721.1.11

Beschluss betreffend den Schutz der freiburgischen Tier- und Pflanzenwelt

vom 12.03.1973 (Fassung in Kraft getreten am 01.07.2014)

Der Staatsrat des Kantons Freiburg

gestützt auf das Bundesgesetz vom 10. Juni 1925 über Jagd und Vogelschutz, abgeändert am 23. März 1962;

gestützt auf das Jagdgesetz vom 7. Februar 1951, abgeändert am 4. Februar 1959;

gestützt auf die alle zwei Jahre erlassene Vollziehungsverordnung zum genannten Gesetz;

gestützt auf das Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz sowie dessen Vollziehungsverordnung vom 27. Dezember 1966;

gestützt auf die kantonale Vollziehungsverordnung vom 2. Juli 1968 zum genannten Bundesgesetz;

gestützt auf die Artikel 281 und 282 des kantonalen Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch;

gestützt auf das Gutachten der kantonalen Natur- und Heimatschutzkommission;

auf den Antrag der Landwirtschafts-, Polizei- und Militärdirektion,

beschliesst:

Art. 1 Geschützte Tiere

Die nachstehenden Tierarten sind geschützt:

  • a) kraft der eidgenössischen Jagdgesetzgebung:

  • 1. das Steinwild;

  • 2. die Hirschkälber, die Reh- und die Gemskitzen, die Wildschwein-Frischlinge (solange sie saugen) und die sie begleitenden Muttertiere (solange sie säugen);

  • 3. die Murmeltierkätzchen;

  • 4. das Auerwild;

  • 5. der Bär, der Luchs, die Wildkatze, der Fischotter, der Biber und der Igel;

  • 6. alle in der Schweiz wild lebenden Vögel, die nicht jagdbar sind,

  • b) kraft der eidgenössischen Gesetzgebung über den Natur- und Heimatschutz:

  • 1. alle Fledermäuse;

  • 2. alle Kriechtiere (Schlangen, Eidechsen, Blindschleichen, die europäische Sumpfschildkröte);

  • 3. alle Lurche (Frösche, Kröten, Salamander, Molche);

  • 4. die Gruppe der roten Waldameisen,

  • c) kraft der kantonalen Jagdgesetzgebung:

  • 1. der Hirsch;

  • 2. das Schneehuhn, das Steinhuhn, das Haselhuhn, die Henne des Birkhahns, das Rackelhuhn, der Wachtelkönig;

  • 3. die Weinbergschnecke (gemäss Staatsratsbeschluss vom 21. März 1972);

  • 4. gewisse Tierarten, die durch die alle zwei Jahre erlassene Jagdverordnung entweder im ganzen Kanton oder in bestimmten Gegenden geschützt sind.

Art. 2 Vollständig geschützte Pflanzen

Die Pflanzen folgender Arten dürfen weder ausgerissen noch gepflückt werden (einschliesslich Knospen, Blüten, Früchte oder Samen):

  • 1. Androsace – Mannsschild (alle Arten)

  • 2. Artemisia Murtellina – Edelraute, Silber-

  • 3. Clematis alpina – Alpenwaldrebe

  • 4. Cyclamen purpurascens – Alpenveilchen, gewöhnliches

  • 5. Daphne alpin – Alpenseidelbast

  • 6. Delphinium elatum – Rittersporn, hoher

  • 7. Dracocephalum ruyschiana – Drachenkopf, Berg-

  • 8. Eryngium alpinum – Alpenmannstreu

  • 9. Leontopodium alpinum – Edelweiss (1 Exemplar erlaubt)

  • 10 Lilium martagon – Türkenbund

  • 11. Narcissus pseudonarcissus – Narzisse, gelbe

  • 12. Nuphar luteum – Teichrose, grosse

  • 13. Nymphaea alba – Seerose

  • 14. Orchidaceae einschliesslich Cypripedium und Nigritella – Orchideen einschliesslich Frauenschuh und Männertreu, aber ausgenommen:

