RRB Nr. 889/2026
Anfrage Jacqueline Hofer, Dübendorf, betreffend Unterstützung Jugendlicher bei der Wahl zukunftssicherer Lehrberufe, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 223/2026
Sitzung vom 2. September 2026
889. Anfrage (Unterstützung Jugendlicher bei der Wahl zukunftssicherer Lehrberufe) Kantonsrätin Jacqueline Hofer, Dübendorf, hat am 8. Juni 2026 folgende Anfrage eingereicht: Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz verändert viele Tätigkeiten, insbesondere im administrativen und standardisierten Bereich. Für Jugendliche, die heute vor der Berufswahl stehen, wird es zunehmend schwieriger, die langfristige Stabilität einzelner Berufe einzuschätzen. Gerade handwerkliche Berufe bieten weiterhin hohe Beschäftigungssicherheit: Sie sind praxisnah, technisch anspruchsvoll, kundennah und nur begrenzt automatisierbar. Diese Berufe bilden das Rückgrat vieler KMU und tragen wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei. Damit Jugendliche fundierte Entscheidungen treffen können, braucht es transparente Informationen, zeitgemässe Berufsberatung und eine aktive Unterstützung der Betriebe, die solche zukunftssicheren Lehrstellen anbieten. Ich bitte daher den Regierungsrat um Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Wie stellt der Regierungsrat sicher, dass Jugendliche in der Berufsberatung verständliche und aktuelle Informationen über die Zukunftsfähigkeit verschiedener Lehrberufe erhalten?
2. Welche Massnahmen plant der Kanton, um insbesondere handwerkliche Berufe als stabile und attraktive Ausbildungswege stärker sichtbar zu machen?
3. Wie unterstützt der Kanton Schulen und Berufsberatungsstellen dabei, Jugendlichen die Auswirkungen neuer Technologien – inklusive KI realistisch und nicht verunsichernd zu vermitteln?
4. Welche Angebote bestehen oder sind geplant, um Jugendliche gezielt auf Berufe hinzuweisen, die langfristig gute Perspektiven bieten und nicht leicht automatisierbar sind?
5. Wie unterstützt der Kanton Betriebe, insbesondere KMU, damit sie weiterhin genügend zukunftssichere Lehrstellen anbieten können und Jugendliche dadurch eine verlässliche Auswahl haben?
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Jacqueline Hofer, Dübendorf, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Die Berufsberatenden der kantonalen Berufsinformationszentren (biz) sind für das Thema der Zukunftsfähigkeit von Berufen sensibilisiert und verfügen dank verschiedenen Kanälen und Massnahmen über aktuelles Wissen. Eine adressatengerechte Ansprache gehört zur täglichen Arbeit der Berufsberatenden und sie vermitteln diese Informationen auf verständliche Weise. Gestützt auf verschiedene Studien ist anzunehmen, dass Berufe mit hohem Anteil an standardisierten Routineaufgaben am stärksten von künstlicher Intelligenz (KI) betroffen sind. Weniger von KI betroffen gelten Berufe mit Praxisnähe und hoher menschlicher Verantwortung sowie Berufe, in denen Fachkräftemangel herrscht. Neben dem Handwerk gehören z. B. auch Pflegeberufe zu diesen Berufen. Aufgrund der sehr raschen Entwicklungen im Bereich KI ist es jedoch kaum möglich, pauschale Aussagen zu machen. Hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit von Berufen ist die Bedeutung des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz zu betonen. Betriebe bieten in der Regel Lehrstellen an, wenn sie davon ausgehen, dass sie auch künftig Arbeit haben werden. Ausserdem werden Bildungsverordnungen jeweils angepasst, um auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können. Es ist eher davon auszugehen, dass sich Berufe verändern werden, als dass sie ganz verschwinden. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Laufbahngestaltungskompetenzen, d. h. dass die Jugendlichen über die Fähigkeit verfügen, sich auch innerhalb des gewählten Berufs weiterzuentwickeln, Aus- und Weiterbildungen zu planen oder gegebenenfalls einen anderen Beruf zu ergreifen. Die Berufsberatung legt grossen Wert darauf, neben konkreten Informationen zu Berufen diese Kompetenzen zu vermitteln. Zu Frage 2: Es wird bereits viel unternommen, um handwerkliche Berufe sichtbar zu machen. Die biz bieten zusammen mit dem lokalen Gewerbe Informationsveranstaltungen, Berufs- und Betriebsbesichtigungen an. Die handwerklichen Berufe sind jeweils gut vertreten. Auch bei den lokalen Berufsmessen und Lehrstellenmärkten, bei denen die biz mitwirken oder federführend sind, haben die handwerklichen Berufe ein grosses Gewicht. Ausserdem weisen die Berufsberatenden in den Schulhaussprechstunden und Beratungen im biz gezielt auf die Vorteile verschiedener Berufe hin (vgl. auch Beantwortung der Frage 4).
