22.3534

Internationale Zusammenarbeit. Stärkung des Privatsektors in den Schwerpunktländern der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz

Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Antrag der Mehrheit

Annahme der Motion

Antrag der Minderheit

(Aebi Andreas, Büchel Roland, Grüter, Hess Erich, Nidegger, Tuena)

Ablehnung der Motion

Proposition de la majorité

Adopter la motion

Proposition de la minorité

(Aebi Andreas, Büchel Roland, Grüter, Hess Erich, Nidegger, Tuena)

Rejeter la motion

President (Candinas Martin, president): (discurra sursilvan) Vus avais retschavì in rapport en scrit da la cumissiun.

Schneider-Schneiter Elisabeth · Mit-F · Nationalrat · Basel-Landschaft · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Die Motion Sommaruga Carlo 22.3534 wurde am 1. Juni 2022 im Ständerat eingereicht. Sie beauftragt den Bundesrat, die Förderung und Unterstützung des lokalen Privatsektors in den Partnerländern im Rahmen der neuen Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 zu priorisieren. Sie verlangt zudem, dass der Fokus vor allem auf die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze gelegt wird. Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion. Der Ständerat hat die Motion in der Herbstsession 2022 angenommen.

Ihre Aussenpolitische Kommission hat die Motion nun an ihrer Sitzung vom 17. Januar 2023 beraten und beantragt Ihnen mit 19 zu 6 Stimmen, die Motion anzunehmen, das aus folgenden Gründen: Die Förderung und Unterstützung des lokalen Privatsektors in den Partnerländern, namentlich im Hinblick auf die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze, soll einer der Schwerpunkte der Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 sein. Durch diese Massnahme ist es möglich, die lokale Wirtschaft anzukurbeln, Arbeitsplätze zu sichern und die Berufsbildung zu fördern, durch welche die Beschäftigten die benötigten Fähigkeiten vor Ort erwerben können. Sie fordert die Akteure der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit auf, im Sinne der Nachhaltigkeitsziele durch einen Systemwechsel vor Ort zur Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze beizutragen. Die Mehrheit ist auch der Ansicht, dass die Motion im Einklang mit dem aktuellen Programm zur Weiterentwicklung der Entwicklungszusammenarbeit steht.

Eine Kommissionsminderheit ist der Meinung, dass die Förderung lokaler KMU bereits eine Priorität der Entwicklungszusammenarbeit sei und die Motion keinen Mehrwert bringe. Sie bemängelt zudem, dass die Motion keine konkreten Anhaltspunkte zu ihrer Umsetzung enthält, namentlich was die Verteilung und die Erhöhung der Ressourcen angeht.

Die Mehrheit der Kommission erachtet die Verankerung dieses Anliegens in der künftigen Strategie für die Entwicklungszusammenarbeit als mehr als sinnvoll. In diesem Sinne empfiehlt Ihnen Ihre Kommission, diese Motion anzunehmen und damit dem Bundesrat und dem Ständerat zu folgen.

Wehrli Laurent · Mit-M · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion

Dans sa séance du 17 janvier 2023, votre Commission de politique extérieure a décidé, par 19 voix contre 6 et aucune abstention, de soutenir la motion que nous traitons maintenant visant au développement du secteur privé local dans les pays prioritaires de la coopération internationale suisse. Le Conseil des Etats a déjà adopté cette motion en date du 27 septembre 2022. Le Conseil fédéral propose d'accepter cette motion.

Cette motion désire charger le Conseil fédéral d'accorder une priorité à la promotion et au soutien du secteur privé local dans les pays partenaires de la nouvelle stratégie de coopération internationale 2025-2028, principalement sous l'angle de la création d'emplois décents.

Pour mémoire, la création d'emplois décents figure déjà parmi les quatre accents thématiques de la stratégie de coopération internationale 2021-2024 et figure en tant qu'objectif spécifique à l'article 5 alinéa 2 lettre d de la loi fédérale du 19 mars 1976 sur la coopération au développement et l'aide humanitaire internationales.

