AS 2020 2287
Verordnung des EDI
über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen
Bädern und Duschanlagen
(TBDV)
Änderung vom 27. Mai 2020
Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI)
verordnet:
I
Die Verordnung des EDI vom 16. Dezember 20161 über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen wird wie folgt geändert:
Art. 4 Abs. 4 und 5
Für die Aufbereitung von Trinkwasser und den Schutz von Trinkwasseranlagen dürfen ausschliesslich Stoffe und Verfahren nach Anhang 4 verwendet werden.
Für den Bau oder Umbau sowie beim Betrieb der Trinkwasserversorgungsanlage sind Trinkwasserkontaktmaterialien zu verwenden, deren Eignung zum Fassen, Aufbereiten, Transportieren und Speichern von Trinkwasser nach anerkannten Prüf- und Bewertungsverfahren ermittelt wurde.
Art. 10 Abs. 1
Aufgehoben
Art. 14 Abs. 2 und 3
Aufgehoben
II
Die Anhänge 1–4 und 7 werden gemäss Beilage geändert.
III
Diese Verordnung tritt am1. Juli 2020 in Kraft.
27. Mai 2020 Eidgenössisches Departement des Innern: Alain Berset
Anhang 1
Mikrobiologische Anforderungen an Trinkwasser
Ziffer 1 Trinkwasser
Die ganze Ziffer 1 wird durch die folgende Tabelle ersetzt:
Ziffer Produkt Parameter Höchstwerte Analytische Referenzmethode Bemerkungen
1 Trinkwasser
1.1 an der Fassung, unbehandelt Aerobe, mesophile Keime 100/ml EN/ISO 6222 Bebrütungstemperatur: 30 °C Bebrütungszeit: 72 Stunden 1.2 nach der Behandlung Aerobe, mesophile Keime 20/ml EN/ISO 6222 Bebrütungstemperatur: 30 °C Bebrütungszeit: 72 Stunden gilt unmittelbar nach der Aufbereitung oder Behandlung des Wassers 1.3 im Verteilnetz, behandelt oder Aerobe, mesophile Keime 300/ml EN/ISO 6222 Bebrütungstemperatur: 30 °C unbehandelt Bebrütungszeit: 72 Stunden 1.4 im Verteilnetz und in der Hausin- Escherichia coli nn/100 ml EN/ISO 9308-1 stallation Enterokokken nn/100 ml EN/ISO 7899-2
2 KBE: kolonienbildende Einheiten
Anhang 2
Chemische Anforderungen an Trinkwasser Den folgenden Eintrag in alphabetischer Reihenfolge einfügen:
Parameter Höchstwerte Einheiten Bemerkungen Halogenkohlenwasserstoffe, flüchtige: Summe al- 10 µg/l Aus Umweltkontamination stammend, ohne Trihalomethane THM. ler halogenierten Substanzen mit einem Grundgerüst von 1–3 C-Atomen und keinen weiteren funktionellen Gruppen Perchlorat 04 µg/l
Anhang 3
Weitere Anforderungen an Trinkwasser Den folgenden Eintrag ersetzen:
Ziff. 1 Spezifische Anforderungen
Parameter Richtwerte Einheiten Anmerkungen Gesamter organischer Kohlenstoff ≤2 mg/l Keine ungewöhnlichen Veränderungen. Die Erhöhung der Konzentration (TOC, Total Organic Carbon) des ins Haus eintretenden Wassers darf höchstens 0,5 mg C/l entsprechen. Richtwert Gesamtdosis nach Artikel 1a der Kontaminantenverordnung des EDI vom 16. Dezember 20163
Anhang 4
(Art. 4 Abs. 4) Liste der anerkannten Verfahren und Mittel zur Aufbereitung von Trinkwasser und zum Schutz von Wasserversorgungsanlagen
Ziff. 1 Liste der Verfahren zur Aufbereitung von Trinkwasser zum Zweck der Veränderung von physikalisch-chemischen Wassereigenschaften
Filtration Teilweise oder vollständige Filtration über körnige Materia- Abtrennung von ungelösten lien: Schnellfiltration (Ein- Partikeln aller Art durch mechani- schicht-, Zweischicht- oder sche und elektro-physikalische Mehrschichtfilter), Lang- Siebwirkung; bei der Membran- samsandfiltration; Bodenpassafiltration können auch ungelöste ge; in Kombination mit Flo- Stoffe entfernt werden. ckung: Flockungsfiltration; Anschwemmfiltration; Membranfiltration: Mikrofiltration, Ultrafiltration, Nanofiltration, Umkehrosmose; Aktivkohlefiltration; Entsäuerung durch Filtration über alkalische Filtermedien Abbau von Stoffen durch Mikro- Verwendung des Filters als organismen Träger von biologischen Gemeinschaften Flockung und Fällung Entladung von Partikeln, so Sedimentationsflockung; dass sie zu filtrierbaren oder Flockungsfiltration; Entcarbonisedimentierbaren Flocken koagu- sierung; Enteisenung, Entmanlieren, bzw. Massnahmen, die