Zu Frage 3: Im Unterricht vermitteln die Lehrpersonen im Rahmen des Moduls «Medien und Informatik» die Grundlagen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien, Informatik und KI. Sie fördern die Grund-, Anwendungs- und Problemlösekompetenzen der Schülerinnen und Schüler in diesen Bereichen gemäss den Kompetenzen des Lehrplans 21 (zh.lehrplan.ch). Bei dieser Aufgabe in einem dynamischen Umfeld können die Schulen auf verschiedene Unterstützungsangebote und Materialien zurückgreifen. Die Bildungsdirektion unterstützt das Schulfeld mit Leitsätzen zum Einsatz von KI. Die Leitsätze und ausgewählte Informationen zum Einsatz von KI im Unterricht und in der Beurteilung sind auf der Webseite des Volksschulamtes (VSA) zusammengestellt. (zh.ch/de/bildung/informationen-fuer-schulen/informationen-volksschule/volksschule-schulinfo-unterricht/kuenstliche-intelligenz.html). Darüber hinaus stellt die Fachstelle Bildung und ICT des VSA ergänzende Angebote zu diesen Leitsätzen zur Verfügung. So unterhält sie zum Beispiel das Fachnetzwerk PICTS (Pädagogischer ICT-Support), dessen Erkenntnisse im Kontext der KI in die Arbeit der Fachstelle einfliessen. Die Pädagogische Hochschule Zürich unterstützt die Schulen im Bereich KI mit einer breiten Palette von Kursen und schulinternen Weiterbildungen. Sie verfolgen das Ziel, dass die Schülerinnen und Schüler durch anwendungsorientierte Aufgaben sowie die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken einen reflektierten Umgang mit KI-Tools lernen phzh.ch/weiterbildung/weiterbildung-fuer-die-volksschule/digitale-bildung/kuenstliche-intelligenz-in-der-schule). Die Berufsberatung und die Sekundarschulen arbeiten eng zusammen. Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist im «Rahmenkonzept Zusammenarbeit Berufsberatung und Sekundarschule» festgehalten. Berufsberatende wie auch Lehrpersonen sind psychologisch geschult und verfügen über die notwendige Erfahrung, um Inhalte wie z. B. die Auswirkungen neuer Technologien realistisch und adressatengerecht zu vermitteln. Zu Frage 4: Die kantonale Berufsberatung verfügt über verschiedene Angebote, in denen die Jugendlichen relevante Informationen zu Berufen erhalten (vgl. Beantwortung der Frage 1). Berufsberatende stehen ab der zweiten
Sekundarklasse in den Schulhäusern für niederschwellige Schulhaussprechstunden zur Verfügung. Ausserdem gibt es persönliche Beratungen im biz, bei denen oft auch die Eltern dabei sind. Die Infotheken bieten zudem ohne Voranmeldung kurze Informationsgespräche an. In der zweiten Sekundarklasse führen die biz Klassen- und Elternorientierungen durch, bei denen die Teilnehmenden sich auch direkt mit der Beratungsperson austauschen können. Schliesslich sind auf dem Berufswahlportal berufswahl.zh.ch Lehrberufe umfassend beschrieben und aktuelle Lehrstellen, Adressen von Schnupperbetrieben und Veranstaltungen ausgeschrieben. Zu Frage 5: Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) setzt sich dafür ein, dass die rund 14 000 Lehrbetriebe im Kanton Zürich ihre Lehrstellen wiederholt ausschreiben und nach Möglichkeit auch zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen. Das MBA versucht zudem, Unternehmen zu gewinnen, neu in die Ausbildung von Jugendlichen einzusteigen. Dafür betreibt der Kanton Zürich gemeinsam mit den Organisationen der Arbeitswelt eine aktive Lehrstellenförderung. Kernstück dieser Lehrstellenförderung ist die direkte Betreuung, Beratung und Unterstützung der Betriebe durch das MBA. Zudem steht den Betrieben die Webseite «Zukunft Zürich» (www. zukunft.zuerich) zur Verfügung. Diese enthält Informationen und Hilfestellungen für aktuelle und angehende Ausbildungsbetriebe. Dazu gehören etwa Themen wie die Erstellung der Ausbildungsplanung, der Erwerb der Bildungsbewilligung bis hin zu Informationen zum Lehrabschluss und darüber hinaus.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli