14.440
Artikel 8 UWG. Missbräuchliche Geschäftsbedingungen
de Buman Dominique · P-M · Nationalrat · Freiburg · CVP-Fraktion
Antrag der Mehrheit
Die Behandlungsfrist um zwei Jahre verlängern
Antrag der Minderheit
(Vogt, Bauer, Dettling, Egloff, Gössi, Merlini, Nidegger, Rickli Natalie, Schwander, Tuena, Walliser)
Die Initiative abschreiben
Proposition de la majorité
Prolonger le délai de traitement de deux ans
Proposition de la minorité
(Vogt, Bauer, Dettling, Egloff, Gössi, Merlini, Nidegger, Rickli Natalie, Schwander, Tuena, Walliser)
Classer l'initiative
Le président (de Buman Dominique, président): Vous avez reçu un rapport écrit de la commission.
Vogler Karl · Mit-M · Nationalrat · Obwalden · CVP-Fraktion
Die parlamentarische Initiative 14.440 verlangt die dahingehende Anpassung von Artikel 8 des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), dass die Einschränkung des Anwendungsbereichs auf Konsumentenverträge aufgehoben wird. Die Verwendung allgemeiner Geschäftsbedingungen, die in Treu und Glauben verletzender Weise zum Nachteil der anderen Vertragspartei ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen Pflichten vorsehen, soll gemäss der parlamentarischen Initiative in jedem Fall als unlauter gelten.
Die parlamentarische Initiative wird damit begründet, dass die genannte Beschränkung auf Verträge mit Konsumentinnen und Konsumenten nicht ins UWG passe, dessen Schutz alle Abnehmerinnen und Abnehmer umfasse, nicht zuletzt auch die gewerblichen. Diese Beschränkung stosse deshalb auch in der Lehre auf Kritik, abgesehen davon, dass sie auch Abgrenzungsprobleme schaffe. Die Einschränkung auf Konsumentenverträge sei in der seinerzeitigen bundesrätlichen Vorlage nicht enthalten gewesen und erst in der parlamentarischen Beratung in die Gesetzesvorlage aufgenommen worden.
Weiter weist der Initiant darauf hin, dass auch aus den Materialien nicht klarwerde, welche Verträge vom Schutz vor missbräuchlichen Geschäftsbedingungen ausgenommen seien. Zudem habe sich in der Zwischenzeit gezeigt, dass gerade auch das Gewerbe an einem Schutz vor missbräuchlichen Geschäftsbedingungen grosses Interesse habe. So weit die Begründung.
Die RK-NR hat der parlamentarischen Initiative am 25. Juni 2015 Folge gegeben. Die RK-SR hat diesem Beschluss am 2. Februar 2016 zugestimmt. An ihrer Sitzung vom 19. Oktober 2017 hat sich die RK-NR mit verschiedenen Umsetzungsmöglichkeiten beschäftigt und beschlossen, einen Vorentwurf auszuarbeiten. Die Kommission beantragt Ihnen deshalb mit 12 zu 12 Stimmen mit Stichentscheid des Präsidenten, die Frist für die Ausarbeitung eines Erlassentwurfes um zwei Jahre bis zur Wintersession 2019 zu verlängern. Die Minderheit Vogt beantragt die Abschreibung der Initiative.
Zur Ausgangslage und Problemstellung: Artikel 8 UWG besagt, dass insbesondere unlauter handelt, wer allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet, die in Treu und Glauben verletzender Weise zum Nachteil der Konsumentinnen und Konsumenten ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen Pflichten vorsehen. Weil Artikel 8 UWG einzig von Konsumentinnen und Konsumenten spricht, ist dessen Anwendungsbereich auf Konsumentenverträge beschränkt. Das heisst etwa, dass mittelständische Bauern- und Gewerbebetriebe vom Anwendungs- und Schutzbereich von Artikel 8 UWG ausgeschlossen sind. Tatsache ist aber, dass sich Bauern- und Gewerbebetriebe gegenüber marktmächtigen Unternehmen bei Vertragsverhandlungen in einer ähnlichen Position der Schwäche befinden wie Konsumentinnen und Konsumenten.
Es ist darum nicht einzusehen, warum Artikel 8 UWG nicht zur Anwendung kommen soll, wenn zum Beispiel im Rahmen eines Vertragsabschlusses zwischen einem Gewerbebetrieb und einem marktmächtigen Unternehmen allgemeine Geschäftsbedingungen zum Tragen kommen, welche in Treu und Glauben verletzender Weise zum Nachteil des Gewerbebetriebes ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und Pflichten vorsehen. Solches läuft unserem allgemein anerkannten Anliegen, die mittelständischen Bauern- und Gewerbebetriebe zu stützen und zu fördern, diametral zuwider.