Le secteur privé joue un rôle crucial pour la création d'emplois et la réduction de la pauvreté. Les acteurs du secteur privé local, en priorité les PME, qui forment l'épine dorsale de toute économie, sont essentiels pour la création d'emplois et la réalisation des objectifs de développement durable. Cette motion vise donc à développer le soutien au secteur privé local en vue de la création d'emplois décents, ainsi que le renforcement des compétences des femmes et des jeunes sur le marché du travail local, afin de leur offrir des perspectives d'emploi.

Un axe important de la coopération internationale dans ce domaine doit être le renforcement des conditions-cadres pour assurer la stabilité et la gouvernance économique par la mise en oeuvre d'un environnement propice à l'initiative privée locale, ainsi qu'une bonne gestion des ressources publiques, de même que des mesures en soutien à l'entrepreneuriat, aux systèmes de santé, à l'enseignement de base, à la formation professionnelle et à l'inclusion financière, ainsi que le renforcement des standards et la promotion des bonnes pratiques en matière de durabilité, d'égalité des genres et de respect des droits de l'homme.

Le renforcement et le développement du secteur privé local peut également contribuer aux autres axes thématiques de la coopération internationale de la Suisse, notamment la lutte contre les changements climatiques et la gestion durable des ressources naturelles, ainsi qu'à la diminution des causes de la migration irrégulière.

Cette stratégie 2025-2028 devra aussi démontrer la cohérence des mesures et des instruments mis en oeuvre dans les pays prioritaires, tant sur le plan bilatéral que multilatéral, par la DDC, le SECO et le Sifem pour contribuer au mieux au développement du secteur privé local et à la création d'emplois décents.

En conclusion, je vous rappelle que votre commission vous recommande, par 19 voix contre 6, de soutenir cette motion qui vise au développement du secteur privé local dans les pays prioritaires de la coopération internationale suisse.

Aebi Andreas · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Eine Motion kostet rund 8000 bis 10 000 Franken. Alle sprechen von Überbelastung. Wollen wir diese Motion?

Der Motionär fordert Folgendes: "Der Bundesrat wird beauftragt, die Förderung und Unterstützung des lokalen Privatsektors in den Partnerländern im Rahmen der neuen Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 zu priorisieren; dabei soll der Fokus vor allem auf die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze gelegt werden." Das wollen wir alle auch.

Der Bundesrat hält in seiner Stellungnahme vom August 2022 fest: "Auf dieser Grundlage wird im ersten Halbjahr 2023 die Vernehmlassung zur Botschaft über die Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2025-2028 eröffnet." Also, hier kann man sich einbringen, und der private Sektor soll dabei sein: Die anwesenden Vertreter der DEZA haben an unserer Kommissionssitzung bejaht, dass die Einbindung des privaten Sektors schon Realität ist. Diese Motion ist von daher überflüssig.

Als Mitglied der Aussenpolitischen Kommission seit vierzehn oder sechzehn Jahren kann ich Ihnen drei Beispiele bringen, die zeigen, wie der Privatsektor eingebunden wird. Erstes Beispiel, Cuzco, Peru: Dort wird die Stadtverwaltung vor Ort durch das SECO unterstützt. Zweites Beispiel, Winnizja, Ukraine: Der Parlamentspräsident war dabei, als alte VBZ-Trams in den Verkehr gebracht wurden, das SECO und die DEZA waren vor Ort - hervorragend! Drittes Beispiel, Burkina Faso, duale Ausbildung: Dort habe ich gesehen, was das SECO und die DEZA vor Ort alles machen. Fazit: Der Privatsektor ist eingebunden, was wollen wir also noch mehr?

Ich habe drei Punkte: Wer bezahlt die Kosten, wenn wir im Ausland mehr machen? Ich bin bereit, das zu bezahlen, aber wir können das Budget für die internationale Zusammenarbeit nicht aufstocken. Wollen wir das Personal der DEZA in der Schweiz abbauen? Hier gibt es keine Fragen, und ich sage es noch einmal: Eine Motion kostet 8000 bis 10 000 Franken.

