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Steuerverwaltung

StP 207 Nr. 1

Verletzung von Verfahrenspflichten

1. Allgemeines

Wer einer Vorschrift des Steuergesetzes oder einer aufgrund des Steuergesetzes getroffenen Anordnung trotz Mahnung nicht nachkommt, insbesondere

  • die Steuererklärung oder die verlangten Beilagen nicht einreicht;

  • eine Bescheinigungs-, Auskunfts- oder Meldepflicht nicht erfüllt;

  • Pflichten verletzt, die ihm als Erben oder Dritten im Inventarverfahren obliegen,

wird mit Busse bestraft. Dem Steuerpflichtigen ist mit der ersten oder zweiten Mahnung ausdrücklich die Auf- erlegung einer Ordnungsbusse anzudrohen, sofern er innert angesetzter Frist seinen Mitwirkungspflichten nicht nachkommt. Sinn und Zweck der Bussenandrohung ist, vom Steuerpflichtigen die Erfüllung einer insbesondere gemäss § 155 ff. StG beste- henden Mitwirkungspflicht zu erwirken. Kommt der Steuerpflichtige seinen Obliegen- heiten nach, so hat die Steuerbehörde ihr Ziel erreicht. Andernfalls muss sie konse- quenterweise die angedrohte Busse aussprechen. Auch wenn ein Steuerpflichtiger nach Festlegung der Ermessensveranlagung auf- grund einer Verfahrenspflichtverletzung im Einspracheverfahren die notwendigen Unterlagen einreicht, hat er die Mitwirkungspflicht verletzt und ist daher zu büssen. Zwar kann noch eine ordentliche Veranlagung vorgenommen werden. Die Busse wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht bleibt aber bestehen. Allenfalls kann die nachträgliche Einreichung der Steuererklärung bzw. der Unterlagen bei der Festset- zung der Busse berücksichtigt werden.

2. Täterschaft

Als Täter kommen natürliche und juristische Personen in Betracht. Eine Bestrafung der handelnden Organe oder Vertreter der juristischen Personen fällt ausser Be- tracht, da sich § 214 Absatz 3 StG nur auf Teilnahmehandlungen zur Steuerhinter- ziehung der juristischen Person bezieht.

3. Strafzumessung

Die Busse beträgt bis zu Fr. 1 000, in schweren Fällen oder bei Rückfall bis zu Fr. 10 000. Die Ausführungen zur Strafzumessung bei einer Steuerhinterziehung sind analog anwendbar (vgl. StP 208 Nr. 1).

3.1. Nichteinreichen der Steuererklärung

3.1.1. Tatbestand

Die Steuererklärung wird trotz Mahnung nicht eingereicht.

3.1.2. Zuständigkeit

Steuerkommissär / Veranlagungsbeamter

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StP 207 Nr. 1

3.1.3. Busse

Die Busse ist

grundsätzlich nach

dem Verschulden des Steuerpflichtigen zu bemes-

sen. Die nachstehenden Ansätze können je nach Verschuldenslage in beiden Rich-

tungen korrigiert werden.

Die Busse bei

erstmaliger Nichtabgabe der Steuererklärung durch eine natürliche

oder juristische Person beträgt ab der

Steuerperiode 2007:

einfache Steuer

Busse

bis

Fr. 100

Fr.

100

Fr.

101

-

Fr. 1 000

Fr.

200

Fr.

1 001

-

Fr. 2 500

Fr.

350

Fr.

2 501

-

Fr. 4 200

Fr.

500

Fr.

4 201

-

ab

Fr. 6 200

Fr. 6 201

Fr.

Fr.

750

1 000

Bei wiederholter Nichtabgabe der

Steuererklärung:

  • bei der 2. Ermessensveranlagung 150 % der obigen Ansätze;

  • bei der 3. Ermessensveranlagung 200 % der obigen Ansätze;

  • bei der 4. Ermessensveranlagung 300 % der obigen Ansätze;

  • bei der 5. Ermessensveranlagung 400 % der obigen Ansätze;

  • bei der 6. Ermessensveranlagung 500 % der obigen Ansätze.

