Einwanderungen von Fischarten in die Schweiz. Rheineinzugsgebiet.Rheineinzugsgebiet Der vorliegende Bericht liefert eine Uebersicht über die Neozoen der Schweizer Fischfauna. Die S
Vollzug Umwelt
MITTEILUNGEN ZUR FISCHEREI
NR. 72
Einwanderung von Fischarten in die Schweiz Rheineinzugsgebiet
Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL
Vollzug Umwelt
MITTEILUNGEN ZUR FISCHEREI
NR. 72
Einwanderung von Fischarten in die Schweiz Rheineinzugsgebiet
Herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL Bern, 2002
Herausgeber Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL
Autoren Werner Dönni, AquaPlus, Zug J. Freyhof, Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin (D)
Mitarbeit BUWAL Claudia Friedl, Sektion Fischerei
Bezug Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft Dokumentation
3003 Bern
Fax + 41 (0)31 324 02 16 E-Mail: docu@buwal.admin.ch Internet: www.buwalshop.ch
Bestellnummer MFI-72-D
© BUWAL 2002 10.2002 600 71039/134
1 Problemstellung und Auftrag
Die heutige Überzeugung, dass an den grossen Flüssen Mitteleuropas die Durchgängigkeit für die Fische wiederhergestellt werden sollte, führt dazu, dass zunehmend Flusskraftwerke mit funktionierenden Fischaufstiegshilfen ausgestattet werden. Die Ausbreitung von in der Schweiz ausgestorbenen Arten, wird dadurch begünstigt, zum Teil sogar erst möglich, so dass in den nächsten Jahren mit einer Wiedereinwanderung gerechnet werden kann.
In den letzten Jahren haben sich die Meldungen über neue, ins deutsche Rheineinzugsgebiet eingewanderte Fischarten gehäuft. Das Auftauchen dieser Neozoen wird vor allem mit fischereilichen Besatzmassnahmen und dem 1993 eröffneten Rhein-Main-Donau-Kanal in Verbindung gebracht. Über diese Schifffahrtsstrasse breiten sich Fischarten vom Donauraum in das Einzugsgebiet des Rheins aus.
Die Einwanderung neuer Fischarten kann mit mehr oder weniger starken Auswirkungen auf die lokale Fischgemeinschaft, unter Umständen auf das ganze aquatische Ökosystem verbunden sein.
Der Schwerpunkt der vorliegenden Situationsanalyse liegt mehr auf dem Beschrieb der einzelnen Fischarten als auf der allgemeinen Problematik um die Neozoen. In erster Linie wird die Situation im Rheineinzugsgebiet aufgezeigt. Die übrigen grossen Flusseinzugsgebiete, denen die Schweiz angehört (Rhone, Po, Donau), werden weniger detailliert behandelt. Die Thematik wurde auf folgende Artengruppen eingegrenzt:
● Autochthone, ausgestorbene Arten: Fischarten, die in der Schweiz einst heimisch waren, nach dem Jahre 1800 ausgestorben sind, in Zukunft aber wieder einwandern könnten. Es handelt sich somit nicht um Neozoen im Sinne der Definition in Kapitel 2. Die Ausführungen beschränken sich auf Arten, die im schweizerischen Rheineinzugsgebiet vorkommen. Die Situationsanalyse dieser Arten bezieht sich aber auf die ganze Schweiz.
● Allochthone, rezente Neozoen: Fischarten, die vor dem Jahre 1492 (Kap. 2.) in der Schweiz nie heimisch waren, nun aber in der Schweiz vorkommen. Die Ausführungen beschränken sich auf Arten, die im schweizerischen Rheineinzugsgebiet vorkommen. Die Situationsanalyse dieser Arten bezieht sich aber auf die ganze Schweiz.
● potenzielle Neozoen: Fischarten, die in der Schweiz nie heimisch waren, in der nächsten Zukunft aber einwandern könnten oder unbemerkt schon hier sind. Die Ausführungen beschränken sich auf Arten, die im Rheineinzugsgebiet vorkommen oder in den nächsten Jahren in diesem erwartet werden.
Wenn hier von Neozoen gesprochen wird, sind ausschliesslich Neozoen der Fischfauna gemeint. Zur Situation der wirbellosen Neozoen vgl. Rey et al. (2000).
Definition Mitt. zur Fischerei Nr. 72
2 Definition des Begriffs «Neozoen»
Spricht man von der «einheimischen», «angestammten», «indigenen» oder «autochthonen» Fauna sind im allgemeinen wildlebende Arten gemeint, die seit langem bei uns vorkommen. Hier wird in erster Linie der Begriff «autochthon» verwendet. Als «fremde», «nicht heimische», «exotische», «eingeführte», «nichtindigene», «gebietsfremde», «allochthone» Tierarten oder eben «Neozoen» bezeichnet man meist Arten, die erst in jüngerer Zeit die Schweiz besiedelt haben1. So wird der vermutlich von den Römern eingeführte Karpfen (Cyprinus carpio) im allgemeinen nicht zu den Neozoen gerechnet. Hingegen gilt der Ende des 19. Jh. eingeführte Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) eindeutig als allochthon. Im Folgenden werden die Begriffe «Neozoen» (Einzahl «Neozoon») und «allochthon» verwendet.
Artengemeinschaften haben sich immer verändert. Über einen längeren Zeitraum gesehen blieben sie nie stabil. Daraus folgt, dass die Bezeichnung «Neozoen» nur für einen gewissen Zeitraum zutreffend sein kann. Eine Definition des Begriffs muss also eine zeitliche Dimension beinhalten.
Neben dem zeitlichen ist auch der räumliche Aspekt von entscheidender Bedeutung. Der aus Ostasien eingeschleppte Blaubandbärbling (Pseudorasbora parva) gilt für die gesamte Schweiz als Neozoon. Der heute in der Schweiz ausgestorbene Huchen (Hucho hucho) hingegen wird als einheimische Art angesehen. Da er aber ursprünglich nur im Inn vorkam, muss er im Einzugsgebiet des Rheins, wo erfolglos versucht wurde, ihn anzusiedeln (Anonymus 1950), als Neozoon betrachtet werden.
Die Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF, SR 923.01) bezeichnet zwar die Neozoen in den Anhängen 2 und 3, liefert aber keine eigentliche Definition. Betrachtet man aber den Zeitpunkt der ersten Einführung dieser Arten in die Schweiz (soweit bekannt, Tab. 1), so erkennt man, dass es sich ausschliesslich um Arten handelt, die nach 1700 eingeführt wurden.
Die unter der Leitung von Prof. Dr. R. Kinzelbach stehende «Arbeitsgruppe Neozoen» des Instituts für Biodiversitätsforschung der Universität Rostock erarbeitete 1995 im Rahmen eines fachlich breit abgestützten Kolloquiums (Gebhardt et al. 1996) folgende, im deutschen Sprachraum heute meist anerkannte Definition für den Begriff Neozoen:
«Neozoen sind Tierarten, die nach dem Jahr 1492 unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind und dort wild leben.»
Hierzu liefert die Arbeitsgruppe folgende Erläuterungen (AG Neozoen 1997): «Der Neozoenstatus bezieht sich nur auf Arten. Eine neu auftretende Rasse einer vorhandenen Art ist damit unabhängig von deren ökologischen Auswirkungen nicht als Neozoon… einzustufen… Das Jahr 1492 wird als Symbol (Entdeckung Amerikas durch Kolumbus) für den Beginn des Kolonialzeitalters verwendet. Seit dieser Zeit ist es durch die zunehmende Vernetzung der verschiedenen Kontinente auch zu einem verstärkten Austausch von Tier- und Pflanzenarten gekommen. Vor 1492 eingeführte oder eingeschleppte Tiere werden als Archäozoen bezeichnet …
Diese etwas diffuse Vorstellung darüber, was Neozoen sind und die vielfältige Terminologie findet man auch im englischen Sprachgebrauch. Hier könnte sich die Bezeichnung «nonindigenous» durchsetzen. Nico & Fuller (1999) definieren diesen Begriff «…as an individual, group, or population of a given fish taxon that is introduced, as the result of human activities, into an area or ecosystem outside its historic or native geographic range.». Unter «historisch» wird vermutlich die Zeit vor der europäischen Besiedlung Nordamerikas also vor etwa 1600 verstanden (Rahel 2000).
Definition Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Direkte oder indirekte Mitwirkung des Menschen für das Auftreten einer Tierart in einem Gebiet kann u. a. sein: bewusste Einbürgerung …, unbeabsichtigte Einschleppung mit Waren …, Entweichen aus Haltungen …, Vernichtung von Ausbreitungsbarrieren … Im Gegensatz dazu steht die natürliche Einwanderung. Von ihr kann gesprochen werden, wenn das Tier ohne erkennbaren Zusammenhang zu menschlichen Aktivitäten in dem betreffenden Gebiet erscheint … Im Einzelfall kann es recht schwierig sein, zwischen diesen beiden Fällen zu unterscheiden. Ein Sonderfall ist die natürliche Einwanderung aus einem Gebiet, in dem die betreffende Tierart Neozoon ist … Da hier eine direkte menschliche Mitwirkung durch die Ansiedlung in einem fremden Gebiet vorliegt, sprechen wir auch hier von einem Neozoon.
… Tierarten gelten in einem Gebiet als ursprünglich heimisch, wenn sie in diesem Gebiet vor 1492 immer, regelmässig … oder gelegentlich … lebten. Es ist also nicht erforderlich, dass eine Reproduktion in dem Gebiet stattfand.
Ein Tier lebt wild, wenn es sich länger ohne menschliche Kontrolle seiner Biologie entsprechend frei in seiner Umgebung bewegt und nicht im Besitz eines Menschen ist. Etablierte Neozoen sind Neozoen, die einen längeren Zeitraum (mind. 25 Jahre) und/oder über mindestens drei Generationen in dem entsprechenden Gebiet existieren.»
Basierend auf den Überlegungen der Rostocker Arbeitsgruppe definieren wir hier den Begriff «Neozoen» wie folgt:
Neozoen sind wildlebende Tierarten, die nach 1492 mit direkter oder indirekter Hilfe des Menschen in ein Gebiet eingewandert sind, in dem sie zuvor nie heimisch waren.
Unter dem Begriff «Gebiet» verstehen wir hier einerseits die politischen Grenzen der Schweiz, andererseits aber auch die vier Gewässer-Teileinzugsgebiete in der Schweiz (Rhein, Rhone, Po, Donau).
Fischarten, die bereits vor 1492 in der Schweiz vorkamen, werden in diesem Bericht als «autochthone» Arten, Neozoen entsprechend als «allochthone» Arten bezeichnet.
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
3 Darstellung der Problematik
3.1 Gesetzesgrundlage
Die VBGF1 spricht von landesfremden und standortfremden Arten, Rassen und Varietäten (Art. 6). Mit «landesfremd» sind die Neozoen gemäss der Definition in Kapitel 2 gemeint. Ihre Aussetzung ist bewilligungspflichtig. Unter dem Begriff «standortfremd» werden Arten, Rassen und Varietäten verstanden, die in der Schweiz natürlicherweise vorkommen, aber in einem bestimmten Gewässereinzugsgebiet der Schweiz natürlicherweise nicht vorkommen (z. B. Huchen (Hucho hucho) aus dem Inn im Rheineinzugsgebiet) oder die mit den Populationen des Einsatzortes genetisch nicht ausreichend verwandt sind (z. B. Bodenseefelchen (Coregonus sp.) im Zugersee).
Der vorliegende Bericht behandelt nur die landesfremden Arten im Sinne der VBGF. Standortfremde Formen werden nicht oder nur am Rande erwähnt. Insbesondere die Problematik um das Aussetzen genetisch unterschiedlicher Rassen und Varietäten (z. B. Zuchtformen des Karpfen, Besatzproblematik bei der Bachforelle) sind nicht Teil dieser Arbeit. Ebenso wird die Thematik der verschiedenen seespezifischen Arten (Felchen, Seesaibling) nicht behandelt.
3.2 Kurze Chronologie der Einführung neuer Fischarten im
Rheineinzugsgebiet der Schweiz
Die heutige Artenzusammensetzung der autochthonen Fischfauna der schweizerischen Gewässer hat sich vermutlich weitgehend nach der letzten Eiszeit vor etwa 11'000 Jahren gebildet. Sie ist das Ergebnis einer Neubesiedlung der neuentstandenen Gewässer durch Fischarten aus eisfreien Gebieten. Klimatische Schwankungen führten in den folgenden Jahrtausenden wahrscheinlich zum zeitweiligen Verschwinden und Auftauchen von Arten, für die die Schweiz am Rande ihres natürlichen Verbreitungsareals liegt (z. B. Moderlieschen (Leucaspius delineatus), Dreistachliger Stichling (Gasterosteus aculeatus), Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)).
Erste anthropogen bedingte Veränderungen der Fischfauna Europas verursachte die Karpfenzucht der Römer. Zu dieser Zeit, spätestens aber im Mittelalter, gelangte der Karpfen aus dem Donauraum in das Einzugsgebiet des Rheins (Balon 1995). Aus den folgenden Jahrhunderten liegen viele Angaben über wirtschaftlich interessante Arten vor. Unser Kenntnisstand über die damaligen Artengemeinschaften, insbesondere quantitative Angaben, ist aber sehr bescheiden (Lelek 1996).
Die ersten Jahrhunderte der Neuzeit waren geprägt durch Entdeckungen und Kolonialismus. Sie bescherten Europa viele neue Pflanzen- und Tierarten aus fernen Ländern. In dieser Zeit gelangte der Goldfisch (Carassius auratus auratus) als Zierfisch in die Teiche wohlhabender Leute und von dort bald in die natürlichen Gewässer (Kottelat 1997).
Verordnung vom 24.11.1993 (Stand 16.1.2001) zum Bundesgesetz über die Fischerei
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Die ab 1817 durchgeführten Korrektionen des Oberrheins bewirkten Habitatveränderungen, die aus unbekannten Gründen eine Ausbreitung von Tierarten begünstigten (Kinzelbach 1990). Das betraf in erster Linie die Ausbreitung flussabwärts. Soweit uns bekannt ist, kam es in dieser Zeit zu keiner Einwanderung neuer Fischarten in die Schweiz.
In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurden mehrere nordamerikanische Fischarten nach Mitteleuropa eingeführt und gelangten schnell auch in die Schweiz. Als emsiger Importeur und Vermittler neuer Fischarten machte sich vor allem der deutsche Fischzüchter Max von dem Borne einen Namen (Arnold 1990). Auf ihn gehen die Einfuhren und Aussetzungen von Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss), andere pazifische Forellenarten (Oncorhynchus spp.), Bachsaibling (Salvelinus fontinalis), Zwergwels (Ameiurus spp.), Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus), Forellenbarsch (Micropterus salmoides) und Schwarzbarsch (M. dolomieui) sowie Kamberkrebs (Orconectes limosus) zurück. Seine Aktivitäten entsprachen dem damaligen Zeitgeist, die angestammte Fauna bunter und schöner zu gestalten, aber auch wirtschaftlichen Nutzen darauszuziehen. So gelangten innert weniger Jahre einige neue Fischarten in unsere Gewässer.
Gleichzeitig nahm der Druck auf die einheimischen Arten zu. Wasserbau und zunehmende Probleme mit der Wasserqualität brachten die ersten Arten zum verschwinden. In der ersten Hälfte des 20 Jh. kam auch der Bau von Kraftwerken hinzu, der für das Aussterben einiger Langdistanzwanderfische (z. B. Lachs, Maifisch) zumindest mitverantwortlich war.
In den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jh. versuchte man die übermässige Verkrautung eutropher Gewässer mit Hilfe der Biomanipulation in den Griff zu bekommen. Zur Bekämpfung der Wasserpflanzen wurden vielerorts ostasiatische Karpfenarten eingesetzt, insbesondere der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idellus) (Müller 1995).
In den 70er- und 80er-Jahren des 20. Jh. setzte eine Trendwende im Gewässerschutz ein. Zuerst wurde eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität im Rhein erreicht. Anschliessend begann dessen strukturelle Aufwertung. Ein diesbezüglicher Rückschlag war die Inbetriebnahme des Rhein-Main-Donau-Kanals im Jahre 1993. Diese Wasserstrasse verbindet die Donau via Main mit dem Rhein. Damit wurde die natürliche Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Rheins und der Donau für Fische durchlässig1. Die Ausbreitung der ursprünglich nur im Donaugebiet heimischen Marmorgrundel (Proterorhinus marmoratus) setzte im Rheineinzugsgebiet ein. Weitere Vertreter der Grundeln (Gobiidae) werden vermutlich folgen (Kap. 6.2.).
Weitere Fischarten (z. B. Rapfen, Zährte (Vimba vimba)) gelangten vermutlich über gemischten Cyprinidenbesatz in jüngerer Zeit ins deutsche Rheineinzugsgebiet (Bischoff et al. 1998).
Die Ausbreitung dieser Neozoen rheinaufwärts wurde bisher durch die 10 Kraftwerke am Oberrhein verhindert oder zumindest verzögert. Dass diese Barriere nicht völlig unüberwindbar ist, beweist das erst kürzliche Erscheinen des Rapfens bei Basel. Das unterste Kraftwerk am Oberrhein (bei Iffezheim) verfügt seit dem Jahre 2000 über einen funktionierenden Fischpass. Beim nächsten Kraftwerk, bei Gamsheim, wird in den nächsten Jahren ebenfalls eine Fischtreppe gebaut. Für die nächsten vier Staustufen wird zur Zeit eine Machbarkeitsstudie zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit erarbeitet. Die obersten vier Kraftwerke sollen von den Fischen künftig via Alter Rhein umgangen werden können. Der Ludwig-Kanal verband bereits vor dem Rhein-Main-Donau-Kanal während etwa 40 Jahren die beiden Flusssysteme. Es kam aber zu keiner Einwanderung von Fischarten aus der Donau in den Rhein (Aron & Smith 1971, zitiert in Bischoff et al. 1998).
