Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

Verfahrenseinstellung, Zurechnungsunfähigkeit

Geschäftsnummer: ZZ.1994.27

Instanz: Anklagekammer

Entscheiddatum: 10.08.1994

FindInfo-Nummer: O_AK.2015.8

Titel: Verfahrenseinstellung, Zurechnungsunfähigkeit

Resümee:

§ 102 f. StPO - Das Verfahren ist nicht wegen Zurechnungsunfähig­keit einzustellen, wenn Massnahmen nach Art. 43/44 StGB in Frage kommen.

SOG 1994 Nr. 27

§ 102 f. StPO - Das Verfahren ist nicht wegen Zurechnungsunfähigkeit einzustellen, wenn Massnahmen nach Art. 43/44 StGB in Frage kommen.

Der Staatsanwalt legt in seinem Einstellungsantrag weiter dar, dass die Schuldfähigkeit von X. wegen Zurechnungsunfähigkeit nicht gegeben sei, weshalb ihr Verhalten offensichtlich nicht strafbar sei.

Der Untersuchungsrichter liess ein psychiatrisches Gutachten über die Beschuldigte erstellen. Der Experte kam aufgrund der Akten, der Krankengeschichte und einer im Haus der Beschuldigten durchgeführten Untersuchung zum Ergebnis, dass X. unter einer paranoiden Schizophrenie leide. Sie sei zur Zeit der Tat in einem akut psychotischen Zustand gewesen. Die Schussabgabe auf den Polizeibeamten stehe mit einer Störung des psychischen Gesundheitszustandes in Zusammenhang; sowohl die Einsicht in das Unrecht der Tat als auch die Willensfähigkeit zu einsichtsgemässem Handeln seien aufgehoben gewesen. X. sei zur Zeit der Tat völlig zurechnungsunfähig gewesen.

Stellt man auf das Gutachten ab, so ist davon auszugehen, dass die Strafbarkeit mangels Schuldfähigkeit offensichtlich fehlt. Gemäss Art. 10 StGB bleiben jedoch Massnahmen nach Art. 43 und 44 StGB vorbehalten. Von Art. 43 StGB werden Täter erfasst, die eine mit Zuchthaus oder Gefängnis bedrohte Tat begangen haben, welche mit ihrem abnormen Geisteszustand in Zusammenhang steht; dies trifft auf die Beschuldigte gemäss Gutachten zu. Der Richter kann in einem solchen Fall Verwahrung, Einweisung in eine Heil- oder Pflegeanstalt oder ambulante Behandlung anordnen. Da der urteilende Richter die Möglichkeit haben muss, über die Anordnung einer derartigen Massnahme zu befinden, eignen sich Fälle, in denen die Strafbarkeit infolge Zurechnungsunfähigkeit offensichtlich fehlt, die begangene Tat aber mit Zuchthaus oder Gefängnis bedroht ist und in Zusammenhang steht mit dem abnormen Geisteszustand des Täters, nicht zur Verfahrenseinstellung, zumal sich auch für den Staatsanwalt im vorliegenden Fall die Frage einer Massnahme nach Art. 43 StGB stellt. Entsprechendes gilt, wenn der Täter im Zeitpunkt der Tat zwar zurechnungsunfähig war, jedoch trunk- oder rauschgiftsüchtig ist, sofern ein Zusammenhang zwischen Tat und Sucht besteht.

Obergericht Anklagekammer, Urteil vom 10. August 1994

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Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Cudesch penal svizzer, Art. 10, Art. 43 und Art. 44 — der Erlass wurde am 1. Januar 1995, 1. Februar 1997, 1. September 1997, 1. Januar 1998, 1. April 1998, 1. Januar 1999, 1. März 2000, 1. Mai 2000, 1. Juli 2000, 15. Dezember 2000, 1. Januar 2002, 1. April 2002, 1. Juli 2002, 1. Oktober 2002, 1. April 2003, 1. Dezember 2003, 1. Januar 2004, 1. März 2004, 1. April 2004, 1. Juli 2004, 1. August 2004, 1. Januar 2005, 1. Februar 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Juli 2006, 1. Dezember 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Cudesch da procedura penala svizzer, Art. 102 — der Erlass wurde am 1. März 2000, 15. Dezember 2000, 1. Januar 2001, 1. Februar 2001, 1. Januar 2002, 1. April 2004, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Februar 2013, 12. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 21. Januar 2014, 1. Juli 2014, 25. November 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Februar 2020, 1. März 2021, 1. Juli 2021, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. April 2025 erneut konsolidiert.