai 2026 erneut konsolidiert.
  • Constituziun federala da la Confederaziun svizra, Art. 29 — gelesen in der Fassung vom 17. Mai 2009; der Erlass wurde am 27. September 2009, 29. November 2009, 7. März 2010, 28. November 2010, 1. Januar 2011, 11. März 2012, 23. September 2012, 3. März 2013, 9. Februar 2014, 18. Mai 2014, 14. Juni 2015, 1. Januar 2016, 12. Februar 2017, 24. September 2017, 1. Januar 2018, 23. September 2018, 1. Januar 2020, 1. Januar 2021, 7. März 2021, 28. November 2021, 13. Februar 2022, 1. Januar 2024 und 3. März 2024 erneut konsolidiert.
  • Cudesch da procedura civila svizzer, Art. 64 und Art. 68 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2007; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2014, 1. Januar 2016, 1. Januar 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2020, 1. Juli 2020, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2025 und 1. Juli 2026 erneut konsolidiert.