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
3.3 Warum und wie gelangen allochthone Fischarten in die
Schweiz?
Artengemeinschaften bleiben über längere Zeiträume gesehen nicht stabil. Sie sind dauernden Veränderungen durch das Einwandern neuer und durch das Aussterben alter Arten unterworfen. Die Einwanderung von ursprünglich nicht heimischen Arten erfolgt einerseits durch den Wegfall oder die Verschiebung von Barrieren (z. B. Klimaschranken), andererseits durch die Entwicklung von artspezifischen Ausbreitungsmechanismen. Schon früh begann der Mensch aber auch aktiv neue Arten anzusiedeln, unter anderem auch aus fischereilichen Gründen.
Grundsätzlich können bei den Fischen drei Gruppen von Ausbreitungstypen unterschieden werden:
● Direkte, anthropogen bedingte Ausbreitung: Aussetzung und Einschleppung durch den Menschen, ● Indirekte, anthropogen bedingte Ausbreitung: Einwanderung mit indirekter Hilfe des Menschen, ● Nicht anthropogen bedingte Ausbreitung: natürliche Einwanderung.
3.3.1 Direkt anthropogen bedingte Ausbreitung
Bis vor wenigen Jahrzehnten gelangten allochthone Fischarten in erster Linie über das bewusste Aussetzen oder das versehentliche Einschleppen durch den Menschen in die Schweiz. Seither ist die Erkenntnis gewachsen, dass deren Einführung grosse ökologische Risiken bergen kann. Die Aussetzung von Neozoen ist heute durch eine restriktive Gesetzgebung geregelt1.
Mit Aussetzung ist das bewusste Einbringen autochthoner Fischarten in die natürlichen Gewässer gemeint. Sie beruht vor allem auf der Hoffnung, den Ertrag steigern zu können und ist vom Wunsch einer erweiterten Fangpalette getragen. Zudem will man zur «besseren Nutzung» der Gewässer vermeintlich offene ökologische Nischen besetzen (Löffler 1996). Seit dem 19. Jahrhundert wird der Austausch von Fischarten zwischen Europa, Nordamerika und Australien/Neuseeland betrieben. Dank der künstlichen Fischzucht, die den Transport befruchteter Eier in grosser Zahl ermöglichte, und dank gebietsweise vergleichbaren klimatischen Verhältnissen auf den verschiedenen Kontinenten, waren diese Aussetzungsversuche oft erfolgreich. So gelangten beispielsweise die Regenbogenforelle, der Zwergwels und der Sonnenbarsch von Nordamerika nach Europa und die Bachforelle (Salmo trutta), der Karpfen und die Schleie (Tinca tinca) von Europa nach Nordamerika und Australien. 12 der 16 bekannten Fisch-Neozoen der Schweiz gelangten teilweise oder ausschliesslich durch Aussetzung in unsere Gewässer (Tab. 1).
Unter Einschleppung versteht man das unbewusste Einbringen autochthoner Fischarten in die natürlichen Gewässer. Einschleppungen können auf die Aquakultur (Entweichen von Fischen aus Fischzuchtanlagen, z. B. Regenbogenforelle), den Fischbesatz (unerwünschte Arten im Besatzmaterial, z. B. in Cypriniden-Mischbesatz) oder den Einsatz von Neozoen als Köderfische (evtl. Blaubandbärbling) zurückgeführt werden. Auch mit dem Aufkommen der Haltung von Zierfischen in Teichen (Entweichen bei Überflutung oder Entleerung, z. B. Goldfisch) und Aquarien (Freisetzung, z. B. Zwergwelse) gelangten immer Anhang 2 und 3 der Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
wieder allochthone Fischarten in unsere Gewässer. 6 der 16 bekannten Fisch-Neozoen der Schweiz fanden teilweise oder ausschliesslich durch Einschleppung den Weg in unsere Gewässer (Tab. 1).
3.3.2 Indirekt anthropogen bedingte Ausbreitung
Heute gelangen neue Fischarten vor allem aufgrund anthropogener Veränderungen des Gewässersystems und durch ihre eigene aktive Ausbreitung in die Schweiz. Die meisten der potenziell im Hochrhein der Schweiz zu erwartenden Neozoen gehören denn auch zu dieser Gruppe (Tab. 2), auch wenn ihr heutiges Vorkommen im nichtschweizerischen Einzugsgebiet des Rheins teilweise auf Aussetzung oder Einschleppung zurückgeht. Eine Ausbreitung kann unter Umständen völlig unbemerkt ablaufen, da einige dieser Neozoen leicht mit einheimischen Arten verwechselt werden können (z. B. der Aland (Leuciscus idus) mit dem Alet (Leuciscus cephalus)).
Der Bau von Kanälen, die hydrologisch getrennte Einzugsgebiete verbinden, ermöglicht die Ausbreitung anspruchsloser Arten. Für das Rheineinzugsgebiet wird vor allem die Öffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals im Jahre 1993 einige neue Fischarten bringen, die ursprünglich im Einzugsgebiet der Donau heimisch waren. Die Marmorgrundel ist so bereits bis in den Mittelrhein vorgedrungen. Diesen Ausbreitungsweg haben nachweislich bereits einige andere Gewässerorganismen bis in die Schweiz beschritten, z. B. die unserem Bachflohkrebs verwandte Art Dikerogammarus haemobaphes (Rey et al. 2000).
Im allgemeinen ist die Ausbreitung von Fischen flussabwärts deutlich einfacher als flussaufwärts. Dies gilt insbesondere für schlechte Schwimmer wie die aus dem Donauraum sich ausbreitenden Grundeln (Neogobius spp.). Bei diesen Arten wurde aber auch eine rasche Aufwärtswanderung beobachtet. Vermutlich funktioniert sie mit Hilfe der Schifffahrt. Dabei könnten die Fische mit dem Ballastwasser verschleppt werden. So ist bekannt, dass beispielsweise der Kaulbarsch mit dem Wasser in Ballasttanks von Hochsee- Frachtschiffen nach Nordamerika (Hölker et al. 1997) gelangte. Die Schiffe auf dem Rhein bunkern im allgemeinen kein Ballastwasser. Bei Container-Schiffen kommt dies aber ab und zu vor (Auskunft Rheinschifffahrtsdirektion, Basel), so dass diese Art der Verbreitung flussaufwärts nicht ausgeschlossen werden kann. Denkbar wäre auch, dass sich die Fische oder deren Eier im Aufwuchs auf dem Rumpf der Schiffe festsetzen und so die Reise flussaufwärts antreten. Die internationale «Sportangler werden immer öfter mit kampf- Schiffahrt auf dem Rhein könnte auf diese Weise Orga- starken Gegnern konfrontiert, die im Zuge der Klimaveränderung von Übersee eingenismen bis zum schweizerischen Rheinfelden transpor- wandert sind.» (Comic Marunde). tieren. Beweise hierfür gibt es aber nicht.
Tab. 1: Liste der bekannten, allochthonen, Fischarten, die in die Schweiz eingeführt wurden (rezente Neozoen), aufgeschlüsselt nach der systematischen Einheit der Familie. Angabe verschiedener Kenndaten.
Familie/Art1) Status gemäss Herkunft Situation in der Schweiz Fort- Quelle5) VBGF2) Ausbreitungsart3) Ausbreitungsursache Erstnachweis Status pflanzung4) Cyprinidae Rapfen nicht in Anhang 1 östlich Rhein-EZG Aussetzung Fischerei um 1998 ? -selten Ja Lelek 1996 Goldfisch Anhang 2 Ostasien Einschleppung Zierfisch, Aquaristik um 1730 etabliert -häufig Ja Kottelat 1997 Darstellung der Problematik
Karausche Anhang 2 nördl. Mitteleuropa Aussetzung ? ? etabliert -selten Ja Lelek 1996 Giebel Anhang 2 nördl. Mitteleuropa Einschleppung Fischerei ? etabliert -häufig Ja Lelek & Buhse 1992 Graskarpfen Anhang 3 Ostasien Aussetzung Biomanipulation ) um 1965 kaum überlebensfähig Nein Müller 1995 Silberkarpfen Anhang 3 Ostasien Aussetzung Biomanipulation6) um 1965 kaum überlebensfähig Nein Müller 1995 Marmorkarpfen Anhang 3 Ostasien Aussetzung Biomanipulation ) um 1965 kaum überlebensfähig Nein Müller 1995 Blaubandbärbling Anhang 3 Ostasien Einschleppung Fischerei 1996 nicht etabliert -selten Ja Arnold 1990, Lelek 1996 Ictaluridae Brauner Zwergwels Anhang 3 Nordamerika Aussetzung, Einschlepp. Fischerei, Aquaristik um 1890 etabliert -häufig Ja Arnold 1990, Lelek 1996
Schwarzer Zwergwels Anhang 3 Nordamerika Aussetzung, Einschlepp. Fischerei, Aquaristik um 1890 etabliert -selten Ja Arnold 1990, Lelek 1996 Salmonidae Regenbogenforelle Anhang 2 Nordamerika Aussetzung Fischerei, Fischzucht 1887 etabliert -häufig Ja Bachsaibling Anhang 2 Nordamerika Aussetzung Fischerei um 1880 etabliert -selten Ja Namaycush Anhang 2 Nordamerika Aussetzung Fischerei um 1886 etabliert -selten Ja Centrachidae Sonnenbarsch Anhang 3 Nordamerika Einschleppung Zierfisch, Aquaristik um 1890 etabliert -häufig Ja Dussling & Berg 2001 Forellenbarsch Anhang 3 Nordamerika Aussetzung Fischerei um 1890 etabliert -selten Ja Lelek 1996 Percidae Zander Anhang 2 östlich Rhein-EZG Aussetzung Fischerei um 1886 etabliert -häufig Ja 1) Die wissenschaftlichen Namen finden sich in Kapitel 6.1. 2) Verordnung vom 24.11.1993 (Stand 16.1.2001) zum Bundesgesetz über die Fischerei nicht in Anhang 1: Als landesfremde Fische und Krebse gelten Arten, Rassen und Varietäten, die nicht in Anhang 1 aufgeführt sind. Anhang 2: Fische, für welche die Bewilligungspflicht für das Einsetzen innerhalb des erlaubten Einsatzbereichs entfällt. Anhang 3: Arten, Rassen und Varietäten von Fischen und Krebsen, deren Anwesenheit als unerwünschte Veränderung der Fauna gilt. 3) Begriffe vgl. Kapitel 3.3. Mitt. zur Fischerei Nr. 72
) Eine natürliche Fortpflanzung ausserhalb des natürlichen Verbreitungsareals ist möglich. 5) Angabe der wichtigsten Quelle neben den Kenntnissen der Autoren. Weitere Quellenangaben vgl. Kapitel 6.3. 6) Begriffserklärung vgl. Kapitel 3.2.
Tab. 2: Liste der für das schweizerische Rheineinzugsgebiet allochthonen Fischarten, die dereinst in der Schweiz auftauchen könnten (potenzielle Neozoen), aufgeschlüsselt nach der systematischen Einheit der Familie. Angabe verschiedener Kenndaten.
Familie/Art1) Status gemäss Herkunft Situation ausserhalb des natürlichen Verbreitungsareals Einwanderung in die Schweiz Quelle6) VBGF2) Ausbreitungsart3) Ausbreitungsursache Fortpflanz. Zeitraum4) Auswirkungen5) Acipenseridae Sterlet nicht in Anhang 1 Osteuropa Einschleppung Fischzucht ? mittelfristig eher gering Lelek 1996 Cyprinidae Darstellung der Problematik
Zobel nicht in Anhang 1 Mitteleuropa Einschleppung, aktive Ausbreitung Fischerei Ja mittelfristig eher gering Bischoff et al. 1998 Aland Anhang 2 Niederrhein Einschleppung, aktive Ausbreitung Zierfisch, Fischerei Ja kurzfristig eher gering Staas 1997 Dickkopf-Elritze nicht in Anhang 1 Nordamerika Einschleppung Zierfisch Ja kurzfristig gross Lelek 1996 Weissflossengründling Mitteleuropa scheinbares Neozoon/aktive Ausbreitung? Fischerei Ja kurzfristig eher gering Freyhof et al. 2000 Zährte nicht in Anhang 1 Mitteleuropa Einschleppung, aktive Ausbreitung Fischerei Ja mittelfristig eher gering Freyhof 1999 Cobitidae Chin. Schlammpeitzger nicht in Anhang 1 Ostasien Einschleppung Zierfisch Ja kurzfristig mittel Riffel et al. 1996 Umbridae
Amerik. Hundsfisch Anhang 3 Nordamerika Einschleppung Zierfisch Ja kurzfristig gering De Nie 1997 Gasterosteidae Zwergstichling nicht in Anhang 1 Niederrhein Einschleppung Zierfisch Ja kurzfristig gering Paepke 1996 Odontobutidae Amurgrundel nicht in Anhang 1 Ostasien Einschleppung Fischerei Ja mittelfristig gross Hark&Farkas 1998 Gobiidae Flussgrundel nicht in Anhang 1 untere Donau Schifffahrt (?), aktive Ausbreitung Rhein-Main-Donau-Kanal Ja langfristig eher gross Ahnelt et al. 1998 Nackthals-Grundel nicht in Anhang 1 untere Donau Schifffahrt (?), aktive Ausbreitung Rhein-Main-Donau-Kanal Ja langfristig eher gross Ahnelt et al. 1998 Kessler-Grundel nicht in Anhang 1 untere Donau Schifffahrt (?), aktive Ausbreitung Rhein-Main-Donau-Kanal Ja langfristig eher gross Ahnelt et al. 1998 Schwarzmund-Grundel nicht in Anhang 1 untere Donau Schifffahrt (?), aktive Ausbreitung Rhein-Main-Donau-Kanal Ja langfristig eher gross Ahnelt et al. 1998 Marmorgrundel nicht in Anhang 1 untere Donau Schifffahrt (?), aktive Ausbreitung Rhein-Main-Donau-Kanal Ja langfristig eher gering Ahnelt et al. 1998 1) Die wissenschaftlichen Namen finden sich in Kapitel 6.1. 2) Verordnung vom 24.11.1993 (Stand 16.1.2001) zum Bundesgesetz über die Fischerei nicht in Anhang 1: Als landesfremde Fische und Krebse gelten Arten, Rassen und Varietäten, die nicht in Anhang 1 aufgeführt sind. Anhang 2: Fische, für welche die Bewilligungspflicht für das Einsetzen innerhalb des erlaubten Einsatzbereichs entfällt. Anhang 3: Arten, Rassen und Varietäten von Fischen und Krebsen, deren Anwesenheit als unerwünschte Veränderung der Fauna gilt. Mitt. zur Fischerei Nr. 72
) Begriffe vgl. Kapitel 3.3. 4) Zeitraum, in dem eine Einwanderung in die Schweiz potenziell zu erwarten wäre. Eine Abschätzung in Jahren ist nicht möglich 5) Ausmass der zu erwartenden ökologischen Auswirkungen auf die autochthone Fischgemeinschaft (Details vgl. Kap. 6.2.) 6) Angabe der wichtigsten Quelle neben den Kenntnissen der Autoren. Weitere Quellenangaben vgl. Kapitel 6.2.
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
3.3.3 Nicht anthropogen bedingte Ausbreitung
Fischarten können sich auch durch natürliche Arealausdehnung oder -verschiebung ausbreiten, z. B. aufgrund von Klimaveränderungen. In diesem Fall sprechen wir gemäss Definition (Kap. 2.) nicht von Neozoen. Für alle hier behandelten Fischarten ist aber das Vorkommen in der Schweiz oder die Ausbreitung in Richtung der Schweiz mit Sicherheit oder zumindest mit grosser Wahrscheinlichkeit auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen.
Vielleicht gibt es in der Schweiz auch «scheinbare Neozoen». Dabei handelt es sich um Fischarten, die zur autochthonen Fauna gehören, aber, wegen ihrer Ähnlichkeit mit einer anderen autochthonen Art, nie als solche erkannt wurden. Ein Nachweis wäre also nicht auf eine Einwanderung dieser Art, sondern auf neuere taxonomische Erkenntnisse zurückzuführen. Ein solches Zwillingspaar sind der allseits bekannte Gründling (Gobio gobio) und der für die Schweiz bisher nicht nachgewiesene Weissflossengründling (Romanogobio albipinnatus; Kap. 6.2., Freyhof et al. 2000).
3.4 Ökologische Auswirkungen
Einige der in der Schweiz eingesetzten fremden Fischarten konnten sich in unseren Gewässern erfolgreich behaupten (z. B. Sonnenbarsch), andere etablierten sich zwar, blieben aber eher selten (z. B. Namaycush (Salvelinus fontinalis)) und wieder andere verschwanden kurz nach dem Einsetzen (z. B. Coho- Lachs (Oncorhynchus kisutch). Für Probleme kann in erster Linie die erste Gruppe sorgen. Es handelt sich um bezüglich ihrer Ökologie eher anspruchslose (opportunistische) Arten.
Ein gehäuftes Auftreten von Vertretern dieser Arten kann zu unerwünschten ökologischen Effekten führen, die im schlimmsten Fall zum Aussterben einheimischer Arten und damit zum Verlust an Biodiversität führen könnten. Sind Wirtschaftsfische betroffen, kann es auch zu fischereiwirtschaftlichen Schäden kommen. Folgende ökologische Auswirkungen sind bekannt:
● Konkurrenz beim Kampf um begrenzte Ressourcen.
