19.403, 19.404
CO2-Bilanz bei neuen Gesetzen ausweisen / CO2-Bremse
Moret Isabelle · P-F · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
Antrag der Mehrheit
Den Initiativen keine Folge geben
Antrag der Minderheit
(Egger Kurt, Chevalley, Clivaz Christophe, Girod, Jans, Klopfenstein Broggini, Masshardt, Munz, Nordmann, Suter)
Der Initiative 19.403 Folge geben
Antrag der Minderheit
(Klopfenstein Broggini, Chevalley, Clivaz Christophe, Egger Kurt, Girod, Jans, Munz, Nordmann, Suter)
Der Initiative 19.404 Folge geben
Proposition de la majorité
Ne pas donner suite aux initiatives
Proposition de la minorité
(Egger Kurt, Chevalley, Clivaz Christophe, Girod, Jans, Klopfenstein Broggini, Masshardt, Munz, Nordmann, Suter)
Donner suite à l'initiative 19.403
Proposition de la minorité
(Klopfenstein Broggini, Chevalley, Clivaz Christophe, Egger Kurt, Girod, Jans, Munz, Nordmann, Suter)
Donner suite à l'initiative 19.404
La présidente (Moret Isabelle, présidente): Vous avez reçu un rapport écrit de la commission.
Kälin Irène · 2VP-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Wir leben weltweit in Krisenzeiten. Damit meine ich nicht nur die Corona-Krise, sondern auch die Klimakrise. Sie mag zurzeit etwas weniger sichtbar sein, aber sie ist nicht minder virulent. Wer diesen Sommer ein paar Tage in den Bergen genossen hat und Aussicht auf einen Gletscher hatte, der kann die Augen nicht länger vor den Auswirkungen verschliessen, die die Klimakrise auch direkt vor unserer Haustüre hinterlässt.
Mit dem CO2-Gesetz, das wir hoffentlich diese Session zu Ende beraten, machen wir einen ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung, aber einen ungenügenden. Es braucht weitere Massnahmen, wenn wir die Klimakrise in den Griff bekommen wollen.
Die parlamentarische Initiative 19.403 liefert dazu ein handfestes Messinstrument. Sie fordert, dass neue Gesetzentwürfe, wie wir das auch für andere Bereiche wie Gesellschaft, Umwelt und Gleichstellung bereits heute tun, auch auf die zu erwartenden Treibhausgasemissionen hin geprüft werden sowie, wo immer möglich, die quantifizierten Emissionen auf ihre Vereinbarkeit mit den globalen Klimazielen dargestellt werden. Damit geben wir dem Klima nicht nur die Wichtigkeit, die es in Anbetracht der Klimakrise zweifelsohne hat, sondern schaffen Transparenz; Transparenz, um unsere Gesetze daran zu messen, ob sie mit den Klimazielen vereinbar sind oder nicht.
Es geht auch um Transparenz gegenüber der Bevölkerung und gegenüber unseren Enkelinnen und Enkeln, die in besonderem Masse von unserem Handeln oder Nichthandeln gegenüber der Klimakrise betroffen sind und betroffen sein werden. Mit einer CO2-Bilanz legen wir den Grundstein, um all unser politisches Handeln in Einklang mit den Klimazielen zu bringen. Nur wenn Klimaschutz als Querschnittsthema gedacht und angepackt wird, ist es uns möglich, die Klimakrise zu beenden. Entsprechend ist es notwendig, den Klimaschutz systematisch im Gesetzgebungsverfahren zu verankern, indem stets die Klimawirkung von Gesetzen geprüft wird, damit wir als Parlament unsere Verantwortung gegenüber kommenden Generationen wahrnehmen können.
Ich danke Ihnen, wenn Sie bereit sind, Klimatransparenz zu schaffen.
Egger Kurt · Mit-M · Nationalrat · Thurgau · Grüne Fraktion
Ich vertrete hier die Minderheit und bitte Sie, der Initiative 19.403 Folge zu geben.
Wir wissen es alle: Das 1,5-Grad- und das Netto-null-Ziel sind ehrgeizige Ziele. Die Wissenschaft ist aber dezidiert der Meinung, dass wir zu langsam unterwegs sind. Ebenso verpflichtet uns das Pariser Abkommen, unsere Klimapläne festzulegen und diese auch zu übermitteln. Es ist also höchste Zeit, dass wir weitere Instrumente implementieren. Wir müssen den Klimaschutz nicht nur auf Spezialgesetze wie das CO2- und das Energiegesetz, sondern auf alle Rechtsbereiche ausdehnen. Klimaschutz ist ein typisches Querschnittsthema; praktisch alle Rechtsetzungen haben einen Einfluss auf das Klima.