3.2. Nichtbefolgen der Mitwirkungs-, Auskunfts-, Melde- oder

Bescheinigungspflicht

3.2.1. Tatbestand

Die Mitwirkungs-, Auskunfts-, Melde- oder Bescheinigungspflicht wird nicht befolgt,

insbesondere durch:

  • Unterlassen einer ordnungsgemässen Buchhaltung;

  • Nichtabgabe des Lohnausweises an den Arbeitnehmer;

  • unkorrektes Ausfüllen des Lohnausweises durch den Arbeitgeber (z.B. Nichtanga- be von Kinderzulagen, Gratifikationen, Dienstaltersgeschenken);

  • Unterlassen von vorgeschriebenen Meldungen;

  • Nichterfüllen von Beweisauflagen.

3.2.2. Zuständigkeit

Steuerverwaltung:

  • Rechtsabteilung;

  • Steuerkommissär / Veranlagungsbeamter, wenn Beweisauflagen nicht erfüllt bzw. Beilagen nicht eingereicht werden.

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StP 207 Nr. 1

3.2.3. Busse

Die Bussen sind je nach Bedeutung der geforderten Verfahrenshandlung und dem

Verschulden des Steuerpflichtigen festzulegen.

Ein gravierender Fall ist anzunehmen, wenn ein schweres Verschulden vorliegt oder

der verletzten Verfahrenspflicht eine besondere Bedeutung für die

ordnungsgemässe

Besteuerung zukommt.

Die Bussen für das Nichtbefolgen von Mitwirkungspflichten betragen ab der Steuer-

periode 2007 in der Regel:

Unterlassene Mitwirkungspflicht

Busse

Regelfall

Fr.

100

Unterlassen einer ordnungsgemässen Buchführung

Fr.

500

Nichtabgabe Lohnausweis

Fr.

250

Im Wiederholungsfall ist die Busse zu verdoppeln. Eine wiederkehrende Büssung ist nur dann unzulässig, wenn der Gebüsste der verlangten Mitwirkungspflicht gar nicht

nachkommen kann.

4. Verjährung

Die Verfolgung einer Verletzung von Verfahrenspflichten verjährt zwei Jahre nach dem Abschluss des Verfahrens, in welchem die Verfahrenspflichten verletzt wurden.

Die Verjährung wird durch jede Strafverfolgungshandlung gegenüber

dem Steuer-

pflichtigen unterbrochen.

Mit jeder Unterbrechung beginnt die Verjährungsfrist neu zu

laufen; sie kann aber

insgesamt um nicht mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen

Dauer

hinausgeschoben

werden. Dies bedeutet, dass spätestens 3 Jahre nach

rechtskräftigem Abschluss des

Verfahrens, in welchem die Pflichtverletzung erfolgt ist, die absolute Verjährung ein-

tritt (§ 219 Abs. 2 StG).

5. Erbenhaftung

Erben haften nicht für Bussen aufgrund einer Verletzung von

Verfahrenspflichten

durch den Erblasser.

6. Einspracheverfahren

Gemäss Steuerrekurskommission stellt die Busse bei Verfahrenspflichtverletzungen eine Strafe im Sinne der Europäischen Menschenrechtskonvention (Art. 6 Ziff. 1) dar.

Somit sind die Verfahrensgarantien gemäss EMRK auch

auf das

Ordnungsbussen-

verfahren nach § 207 StG vollumfänglich anzuwenden.

Dies hat zur Folge, dass die Einspracheverhandlung gegen eine Bussenverfügung

nach § 207 StG nicht durch jene Person geführt werden kann,

welche die Busse

ausgesprochen hat.

Folglich muss die Einspracheverhandlung durch den zweiten zuständigen Steuerbe-

amten für eine Gemeinde geführt werden.

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