Insbesondere gilt dies für Zwillingsarten, welche z. B. im Donauraum stellvertretend für nah verwandte Arten des Rheineinzugsgebietes vorkommen und mit diesen einen gemeinsamen Urahn haben. Vom Luganersee wird vermutet, dass das fast vollständige Verschwinden der autochthonen Alborella (Alburnus alburnus alborella) eine Folge der Einschleppung des Rotauges (Rutilus rutilus) und anderer Neozoen sein könnte (Guthruf 2002).
● Erhöhter Prädationsdruck auf autochthone Arten.
Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl die Bedrohung und teilweise das Aussterben vieler endemischer Fischarten des Viktoriasees (Afrika) als Folge des intensiven Besatzes mit dem Nilbarsch (Lates niloticus) (Okemwa & Ogari 1994).
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
● Tendenz zur Vereinheitlichung der Artengemeinschaften (Homogenisierung).
Damit ist die Ausbreitung einiger weniger, anspruchsloser Arten mit Hilfe des Menschen auf Kosten lokal adaptierter und damit spezialisierter Arten gemeint. Dies hat einen Verlust an Biodiversität zur Folge und kann dazu führen, dass die durch Lokalformen definierten biogeographischen Regionen sich aufzulösen beginnen (Scott & Helfman 2001).
Beispiel: Untersuchungen aus der USA haben gezeigt, dass die verschiedenen regionalen Fischfaunen sich in ihrer Artenzusammensetzung zusehends angleichen (Rahel 2000). Der Grund hierfür ist der Besatz der Gewässer mit einigen anpassungsfähigen Fischarten zwecks Förderung der Fischerei.
● Hybridisierungen mit eng verwandten autochthonen Arten.
Fische haben ein grosses Potential zur zwischenartlichen Fortpflanzung mit zeugungsfähigen Nachkommen. Die Hybridisierung mit allochthonen Arten birgt grosse genetische Risiken und kann sogar zum Verschwinden einer oder beider Arten führen.
Beispiel: Die im Einzugsgebiet des Pos (auch im Tessin) und im Balkan heimische Marmorierte Forelle (Salmo trutta marmoratus) hybridisiert mit der atlantischen Form der Bachforelle (Salmo trutta), die aus fischereilichen Gründen erstmals 1906 eingesetzt wurde (Delling et al. 2000). Heute sind die Bestände der Marmorierte Forelle verschwunden oder zumindest stark gefährdet. Dafür hat sich ein grosser Bestand an Hybriden und/oder Bachforellen etabliert.
● Auftreten neuer Krankheiten und neuer Parasiten.
Die Problematik liegt darin, dass die autochthonen Fischarten im Gegensatz zu den Überträgern nicht immun sind, da sie keine Zeit für eine evolutive Anpassung hatten.
Beispiel: Der Fadenwurm Anguillicola crassus war ursprünglich ein unbedeutender Parasit des in Japan, Taiwan und Ostchina beheimateten Japanischen Aals (Anguilla japonica). Wohl hauptsächlich durch den Import infizierter Tiere dieser Fischart konnte er sich seit etwa 1980 als gefährlicher Parasit des Europäischen Aals (Anguilla anguilla) in Europa ausbreiten (Höglund & Thomas 1992). Wahrscheinlich gelangte der Parasit durch die in der Praxis übliche Zwischenhälterung oder beim Wasserwechsel während des Überlandtransportes in die Gewässer, wo er die europäischen Wildaal-Bestände infizierte. Innerhalb nur weniger Jahre breitete sich A. crassus nahezu über das gesamte natürliche Verbreitungsareal des Europäischen Aals aus.
● Auftreten neuer Arten von wirbellosen Wassertieren.
Fische können als Transportmittel für Wasserwirbellose dienen. Beispielsweise ist die flussaufwärts gerichtete Verbreitung einiger autochthoner Muschelarten (Vertreter der Familie der Unioniden) nur durch den Transport der parasitisch an den Fischen haftenden Muschellarven möglich. So wurde beispielsweise Anodonta woodiana mit Graskarpfen und Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) nach Osteuropa eingeschleppt (Mienis 1999). Ähnliche Ausbreitungsmechanismen sind auch bei anderen, allochthonen Wirbellosen denkbar.
Darstellung der Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
● Veränderungen des Lebensraums..
Habitatveränderungen durch allochthone Fischarten beinhalten typischerweise die Reduktion des Wasserpflanzenbestandes durch Frass (z. B. Graskarpfen, vgl. unten) oder durch Grabtätigkeit. Die entstehende Trübung kann zu einer Veränderung der Wasserqualität führen, was sich wiederum negativ auf die Wasserpflanzen auswirkt (Elvira 2000).
Beispiel: Grasskarpfen ernähren sich von Wasserpflanzen. Gelangen sie in ein kleines Stehgewässer, kann sich der Wasserpflanzenbestand drastisch reduzieren. Damit verändern sich die Lichtverhältnisse, was weitreichende Folgen für das ganze Gewässer nach sich ziehen kann. So kann eine Zunahme der Eutrophierung durch die Freisetzung von Nährstoffen resultieren, die ursprünglich in den Wasserpflanzen gebunden waren. Dies kann eine Erhöhung der Phyto- und Zooplanktonproduktion und somit eine erhöhte Wachstumsrate bei planktivoren Fischarten nach sich ziehen. Das Fehlen des Deckungsangebotes verstärkt den Prädationsdruck insbesondere auf Jungfische. Zudem ist auch eine verstärkte Ufererosion denkbar.
Einführung Was ist Was ist zu zu tun? tun? in die Problematik Mitt. zur Fischerei Nr. 72
4 Was ist zu tun?
4.1 Wie ist die Einwanderung allochthoner Fischarten zu
werten?
Das Auftreten neuer Arten ist an sich eine natürliche Entwicklung, die aber im Falle der Neozoen durch die Dominanz des Menschen in der Natur massiv beschleunigt oder erst ermöglicht wurde. Die Frage, ob das Vorkommen von Neozoen grundsätzlich als unnatürlich zu bewerten ist, nur weil der Mensch die Hand im Spiel hat, ist vermutlich weniger eine Angelegenheit der Wissenschaft als eine der Ethik. Unabhängig davon, ob wir das Auftreten von Neozoen gut heissen oder nicht, müssen wir eine «geeignete ethische Position und einen sachgerechten Umgang mit diesen neuen Erscheinungen» finden (Kinzelbach 1996, S. 3).
Im Gegensatz zur direkt anthropogen bedingten Ausbreitung (Kap. 3.3.1.) kann die indirekt anthropogen bedingte (Kap. 3.3.2.) und die natürliche (Kap. 3.3.3.) Ausbreitung allochthoner Fischarten nicht verhindert werden. Die natürliche Einwanderung wird von Seite der Ökologie vollständig akzeptiert. Sie spielt für die Fischfauna der Schweiz aber vermutlich keine Rolle. Die anthropogen bedingte Ausbreitung allochthoner Fischarten birgt hingegen ein potenzielles ökologisches Risiko (Kap. 3.4.) für die autochthone Fischfauna, unter Umständen sogar für das ganze aquatische Ökosystem.
Zur Zeit liegen uns nur wenige Anhaltspunkte vor, dass die rezenten Neozoen der schweizerischen Fischfauna die autochthonen Fischbestände bzw. das aquatische Ökosystem negativ beeinflussen (Konkurrenz zwischen Regenbogenforelle und Bachforelle (Peter 1997), Graskarpfenbesatz (Müller 1995)). Dies ist erstaunlich, zumal aus einigen Gewässern Massenvermehrungen bekannt sind. So besteht die Fischfauna in der Rhone bei Genf heute offenbar zu einem Grossteil aus den Neozoen Sonnenbarsch und Zwergwels (Müller et al. 2000). Abgesehen von den oben erwähnten Studien wurden bisher in der Schweiz aber kaum detaillierte Untersuchungen durchgeführt, die die Auswirkung von Neozoen auf die autochthonen Fischbestände zum Ziel hatten.
Aus anderen Teilen der Erde sind aber massive derartige Schäden an der autochthonen Fischfauna bekannt. Beispielsweise leidet der Fischbestand der Grossen Seen Nordamerikas unter dem aus Europa eingeschleppten parasitierenden Meerneunauge (Schneider et al. 1996). Bekanntestes Beispiel aus Afrika ist die bereits erwähnte Bedrohung der endemischen Fischfauna des Viktoriasees durch den aus fischereiwirtschaftlichen Gründen eingesetzten Nilbarsch (Okemwa & Ogari 1994). Aus Australien und Neuseeland ist unter anderem die schädliche Wirkung der eingeführten Bachforelle auf verschiedene autochthone Kleinfischarten bekannt (Townsend 1996).
Die potenziellen Neozoen, die sich ohne direkte Hilfe des Menschen dereinst in die Schweiz ausbreiten könnten, stellen vermutlich eine grosse Gefahr dar, sofern sie nicht zur mitteleuropäischen Fischfauna gehören. Sie haben bereits bewiesen, dass sie ohne direkte Aussetzung oder Einschleppung, nur dank ihrer grossen Anpassungsfähigkeit, ganze Gewässersysteme erobern können. Auf der Seite der Wasserwirbellosenfauna sind negativen Auswirkungen durch in jüngster Zeit in den Hochrhein eingewanderte Neozoen wahrscheinlich, aber noch nicht belegt (Rey et al. 2000). So dominiert der ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum stammende allochthone Flohkrebs Dikerogammarus haemobaphes
Was ist zu tun? Mitt. zur Fischerei Nr. 72
bereits zwei Jahre nach seiner Einwanderung die Fauna der benthischen Wasserwirbellosen im Gebiet von Basel. Die einheimischen Arten der Flohkrebse werden offenbar zurückgedrängt.
Eine definitive Beurteilung der Situation bei den Fischen ist zur Zeit nicht möglich, da die Kenntnisse über die ökologischen Einflüsse der Neozoen auf die einheimischen Arten sehr lückenhaft sind.
4.2 Einige Ideen zu einem Monitoring
Es scheint, dass bei den rezenten Fisch-Neozoen zur Zeit kein sofortiger Handlungsbedarf besteht, der über die bisher ergriffenen Massnahmen (gesetzliche Regelungen) hinausgeht. Geht man aber davon aus, dass die allochthonen Fischarten, die aus eigenem Antrieb in die Schweiz einwandern werden, über deutlich aggressivere Ausbreitungsmechanismen verfügen (Kap. 4.1.), so ist eine frühzeitige Überwachung der Fischbestände hinsichtlich des Vorkommens und der Auswirkung von Neozoen angezeigt1. Es muss aber auch erwähnt werden, dass mit einem blossen Erkennen von Beeinträchtigungen durch Neozoen, die Lösung des Problems noch nicht gefunden ist (Kap. 4.3.).
Das erste und im heutigen Zeitpunkt wohl primäre Ziel eines Monitorings der Fisch-Neozoen der Schweiz soll die Überwachung der Ausbreitungsrichtung und -geschwindigkeit aller oder einer repräsentativen Auswahl allochthoner Arten umfassen. Die heute bekannten Verbreitungsgrenzen der rezenten Neozoen können dem «Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz» (erscheint 2002) entnommen werden. Regelmässige Erhebungen in Testgewässern im Bereich dieser Verbreitungsgrenzen können die erforderlichen Daten zur Beurteilung der Ausbreitung liefern.
Zur Erfassung neuer Neozoen genügt es, wenn die «Eingangspforten» in die Schweiz (v. a. Rhein bei Basel, Rhone bei Genf) regelmässig überwacht werden. Hier bieten sich insbesondere Fischpasskontrollen an. Mit Hilfe eines Abundanzindexes können auch Veränderungen der Häufigkeit erfasst werden.
Da die Problematik um Neozoen immer auch eng mit der Frage der Biodiversität verknüpft ist, sollte auch eine Anbindung eines Neozoen-Monitorings an das «Biodiversitätsmonitoring Schweiz» (BDM) geprüft werden.
Neben der rein zoogeografischen und quantitativen Überwachung sollte das Monitoring bei Bedarf auf die Früherkennung allfälliger ökologischer und evtl. auch ökonomischer Probleme ausgelegt werden. Aber wie misst man eine Beeinträchtigung der autochthonen Fischfauna durch Neozoen? Dies kann je nach Situation eine sehr komplexe Aufgabe sein (Parker et al. 1999). Grundsätzlich müssen geeignete Indikatoren definiert werden, die möglichst einfach erhoben werden können. Diese Indikatoren sollen sich an den potenziell zu erwartenden Konkurrenz- oder Prädationssituationen orientieren (Kap. 4.3.). Vorstellbar wären u. a. populationsbezogene Indikatoren wie z. B. der Konditionsindex oder Indikatoren zur Beschreibung der Artengemeinschaft (z. B. die verschiedenen Diversitätsindices oder eine angepasste Form des Index of Biotic Integrity (Harris 1995)).
Bei den Neophyten hat man eine «Watchlist» definiert. Diese Liste umfasst Arten, die in der Schweiz nicht weit verbreitet sind und keine Probleme verursachen; deren Ausbreitung aber beobachtet werden muss (Weber et al. 2002).
Was ist zu tun? Mitt. zur Fischerei Nr. 72
4.3 Welche Massnahmen sollen getroffen werden?
Das aktive Einbringen von Neozoen in unsere Fischfauna ist heute gemäss dem Vorsorgeprinzip der Konvention von Rio von 1992 nicht mehr tolerierbar. Der Gesetzgeber hat das seit längerem erkannt und in der VBGF entsprechend geregelt. Somit kann zum Beispiel das Einschleppen von Neozoen mit Cypriniden-Mischbesatz (Karpfen, Schleien u. a. Arten), das in Deutschland ein grosses Problem ist, weitgehend ausgeschlossen werden.
Die straffe gesetzliche Regelung bezüglich des Aussetzens allochthoner Fischarten ist ein wichtiger Schritt, um die Problematik um die Neozoen in den Griff zu bekommen. Es stellt sich aber die Frage, was mit den allochthonen Arten geschehen soll, die bereits in unseren Gewässern leben oder in Zukunft in die Schweiz einwandern werden.
Grundsätzlich muss entschieden werden, ob eine Bekämpfung überhaupt nötig bzw. sinnvoll ist. Das bedeutet, es müssen bekannte oder potenzielle Probleme erkannt und gewertet werden. Ein systematischer Entscheidungsfindungsprozess kann dabei sehr hilfreich sein (Beamesderfer 2000). Hat man sich zu einer Bekämpfung entschieden, können eigentlich nur zwei Lösungsansätze in Betracht gezogen werden: Ausrottung oder Begrenzung (Elvira 2000).
Die Ausrottung von Neozoen, d. h. deren Entfernung aus der autochthonen Artengemeinschaft, ist vermutlich nur dort möglich, wo sich die Tiere sowieso nicht hätten etablieren können und bald von selbst verschwunden wären. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass die Entfernung etablierter Bestände fast unmöglich ist (Elvira 2000). Die einzigen Möglichkeiten einen Fischbestand komplett auszurotten, ist dessen Vergiftung oder das Trockenlegen des Gewässers. Beides ist im allgemeinen nicht machbar. Eine völlige Eliminierung dieser Arten ist deshalb in der Schweiz unrealistisch, wie unlängst das Beispiel des Roten Amerikanischen Sumpfkrebses im Schübelweiher, Kanton Zürich, gezeigt hat (Frutiger 1999).
Somit ist es sinnvoller, an Stelle einer Ausrottung, die Dichte der Neozoen mittels geeigneter Massnahmen möglichst tief zu halten (Begrenzung). Ein solches Vorgehen muss auf einer sauberen Planung mit klar definierten Zielen beruhen, um Schäden an der autochthonen Fauna ausschliessen oder zumindest minimieren zu können. Der Erfolg der Bestandesreduktion sollte eigentlich am Grad der Verminderung der negativen Auswirkungen durch die Neozoen gemessen werden. In der Praxis ist das aber oft sehr schwierig und aufwendig. Als vereinfachte Erfolgskontrolle kann auch die Bestandesentwicklung der Neozoen beurteilt werden. Da die absolute Bestandesgrösse meist nicht erfasst werden kann, muss mittels eines mehrmals erhobenen Abundanzindexes (z. B. Anzahl mit dem Elektrofanggerät gefangener Sonnenbarsche pro 100 m Flussstrecke) die relative Änderungen der Bestandesgrösse erfasst werden. Heute wird aber meist nur die Anzahl gefangener Fische ausgewiesen, was keine Erfolgskontrolle zulässt.
Im Prinzip lassen sich zwei Typen von Massnahmen zur Bestandesbegrenzung unterscheiden:
● Direkte Massnahmen: Intensive Befischung des Neozoenbestandes mit geeigneten Fangmethoden.
Was ist zu tun? Mitt. zur Fischerei Nr. 72
● Indirekte Massnahmen: Veränderung der Umwelt in der Weise, dass sie eine ursprünglichere, historisch oder zoogeographisch belegte Artenzusammensetzung begünstigt. Dieser Ansatz beruht auf der Annahme, dass Neozoen sich insbesondere in anthropogen veränderten Lebensräumen etablieren können. Die Revitalisierung von Fliessgewässern würde somit die autochthone Fischfauna begünstigen, die an diesen Lebensraum genetisch optimal angepasst ist. Die allochthonen Arten wären zumindest teilweise weniger konkurrenzfähig, würden vielleicht sogar verschwinden. Mehrere Untersuchungen bestätigen diese Annahme (z. B. Baltz & Moyle 1993, Moyle & Light 1996). Inwieweit diese Theorie auch für schweizerische Verhältnisse zurtrifft, muss erst noch überprüft werden. Revitalisierungen sind aber sicher keine Garantie dafür, dass sich keine der verschiedenen allochthonen Fischarten etablieren könnte.
Abgesehen von den sinnvollen und wichtigen gesetzlichen Einführungsbeschränkungen, sind wir zur Zeit kaum in der Lage eine geeignete Strategie zur Bekämpfung allochthoner Fischarten zu formulieren. Für viele dieser Arten müssen zuerst grundlegende Kenntnisse erarbeitet werden, bevor überhaupt eine Planung zu deren Bekämpfung, sofern dies denn nötig ist, angegangen werden kann. In erster Linie müssen Informationen zu den folgenden Bereichen zusammengetragen werden:
● Ökologie: Für viele Arten fehlen grundlegende ökologische Informationen wie z. B. Ansprüche an den Lebensraum, Zusammensetzung der Nahrung, Biologie der Fortpflanzung, Aspekte der Populationsdynamik. Neben einer vertieften Literaturanalyse müssen unbedingt auch Felderhebungen durchgeführt werden, um die spezifische Situation in unseren Gewässern erfassen zu können.
Es stellen sich aber auch Fragen bezüglich derjenigen Umweltbedingungen (Verbauungsgrad der Gewässer, Wasserqualität, fischereiliche Bewirtschaftung u. a.), die eine Ausbreitung begünstigen bzw. behindern könnten.
● Verbreitung: Die Verbreitung der rezenten Neozoen in der Schweiz ist relativ genau bekannt (Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz, erscheint 2002). Was aber fehlt, sind Daten zur Expansionsrichtung und -geschwindigkeit. Einige potenzielle Neozoen sind auf den ersten Blick kaum von autochthonen Arten zu unterscheiden. Ihr Eintreffen in der Schweiz kann unerkannt ablaufen, weil sie nicht erkannt werden. Eine praxisnahe Aufklärung der öffentlichen und privaten Fischereiorgane ist deshalb angezeigt, damit die Ausbreitung dieser Arten dokumentiert werden kann.
● Schädlichkeit: Schwierig und aufwendig dürfte es sein, die Auswirkungen der Neozoen auf die autochthonen Arten erfassen und beurteilen zu können. In einem ersten Schritt sollte deshalb anhand der ökologischen Ansprüche der Neozoen und der daraus abzuleitenden potenziellen Konkurrenz- oder Prädationssituationen zu autochthonen Arten eine Risikobeurteilung vorgenommen werden1.
Methodischen Ansätze für solche Risikobeurteilungen findet sich bei Parker et al. (1999).
Empfehlungen Mitt. zur Fischerei Nr. 72
5 Empfehlungen für den Bereich Gesetzgebung
und Vollzug
Mit dem Beitritt zum Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (SR 0.451.43), abgeschlossen 1992 in Rio de Janeiro, hat sich die Schweiz verpflichtet «…soweit möglich und sofern angebracht, die Einbringung nichtheimischer Arten, welche Ökosysteme, Lebensräume oder Arten gefährden, zu verhindern, diese Arten zu kontrollieren oder zu beseitigen» (Art. 8 h). Diese Verpflichtung besteht auch aufgrund anderer internationaler Abkommen (z. B. Berner Konvention von 1979: Art. 11 Abs. 2; Bonner Konvention von 1979: Art. III Abs. 4 lit. c; Alpenkonvention von 1991: Art. 17).
«Die Einbringung nichtheimischer Arten» gemäss dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt umfasst die Aussetzung und die Einschleppung von Neozoen (Kap. 3.3.1.). Die bewusste Aussetzung von Neozoen in die Gewässer ist in Abschnitt 2 der VBGF geregelt (Kap. 3.1.). Die allochthonen Arten sind dort in den Anhängen 2 und 3 explizit aufgelistet. Viele der in Kapitel 6 dieses Berichtes beschriebenen potenziellen Neozoen sind in der VBGF aber nicht erwähnt. Die Notwendigkeit zeigt, dass insbesondere die Liste in Anhang 3 der VBGF (unerwünschte Arten) periodisch überarbeitet werden sollte.
Die unbewusste Einschleppung von Neozoen kann nur begrenzt mit Gesetzen verhindert werden. Die VBGF beschränkt sich daher auf Vorschriften über das Entweichen aus Fischzucht- und Fischhälterungsanlagen (Art. 7 Bst. b und c, Art. 8 Bst. c) und aus Aquarien (Art. 7. Bst. d) sowie über die Verwendung von autochthonen Arten als Köderfische (Art. 6 Abs. 4). Eine wiederholte Aufklärung bei Angelfischern und Aquarianern ist deshalb notwendig.
In Bezug auf die Begrenzung und allenfalls die Ausrottung der Neozoen im Sinne des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt verfügt das BUWAL über kein spezifisch auf diese Problematik ausgelegtes Überwachungs- und Entscheidungsinstrument. Das «Biodiversitätsmonitoring Schweiz» kann aber wertvolle Hinweise zur Ausbreitung der Neozoen liefern. Trotzdem sollte geprüft werden, ob für die Fischfauna (allenfalls auch andere Organismengruppen) ein spezielles Neozoen-Management nötig ist.
Im Rahmen eines Neozoen-Managements sollte neben einem Monitoring (Kap. 4.3.) für jede einzelne rezent oder potenziell allochthone Fischart eine Risikobeurteilung vorgenommen werden. Hierfür muss ein Leitfaden als Entscheidungshilfe erarbeitet werden, der es erlaubt, anhand klar definierter Kriterien die «potenzielle Schädlichkeit» zu beurteilen und geeignete Massnahmen zu ergreifen. Da ein Neozoon in einem Gewässer ein Risiko darstellen kann, in einem anderen aber nicht, müssen die geografisch unterschiedlichen Bedingungen berücksichtigt werden.
Der Schutz der 6 autochthonen ausgestorbenen Fischarten hat der Bund in Art. 5 und Anhang 1 der VBGF geregelt (Meerneunauge nicht in dieser Liste). Für diese Arten besteht die Chance, dass sie bis in einigen Jahren wieder den Weg bis nach Basel finden werden. Eine Wiederbesiedlung durch den Stör ist aber auch langfristig sehr unwahrscheinlich (Kap. 6.2.). Die Verbreitung in der Schweiz hängt in erster Linie von der Durchgängigkeit bei den Flusskraftwerken ab. Sämtliche Kraftwerke an unseren grossen Flüssen sollten über funktionierende und, auch für grosse Fische wie den Lachs, ausreichend dimensionierte Fischpässe oder Umgehungsgewässer verfügen. Zudem sollten die Fischaufstiegshilfen über geeignete Fangeinrichtungen verfügen, die ein Monitoring der Wiederbesiedlung durch diese Fischarten (aber auch durch Neozoen) erlauben. Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf der Möglichkeit der flussabwärtsgerichteten Wanderung liegen.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
6 Beschreibung der Fischarten
6.1 Systematische Übersicht
Die Angabe der Seitenzahl bezieht sich auf die Artbeschreibungen in Kapitel 6.2. Die wissenschafliche taxonomische Bezeichnung folgt derjenigen der VBGF.
6.1.1 Autochthone, ausgestorbene Arten (ganze Schweiz)
Insgesamt 9 Fischarten sind heute bei uns ausgestorben. Eine Wiederbesiedlung, zumindest des unteren Hochrheins, durch 5 der 6 Arten aus dem Rheineinzugsgebiet (ohne Stör) scheint bis in ein paar Jahren möglich zu sein. Die Etablierung reproduzierender Populationen dürfte weitaus länger dauern.
Petromyzontidae Neunaugen Seite/EZG Lampetra fluviatilis Flussneunauge 27 Petromyzon marinus Meerneunauge 28
Acipenseridae Störe Acipenser sturio Atlantischer Stör 29
Clupeidae Heringe Alosa alosa Maifisch 30 Alosa fallax Cheppia Ticino
Salmonidae Lachsfische Salmo salar Lachs 31 Salmo trutta Meerforelle 32 Salmo trutta marmoratus Marmorierte Forelle Ticino Hucho hucho Huchen Inn
6.1.2 Allochthone, rezente Arten (ganze Schweiz)
Die Liste umfasst 16 Arten, ist aber möglicherweise nicht vollständig. Es ist anzunehmen, dass eine Reihe weiterer allochthoner Fischarten durch einzelne Besätze oder durch Einschleppung in unsere Gewässer gelangt sind (z. B. südamerikanische Schilderwelse im Bodensee (Löffler 1996)). Die meisten von ihnen dürften nicht überlebt haben. Ihre Vorkommen wären sonst vermutlich bekannt. Europaweit geht man von mindestens 40 allochthonen Fischarten aus (Elvira 2000).
Die heute in der Schweiz nachgewiesenen Fisch-Neozoen gelangten aus Nordamerika (7 Arten, 44%), aus Asien (5 Arten, 31%) und aus Europa (4 Arten; 25%) in die Schweiz (Tab. 1).
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Cyprinidae Karpfenfische Seite Aristichthys nobilis Marmorkarpfen, Gefleckter Tolstolob 33 Aspius aspius Rapfen 34 Carassius auratus auratus Goldfisch 35 Carassius auratus gibelio Giebel 36 Carassius carassius Karausche 37 Ctenopharyngodon idella Graskarpfen, Weisser Amur 38 Hypophthalmichthys molitrix Silberkarpfen 39 Pseudorasbora parva Blaubandbärbling 40
Ictaluridae Katzenwelse Ameiurus melas Schwarzer Zwerg- oder Katzenwels 41 Ameiurus nebulosus Brauner Zwerg- oder Katzenwels 41
Salmonidae Lachsfische Oncorhynchus mykiss Regenbogenforelle 42 Salvelinus fontinalis Bachsaibling 43 Salvelinus namaycush Namaycush, Kanadische Seeforelle 44
Centrachidae Sonnenbarsche Lepomis gibbosus Sonnenbarsch 45 Micropterus salmoides Forellenbarsch 46
Percidae Barsche Sander lucioperca Zander 47
6.1.3 Allochthone, potenzielle Arten (nur Rheineinzugsgebiet)
Das ursprüngliche Verbreitungsareal der 15 potenziellen, allochthonen Fischarten liegt vorwiegend in Mittel- und Osteuropa (11 Arten, 73%). Je 2 Arten (13.5%) stammen aus Asien und Nordamerika (Tab. 2).
Acipenseridae Störe Seite Acipenser ruthenus Sterlet 48
Cyprinidae Karpfenfische Abramis sapa Zobel 50 Leuciscus idus Aland, Goldorfe (Zuchtform) 52 Pimephales promelas Dickkopf-Elritze 54 Romanogobio albipinnatus Weissflossengründling 56 Vimba vimba Zährte 58
Cobitidae Dornschmerlen Misgurnus anguillicaudatus Chinesischer Schlammpeitzger 60
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Umbridae Hundsfische Umbra pygmaea Amerikanischer Hundsfisch 62
Gasterosteidae Stichlinge Pungitius pungitius Zwergstichling 64
Odontobutidae China-Grundeln Perccottus glehni Amurgrundel 66
Gobiidae Grundeln Neogobius fluviatilis Flussgrundel 68 Neogobius gymnotrachelus Nackthals-Grundel 70 Neogobius kessleri Kessler-Grundel 72 Neogobius melanostomus Schwarzmund-Grundel 74 Proterorhinus marmoratus Marmorgrundel 76
6.2 Detaillierter Beschrieb der Arten
Nachfolgend werden die einzelnen Arten gemäss der Einteilung und Reihenfolge in Kapitel 6.1. beschrieben. Hinter der wissenschaftlichen Artbezeichnung im Kasten «Systematik» steht der Name des Erstbeschreibers der Art sowie das Jahr dieser Erstbeschreibung. Beide Angaben werden gemäss den nomenklatorischen Regeln teilweise mit Klammern, teilweise ohne Klammern dargestellt.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Flussneunauge autochthon Lampetra fluviatilis ausgestorben
Systematik
Art: Flussneunauge Lampetra fluviatilis (Linnaeus, 1758) Familie: Petromyzontidae (Neunaugen) Ordnung: Petromyzontiformes Klasse: Cyclostomata (Rundmäuler) Verwandte Art (rezent/autochthon): Bachneunauge Lampetra planeri
Foto J. Freyhof Historische Verbreitung in der Schweiz
Im Hochrhein war das Flussneunauge früher recht häufig. Es stieg bis zum Rheinfall auf. In den grösseren Zuflüssen (Aare, Reuss, Limmat, Töss, Thur) war es aber eher selten. Ein Aufstieg bis in den Neuenburger-, Zürich- und Vierwaldstättersee ist belegt. Im 19. Jh. wurde eine bedeutende Abnahme des Bestandes registriert. Anfang des 20. Jh. gab es nur noch vereinzelte Vorkommen, vor allem noch im Hochrhein. Seit den 1920er-Jahren wurde die Art in der Schweiz nicht mehr gefunden.
ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Niederrhein
Die anadromen Flussneunaugen waren im Rheineinzugsgebiet ursprünglich sehr häufig. Bereits Ende des 18. Jh. soll es aber, zumindest in gewissen Gegenden, selten gewesen sein. Die Art wurde auch während der Zeit stärkster Gewässerverschmutzung noch in geringen Stückzahlen gefangen. Mittelrhein
Seit den frühen 1980er-Jahren lässt sich ein positiver Bestandstrend feststellen. Inzwischen ist das Flussneunauge im Rhein bis unterhalb Iffezheim sowie in den grösseren Zufflüs- Oberrhein sen anzutreffen. Aufgrund der Querriegel der Flusskraftwerke bleibt aber ein deutlicher Arealverlust bestehen. Ein Nach- Iffezheim weis in der Fischtreppe des Kraftwerks Iffezheim war bisher vermutlich wegen der grossen Maschenweite der eingesetzten Reuse nicht möglich. Offensichtlich kommt die Art mit den Bedingungen im Rhein gut zurecht. Einer Wiederbesied- Hochrhein lung der Schweiz stehen vermutlich nur die noch unpassierbaren Stauwehre im Weg.
Quellenangaben
Brenner et al. 2002; De Nie 1997; Freyhof 1996; Hofer 1911b; Kirchhofer 1996; Nau 1787 (in Riethe 1991); Pedroli 100 km et al. 1991; Steinmann 1948; Volz & Cazemir 1991; von dem Borne 1883; Weibel 1991. heutige Verbreitung im Rheineinzugsgebiet
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Meerneunauge autochthon Petromyzon marinus ausgestorben
Systematik
Art: Meerneunauge Petromyzon marinus Linnaeus, 1758 Familie: Petromyzontidae (Neunaugen) Ordnung: Petromyzontiformes Klasse: Cyclostomata (Rundmäuler) Verwandte Art (rezent/autochthon): Bachneunauge Lampetra planeri
Foto J. Freyhof Historische Verbreitung in der Schweiz
Die Art war in der Schweiz immer sehr selten. Sie stieg zusammen mit Lachs und Maifisch den Rhein aufwärts. Selten gelangten sie auch in den Hochrhein, wo sie bis nach Laufenburg festgestellt werden konnte. Der letzte datierte Beleg aus der Schweiz stammt von 1884.
ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Niederrhein
Meerneunaugen waren noch im 17. Jh. regelmässig im Oberrhein zu finden. Bereits Ende des 19. Jh. waren sie aber selten. Ob die Art je gänzlich aus dem Rhein verschwunden war, ist unklar. Seit den frühen 1980er-Jahren lässt sich eine positive Bestandsentwicklung unterhalb Iffezheim feststellen. Mittelrhein
Inzwischen ist die Art im Rhein regelmässig anzutreffen. Die Funde erwachsener und junger Tiere belegen, dass sich Meerneunaugen im Oberrhein erfolgreich fortpflanzen. Ein Oberrhein deutlicher Arealverlust ist auf die Querriegel der Flusskraftwerke zurückzuführen. Die Tiere wandern jährlich bis zur Iffezheim Staumauer bei Iffezheim, in deren Fischtreppe sie regelmässig nachgewiesen werden. Meerneunaugen steigen auch wieder in die grösseren Seitenflüsse des Rheins auf. Einer Wiederbesiedlung der Schweiz stehen wahrscheinlich nur Hochrhein die noch unpassierbaren Stauwehre zwischen Iffezheim und Basel im Weg.
Quellenangaben
Brenner et al. 2002; De Nie 1997; Fatio 1890; Hofer 1911b; 100 km Kirchhofer 1996; Dussling & Berg 2001; Volz & Cazemier 1991; von dem Borne 1883; Weibel 1991. heutige Verbreitung im Rheineinzugsgebiet
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Atlantischer Stör autochthon Acipenser sturio ausgestorben
Systematik
Art: Atlantischer Stör Acipenser sturio Linnaeus, 1758 Familie: Acipenseridae (Störe) Ordnung: Acipenseriformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Historische Verbreitung in der Schweiz
Der Stör stieg im Rhein sicher bis Rheinfelden auf. Eine natürliche Ausbreitungsbarriere stellten vermutlich die Stromschnellen von Laufenburg dar. Die Art war im Hochrhein immer eine Rarität. Aus der Zeit von 1586-1854 sind lediglich 7 Nachweise bekannt. Der Stör war so selten, dass er in Basel gegen Entgelt zur Schau gestellt wurde. Der letzte bekannte Nachweis aus der Schweiz stammt von Rheinfelden aus dem Jahre 1854. Der Stör stieg in seltenen Fällen auch über den Ticino bis in die Schweiz (Tessin) auf. Im Langensee kommt eine andere Störart selten vor, bei der ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh. es sich um den Adriatischen Stör (Acipenser naccarii) handeln könnte. Gelegentlich wird diese Art auch von schweize- Niederrhein
rischen Berufsfischern gefangen. Es ist unbekannt, ob es sich dabei um eine autochthone Population oder um Zuchtfische handelt. Diese Art wird auch im Luganersee gefunden, wo sie aber sicher eingesetzt wurde.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Mittelrhein
Der Bestand brach im gesamten Rhein in der 2. Hälfte des
19 Jh. relativ plötzlich zusammen, unter anderem infolge
Überfischung. Der letzte Nachweis für den Oberrhein, wo Oberrhein
der Stör immer selten war, datiert von 1916. Im deutschen Niederrhein wurde er letztmals 1942 und im niederländi- Iffezheim
schen Rhein 1952 nachgewiesen. Eine sehr kleine, nach wie vor schrumpfende Restpopulation existiert noch in der französischen Garonne. Der Atlantische Stör ist somit weltweit akut vom Aussterben bedroht und eine der seltensten Hochrhein
Fischarten der Welt. Eine Wiederbesiedlung des Rheins erscheint vor diesem Hintergrund auch langfristig unrealistisch.