Die vorgeschlagene Ergänzung des Parlamentsgesetzes ist da ein geeignetes Instrument. Es überprüft die Klimawirkung von Gesetzen, damit das Parlament diese in Einklang mit den Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen bringen kann. Gerade beim Klimaschutz müssen wir frühzeitig an die Folgen denken, da die Massnahmen erst mittelfristig Wirkung zeigen. Die parlamentarische Initiative konkretisiert diese Berichterstattung. Es sollen künftig die Auswirkungen auf das Klima ausgewiesen werden, nämlich konkret die erwarteten Treibhausgasemissionen. Das schafft eben Transparenz.
Noch ein Bericht: Das Bundesamt für Raumentwicklung hat im Juli 2019 eine Evaluation der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2016-2019 (SNE) veröffentlicht. Diese Evaluation stellt einige Mängel fest. Ich zitiere: "Schwächen ortet das Evaluationsteam hauptsächlich auf zwei Ebenen: Zum einen bleibt unklar, wie das übergeordnete Ziel der SNE [...] überprüft werden soll. Zum anderen ist das Massnahmenkonzept unbefriedigend gelöst." Es fehlen also Massnahmen, und es fehlt auch die Messbarkeit. Als Empfehlung aus dieser Evaluation wird insbesondere die Verbesserung der Wirksamkeit, des Controllings und der Kommunikation vorgeschlagen. Dafür ist diese parlamentarische Initiative sehr geeignet; sie könnte einen Beitrag zur Behebung dieser Mängel leisten.
Also: Geben wir der Initiative Folge und setzen wir damit ein wichtiges Zeichen, dass wir das Pariser Abkommen ernst nehmen!
Kälin Irène · 2VP-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Wir bleiben bei der Klimakrise und handfesten Instrumenten, um ihr zu begegnen, Instrumenten, die uns zwingen, Rechenschaft abzulegen, wenn wir Gesetze beschliessen, die die Klimakrise verschärfen beziehungsweise die dem Klima weiter schaden.
Die mit der parlamentarischen Initiative 19.404 vorgeschlagene CO2-Bremse ist analog zur Ausgabenbremse gedacht, sprich: Gesetze, die eine negative Treibhausgasemissions-Bilanz aufweisen, bedürfen der Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder jedes der beiden Räte. Damit müssten wir uns bei Gesetzen mit einer negativen CO2-Bilanz ernsthaft mit ihren negativen Klimafolgen beschäftigen, auch dann, wenn das zu beratende Gesetz mit dem Klima auf den ersten Blick wenig zu tun hat. Genau das ist wichtig und dringend notwendig, denn die Klimakrise ist eine Querschnittaufgabe, und wir müssen sie umfassend angehen und behandeln. Nach aktuellem Stand der Klimawissenschaft lag die Erhitzung der Erde seit Beginn der Messungen im Jahre 1880 im Jahr 2018 zum ersten Mal über 1 Grad Celsius. Das macht deutlich, dass die 1,5-Grad-Marke schon sehr nahe liegt. Daher ist es höchste Zeit, Klimaschutz nicht auf einige Spezialgesetze zu beschränken, sondern auf alle Bereiche der Rechtsetzung auszudehnen. Mit einer CO2-Bremse anerkennen wir den Klimaschutz als Querschnittaufgabe und geben der Klimakrise die Wichtigkeit, die sie haben muss. Sie gehört zuoberst auf die politische Agenda und muss bei all unserem Handeln mitgedacht werden.
Ich danke Ihnen, wenn Sie der parlamentarischen Initiative 19.404 Folge geben.
Klopfenstein Broggini Delphine · Mit-F · Nationalrat · Genf · Grüne Fraktion
Il y a à peine trois ans, notre conseil ratifiait l'Accord de Paris sur le climat et confirmait la volonté de la Suisse de réduire ses émissions de gaz à effet de serre. La Suisse devra sans aucun doute réorienter ses activités, et l'instauration d'une nouvelle loi est au coeur de la démarche. Nous le savons, et nous avons eu l'occasion d'en débattre ce matin dans le cadre de la loi sur le CO2, nous avons un énorme potentiel pour réduire nos émissions de CO2, et certains secteurs sont particulièrement visés, comme les finances ou les transports.
Chaque année, la Suisse rejette dans l'atmosphère près de 50 millions de tonnes d'équivalents CO2, soit 5,4 tonnes d'équivalents CO2 par habitant. Si nous ajoutons à cette quantité les émissions que la Suisse génère à l'étranger par la production des biens qu'elle importe, nous arrivons à environ 14 tonnes d'équivalents CO2 par habitant, soit plus du double de la moyenne mondiale, qui, elle, avoisine 6 tonnes d'équivalents CO2.