  • a) Gymnadenia conopea – Mücken-Nacktdrüse

  • b) Orchis latifolia – breitblättriges Knabenkrau

  • c) Orchis maculata – geflecktes Knabenkraut

  • d) Orchis mascula – männliches Knabenkraut

  • 15. Papaver alpinum – Alpenmohn

  • 16. Phyllitis scolopendium – Hirschzunge

  • 17. Primula auricula – Aurikel, Flühblümchen

  • 18. Pulsatilla vernalis – Pelzanemone

  • 19. Ranunculus parnassifolius – Herzblatthahnenfuss

  • 20. Senecio capitatus – Kreuzkraut, orangerotes

  • 21. Typha – Rohrkolben (alle Arten)

  • 22. Viola calcarata – Stiefmütterchen, langsporniges

  • 23. Viola cenisia – Stiefmütterchen, Mont-Cenis

Art. 3 Geschützte Bäume

Das Fällen der Arven (Pinus cembra) und Bergföhren (Pinus mugo) ist untersagt. Das Ausgraben dieser Bäume ist ebenfalls verboten.

Art. 4 Naturschutzgebiete

Das Ausreissen, Pflücken oder Zerstören wildwachsender Pflanzen in den Naturschutzgebieten ist vollständig untersagt.

Art. 5 Teilweise geschützte Pflanzen

Das Ausgraben der unten aufgezählten Pflanzen ist verboten. Das Pflücken ist auf 10 Exemplare beschränkt.

  1. Aconitum – Eisenhut (alle Arten)

  2. Anemone narcissiflora – Narzissenwindröschen

  3. Anthericum liliago – Graslilie, astlose

  4. Arnica montana – Arnika

  5. Aster alpinus – Alpenaster

  6. Corylus avellana – Haselstrauch

  7. Daphne Mezereum – Seidelbast

  8. Dianthus silvester – Steinnelke

  9. Doronicum grandiflorum – Gemswurz, grossblumiger

  10. Drosera – Sonnentau (alle Arten)

  11. Gentiana – Enzian (alle Arten)

  12. Leucojum vernum – Märzenglöckchen

  13. Menyanthes trifoliata – Fieberklee

  14. Orchidaceae – Orchideen (soweit nicht vollständig geschützt. Vgl. Art. 2)

  15. Paradisia liliastrum – Paradieslilie, Trichter-

  16. Pinguicula – Fettblatt (alle Arten)

  17. Primula farinosa – Mehlprimel

  18. Pulsatilla alpina – Alpenanemone

  19. Salix – Weiden (alle Arten)

  20. Saxifraga – Steinbrech (alle Arten)

  21. Sempervivum – Hauswurz (alle Arten)

  22. Senecio doronicum – Gemswurzkreuzkraut

  23. Silene, Draba und Petrocallis – Alle polsterbildenden Alpenpflanzen

  24. Soldanella alpina – Alpensoldanelle

  25. Swertia perennis – Moorenzian

Art. 6

Art. 7

Art. 8

Art. 9

Art. 10

Art. 11 Inkrafttreten

Der vorliegende Beschluss tritt sofort in Kraft und ersetzt die Beschlüsse vom 1. Juli 1938 und 9. April 1946 betreffend den Schutz der freiburgischen Pflanzenwelt.

Er ist im Amtsblatt zu veröffentlichen, in die Amtliche Gesetzessammlung aufzunehmen und im Sonderdruck herauszugeben sowie als Anschlagsplakate samt dem Verzeichnis der durch das Bundesgesetz geschützten Pflanzen herauszugeben. Die Gemeinden haben diesen Beschluss an den wichtigsten öffentlichen Stellen (Schulhäuser, Wartsäle der Bahnhöfe, Postbüros, Hotels, Gasthöfe usw.) anzuschlagen.

BL/AGS 1973 f 50 / d 51