Quellenangaben
Benecke 1986; Debus 1995; Hofer 1911a, 1911/12; Kinzel- 100 km bach 1987; Dussling & Berg 2001; Müller & Meng 1992; Pedroli et al. 1991; Volz & De Groot 1992. heute im Rheineinzugsgebiet ausgestorben
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Maifisch autochthon Alosa alosa ausgestorben
Systematik
Art: Maifisch Alosa alosa (Linnaeus, 1758) Familie: Clupeidae (Heringe) Ordnung: Clupeiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Historische Verbreitung in der Schweiz
Der Maifisch stieg im Hochrhein bis zu den Stromschnellen von Laufenburg (selten darüber hinaus) sowie in die Mündungsbereiche von Birs und Wiese zum Laichen auf. Noch im 19. Jh. wurde die Art «täglich zu Tausenden» bei Basel gefangen. Bereits in den 1890er-Jahren wurde ein allmähliches Verschwinden aus dem Hochrhein festgestellt. Um 1910 war der Maifisch im aargauischen Teil des Rheins bereits selten. Der Bau der Kraftwerke am Hochrhein führte schliesslich zum endgültigen Aussterben in der Schweiz. Der letzte Nachweis stammt von 1930 aus dem Hochrhein. ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Niederrhein
Der Bestandesrückgang setzte im Rhein Ende der 1870er- Jahre ein. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war der Maifisch wirtschaftlich bedeutend. Während der Mitte des 20. Jahrhunderts brachen die Bestände aber zusammen. Flussverbauungen, Gewässerverschmutzung und die massive Mittelrhein
Überfischung haben gemeinsam das Aussterben des Maifisches bewirkt. Seit 1978 nehmen die Fundmeldungen unterhalb des Kraftwerks Iffezheim wieder zu. Die Tiere werden Oberrhein auch vereinzelt in dessen Fischpass und im rheinaufwärts gelegenen Stauraum vereinzelt nachgewiesen. Der Fund Iffezheim mariner Parasiten belegt, dass die Tiere im Meer waren. Es handelt sich also nicht um eine Binnenform. Ob sich wieder eine kleine Population dieser anadrom wandernden Art im Rhein angesiedelt hat, oder ob es sich um Irrläufer aus den Hochrhein grossen französischen Populationen handelt ist unklar. Nachweise von jungen, im Rhein geborenen Maifischen liegen bisher nicht vor.
Quellenangaben
Bartl & Troschel 1997; Brenner et al. 2002; Gerster 1991; 100 km
Hofer 1911/12; Koch 1955; Nötlich, pers. Mitt.; von dem Borne 1882. heutige Verbreitung im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Lachs autochthon Salmo salar ausgestorben
Systematik
Art: Lachs Salmo salar Linnaeus, 1758 Familie: Salmonidae (Lachsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon): Bach-/Seeforelle Salmo trutta
Foto J. Freyhof Historische Verbreitung in der Schweiz
Der Lachs war ursprünglich in weiten Teilen des schweizerischen Rheineinzugsgebiets verbreitet. Besonders häufig war er im Hochrhein, wo er auch in grossen Mengen gelaicht hatte. Nach Inbetriebnahme des Aarekraftwerks Wynau (1895) gelangten nur noch einzelne Lachse in den Kanton Bern. 1902 kam mit dem Aarekraftwerk Beznau das Aus für die Lachse in den Kantonen Solothurn und Luzern. Der Bau des Kraftwerkes Augst-Wyhlen 1912 bedeutete das Ende im Hochrhein. Schlussendlich verschwand er auch aus dem Raum Basel, als 1932 das Kraftwerk Kembs ans Netz ging. Nach dessen Zerstörung 1945 durch die Alliierten gelangten wieder einige hundert Lachse nach Basel. Der letzte Nachweis für die Schweiz stammt von 1963 aus Basel. ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Niederrhein
Mitte des 19. Jh. begann der Niedergang des Lachses als Folge von Flusskorrektionen, Gewässerverschmutzung und Überfischung. Der Bau der Rheinkraftwerke ab Ende des 19. Jh. besiegelte seinen Untergang. Zwischen den 1940er- und 1960er-Jahren verschwand er wahrscheinlich vollständig aus dem Rheineinzugsgebiet. Allerdings lässt sich das infol- Mittelrhein
ge der seit den frühen 1970er-Jahren durchgeführte Besatzmassnahmen nicht nachweisen. Seit 1983 werden auch in der Region Basel Junglachse ausgesetzt. Oberrhein Die Zahl der in den Rhein zurückkehrenden Lachse nimmt heute dank intensiviertem Besatz zu. Inzwischen wandern wahrscheinlich jährlich einige tausend dieser Fische rheinauf- Iffezheim wärts. Die Fische gelangen, dank einer erst im Jahre 2000 in Betrieb genommenen Fischtreppe, bis über das Stauwehr bei Iffezheim. Einer Wanderung bis in die Schweiz stehen noch die zahlreichen flussaufwärts folgenden Stauwehre im Hochrhein Weg. Allerdings führte bisher keines der am Rhein durchgeführten Lachsprojekte zu einer sich selbst tragenden Population. Mangelhafte Habitatqualitäten in den Besatzgewässern sind offensichtlich das Problem.
Quellenangaben 100 km Gerster 1991; Güntert 1985; Lelek & Buhse 1992; Müller 1992; Rey et al. 1996; VDSF 2000; von dem Borne 1882. heutige Verbreitung der Adulttiere im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Meerforelle autochthon Salmo trutta ausgestorben
Systematik
Art: Meerforelle Salmo trutta Linnaeus, 1758 Familie: Salmonidae (Lachsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Die atlantische Forelle (Salmo trutta) wird grob in drei ökologische Formen unterteilt, die in der Natur wahrscheinlich nach ökologischen Rahmenbedingun- Foto J. Freyhof gen ineinander transformieren: Prinzipiell wachsen alle Forellen in kleinen bis mittelgrossen Fliessgewässern auf. Nach 2-3 Jahren „entscheiden“ sich die jungen Forellen ob sie in ihrem Bach bleiben (Bachforellen) oder ob sie ins Meer (Meerforellen) oder in einen See (Seeforellen) abwandern. ? Historische Verbreitung in der Schweiz
Alle drei ökologischen Typen kamen historisch in der Schweiz vor. Bach- und Seeforelle sind weiterhin vorhanden, doch ihre lokale, genetische Identität ist wahrscheinlich weitgehend durch grossräumige Besatzmassnahmen verfälscht. Die historische Verbreitung der Meerforelle in der Schweiz ist unbekannt. Es gibt Hinweise, dass sie früher bis zum Rheinfall, selten auch in die Aare zum Laichen aufstieg. Verwechs- ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh. lungen mit dem Lachs waren aber durchaus möglich. Wie beim Lachs dürften Flusskorrektionen, Gewässerverschmut- Niederrhein
zung und Überfischung im 19. Jh. zu einem Bestandesrückgang geführt haben. Der Bau der Kraftwerke an Oberrhein und Hochrhein seit Ende des 19. Jh. verhinderten endgültig den Aufstieg der Meerforelle in die Schweiz.
Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins Mittelrhein
Wenig beachtet starb die Meerforelle spätestens mit dem Bau der Stauwehre am Rhein aus. Diese anadrom wandernde Form der Forelle verschwand aber nie gänzlich aus dem Oberrhein
Rhein, zumal immer wieder Jungforellen aus den Bachpopulationen abwanderten. Iffezheim
Die Zahl der erfolgreich in den Rhein zurückkehrenden Laichfische ist Anfang der 1980er-Jahre deutlich angestiegen. Heute ist diese Forellenform im Rhein relativ häufig. Die Fische gelangen regelmässig bis über das Stauwehr bei If- Hochrhein
fezheim. Einer Wiederbesiedlung der Schweiz stehen wahrscheinlich nur die zahlreichen Stauwehre im Weg.
Quellenangaben
Brenner et al. 2002; De Nie 1997; Pedroli et al. 1991; Küry & 100 km Morel 1995; Largiadèr & Scholl 1995; VDSF 2000; Volz & Cazemier 1991; von dem Borne 1882; Weibel 1991. heutige Verbreitung im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten
Marmorkarpfen allochthon Aristichthys nobilis rezent
Systematik
Art: Marmorkarpfen, Gefleckter Tolstolob Aristichthys nobilis (Richardson, 1845) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto EAWAG Besiedlung der Schweiz
Die Art stammt ursprünglich aus Ostasien. In Europa wurde 1976
sie als geschätzter Speisefisch, vor allem aber zur Verbesserung der Wasserqualität eutropher Kleinseen und Weihern eingeführt. Der Marmorkarpfen bewirkte aber keine Enttrübung der Gewässer, da er sich entgegen der Erwartungen von Zooplankton statt von Phytoplankton ernährt hatte. In den 1960er-Jahren wurde die Art erstmals in die Schweiz eingeführt und an einem unbekannten Ort ausgesetzt.
bekannte Ersteinsätze
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Marmorkarpfen in unseren Gewässern etablieren können, ist gering. Eine natürliche Fortpflanzung gilt wegen der hohen Temperaturansprüche als ausgeschlossen. Die Fische des letzten bekannten Standorts werden in den nächsten Jahren verschwinden.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Gerstmeier & Romig 1998; Müller 1995; Sterba 1990.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Rapfen allochthon Aspius aspius rezent
Systematik
Art: Rapfen, Schied Aspius aspius (Linnaeus, 1758) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz Im Einzugsgebiet des deutschen Rheins kam der Rapfen gemäss neuerer Erkenntnisse ursprünglich bis nach Strassburg vor, war aber immer nur sehr selten. Seit Mitte der 1970er- Jahren wurde die Art im Nieder- und Mittelrhein gefunden. In den 1980er-Jahren tauchte sie auch im Oberrhein auf. In den letzten Jahren konnte eine massive Bestandeszunahme bis zum Oberrhein und seinen grösseren Zuflüssen beobachtet werden. Der erste Nachweis aus dem Hochrhein (Stau Birsfelden) erfolgte 1994.
Erstnachweise
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Der Rapfen ist in der Schweiz bisher nur für den Hochrhein bei Basel nachgewiesen worden. Eine weitere Ausbreitung rheinaufwärts sowie in die grösseren Zuflüsse ist wahrscheinlich.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Brenner et al. 2002; Dussling & Berg 2001; Fangstatistik Hochrhein (BUWAL).
aus Ladiges & Vogt (1979)
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Goldfisch allochthon Carassius auratus auratus rezent
Systematik
Art: Goldfisch Carassius auratus auratus (Linnaeus, 1758) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Taxonimische Bezeichnung nach Kottelat (1997): Carassius auratus
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Der Goldfisch wurde seit dem 17. Jh. als teurer Zierfisch aus Ostasien nach Europa importiert. Eine erfolgreiche Zucht war in Europa erst seit 1728 möglich. Seither ist die Art in der freien Natur anzutreffen. Die Besiedlung der Schweiz konnte nicht rekonstruiert werden.
Ersteinsätze unbekannt
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Die Art besiedelt einen Grossteil des Mittellandes und das südliche Tessin.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Kottelat 1997; Sterba 1987.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Giebel allochthon Carassius auratus gibelio rezent
Systematik
Art: Giebel Carassius auratus gibelio (Bloch, 1782) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Taxonimische Bezeichnung nach Kottelat (1997): Carassius gibelio
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Bis vor wenigen Jahren ging man davon aus, dass der Giebel die Wildform des Goldfischs sei oder eine Kreuzung zwischen Goldfisch und Karausche. Giebelvorkommen sind in Europa aber mindestens seit dem 16. Jh. bekannt. Heute tendiert man dazu, den Giebel als eigenständige Art zu betrachten, deren Herkunftsgebiet das östliche Mitteleuropa ist. Von hier aus hat er sich bereits im 17. und 18. Jh. nach Westeuropa ausgebreitet. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Ausbreitung, vermutlich durch die Einschleppung mit Besatzfischen, massiv verstärkt. Die Besiedlung der Schweiz konnte nicht rekonstruiert werden. Erstnachweise unbekannt
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Die heute bekannten Vorkommen liegen im Bodenseegebiet, im bernischen Mittelland, im Luganersee und an einem Standort im Kanton Graubünden.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Arnold 1990; Kottelat 1997; Lelek & Buhse 1992.
aus Ladiges & Vogt (1979)
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Karausche allochthon Carassius carassius rezent
Systematik
Art: Karausche Carassius carassius (Linnaeus, 1758) Familie: Cyprinidae Ordnung: Cypriniformes (Karpfenartige) Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Die Karausche ist eine autochthone Art des Rheins. Sie war einst der häufigste Cyprinide in den Stehgewässern entlang des Niederrheins. Im Oberrhein und seinen Zuflüssen war sie aber selten. Die Vorkommen in der Schweiz beruhen vermutlich auf Aussetzungen. Im 19. Jh. war die Art im Hochrhein selten. Auch in den Zuflüssen und im Bodensee kam sie nur vereinzelt vor.
ungefähres Verbreitungsgebiet im 19. Jh. (unvollständig)
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Die Art besiedelt den grössten Teil des Schweizer Mittellandes und die Talebene des Wallis. Zudem kommt sie an je einem Standort in den Kanton Graubünden und Tessin vor.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Berg et al. (1989); Lelek & Buhse (1992); Pedroli et al. (1991); von dem Borne (1882).
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten
Graskarpfen allochthon Ctenopharyngodon idella rezent
Systematik
Art: Graskarpfen, Weisser Amur Ctenopharyngodon idella (Valenciennes, 1844) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto EAWAG Besiedlung der Schweiz Die pflanzenfressende Fischart stammt ursprünglich aus 1976 Ostasien. Sie gelangte in den 1960er-Jahren nach Europa 1976 1976 ca. 1979 und auch in die Schweiz, wo sie zur Bekämpfung der Ver- 1978 1976 krautung von Kleingewässern und als geschätzter Speisefisch in Karpfenteichen eingesetzt wurde. Der Besatz erfolgte 1972 1975 vor allem in kleine Stehgewässer. 1974 wurde ein grosser 1979
Einsatz in den Rhein und in die Limmat des Kantons Aargau getätigt. 1976-1988 wurden im Auftrag des Bundes Besatzversuche in verschiedenen Gewässern durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. bekannte Ersteinsätze
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Eine natürliche Fortpflanzung konnte bisher nicht beobachtet werden. Die heutigen Vorkommen bestehen wahrscheinlich aus alten Tieren, die in den 1970er-Jahren eingesetzt wurden. Es ist anzunehmen, dass der Graskarpfen bis in einigen Jahren vollständig aus der Schweiz verschwinden wird.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Guthruf et al. 1999; Köhler & Lelek 1992; Lelek & Buhse 1992; Müller 1978, 1995; Sterba 1990.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Silberkarpfen allochthon Hypophthalmichthys molitrix rezent
Systematik
Art: Silberkarpfen, Silberner Tolstolob Hypophthalmichthys molitrix (Valenciennes, 1844) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto EAWAG Besiedlung der Schweiz
Der Silberkarpfen stammt ursprünglich aus Ostasien. In Eu- 1976
ropa wurde diese phytoplankton-fressende Fischart zur Verbesserung der Wasserqualität eutropher Kleingewässern und als geschätzter Speisefisch eingeführt. In den 1960er- Jahren gelangte sie erstmals in die Schweiz und wurde an 1972 1980 einem unbekannten Ort ausgesetzt. 1976-1988 wurden im Auftrag des Bundes Besatzversuche in verschiedenen Gewässern durchgeführt und wissenschaftlich begleitet.
bekannte Ersteinsätze
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Eine natürliche Fortpflanzung gilt wegen der hohen Temperaturansprüche als ausgeschlossen. Die zwei heute bekannten Vorkommen bestehen wahrscheinlich aus alten Tieren, die in den 1970er- und 1980er-Jahre eingesetzt wurden. Es ist anzunehmen, dass der Silberkarpfen bis in einigen Jahren vollständig aus der Schweiz verschwinden wird.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Müller 1995; Sterba 1990.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Blaubandbärbling allochthon Pseudorasbora parva rezent
Systematik
Art: Blaubandbärbling Pseudorasbora parva (Temminck & Schlegel, 1842) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Diese ostasiatische Fischart gelangte 1961 mit Lieferungen 1996/97
von Graskarpfen nach Rumänien. 1964 wurde sie erstmals in der rumänischen Donau gefunden. 1970 tauchte sie in Ungarn und 1974 in der Slowakei auf. 1982 wurde sie in Österreich und kurz darauf in Deutschland nachgewiesen. Der erste Nachweis vom Rhein (Niederrhein) stammt aus dem Jahre 1988. 1995 wurde die Art auch im Oberrhein und kurz darauf in der Töss nachgewiesen. Bei der Bestandeserhebung zur Rheinfischfauna im Jahre 2000 wurde die Art lediglich in einem Seitengewässer des Oberrheins gefunden. Erstnachweise
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Im Gegensatz zu Deutschland konnte der Blaubandbärbling bei uns bisher nur an einzelnen Stellen nachgewiesen werden. Er ist aber auch vom deutschen Bodenseeufer und aus dem französischen Einzugsgebiet der Rhone bekannt. Der Blaubandbärbling kann sich vor allem in kleinen Stehgewässern explosionsartig vermehren und nach wenigen Jahren wieder verschwinden. Die Art scheint sich also nicht überall, wo sie auftritt, auch etablieren zu können.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Arnold 1990; Banarescu 1999; Brenner et al. 2002; Cazemier et al. 1997; Dussling & Berg 2001; Lelek & Köhler 1989; Ulmann 1998.
aus Banarescu (1999)
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Brauner und Schwarzer Zwergwels allochthon Ameiurus nebulosus und Ameiurus melas rezent
Systematik
Art: Brauner Zwergwels, Brauner Katzenwels Ameiurus nebulosus (Lesueur, 1819) Schwarzer Zwergwels, Schwarzer Katzenwels Ameiurus melas (Rafinesque, 1820) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Schwarzer Zwergwels, Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Die beiden nur schwer zu unterscheidenden Zwergwelsarten stammen aus Nordamerika. Der Braune Zwergwels wurde erstmals um 1871 in Europa eingeführt. Ab 1885 wurde er in Europa erfolgreich gezüchtet und kurz darauf auch an wenigen, uns nicht bekannten Stellen in der Schweiz ausgesetzt. 1926 wurden Zwergwelse im italienischen Ticino nachgewiesen. Aber erst Mitte der 1970er-Jahre wurden sie im südlichen Teil des Langensees erstmals gefangen. Seither haben sie sich entlang der Ufer nordwärts ausgebreitet und die Schweiz erreicht. Ersteinsätze unbekannt
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Der Schwarze Zwergwels kommt vermutlich hauptsächlich in Südeuropa (Italien, evtl. Spanien) vor. Die Bestände in der deutschen (Bodensee, Zürichsee) und der französischen Schweiz (Rhone, Genfersee) dürften somit in erster Linie aus dem Braunen, diejenigen im Tessin (Langensee, Luganersee) evtl. aus dem Schwarzen Zwergwels bestehen.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Arnold 1990; Bruno & Maugeri 1992; Giussani 1989, Pedroli et al. 1991.