A ce rythme, la Suisse se dirige vers un scénario mondial d'une augmentation de près de 6 degrés des températures, avec des conséquences catastrophiques pour l'être humain et l'environnement. Nous avons certes peu d'industries, et délocalisons une grande part de notre impact, mais cela ne l'atténue pas, et n'atténue pas non plus notre responsabilité. Il faut se donner les moyens de réduire nos émissions de CO2, de les mettre en lumière et de mener des politiques favorables au climat.
Grâce à cette initiative parlementaire, nous pourrions installer un mécanisme qui permette de pointer, puis de freiner l'adoption de lois qui affectent le climat. L'initiative vise à ajouter, à l'alinéa 3 de l'article 159 de la Constitution, qui porte sur le quorum et la majorité, une lettre d prévoyant que "les lois fédérales qui présentent un bilan négatif des émissions de gaz à effet de serre" doivent être soutenues par la majorité des membres de chaque conseil. Autrement dit, la loi dont le bilan carbone serait négatif devrait recueillir une large adhésion pour être votée. Cela constitue une sorte de filet, de garde-fou.
Cette démarche va de pair avec l'initiative parlementaire 19.403 qui a été présentée tout à l'heure et qui vise à ce que les projets de loi soient évalués sous l'angle des émissions de gaz à effet de serre attendues.
Si de plus en plus d'entreprises, aujourd'hui, jouent le jeu du bilan carbone de leurs activités, si même la Finma et la BNS sont prêtes, elles aussi, à évaluer l'impact climatique de leurs flux financiers, alors nous autres, ici, en tant que parlementaires, devons aussi apporter notre pierre à l'édifice. Connaître le bilan d'une loi et freiner son adoption s'il est négatif, c'est aussi jouer sur le tableau de l'information publique, sur le tableau de la transparence.
Nous disposerons certes d'ici peu d'une loi sur le CO2 révisée, mais celle-ci ne suffira pas. Il faudra aller plus loin, et si aujourd'hui nous soutenons cette initiative parlementaire du groupe des Verts, nous amorçons le prochain pas.
Wobmann Walter · Mit-M · Nationalrat · Solothurn · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Wir haben die beiden parlamentarischen Initiativen 19.403 und 19.404 in der UREK gemeinsam behandelt. Darum sprechen wir jetzt auch in einem Votum über diese Initiativen.
Die beiden parlamentarischen Initiativen zielen auf eine systematische Berücksichtigung der CO2-Emissionen in den parlamentarischen Verfahren ab. Mit der parlamentarischen Initiative Kälin 19.403 wird gefordert, dass in den Botschaften des Bundesrates die Vereinbarkeit der Vorlagen mit den Klimazielen erläutert wird. Wenn möglich sollen die CO2-Emissionen ausgewiesen werden. Dies bedingt eine Änderung des Parlamentsgesetzes. Bei der parlamentarischen Initiative 19.404 der grünen Fraktion geht es um die Einführung einer CO2-Bremse. Für den Beschluss von Bundesgesetzen mit einer negativen Emissionsbilanz soll die Zustimmung der Mehrheit der Ratsmitglieder benötigt werden. Dies bedingt eine Änderung der Bundesverfassung.
Die UREK beantragt Ihnen mit jeweils 14 zu 10 Stimmen bei 0 Enthaltungen, den parlamentarischen Initiativen keine Folge zu geben. Die Kommissionsmehrheit sieht keinen ausgewiesenen Handlungsbedarf. Die Botschaften des Bundesrates müssen bereits heute Ausführungen zu den Auswirkungen auf die Umwelt und künftige Generationen enthalten. Zudem hält die Kommissionsmehrheit die Anliegen der parlamentarischen Initiativen für kaum praktikabel, das heisst also für nicht anwendbar und umsetzbar, denn es gibt bei den verschiedenen Gesetzen keine Bemessungsgrundlagen.
Wären die CO2-Emissionen gemäss diesen beiden parlamentarischen Initiativen klimaverträglich, zum Beispiel im Hinblick auf die zu erwartenden Mehrimporte? Dies könnte ja gar nicht überprüft werden. Zudem sieht das Pariser Übereinkommen keine solchen detaillierten Massnahmen vor. Ausserdem hat der Bundesrat bekanntlich beim CO2-Ausstoss das Netto-null-Ziel für 2050 beschlossen. Ob das jemals erreicht werden kann, ist natürlich eine ganz andere Frage und auch nicht Inhalt dieser Initiativen.
Eine Minderheit unterstützt die parlamentarischen Initiativen. Die Bekämpfung des Klimawandels sei eine ganzheitliche Aufgabe, für die das Parlament in seinem Handeln sensibilisiert werden solle. Entsprechend sollen auch spezifisch die Auswirkungen auf die CO2-Emissionen, wo möglich, in den Botschaften des Bundesrates erläutert werden.