Es ist nicht einzusehen, warum sich nicht auch Unternehmen auf Artikel 8 UWG berufen können sollen, um sich etwa gegen Ausschreibungsunterlagen der öffentlichen Hand oder gegen ungerechtfertigt einseitige AGB-Klauseln in Subunternehmerverträgen zu wehren. Dagegen vermag nach Meinung der Kommissionsmehrheit auch etwa das Argument der Vertragsfreiheit nicht anzukommen. Vielmehr wird dieses Argument dafür missbraucht, die Verwendung missbräuchlicher Geschäftsbedingungen zu schützen - statt die Betriebe, die durch solche AGB Schaden erleiden. Nach Meinung der Kommissionsmehrheit gibt es schlicht keinen Grund, Unternehmen, gerade kleinere und mittlere Gewerbebetriebe, gegenüber Konsumentinnen und Konsumenten zu diskriminieren und schlechterzustellen. Die ganze Problematik hat sich in den letzten Jahren durch die Zunahme der Geschäftstätigkeiten via Internet weiter verschärft.
Die Kommissionsmehrheit gibt weiter zu bedenken, dass der Anwendungsbereich des UWG grundsätzlich sämtliche Marktteilnehmer umfasst und eine Einschränkung auf Konsumentinnen und Konsumenten systemwidrig ist. Ziel des Lauterkeitsrechts ist es, das gute Funktionieren des Marktes zu garantieren. Entsprechend sollen sämtliche Marktteilnehmer, insbesondere auch die gewerblichen und bäuerlichen, vom Schutzbereich von Artikel 8 UWG erfasst werden. In seiner heutigen Fassung ist Artikel 8 UWG nicht mit dem allgemeinen Anwendungsbereich des Gesetzes kongruent.
Die Kommissionsminderheit erkennt keinen Handlungsbedarf und sieht, zusammengefasst, in der angestrebten Ausdehnung des Anwendungsbereichs von Artikel 8 UWG einen unnötigen Eingriff in die Vertragsfreiheit. Weiter wird darauf hingewiesen, dass Artikel 8 UWG in seiner heutigen Form erst vor wenigen Jahren in Kraft getreten sei und in der Praxis Wirkung zeige. Schliesslich weist die Kommissionsminderheit darauf hin, dass das Bundesgericht mittels der Ungewöhnlichkeitsregel bereits eine weitgehende und wirksame richterliche Inhaltskontrolle von AGB entwickelt habe; eine breitere Anwendung von Artikel 8 UWG sei deshalb nicht angezeigt.
Abschliessend ersuche ich Sie, die Frist für die Ausarbeitung eines Erlassentwurfes um zwei Jahre, das heisst bis zur Wintersession 2019, zu verlängern und das Geschäft nicht abzuschreiben.
Flach Beat · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion
Wäre es mit dieser Ausweitung von Artikel 8 UWG auf die Gewerbebetriebe nicht auch möglich gewesen, eben nicht eine Lex Booking.com zu erlassen, sondern dem Gewerbe dort die Möglichkeit zu geben, sich über den UWG-Artikel zu wehren?
Vogler Karl · Mit-M · Nationalrat · Obwalden · CVP-Fraktion
Das wäre genau der Fall gewesen, Herr Kollege. Ich danke für die Frage.
de Buman Dominique · P-M · Nationalrat · Freiburg · CVP-Fraktion
Le président (de Buman Dominique, président): Monsieur Vogt, qui défend la proposition de la minorité, maintient la proposition de la minorité, mais renonce à prendre la parole.
Schwaab Jean Christophe · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion
L'initiative parlementaire, que la majorité de la Commission des affaires juridiques vous propose aujourd'hui de ne pas classer, souhaite modifier l'article 8 de la loi fédérale contre la concurrence déloyale (LCD), afin que la protection contre les clauses abusives dans les conditions générales ne se limite pas aux seuls consommateurs. Il s'agit notamment d'éviter "une disproportion notable et injustifiée entre les droits et les obligations découlant du contrat". Cette mesure profiterait notamment aux PME.
Pour vous démontrer l'importance des conditions générales dans la vie d'une PME, j'ai feuilleté quelques-unes des conditions générales qu'un cabinet médical comme celui de mon épouse doit accepter - il s'agit d'une PME de cinq personnes. Rien que pour les conditions générales standards de Microsoft, il y a 54 pages, 117 000 signes dactylographiés, 17 000 mots. Et encore, je ne suis pas sûr d'avoir pu mettre la main sur la totalité de ces conditions générales. Il n'y a là aucun service spécifique à la branche, par exemple des logiciels de gestion des dossiers des patients, des logiciels pour la comptabilité ou pour les fournitures médicales et non médicales. Pour chacun de ces autres services, il y a en tout plusieurs dizaines de pages de conditions générales contenant au total probablement 150 000 mots et plus d'un million de signes.