Brauner Zwergwels, © B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Regenbogenforelle allochthon Oncorhynchus mykiss rezent
Systematik
Art: Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss Walbaum, 1792 Familie: Salmonidae (Lachsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist Nordamerika und die ostrussische Halbinsel Kamchatka. Im Jahre 1882 kam die Art nach Europa und 1887 in die Schweiz. Anfangs wurde sie mehrheitlich in Fischzuchtanlagen eingesetzt. Die er- ca. 1935
sten Besatzversuche in freie Gewässer schlugen oft fehl, so 1891 ca. 1890 in einigen Seen des Kantons Graubünden, im Tessin und in ca. 1890 der Rhone bei Genf. Dank anhaltendem und zunehmend in- 1907 ca. 1890 tensiviertem Besatz konnte sich diese gegenüber der autochthonen Bachforelle weniger anspruchsvolle Art in vielen ca. 1900 1966 Gewässern etablieren. Eine natürliche Fortpflanzung ist bis- ca. 1900 her nur aus wenigen Gewässern bekannt. Seit 1991 besteht 1907 ein Besatzverbot, das nur abgeschlossene Berg- und alpine Stauseen und seit 2001 auch Anglerteiche ausnimmt. Ersteinsätze (unvollständig)
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Die Regenbogenforelle kommt fast in der ganzen Schweiz mehr oder weniger häufig vor. Verbreitungslücken gibt es offenbar im Jura, in den Kantonen Genf und Schaffhausen sowie im Engadin.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Büsser & Marrer 1991; Hofer 1911c; Köhler & Lelek 1992; Kottelat 1997; Löffler 1996; Lorenz 1898; MacCrimmon 1971; Müller & Meng 1992; Pedroli et al. 1991.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Bachsaibling allochthon Salvelinus fontinalis rezent
Systematik
Art: Bachsaibling Salvelinus fontinalis (Mitchill, 1814) Familie: Salmonidae (Lachsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist Nordamerika. Im Jahre 1869 wurde der Bachsaibling in Europa, 1879 im Rhein und um 1880 auch in die Schweiz eingeführt. Viele Besätze blieben erfolglos, so z. B. diejenigen in den Rhein und in die Oberengadiner Seen. 1920
Ersteinsätze weitgehend unbekannt
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Alpenraum und dem Berner Mittelland.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Köhler & Lelek 1992; Marrer 1980; MacCrimmon & Campbell 1969; Pedroli et al. 1991.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Namaycush allochthon Salvelinus namaycush rezent
Systematik
Art: Namaycush, Kanadischer Seesaibling Salvelinus namaycush (Walbaum, 1792) Familie: Salmonidae (Lachsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto Zoologisches Museum, Zürich Besiedlung der Schweiz
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist Nordamerika. Im Jahre 1886 wurde der Namaycush in die Schweiz eingeführt und in den Sägistalsee (Kanton BE) eingesetzt. In der Folge wurden Besätze in vielen Berg- und Stauseen, aber auch in den Langensee getätigt. 1900 1886 vor 1900 ca. 1900 1959 ca. 1900
Ersteinsätze (unvollständig)
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Das Hauptverbreitungsgebiet liegt im Alpenraum. Mit Ausnahme von besetzten Bergseen dürfte es sich mehrheitlich um kleine Bestände handeln.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Grimås & Nilsson 1962; Marrer 1980; Müller 1984; Roth (1971).
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Sonnenbarsch allochthon Lepomis gibbosus rezent
Systematik
Art: Sonnenbarsch Lepomis gibbosus (Linnaeus, 1758) Familie: Centrarchidae (Sonnenbarsche) Ordnung: Perciformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist Nordamerika. 1887 wurde die Art erstmals als Gartenteich- und Aquarienfisch nach Mitteleuropa und bald auch in die Schweiz eingeführt. Schnell gelangte der Sonnenbarsch ins Freiwasser. Zur «Bereicherung» der einheimischen Fischfauna wurden aber auch aktive Einsätze getätigt. Beispielsweise wurde der Sonnenbarsch 1909 in den Luganersee und um die selbe Zeit auch in den Langensee eingesetzt. Beide Seen waren aber zum 1903
Zeitpunkt der Einsätze bereits von Italien her vom Sonnen- 1903 barsch besiedelt (Erstnachweise 1903). Erstnachweise (unvollständig)
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Der Sonnenbarsch ist heute mit Ausnahme der Ostschweiz im gesamten Mittelland und im Südtessin verbreitet. Lokal sind grosse Bestände zu verzeichnen. Obwohl diese Art ein aggressives Territorialverhalten zeigt, sind bisher keine Probleme bekannt.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Dussling & Berg 2001; Bruno & Maugeri 1992; Giussani 1989; Hofer 1911c; Müller & Meng 1992.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Forellenbarsch allochthon Micropterus salmoides rezent
Systematik
Art: Forellenbarsch Micropterus salmoides (La Cepède, 1802) Familie: Centrarchidae (Sonnenbarsche) Ordnung: Perciformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz
Der Forellenbarsch wurde 1883 von Nordamerika nach Europa eingeführt und erfolgreich gezüchtet. Einsätze in den Rhein zeitigten keinen Erfolg. Der Nachwuchs wurde u. a. auch an Fischzüchter in der Schweiz verkauft. Anfang des 20. Jh. wurden Forellenbarsche in den Langensee und Luganersee eingesetzt. Berichte über vereinzelte Einsätze einer verwandten Art, dem Schwarzbarsch (Micropterus dolomieui), in den Kantonen Tessin und Waadt beruhen sehr wahrscheinlich auf Verwechslungen mit dem Forellenbarsch (z. B. bei Hofer 1911c). Das selbe gilt auch für aktuelle Meldungen von Anglerfängen aus dem Tessin. Aus ganz Europa gibt es seit Jahren keine gesicherten Nachweise für den Schwarzbarsch. Bekannte Vorkommen Anfang des 20. Jh.
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Neben den Vorkommen im Tessin ist der Forellenbarsch nur aus dem Zürichsee und einem Standort in der Ostschweiz bekannt.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
Arnold 1990; Giussani 1989; Hofer 1911c; Köhler & Lelek 1992; Müller & Meng 1992; Pedroli et al. 1991.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zander allochthon Sander lucioperca rezent
Systematik
Art: Zander Sander lucioperca (Linnaeus, 1758) Familie: Percidae (Barsche) Ordnung: Perciformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Foto J. Freyhof Besiedlung der Schweiz Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Zanders umfasst Ost- und Zentraleuropa. Im Einzugsgebiet des Rheins kam er nicht vor. 1882 wurde der Zander erstmals im Rhein und um 1940 um 1940 1961 1968 im Bodensee eingesetzt. Anfang des 20. Jh. hatte er sich dank Besatzmassnahmen und erfolgreicher natürlicher Fortpflanzung bereits im Oberrhein etabliert. Mitte des 20. Jh. wurden der Luganersee und verschiedene Mittellandseen (z. B. Rotsee und Mauensee, Kanton LU) und Stauseen (z. B. Wägitalersee, Kanton SZ) erstmals besetzt. um 1905
Ersteinsätze bzw. Erstnachweise (unvollständig)
Heutige Verbreitung in der Schweiz
Der Zander besiedelt verschiedene Gewässer des Mittellandes, der Voralpen und des Tessins. Unter geeigneten Bedingungen kann er sich explosionsartig vermehren (z. B. im Sihlsee). Die Bestände können aber ebenso schnell wieder zusammenbrechen.
Gemäss Verbreitungsatlas der Fische und Rundmäuler der Schweiz (erscheint 2002) Quellenangaben
AquaPlus 1995, 1997; Dussling & Berg 2001; Hofer 1911c; Köhler & Lelek 1992; Lelek 1996; Müller & Meng 1992; Steinmann 1948.
© B. Gysin, Hinterkappelen
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Sterlet allochthon Acipenser ruthenus potenziell
Systematik
Art: Sterlet Acipenser ruthenus Linnaeus, 1758 Familie: Acipenseridae (Störe) Ordnung: Acipenseriformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (ausgestorben/autochthon): Stör A. sturio
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale zu erkennen: Barteln sehr kurz gefiedert (ungefiedert bei anderen Störarten); Unterlippe in der Mitte gespalten; 11-18 Rückenschilder; 56-
71 Seitenschilder (weniger als 55 Seitenschilder bei anderen
Störarten); 10-20 Bauchschilder pro Reihe und 11-27 Kiemenreusendornen; Schnauze spitz. Die viel gehandelten Hybriden aus Sterlet und Hausen (Huso huso) haben ebenfalls schwach gefiederte Barteln, sind aber an der Beschilderung leicht vom Sterlet zu unterscheiden. Erreicht eine Gesamtlänge von ca. 50-60 cm, selten bis 100 cm.
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Der Sterlet ist heimisch in allen Flüssen, die zum Schwarzen Meer, Kaspischen Meer, Weissen Meer und zum Eismeer entwässern. Zudem kommt er im Gebiet der Flüsse Pechora und Yenisei in Sibirien vor. In der österreichischen Donau fin- det sich die Art sehr lokal in natürlichen oder angesiedelten Mittelrhein
Beständen. In Bayern wurde sie vielfach ausgesetzt. 1989
Oberrhein 1997
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Der Sterlet wird regelmässig im deutschen und niederländi- 1992 Hochrhein schen Rhein und seinen grossen Seitenflüssen gefangen. Allerdings gibt es keine Belege für eine natürliche Reproduktion oder eine etablierte Population im Rheineinzugsgebiet. Es wurde aber auch nie gezielt nach Jungfischen gesucht.
100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Sterlet Acipenser ruthenus
Ausbreitung Ökologie
Sterlets werden in Deutschland zu Aquakulturzwecken und Sterlets bewohnen die grossen, tiefen Flüsse, wandern aber als Zierfisch für Gartenteiche regelmässig in geschlossene nicht ins Meer. Sie sind strömungsliebend und besiedeln Gewässer ausgebracht. Da sie sporadisch entkommen oder daher das gut durchströmte Hauptgerinne der Flüsse. auch ausgesetzt werden, tauchen sie lokal in natürlichen Die Männchen werden nach 3-5, die Weibchen nach 5-8 Gewässern auf. Sie zeigen bisher aber keine Ausbreitungs- Jahren geschlechtsreif. Weibchen laichen alle 1-2 Jahre und tendenzen. Männchen jedes Jahr zwischen April und Juni sobald die Wassertemperatur 10 °C überschreitet. Sterlets wandern nicht weit, sondern führen nur kurze Laichwanderungen aus. Daher ist dieser Stör in der Lage, sich auch in den Stauräumen der Donau, der Wolga und anderen Flüssen fortzupflanzen. Er laicht auf grobkiesigem bis sandig-kiesigem, stark überströmtem Flussgrund oder in überfluteten Bereichen. Die Eier entwickeln sich im Bodensubstrat. Die frisch geschlüpften Larven machen eine längere Driftphase durch, bis sie zum Bodenleben übergehen. Juvenile Sterlets halten sich in flachen, offenen Flussabschnitten auf. Sterlets ernähren sich von verschiedenen bodenlebenden Kleintieren.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Der Sterlet gehört zur mitteleuropäischen Fischfauna, der Ein Auftauchen des Sterlets ist mittelfristig möglich. Der auch die Arten des schweizerischen Rheineinzugsgebiets Handel mit dieser, und anderen Störarten, sowie Störhybriangehören. Aufgrund der koevolutiven Anpassung zwischen den führt in Deutschland automatisch zum Auftreten in nadem Sterlet und den anderen mitteleuropäischen Fischar- türlichen Gewässern. Damit ist auch ein Auftreten im Gebiet ten, ist anzunehmen, dass sein Schadenpotential gegen- des Hochrheins denkbar. Die ökologischen Bedingungen im über unserer autochthonen Fischfauna gering ist, auch Schweizer Rheinabschnitt sind für den Sterlet wahrscheinwenn er in der Schweiz nie vorkam. lich geeignet. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen können aber nicht abgeschätzt werden. Es ist jedoch kaum zu erwarten, dass sich diese Art nach einem allfälligen Auftreten in der Schweiz stark ausbreiten wird.
Quellenangaben
Bernauer et al. 1996; Holcik 1989; Lelek & Buhse 1992; Löffler 1996; Spindler 1996.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zobel allochthon Abramis sapa potenziell
Systematik
Art: Zobel Abramis sapa (Pallas, 1814) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Arten (rezent/autochthon): Brachsmen A. brama, Blicke A. bjoerkna
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale zu erkennen: Afterflosse lang, mit 36-45 gegabelten Strahlen; 47-54 Schuppen entlang der Seitenlinie; einreihige Schlundzähne; grosse Augen und unterständiges Maul. Erreicht eine Gesamtlänge von ca. 25-30 cm. Der Zobel lässt sich von seinen verwandten Arten insbesondere an der langen Afterflosse unterscheiden. Verwandte Arten (rezent/autochthon): Brachsmen Abramis brama Blicke Abramis bjoerkna Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Der Zobel ist in allen Flüssen heimisch, die zum Schwarzen Meer und Kaspischen Meer entwässern. In der bayerischen Donau kommt er in natürlichen Beständen vor. 1997
Mittelrhein 1996
Oberrhein
2000-01
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Es gibt einzelne Nachweise aus dem deutschen Nieder-, Hochrhein Mittel- und Oberrhein. Besonders erwähnenswert ist, dass in den Jahren 2000 und 2001 im Fischpass des Kraftwerks Iffezheim insgesamt 73 Zobel nachgewiesen wurden. Der Zobel ist im Rhein wahrscheinlich selten und wird zudem oft übersehen. 100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zobel Abramis sapa
Ausbreitung Ökologie
Eine gerichtete Ausbreitung des Zobels ist bisher nicht zu Der Zobel ist ein Bewohner der Brachsen- bis Barbenregion erkennen. Die wenigen Fundorte sind sehr weit über den grosser Flüsse. Auch Wanderungen ins Brackwasser sind Rhein verstreut. Sie belegen weniger die Verbreitung dieser bekannt. Fischart, als vielmehr die Artkenntnisse der Bearbeiter. Da In kleineren Schwärmen besiedelt er vor allem die gering Nachweise aus dem Main fehlen, ist zu vermuten, dass die durchströmten Flussabschnitte des Hauptgerinnes. Der Zo- Art über Besatzfische (Cypriniden-Mischbesatz), wahr- bel kommt aber auch in Flussstauhaltungen gut zurecht und scheinlich aus dem Donaueinzugsgebiet, eingeschleppt kann dort Massenbestände aufbauen. wurde. Die Art wird im Alter von 3-4 Jahren geschlechtsreif. Sie Aus Polen ist bekannt, dass der Zobel über den Prypet- laicht von April bis Mai auf mässig bis stark überströmtem, Bug-Kanal (verbindet den Dniepr mit der Weichsel) in die seichtem Kiesgrund. Die Eier haften an Steinen, Wasser- Weichsel eingewandert ist. Diese Ausbreitung belegt die ex- pflanzen oder anderem Substrat. pansiven Eigenschaften dieser Art. Zobel sind nachtaktive Fische, die sich vor allem von bodenlebenden Kleintieren ernähren. Auf der Suche nach Nahrung ziehen sie oft in strömungsberuhigte Flussabschnitte.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Der Zobel gehört zur mitteleuropäischen Fischfauna, der Eine Ansiedlung der Art in der Schweiz ist mittelfristig sehr auch die Arten des schweizerischen Rheineinzugsgebiets wahrscheinlich. Prinzipiell ist mit einer grossflächigen Anangehören. Aufgrund der koevolutiven Anpassung zwischen siedlung im gesamten Rhein und der Barbenregion seiner dem Zobel und den anderen mitteleuropäischen Fischarten, Zuflüsse zu rechnen. Da der Zobel gut mit den ökologischen ist anzunehmen, dass sein Schadenpotential gegenüber un- Bedingungen in Stauhaltungen zurecht kommt, ist eine Ausserer autochthonen Fischfauna gering ist, auch wenn er in breitung in die Schweiz nur eine Frage der Zeit. Wahrscheinder Schweiz nie vorkam. lich wird sich der Zobel zu einem festen Bestandteil der Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaf- Schweizer Fischfauna entwickeln. ten unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen können aber nicht abgeschätzt werden.