Ihre vorberatende Kommission, die UREK, beantragt Ihnen jeweils mit 14 zu 10 Stimmen, beiden Initiativen keine Folge zu geben.
Bourgeois Jacques · Mit-M · Nationalrat · Freiburg · FDP-Liberale Fraktion
Lors de sa réunion des 10 et 11 août derniers, la Commission de l'environnement, de l'aménagement du territoire et de l'énergie s'est penchée sur l'initiative parlementaire Kälin 19.403, "Prévoir que les futurs projets de loi devront être assortis d'un bilan carbone" et sur l'initiative parlementaire du groupe des Verts 19.404, "Frein au CO2".
L'initiative parlementaire 19.403 vise à modifier la loi sur le Parlement, avec pour but que tous les projets de loi qui nous sont soumis soient désormais évalués sous l'angle des émissions de gaz à effet de serre.
L'initiative 19.404 vise quant à elle une modification de la Constitution et exige, en se basant sur le modèle du frein aux dépenses, d'introduire un modèle de frein au CO2. Les projets qui présenteraient un bilan négatif des émissions de gaz à effet de serre devraient ainsi être adoptés à la majorité des membres de chaque conseil.
La majorité de la commission est d'avis qu'il ne faut pas donner suite à ces deux initiatives car, d'une part, le Conseil fédéral prend déjà en considération, dans ses messages, les conséquences des projets sur l'environnement. D'autre part, les objectifs visés par les initiatives ne sont guère applicables. Le Conseil fédéral peut tenir compte, dans ses projets, de l'environnement, car ce domaine dispose de valeurs cibles, ce qui n'est pas le cas pour le climat. Il serait néanmoins très difficile d'appliquer ces valeurs cibles, vu la complexité du domaine. Cela ne veut pas dire pour autant que nous ne devons pas veiller, à terme, à une meilleure transparence dans ce domaine.
N'oublions pas non plus que les politiques climatique et énergétique sont en train d'être mises en oeuvre et vont encore, par conséquent, déployer leurs effets. Ne perdons pas de vue non plus le fait que les trois quarts de notre empreinte carbone sont générés à l'étranger.
C'est un important levier sur lequel nous devons agir. Nous devons aussi prendre en considération dans notre appréciation le nouvel article 7a de la loi sur le CO2 qui fixe le principe de réduction en cas d'émissions élevées de gaz à effet de serre. Il mentionne à l'alinéa 1: "Quiconque souhaite construire ou modifier de manière importante des installations au sens de l'article 7 alinéa 7 de la loi du 7 octobre 1983 sur la protection de l'environnement ... qui génèrent une certaine quantité minimale de gaz à effet de serre veille à ce que les gaz à effet de serre générés par ces installations soient limités dans la mesure que le permettent l'état de la technique et les conditions d'exploitation et pour autant que cela soit économiquement supportable."
Vouloir soumettre, pour qu'ils soient adoptés, les projets qui présentent un bilan négatif des émissions de gaz à effet de serre à la majorité absolue des membres de chaque conseil - comme l'exige l'auteure de l'initiative 19.404 - est très difficile à expliquer, voire irréaliste. Comment voulez-vous, sans valeurs indicatives, réévaluer sans cesse les conséquences des différentes nouvelles propositions - décisions apportées dans le cadre des débats parlementaires - et refaire des calculs presque impossibles à réaliser sur le volume de CO2 en plus généré à la suite de telle ou telle décision? Cela équivaudrait aussi à instaurer un système de blocage, qui pourrait avoir des impacts très néfastes sur l'approbation de certaines lois.
Une minorité de la commission désire donner suite aux deux initiatives parce qu'elle considère que la lutte contre le changement climatique est une tâche globale à laquelle le Parlement doit être sensibilisé dans ses actions.
Par 14 voix contre 10, la commission a pris la décision de ne pas donner suite aux deux initiatives parlementaires et je vous invite à en faire autant.
Abstimmung
19.403
La présidente (Moret Isabelle, présidente): La majorité de la commission propose de ne pas donner suite à l'initiative. Une minorité Egger Kurt propose d'y donner suite.
Abstimmung - Vote
Für Folgegeben ... 85 Stimmen
Dagegen ... 99 Stimmen
(0 Enthaltungen)
Abstimmung
19.404
La présidente (Moret Isabelle, présidente): La majorité de la commission propose de ne pas donner suite à l'initiative. Une minorité Klopfenstein Broggini propose d'y donner suite.
Abstimmung - Vote
Für Folgegeben ... 85 Stimmen
Dagegen ... 98 Stimmen
(0 Enthaltungen)