Darum stimmen wir dem Bundesrat und der von ihm vorgegebenen Marschrichtung zu. Da passiert etwas, da geschieht etwas, das ist positiv - aber die Motion unseres verehrten Kameraden Sommaruga dürfen wir so nicht annehmen.

Darum bitte ich Sie, die Motion abzulehnen.

Cassis Ignazio · BR-M · Bundesrat · Tessin

Le Conseil des Etats a adopté cette motion lors de la session d'automne 2022. Votre commission, vous l'avez entendu, vous propose également d'adopter la motion.

Le renforcement du secteur privé et la création d'emplois décents constituent aujourd'hui déjà une priorité de la coopération internationale. Le secteur privé apporte une contribution essentielle à la réduction de la pauvreté.

Dans les pays en développement, neuf emplois sur dix sont créés grâce au secteur privé. Pour atteindre les objectifs de l'Agenda 2030, le secteur privé est donc lui aussi sollicité. Les entreprises privées, en particulier les petites et moyennes entreprises, constituent, vous le savez, la colonne vertébrale d'une économie et sont la force motrice pour les générations futures. Le travail et les revenus permettent à chaque individu d'améliorer ses conditions de vie et de renforcer sa liberté.

Die DEZA verabschiedete letztes Jahr das "Leitbild Privatsektor" für die internationale Zusammenarbeit. Darin zeigten wir auf, wie wir den Privatsektor zugunsten der nachhaltigen Entwicklung einbeziehen.

Das SECO orientiert sich in seiner Arbeit an zwei Hauptzielen: 1. zuverlässige Rahmenbedingungen schaffen; 2. privatwirtschaftliche Initiative fördern.

Wir können auch schon messbare Erfolge vorweisen. Beispielsweise haben wir über den Sifem in den letzten rund fünfzehn Jahren über 900 000 Jobs geschaffen und erhalten. Wir streben auch Synergien an mit Programmen in der Berufsbildung für junge Menschen. Denn Unternehmen brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Wir fördern auch die Stärkung der Gouvernanz und der öffentlichen Dienstleistungen, ein unentbehrliches Gerüst für ein funktionierendes Geschäftsumfeld. Auch die Entwicklung von lokalen Finanz- und Kapitalmärkten ist wichtig. Das Swiss Entrepreneurship Program des SECO schafft ein unternehmerisches Umfeld in Ländern wie Serbien, Albanien oder dem Kosovo. Besonders fördern möchten wir auch die Möglichkeit für Frauen, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Ein eigenes Einkommen stärkt die Position der Frauen. Die DEZA unterstützt zum Beispiel einen Fonds, der Anreize schafft, Frauen unter anderem in Bangladesch und Subsahara-Afrika mit Kleinkrediten zu versorgen. In vielen Fällen ermöglicht bereits der Zugang zu Finanzprodukten die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen.

Sie sehen: Die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, werden in die Prioritäten der kommenden IZA-Strategie 2025-2028 einfliessen.

In diesem Sinne beantragt der Bundesrat die Annahme der Motion.

Aebi Andreas · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Geschätzter Herr Bundesrat, Sie haben noch nichts über die Mittelverteilung gesagt. Wie sieht die Mittelverteilung zwischen Inland und Ausland aus, wenn wir mehr vor Ort, und zwar im Ausland, machen?

Cassis Ignazio · BR-M · Bundesrat · Tessin

Danke für die Frage, Herr Nationalrat. Wir werden die Diskussion zu gegebenem Zeitpunkt bei der IZA-Strategie führen, dies zusammen mit der Diskussion über den Rahmenkredit über die vier Jahre. Wir beabsichtigen in diesem Moment bei der Finanzierung keine Umverteilung der Finanzen gegenüber der bestehenden IZA-Strategie. Aber eben, wie gesagt: Das werden wir noch diskutieren können, sobald der Finanzrahmen ins Parlament kommt.

Candinas Martin · P-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Präsident (Candinas Martin, Präsident): Die Mehrheit der Kommission und der Bundesrat beantragen, die Motion anzunehmen. Eine Minderheit Aebi Andreas beantragt, sie abzulehnen.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 116 Stimmen

Dagegen ... 61 Stimmen

(1 Enthaltung)