Quellenangaben
Bischoff et al. 1998; Brenner et al. 2002; Dussling & berg 2001; Kuntz 2000; Mikschi & Wolfram-Wais 1999.
Beschreibung der Fischarten
Aland allochthon Leuciscus idus potenziell
Systematik
Art: Aland, Nerfling Leuciscus idus (Linnaeus, 1758) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Arten (rezent/autochthon): Alet L. cephalus, Hasel L. leuciscus
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von den ähnlichen Arten Rotauge (Rutilus rutilus) und Alet (Leuciscus cephalus) zu unterscheiden: 55-61 Schuppen entlang der Seitenlinie (39-48 beim Rotauge; 44-46 beim Alet); Afterflosse konkav (gerade oder konvex beim Alet); Iris nie rot (rot beim Rotauge). Verwandte Arten (rezent/autochthon): Hasel Leuciscus leuciscus Alet Leuciscus cephalus
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Der Aland ist in allen Flüssen heimisch, die zum Schwarzen Meer, Kaspischen Meer und zur Nord- und Ostsee entwässern. Er ist also auch im Rheineinzugsgebiet autochthon. Zudem ist er im nördlichen China und in Sibirien weit verbreitet. Er fehlt ursprünglich südlich der Donau und westlich des Mittelrhein
Rheins.
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Fische kommen im nördlichen Niederrhein häufig vor. Sie werden aber schon im südlichen Nieder- und im Mittelrhein Hochrhein seltener. Im Oberrhein kam die Art ursprünglich wohl nur bis etwa zur Mainmündung vor. Warum der Aland nicht weiter südlich und in der Schweiz vorkommt, ist unbekannt. Alandmeldungen vom Oberrhein und Hochrhein sind vermutlich auf Verwechslungen oder evtl. auf Einzelfische aus Besätzen zurückzuführen. 100 km
heutige Verbreitung im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten
Aland Leuciscus idus
Ausbreitung Ökologie
Im Zuge der Verbesserung der Wasserqualität des Rheins Alande besiedeln die untere Barben- und die Brachsenregischeint sich der Aland etwas nach Süden ausgebreitet zu on der Flüsse. Sie kommen aber auch in grossen Seen vor, haben. Allerdings wird diese Art auch über Cypriniden- aus denen sie zum laichen in die Zuflüsse aufsteigen. Mischbesatz verschleppt, was sein Vorkommen in ökolo- Alande werden mit 5-6 Jahren geschlechtsreif und ca. 10- gisch ungeeigneten Baggerseen am Oberrhein erklärt. 15 Jahre alt. Sie sind unspezialisierte Bewohner der Uferzo- Eine Farbvariante des Aland, die Goldorfe, wurde bereits im ne. Sie laichen von März bis April, sobald die Wassertempe-
19 Jh. als Zierfisch in Teichen gehalten und gelangte so in ratur 10 °C erreicht, auf mässig bis stark überströmten
verschiedene Gewässer. Kiesflächen oder Pflanzenbeständen. Um zu den Laichplätzen zu gelangen, werden z. T. weite Laichwanderungen durchgeführt. Die Weibchen laichen nur einmal pro Saison. Damit ist die Laichzeit lokaler Bestände oft auf 2-3 Wochen begrenzt. Die Jungfische bevorzugen stehende bis schwach durchströmte Flussabschnitte und Altwässer, werden aber mit zunehmendem Wachstum strömungsliebender. Sie können im ersten Sommer eine Länge von bis zu 15 cm erreichen. Alande fressen eine Vielzahl von tierischem und pflanzlichem Material. Grosse, erwachsene Exemplare können sich überwiegend von Fischen ernähren.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Der Aland gehört zur mitteleuropäischen Fischfauna, der Eine Ansiedlung des Aland ist kurzfristig möglich. Da die Art auch die Arten des schweizerischen Rheineinzugsgebiets im Rhein autochthon ist, ist es bisher unklar, warum Alande angehören. Aufgrund der koevolutiven Anpassung zwischen die Schweiz nicht schon längst besiedelt haben. Prinzipiell dem Aland und den anderen mitteleuropäischen Fischarten, würden zumindest eutrophe Voralpenseen (z. B. Hallwilerist anzunehmen, dass sein Schadenpotential gegenüber un- see, Zugersee) die ökologischen Ansprüche der Art erfüllen. serer autochthonen Fischfauna gering ist, auch wenn er in Da der Aland gut mit den ökologischen Bedingungen in der Schweiz nie vorkam. Stauhaltungen zurecht kommt ist eine lokale Besiedlung Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaf- Schweizer Gewässer nur eine Frage der Zeit. ten unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen können aber nicht abgeschätzt werden.
Quellenangaben
Bauch 1961; Borchard et al. 1986; Brenner et al. 2002; De Nie 1997; Dussling & Berg 2001; Leuner et al. 2000; Staas 1997.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Dickkopf-Elritze allochthon Pimephales promelas potenziell
Systematik
Art: Dickkopf-Elritze Pimephales promelas Rafinesque, 1820 Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von der Elritze (Phoxinus phoxinus) zu unterscheiden: 42-48 Schuppen entlang der Körperlängsachse (75-85 bei Elritze); Maul endständig (leicht unterständig bei Elritze); letzter ungegabelter Rükkenflossenstrahl verkürzt und splintartig. Durch den dunklen Längsstreifen kann man die Art vielleicht noch mit dem Strömer (Telestes souffia) verwechseln. Seine Seitenlinie ist aber vollständig (unvollständig bei der Dickkopf-Elritze) und der letzte ungegabelte Rückenflossenstrahl ist nicht verkürzt und nicht splintartig.
Foto K. Schmidt Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Ursprünglich ist die Dickkopf-Elritze in der Zentral-USA beheimatet.
Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Bisher liegt ein Einzelnachweis aus einem Seitenfluss des Hochrhein Niederrheins, der Sieg vor.
100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Dickopf-Elritze Pimephales promelas
Ausbreitung Ökologie
Als beliebter Angelköderfisch wurde die Dickkopf-Elritze in Es handelt sich um eine ausgesprochen anspruchslose Art, Nordamerika weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet die Gräben, Teiche und kleine Fliessgewässer besiedelt. hinaus verschleppt. Dickkopf-Elritzen kommen auch in sauerstoffarmen und Die Art wird in Deutschland als Köderfisch oder Gartenteich- stark verschmutzten Gewässern gut zurecht. fisch verkauft und kommt so punktuell ins Gewässer. Bisher Die Fische sind nach 1-2 Jahren geschlechtsreif und laichen sind keine etablierten Bestände bekannt. Aufgrund der ho- mehrmals im Jahr ab. Männliche Dickkopf-Elritzen betreiben hen ökologischen Potenz könnte es aber zu erfolgreichen Brutpflege, indem sie die vom Weibchen an Hartsubstrate Ansiedlungen in Mitteleuropa kommen. Allerdings wird die gehefteten Eier bewachen und befächeln. Dickkopf-Elritze in Deutschland schon ca. 15 Jahre gehandelt, ohne dass bisher Meldung von angesiedelten Populationen vorliegen.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Sollte sich diese Art in Mitteleuropa ausbreiten, so sind auf- Eine Ansiedlung der Art ist kurzfristig möglich. Eine Ausbreigrund der hohen ökologischen Potenz Massenvermehrun- tung wäre vorstellbar, denn die Dickkopf-Elritze ist ein ausgen denkbar, die negative Auswirkungen auf die heimische gesprochen anpassungsfähiger, winterharter Kleinfisch. Fauna erwarten lassen. Eine Einschleppung über den Handel als „normale“ Elritze ist denkbar.
Quellenangaben
Baensch et al. 1992; Boschung et al. 1988; Lee et al. 1980; Tomelleri & Eberle 1990.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Weissflossengründling allochthon Romanogobio albipinnatus potenziell
Systematik
Art: Weissflossengründling Romanogobio albipinnatus (Lukatsch, 1933) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon): Gründling G. gobio
aus Banarescu (1999) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale vom Gründling zu unterscheiden: Schlanker und blasser; Flossen weniger stark gepunktet, aber nicht frei von dunklen Pigmenten; zwischen dem hinteren Kopfrand und dem Ansatz der Rückenflosse kleine Längskiele auf den Schuppen (fehlen beim Gründling). Leicht zu spüren, wenn man mit einem trockenen Finger über den Rücken des lebenden Fischs streicht. Im konservierten Zustand sind diese Kiele nicht immer gut zu erkennen. After liegt näher zum Ansatz der Bauchflossen (in der Mitte zwischen Bauchflosse und Afterflosse beim Gründling).
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die ursprüngliche Verbreitung ist unklar, da die Art fast immer mit dem Gründling verwechselt wird. Der Weissflossengründling ist sicher in allen Zuflüssen des Schwarzen Meeres, Kaspischen Meeres sowie der Ostsee heimisch, sehr wahrscheinlich auch in der Elbe und im Rhein. Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Im Rhein wurden Weissflossengründlinge erstmals 1998 von Hochrhein der niederländischen Grenze bis nördlich von Karlsruhe (Wörth) nachgewiesen. Die Art ist selten aber regelmässig anzutreffen. Bei der Erhebung der Rheinfischfauna im Jahre 2000 konnte die Art nur bis Mainz festgestellt werden. 100 km
bekannte Verbreitung im Rheineinzugsgebiet (Stand 1998)
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Weissflossengründling Romanogobio albipinnatus
Ausbreitung Ökologie
Es ist unbekannt, ob im Rhein tatsächlich eine Ausbreitung Weissflossengründlinge konzentrieren sich auf die Stromstatt fand oder ob sich nur das Wissen um die Bestimmung sohle der Barben- und Brachsenregion der grossen Flüsse. dieser Art ausgebreitet hat. In den kleineren Zuflüssen wird er vom Gründling ersetzt. Weissflossengründlinge besiedeln überwiegend die mässig durchströmten Flussabschnitte des Hauptgerinnes, kommen aber auch in Stauhaltungen zurecht. Die Fische werden im Alter von 2 Jahren geschlechtsreif und meist 3-5 Jahre alt. Die Weibchen laichen bis zu vier mal zwischen Mai und Juli. Die Struktur der Laichplätze ist unbekannt. Weissflossengründlinge sind nachtaktiv. Sie ernähren sich von grösseren Wirbellosen wie köcherlosen Köcherfliegen, Zuckmückenlarven und Kleinkrebsen.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Der Weissflossengründling gehört zur mitteleuropäischen Sehr wahrscheinlich ist die Art in der Lage die grossen Flüs- Fischfauna, der auch die Arten des schweizerischen Rhein- se der Schweiz zu besiedeln. Eine Ansiedlung ist kurzfristig einzugsgebiets angehören. Aufgrund der koevolutiven An- möglich. Vielleicht kommt der Weissflossengründling aber passung zwischen dem Weissflossengründling und den an- auch bereits vor, gehört also zur autochthonen Fischfauna. deren mitteleuropäischen Fischarten, ist anzunehmen, dass Er besiedelt allerdings bevorzugt die Barben- und Brachsein Schadenpotential gegenüber unserer autochthonen senregion der Tieflandflüsse und dringt selten in kleine Ne- Fischfauna gering ist, auch wenn er in der Schweiz nie vor- benflüsse ein. Das potenzielle Verbreitungsgebiet in der kam. Schweiz ist daher aus ökologischen Gründen sehr limitiert. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen können aber nicht abgeschätzt werden.
Quellenangaben
Brenner et al. 2002; Freyhof et al. 1998; Freyhof et al. 2000; Naseka et al. 1999.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zährte allochthon Vimba vimba potenziell
Systematik
Art: Zährte, Russnase Vimba vimba (Linnaeus, 1758) Familie: Cyprinidae (Karpfenfische) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von den ähnlichen Arten Blicke (Abramis bjoerkna) und Brachsen (Abramis brama) zu unterscheiden: Mundspalte unterständig, von unten gesehen hufeisenförmig; 53-61 Schuppen entlang der Seitenlinien (Blicke 43-55); Schlundzähne einreihig (Blicke zweireihig); Afterflosse mit 17-20 gegabelten Strahlen (Brachsen 23-28); Flossenbasis gelblich bis orange (Brachsen silbrig bis schwarz). Oberflächlich betrachtet kann man Zährten auch mit Nasen verwechseln (Chondrostoma nasus: nur 10- 12 gegabelte Afterflossenstrahlen, Mundspalte unterständig, von unten gesehen gerade). Mit der Blicke bildet die Zährte Hybriden, die schwer von den Elternarten zu trennen sind. Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein 1995 1995 vor 1986-88 Das ursprünglich Verbreitungsareal der Zährte sind die Zuflüsse des Schwarzen Meeres, des Kaspischen Meeres, der vor 1986-92 Ostsee und der Nordsee östlich des Rheins. vor 1992-98
Mittelrhein
1972-79 1998
Oberrhein
2000-01
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Zährte kommt lokal im Rheineinzugsgebiet vor. Die Fun- Hochrhein de konzentrieren sich bisher auf den deutschen und niederländischen Niederrhein und die Rheinzuflüsse Sieg und Lippe. Allerdings gibt es auch einzelne Nachweise aus dem Oberrhein (z. B. im Fischpass des Kraftwerks Iffezheim) und dem französischen Rheinabschnitt, die vermutlich auf Besatzmassnahmen zurückgehen. 100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zährte Vimba vimba
Ausbreitung Ökologie
Die Zährte wurde seit den 70er-Jahren mehrfach an ver- Über die Ökologie der Zährte ist wenig bekannt. Sie besieschiedenen Stellen im deutschen und niederländischen delt einige Voralpenseen und grosse Flüsse, aber auch die Rheineinzugsgebiet angesiedelt. Es handelt sich sehr wahr- Barbenregion kleiner Mittelgebirgsflüsse. scheinlich um Exemplare, die mit Cypriniden-Mischbesatz in Manche Populationen führten lange Laichwanderungen die Gewässer kamen. Spätestens seit Ende der 80er-Jahre durch, doch sind diese „Wanderzährten“ inzwischen weitgehat sich eine kleine Population im Niederrhein etabliert. Eine hend ausgestorben. Zunahme der Funde im Rhein belegt, dass sich die Zährte Die Populationen der Voralpenseen wandern zum laichen in langsam rheinaufwärts ausbreitet. die Zuflüsse ein. Zährten laichen von Mai bis Juli. Die klebrigen Eier werden über seichten, mässig bis stark überströmte Kiesflächen oder überströmten Wasserpflanzen abgelegt. Die Jungfische meiden die Strömung und besiedeln seichte Uferbuchten entlang der Strömungsrinne. Zährten überwintern wahrscheinlich überwiegend in Altwässern der unteren Barben- und der Brachsenregionen, von wo aus sie dann im Frühjahr kurze Laichwanderungen in die Mittelläufe der Flüsse unternehmen.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die Zährte gehört zur mitteleuropäischen Fischfauna, der Eine Ansiedlung der Zährte ist mittelfristig sehr wahrscheinauch die Arten des schweizerischen Rheineinzugsgebiets lich. Prinzipiell ist mit einer grossflächigen Ansiedlung dieser angehören. Aufgrund der koevolutiven Anpassung zwischen Art in Voralpenseen, im gesamten Rhein und der Barbenreder Zährtet und den anderen mitteleuropäischen Fischarten, gion der Seitenflüsse zu rechnen. Da die Zährte gut mit den ist anzunehmen, dass ihr Schadenpotential gegenüber un- ökologischen Bedingungen in Stauhaltungen zurecht serer autochthonen Fischfauna gering ist, auch wenn sie in kommt ist eine Ausbreitung in die Schweiz nur eine Frage der Schweiz nie vorkam. der Zeit. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen können aber nicht abgeschätzt werden.
Quellenangaben
Borchard et al. 1986; Brenner et al. 2002; Cazemir & Heesen 1989; De Nie 1997; Freyhof 1999; Pelz 1985; Pruss 1979; Schweyer et al. 1991.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Chinesischer Schlammpeitzger allochthon Misgurnus anguillicaudatus potenziell
Systematik
Art: Chinesischer Schlammpeitzger Misgurnus anguillicaudatus (Cantor, 1842) Familie: Cobitidae (Dornschmerlen) Ordnung: Cypriniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon): Europäischer Schlammpeitzger M. fossilis
aus Raadik (1991) Bestimmung
Ähnelt dem Europäischen Schlammpeitzger, doch fehlen den asiatischen Arten die Längsstreifen auf dem Körper. Von der oberflächlich ähnlichen Bachschmerle (Barbatula barbatula) durch 5 Paar Barteln (3 Paar bei der Bachschmerle) zu unterscheiden.
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Schlammpeitzger der Gattung Misgurnus sind in Ostasien weit verbreitet und kommen im südöstliches Sibirien, Korea, China, Vietnam, Laos und Birma vor. Für den Teichhandel werden Tiere aus China importiert. Die Taxonomie der Gattung in Ostasien ist weitgehend ungeklärt. Möglicherweise Mittelrhein
handelt es sich bei den eingeschleppten Tieren auch um eine andere Art der Gattung Misgurnus. 1995
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Eine lokale Population in der Nähe von Mönchengladbach Hochrhein am Niederrhein und vereinzelte Funde z. B. in der Nahe sind bekannt.