Je pourrais citer un autre exemple, qui a été évoqué par Monsieur Flach, celui de Booking.com: 11 pages, 32 000 signes, 4700 mots. Or, que l'on soit pour ou contre ce prestataire, que l'on apprécie ou pas sa politique commerciale et son impact sur le marché, il faut bien admettre que des milliers d'entreprises, pratiquement toutes des PME, sont concernées par cet acteur majeur du tourisme et doivent donc, à un moment ou à un autre, accepter ses conditions, sans pouvoir y changer ne serait-ce qu'une virgule. Ces pages et ces pages représentent plusieurs jours de lecture, pour au final n'y rien comprendre, ou presque, à moins d'être un juriste averti, et encore.
Certes, ces conditions générales ne sont probablement pas toutes abusives. Mais, si c'est le cas, il est impossible de le savoir avant de signer et, bien souvent, le client n'a pas d'autre choix que de signer le contrat tel quel, conditions générales incluses, car il a en face de lui soit un monopoliste, soit un mastodonte, soit - ce qui est pire du point de vue d'une économie de marché - les deux.
Or même des PME importantes n'ont pas de service juridique qui serait en mesure d'éplucher ces conditions générales. Les PME ne sont pas mieux loties que les consommateurs: leur pouvoir sur le marché est quasi nul, leur position de négociation très faible. Comment, dans ces conditions, parler d'un marché libre, si l'un des partenaires contractuels doit entièrement se plier à la volonté de son cocontractant pour obtenir un service qui est vital pour sa survie économique et qui n'a aucun moyen de se prémunir contre un éventuel abus de position dominante?
D'une manière générale, une restriction de la protection contre les clauses abusives limitée aux seuls consommateurs ne devrait pas avoir sa place dans la LCD. Cette loi vise à protéger non pas un seul acteur du marché, fût-il aussi important que les consommateurs, mais tous les acteurs, dans le but de garantir une concurrence loyale. Il est, de l'avis de la majorité de la commission, mais aussi de la doctrine, plutôt incongru de privilégier un acteur du marché alors que d'autres sont dans une position de faiblesse comparable. Or, un marché concurrentiel ne peut fonctionner qu'avec des acteurs qui traitent d'égal à égal.
On pourrait me rétorquer, et c'est ce qu'aurait fait probablement Monsieur Vogt s'il avait pris la parole pour la minorité, qu'il est déjà possible d'exercer un contrôle judiciaire des conditions générales grâce à la règle de l'insolite. C'est vrai, mais c'est insuffisant, au regard des avantages que confère la LCD. En effet, la LCD est aussi valable pour les concurrents et ne s'applique pas uniquement aux parties qui ont contracté. Ensuite, elle confère une qualité pour agir à la Confédération, aux organisations patronales et aux défenseurs des consommatrices et des consommateurs. L'article 8 LCD va donc beaucoup plus loin qu'une simple disposition du droit des contrats: c'est une mesure d'ordre économique, qui contribue à garantir le bon fonctionnement des marchés.
Les travaux de la commission sont avancés. La commission étudie plusieurs options qui sont faciles à mettre en oeuvre. Le chemin sera donc court vers un avant-projet à mettre en consultation. A en croire le porte-parole de la minorité, les entreprises que la majorité souhaite protéger ne seraient pas intéressées. Nos avis divergent. S'il est en l'état impossible de savoir ce que pensent de ce projet les PME concernées, eh bien, il faut le leur demander directement! Mais, pour cela, il faut une consultation, et pour qu'il y ait une consultation, il ne faut pas classer cette initiative parlementaire. Je fais ensuite la confiance la plus entière à la Commission des affaires juridiques: si les milieux intéressés démontrent que la protection des PME que la majorité souhaite créer aujourd'hui n'est pas pertinente, nul doute que cette excellente commission aura la sagesse d'y renoncer.
Avant de conclure, étant donné qu'il s'agit de la dernière fois que j'ai l'honneur et le plaisir de m'exprimer à cette tribune, je profite de l'occasion, si vous me le permettez Monsieur le président, pour vous remercier, Monsieur le président, et vous, mes chères et chers collègues, pour la très bonne collaboration que nous avons eue durant mon mandat. Je vous prie aussi, Monsieur le président du conseil, de transmettre mes remerciements les plus sincères à l'ensemble des Services du Parlement et à toutes les personnes qui oeuvrent au bon fonctionnement du Parlement et qui contribuent à en faire une institution forte, efficace et moderne, bref digne d'un Etat démocratique.
Je vous rappelle les conclusions de la commission. Elle vous propose de ne pas classer cette initiative parlementaire et de prolonger de deux ans le délai pour élaborer un projet d'acte, et ce par 12 voix contre 12 avec la voix prépondérante du président.
de Buman Dominique · P-M · Nationalrat · Freiburg · CVP-Fraktion
Le président (de Buman Dominique, président): Je remercie Monsieur Schwaab de ses propos. Nous aurons l'occasion tout à l'heure de prendre congé de lui officiellement.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Minderheit ... 97 Stimmen
Für den Antrag der Mehrheit ... 92 Stimmen
(0 Enthaltungen)
Le président (de Buman Dominique, président): Cette initiative est ainsi classée.