echt ganung; Arsenentfernung und kolloidal gelöste Bestandteile in eine unlösliche sedimentierbare oder filtrierbare Form überführen. Sedimentation Entfernung von Partikeln unter Sedimentation; Sedimentations- Einwirkung der Gravitationskraft flockung Gasaustausch/Belüftung Entfernung unerwünschter Gase Entsäuerung; Enteisenung; und/oder Eintrag von Sauerstoff Entmanganung; Strippen zur Entfernung flüchtiger organischer Verbindungen; Austreiben von Geruchs- und Geschmacksstoffen; Nitrifikation Oxidation Veränderung anorganischer Enteisenung, Entmanganung; und/oder organischer Stoffe, so Arsenentfernung; Ozonung; dass diese leichter entfernbar oder AOP-Prozesse; Entfärbung; besser biologisch abbaubar sind Zerstörung von Geruchs- und Geschmacksstoffen Adsorption Entfernung gelösten Stoffen aus Entfernung (unpolarer) organidem Wasser durch Sorption an scher Substanzen durch Granu- Feststoffe lierte Aktivkohle (GAK) oder Pulveraktivkohle (PAK); Ozon- Entfernung; Arsenentfernung; Entfluoridierung Biologische Verfahren Abbau von Stoffen durch Mikro- Biolog. Aktivkohlefiltration; organismen (meist auf Träger- Langsamsandfiltration; Nitrifimaterial) kation und Denitrifikation Mischen Verdünnen zur Reduktion der Stoffkonzentrationen durch Mischen von zwei oder mehreren Wässern Zudosierung von Stoffen Zugabe von Säure oder Lauge zur pH-Wert-Korrektur Änderung des pH-Werts Ionenaustausch Entfernung resp.
Austausch von Teilenthärtung, Entcarbonisie- Anionen oder Kationen rung; Nitratentfernung; Uranentfernung; Entfluordierung; Arsenentfernung
Ziff. 2 Liste der Verfahren zur Aufbereitung von Trinkwasser bezüglich Mikroorganismen und zum Schutz von Trinkwasser in Wasserversorgungsanlagen bezüglich
Mikroorganismen Zudosierung von Primärdesinfektion und/oder Chemische oder elektrochemi- Chlordioxid Sekundärdesinfektion (Enddesin- sche Erzeugung von Chlordifektion); Netzschutz; desinfizie- oxid aus einer Chloritlösung vor rendes Agens: ClO2 Ort; Herstellungsverfahren: Chlorit-/Chlor-Verfahren, Chlorit-/Salzsäure-Verfahren, Chlorit-/Peroxodisulfat- Verfahren; Chlorung Primärdesinfektion und/oder Elektrochemische Erzeugung Sekundärdesinfektion (Enddesin- von Chlor aus einer Natriumfektion); Netzschutz; desinfizie- chloridlösung vor Ort; rendes Agens: HOCl Elektrolyse mit oder ohne Diaphragma. Die Kombination mit Chlordioxid ist zulässig; Vakuum-Chlorgasdosieranlage; Chlorung mit Javelwasser (Dosierung von Natriumhypochlorit-Lösung). Die Kombination mit Chlordioxid zulässig; Dosierung von Calciumhypochlorit-Lösung Ozonung Primärdesinfektion Erzeugung von Ozon im elektrischen Feld aus Luft oder Sauerstoff vor Ort UV- Bestrahlung Primärdesinfektion Reaktor mit einem oder mehreren Niederdruck- oder Mitteldruckstrahlern Silberung Hemmung der Verkeimung in Gesilberte Ionenaustauschereinzelnen Geräten in der Haus- harze in Enthärtungsanlagen in installation im Kaltwasserbereich; Gebäuden; Silbernitrat- Tabletten für Notwasser Hemmung der Verkeimung in Tanks oder Behältnissen
Ziff. 3 Liste der Verfahren zum Schutz von Wasserversorgungsanlagen
Verfahren1 Umschreibung und Zweck Anwendung/Beispiele und Bemerkungen Zudosierung von Stoffen Zugabe von Säure oder Lauge zur Entcarbonisierung; pH-Wert- Änderung des pH-Werts; Zugabe Korrektur; Korrosionsschutz von Stoffen zur Schutzfilmbildung (chemisch) Elektrophysikalische oder Hemmung von Kalkablagerungen, Verhinderung der Kalkschalenmagnetische Verfahren Verhinderung von Scaling bildung Elektrochemische Verfah- Hemmung der Oxidation eisenhal- Korrosionsschutz; mit oder ohne ren tiger Werkstoffe; Verlangsamung Fremdstrom der Korrosion Eine unedle Elektrode verhindert eine anodische Reaktion an den eisenhaltigen Werkstoffen; Korrosionsschutz Die eisenhaltigen Werkstoffe werden als Kathode geschaltet, um eine Oxidation zu vermeiden. Verwendung einer Opferkathode. Die entstehende Natronlauge löst die Kathode langsam auf.
Ziff. 4 Liste der Stoffe zur Aufbereitung von Trinkwasser bezüglich physikalischen
oder chemischen Eigenschaften Die zwei folgenden Einträge werden gemäss der nachstehenden Tabelle in alphabetischer Reihenfolge neu eingefügt:
… Bauxit Filtration, Entfernung von Partikeln … Ozon Oxidation 10028-15-6 … Die zwei folgenden Einträge ersetzen die bestehenden Einträge gemäss der nachstehenden Tabelle in alphabetischer Reihenfolge: Der Eintrag «Eisenmum, gelagertes aktiviertes Aluminiumoxid» wird ersetzt durch den Eintrag «Eisenumlagertes aktiviertes Aluminiumoxid». Der Eintrag «Styren-Divinylbenzen-Copolymer mit Trialkyl-ammonium-Gruppen» wird mit dem Verwendungszweck «Nitratentfernung» vervollständigt.
… Eisenumlagertes aktiviertes Adsorption, Filtration, Entfernung von Arsen Aluminiumoxid … Styren-Divinylbenzen-Copolymer Entfernung von Uran; Nitratentfernung mit Trialkyl-ammonium-Gruppen …
Ziff. 5 Liste der Stoffe zur Aufbereitung von Trinkwasser bezüglich Mikroorganismen
Calciumhypochlorit Desinfektion 7778-54-3 Chlor Desinfektion; Herstellung von Chlordioxid 7782-50-5 Chlordioxid Desinfektion 10049-04-4 Natriumdichloroisocyanurat Nur für Notwasservorsorge 2893-78-9 Natriumdichloroisocyanurat- Nur für Notwasservorsorge 51580-86-0 dihydrat Natriumhypochlorit Desinfektion 7681-52-9 Ozon Desinfektion, Oxidation 10028-15-6 Silber Hemmung der Verkeimung in Geräten der 7440-22-4 Hausinstallation im Kaltwasserbereich oder in Tanks oder Behältnissen Silbernitrat Hemmung der Verkeimung in Geräten der 7761-88-8 Hausinstallation im Kaltwasserbereich oder in Tanks oder Behältnissen
Ziff. 6 Liste der Stoffe zum Schutz von Wasserversorgungsanlagen
Die zwei folgenden Einträge werden gemäss der nachstehenden Tabelle in alphabetischer Reihenfolge neu eingefügt:
… Natriumhydroxid pH-Korrektur; Regeneration von Ionenaus- 1310-73-2 tauschern … Styren-Divinylbenzen-Copolymer Enthärtung 69011-20-7 mit Sulfonsäuregruppen …
Anhang 7
(Art. 12) Höchstkonzentrationen von Schadstoffen und bei der Desinfektion anfallenden Nebenprodukten für Badewasser
Ziff. 1 Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern
Einfügen Fussnote bei Höchstwert Bromat Ziffer Kategorie Untersuchungskriterien Höchstwerte
1 Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern
Alle Bäder Bromat 0,2 mg/l4
Aus Badewasseraufbereitung stammend, ohne Beeinträchtigung der Desinfektion.