100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Chinesischer Schlammpeitzger Misgurnus anguillicaudatus
Ausbreitung Ökologie
Chinesische Schlammpeitzger werden in grossem Umfang Die Art ist ein Bewohner von schlammigen, pflanzenreichen für den Handel mit Gartenteichbedarf nach Europa impor- Stehgewässern und Gräben. Über die Ökologie der Tiere in tiert und gelangen so in die natürlichen Gewässer. Die Tiere Europa ist nichts bekannt. In China sind Schlammpeitzger in sind offensichtlich völlig winterhart und in der Lage, sich im allen möglichen Gewässertypen sehr häufig. Freiland zu vermehren.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Möglicherweise stellt diese Art eine ernst zunehmende Kon- Die Bedeutung für die Schweiz ist nicht abzuschätzen. Die kurrenz für den stark gefährdeten Europäischen Schlamm- Art kann sich über entkommene Teichfische im grenznahen peitzger dar. Die ökologischen Auswirkungen können aber Ausland jederzeit im Freiland ansiedeln und sich dann ausnicht realistisch eingeschätzt werden, da über diese autoch- breiten. Eine Ansiedlung der Art ist kurzfristig denkbar. thone Art nur sehr wenig bekannt ist.
Quellenangaben
Riffel et al. 1996; Yue & Chen 1998.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Amerikanischer Hundsfisch allochthon Umbra pygmaea potenziell
Systematik
Art: Amerikanischer Hundsfisch Umbra pygmaea (DeKay, 1842) Familie: Umbridae (Hundsfische) Ordnung: Salmoniformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
Unverwechselbare Art, die an dem kurzen Kopf, der weit hinten ansetzenden Rückenflosse und der abgerundeten Schwanzflosse leicht anzusprechen ist. Der Amerikanische Hundsfisch unterscheidet sich von dem in der Donau und im Dniestr verbreiteten Europäischen Hundsfisch (Umbra krameri) durch die am oberen Rand konvex gerundete Rükkenflosse (gerade bei U. krameri) und die hellen Längsstreifen (fehlen bei U. krameri).
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
nach 1988 Die Art ist in den Gewässern der nordamerikanischen Atlantikküste vom südlichen New York bis ins nördliche Florida heimisch.
Mittelrhein
um 1985
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Amerikanische Hundsfische sind lokal in den Niederlanden Hochrhein verbreitet. Ein älterer Nachweis stammt aus dem Einzugsgebiet des Mains.
100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Amerikanischer Hundsfisch Umbra pygmaea
Ausbreitung Ökologie
Die Art spielt in Deutschland als Gartenteichfisch eine ge- Amerikanische Hundsfische besiedeln eine Vielzahl von unwisse Rolle. Spezielle Liebhaber siedeln sie immer wieder terschiedlichen kleinen, stehenden und dicht mit Pflanzen lokal im Freiland an. Sie scheint sich aber kaum selbständig bestandenen Gewässern wie verlandende Altarme, Tümpel, auszubreiten. und kleine Kanäle. Sie laichen meist im Alter von 2 Jahren im April bis Mai, wenn die Wassertemperatur 10-15 °C erreicht. Die Eier werden in ein Nest aus Pflanzenmaterial oder in eine flache Grube im Gewässergrund gelegt. Beide Geschlechter oder ein Elternteil betreiben Brutpflege bis die Larven frei schwimmen. Amerikanische Hundsfische können atmosphärische Luft atmen und sind daher in der Lage Gewässer mit sehr geringem Sauerstoffgehalt zu besiedeln. Sie ernähren sich von einer Vielzahl von Kleinlebewesen.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die Art scheint relativ konkurrenzschwach zu sein und in Eine Ansiedlung der Art ist kurzfristig möglich. Wahrschein- Europa nur geringe Dichten zu erreichen. Ihre ökologischen lich könnten sich Amerikanische Hundsfische in der Auswirkungen sind daher als gering einzuschätzen. Es sind Schweiz lokal etablieren. Die Erfahrungen aus den Niedervon dieser Art keine negativen Auswirkungen zu erwarten. landen und Deutschland zeigen aber, dass die Hundsfische sich kaum ausbreiten und sich unauffällig integrieren.
Quellenangaben
De Nie 1997; Hessisches Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Naturschutz 1989; Jenkins & Burkhead 1993.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zwergstichling allochthon Pungitius pungitius potenziell
Systematik
Art: Zwergstichling, Neunstachliger Stichling Pungitius pungitius (Linnaeus, 1758) Familie: Gasterosteidae (Stichlinge) Ordnung: Gasterosteiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon): Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus
aus Maitland (1972) Bestimmung
Vom Dreistachligen Stichling durch 8-11 Rückenstachel (3-4 beim Dreistachligen Stichling) zu unterscheiden.
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Zwergstichlinge sind systematisch schlecht bearbeitet. Sie haben eine zirkumpolare Verbreitung und kommen an der Küste aller nördlichen Meere (Pazifik, Atlantik, Nordsee, Ostsee, Eismeer) sowie in den küstennahen Binnengewäsum 1990 sern vor. Mittelrhein
um 1995 Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Im Einzugsgebiet des Niederrheins ist der Zwergstichling bis Hochrhein auf die Höhe von Köln autochthon. Vereinzelt wurde er im gesamten deutschen Rheineinzug angesiedelt.
100 km
bekannte Verbreitung und Erstnachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zwergstichling Pungitius pungitius
Ausbreitung Ökologie
Die Art scheint sich kaum selbständig auszubreiten. Sie wird Zwergstichlinge besiedeln überwiegend kleine und/oder vielmehr als Gartenteichfisch und von Liebhabern ver- reich strukturierte Gewässer mit vielen Wasserpflanzen. Tyschleppt und lokal angesiedelt. Es ist keine gerichtete Aus- pisch sind z. B. kleine Wiesengräben, Bäche und Tümpel im breitung zu erkennen. Lokale Populationen erlöschen oft Tiefland. Die Art steigt kaum über 300 m über Meer auf. Der schnell wieder. Zwergstichling ist resistent gegenüber niedrigen pH-Werten und schlechten Sauerstoffverhältnissen. Die Fische werden meist nach einem Jahr geschlechtsreif und laichen mehrfach zwischen April und September. Nach der Laichzeit sterben die meisten erwachsenen Stichlinge. Die Männchen sind territorial und bauen zwischen Pflanzen ein ovales Nest aus Pflanzenmaterialien, welche mit einem Nierensekret verklebt werden. Das Männchen bewacht und pflegt die Eier, die von mehrerer Weibchen stammen können. Die Larven schlüpfen nach 6-7 Tagen (bei 15 °C), und verlassen nach 3-4 Tagen das Nest. Zwergstichlinge ernähren sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Zwergstichlinge sind relativ konkurrenzschwach und können Eine Ansiedlung der Art ist kurzfristig möglich. Wahrscheinnur in isolierten Gewässern wirklich hohe Dichten erreichen. lich könnten sich Zwergstichlinge in der Schweiz lokal eta- Ihre ökologischen Auswirkungen sind daher gering. Es sind blieren. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen aber, dass von dieser Art keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Zwergstichlinge sich kaum ausbreiten und sich unauffällig integrieren.
Quellenangaben
De Nie 1997; Dussling & Berg 2001; Keivany & Nelson 2000; Leuner et al. 2000; Paepke 1996.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Amurgrundel allochthon Perccottus glenii potenziell
Systematik
Art: Amurgrundel Perccottus glenii Dybowski, 1877 Familie: Odontobutidae (China-Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische)
Quelle: http://www.sazp.sk/slovak/periodika/chus/40/8.html Bestimmung
Die Amurgrundeln kann kaum mit einem anderen europäischen Fisch verwechselt werden. Zwei getrennte Rückenflossen und die brustständigen Bauchflossen lassen sie am ehesten dem Flussbarsch (Perca fluviatilis) ähneln, von dem die Amurgrundel aber leicht durch die völlig andere Zeichnung und die fehlenden Stachelstrahlen in der ersten Rükkenflosse zu unterscheiden ist. Amurgrundeln werden bis zu 25 cm lang.
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Das ursprüngliche Verbreitungsareal der Amurgundel liegt in Ostasien, genauer im Gebiet des Tugur Flusses (Okhosk- Meer) bis nach Nordostkorea.
Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Diese agressiv-invasive Fischart ist neuerdings in der ungari- Hochrhein schen Theiss, der polnischen Weichsel und in der Slowakischen Republik aufgetaucht. Im Rheineinzugsgebiet wurde sie bisher nicht nachgewiesen.
100 km
bisher kein Nachweis im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Amurgrundel Perccottus glenii
Ausbreitung Ökologie
Im Jahr 1912 brachten russische Wissenschaftler die Amur- Die Amurgrundel besiedelt vor allem pflanzenreiche Altwäsgrundel erstmals nach Europa (St. Petersburg). Seither wird ser sowie hohlraumreiche Uferpartien von Seen und grossie in der Ostsee im Bereich des finnischen Meerbusens sen, langsam fliessenden Flüssen. Man findet sie häufig in nachgewiesen. dichten Pflanzenbeständen, in Totholz oder in grober Ufer- Russische Fischbiologen haben diese Art erneut 1948 von befestigung. Die Art ist sehr resistent gegenüber geringen einer Amur-Expedition nach Moskau gebracht. Von dort aus Sauerstoffkonzentrationen. Sie vermag auch eine nahezu hat sich die Amurgrundel schnell ausgebreitet. Im nördli- vollständige Austrocknung sowie ein Durchfrieren der Gechen Osteuropa wie in Russland, Weissrussland und auch wässer zu überdauern, indem sie sich in den Schlamm einin der Ukraine ist sie inzwischen weit verbreitet. gräbt. Amurgrundeln werden nach 2-3 Jahren mit einer Prinzipiell hat die Amurgrundel die Möglichkeit über Kanal- Länge von ca. 6 cm geschlechtsreif. Sie laichen mehrmals systeme von Moskau bis in die Pyrenäen zu wandern. Auf- zwischen April und Juli bei einer Temperatur von 15-20 °C. grund der bisherigen Besiedlungsgeschichte und Ausbrei- Die Eier werden an Pflanzenmaterial, Holz und Steinen nahe tungsgeschwindigkeit in Osteuropa ist dies auch zu erwar- der Wasseroberfläche geklebt und vom Männchen bis zum ten. Die Art scheint auch über Besatzfische verbreitet zu Schlupf bewacht. Die Larven sind freischwimmend und gewerden, was vor allem in Mitteleuropa eine grosse Rolle hen nach erreichen der Juvenilphase zum Bodenleben über. spielt. Amurgrundeln ernähren sich von einem breiten Spektrum an Kleintieren. Erwachsene Exemplare sind oft räuberisch und fressen kleine Fische.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Sollte es der Amurgrundel gelingen, sich auch in der Eine Ansiedlung der Art ist mittelfristig via Einwanderung Schweiz anzusiedeln, stellt diese Art eine beträchtliche Ge- wahrscheinlich. Die Amurgrundel ist momentan die gefährfahr für die Biozönosen aller pflanzenreichen, stehenden lichste potenziell einwandernde Fischart. Gewässer dar. Aus Russland ist bekannt, dass Amurgrundeln durch Prädation auf Eier und Jungfische den gesamten Fischbestand eines Gewässers vernichten können.
Quellenangaben
Dimitriev 1971; Diripasko 1996; Harka & Farkas, 1998; Kautmann 1999.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Flussgrundel allochthon Neogobius fluviatilis potenziell
Systematik
Art: Flussgrundel Neogobius fluviatilis (Pallas, 1814) Familie: Gobiidae (Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon, Tessin): Ghiozzo Padogobius bonelli
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von anderen invasiven Süsswassergrundeln zu unterscheiden: Erste Rückenflosse ohne Augenfleck (vorhanden bei Schwarzmund-Grundel); Nasenöffnungen an sehr kurzen Röhren, die nie die Oberlippe überragen (überragen Oberlippe bei Marmorgrundel); Rücken vor der Rückenflosse komplett beschuppt (im vorderen Teil ohne Schuppen bei Nackthals-Grundel); Mundwinkel vor der Mitte des Auges gelegen (unter Augenmitte bei Kessler-Grundel); 55-65 Schuppen entlang der Längsachse (45-57 bei Schwarzmund-Grundel, 68-76 bei Kessler-Grundel); Schnauze spitz. Wird ca. 23 cm lang. Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Flussgrundel ist im Schwarzen Meer und in dessen Küstenseen sowie in den Unterläufen seiner Zuflüsse heimisch. In der Donau war diese Fischart ursprünglich auf den unteren Teil des rumänischen Abschnitts beschränkt. Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Flussgrundel ist bisher nicht in das Rheineinzugsgebiet Hochrhein vorgedrungen.
100 km
bisher kein Nachweis im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Flussgrundel Neogobius fluviatilis
Ausbreitung Ökologie
Diese expansive Art breitet sich zur Zeit die Donau aufwärts Die Flussgrundel besiedelt eine Vielzahl von Habitaten von aus. Sie kommt inzwischen in der ungarischen Donau bis seichten Stränden des Schwarzen Meeres bis hin zu kleinen südlich Budapest vor. Seit den 1970er Jahren ist sie aus Wiesengräben und Teichen. Häufig ist sie vor allem auf dem ungarischen Plattensee bekannt. Im Jahr 1998 wurde strukturlosem, sandigem oder schlammigem Substrat der die Flussgrundel erstmals in der oberen Weichsel in Polen grossen Flüsse und Seen. nachgewiesen, in die sie über einen Kanal aus dem Dniestr Die Art wird nach zwei Jahren mit Längen von 9-12 cm eingedrungen ist. (Männchen) bzw. 8.5-10.5 cm (Weibchen) geschlechtsreif. Aufgrund der freischwimmenden, driftenden Larven ist es Selten pflanzen sie sich schon nach einem Jahr mit einer für Flussgrundel sehr einfach, sich flussabwärts mit der Länge von 5.5 cm fort. Flussgrundeln laichen mehrmals im Strömung auszubreiten. Die Ausbreitung flussaufwärts ist Jahr zwischen April und September. Die Eier werden an die weit schwieriger, findet aber möglicherweise über das Bal- Unterseite von Steinen, Muschelschalen oder in andere lastwasser der Schiffe statt. Es ist kaum abzuschätzen, wie Hohlräume geklebt und vom Männchen bis zum Schlupf schnell die weitere Ausbreitung ablaufen wird. bewacht. Die Larven sind freischwimmend und gehen nach erreichen der Juvenilphase zum Bodenleben über. Flussgrundeln ernähren sich von einem breiten Spektrum bodenlebender Kleintiere. Sie sind kurzlebig und erreichen meist nur ein Alter von 3-4 Jahren.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die ökologischen Auswirkungen der Flussgrundel sind kaum Dank der Schifffahrt wird sich die Art weiter donauaufwärts zu beurteilen. Sie erreicht sehr grosse Individuendichten und ausbreiten. In den Stauhaltungen der Donau wird sie sehr ist ausgesprochen anpassungsfähig. Sie übt wahrscheinlich geeignete Habitate vorfinden. Von dort aus ist ihre Ausbreieinen starken Konkurrenz- und Prädationdruck auf alle bo- tung in den Rhein und über ganz West- und Mitteleuropa denlebenden Fischarten aus. dank der zahlreichen Kanäle nur eine Frage der Zeit. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen sind nicht abschätzbar, könnten aber katastrophal sein.
Quellenangaben
Danilkiewicz 1998; Miller 1986.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Nackthals-Grundel allochthon Neogobius gymnotrachelus potenziell
Systematik
Art: Nackthals-Grundel Neogobius gymnotrachelus Kessler, 1857 Familie: Gobiidae (Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon, Tessin): Ghiozzo Padogobius bonelli
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von anderen invasiven Süsswassergrundeln zu unterscheiden: Rücken hinter dem Kopf ohne Schuppen (beschuppt bei anderen Arten); diagonale Querbänder über dem Rücken (fehlen bei anderen Arten); erste Rückenflosse ohne Augenfleck (vorhanden bei Schwarzmund-Grundel); Nasenöffnungen an sehr kurzen Röhren, die nie die Oberlippe überragen (überragen Oberlippe bei Marmorgrundel); Mundwinkel vor der Augenmitte (unter Augenmitte bei Kessler-Grundel); 54-65 Schuppen entlang der Längsachse (68-76 bei Kessler-Grundel); Kopf rund (abgeflacht bei Kessler-Grundel). Bis ca. 20 cm lang. Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Nackthals-Grundel ist in den Unterläufen der Flüsse und und den Küstenseen heimisch, die ins Schwarze Meer und Kaspische Meer entwässern. In der Donau war diese Fischart ursprünglich auf den untersten Teil des rumänischen Abschnitts beschränkt. Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Nackthals-Grundel ist bisher nicht in das Rheineinzugs- Hochrhein gebiet vorgedrungen.
100 km
bisher kein Nachweis im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Nackthals-Grundel Neogobius gymnotrachelus
Ausbreitung Ökologie
Diese expansive Art breitet sich die Donau aufwärts aus. Es Die Nackthals-Grundel besiedelt in erster Linie hohlraumreischeint sich aber nicht um eine kontinuierliche Ausbreitung che Uferpartien der grossen Flüsse und Seen. Häufig ist sie zu handeln. Vielmehr taucht sie plötzlich weit oberhalb ihres vor allem in Totholz, in grober Uferbefestigung und auf offeursprünglichen Verbreitungsareals auf. nen Schlammsubstraten. In der österreichischen Donau nahe Wien wurden Nackt- Nackthals-Grundeln werden nach 2 Jahren geschlechtsreif hals-Grundeln erstmals 1999 nachgewiesen. Fast zeitgleich und laichen mehrmals zwischen April und Juni. Die Eier wergibt es Meldungen aus dem oberen Teil der ungarischen den an die Unterseite von Steinen, Muschelschalen oder in Donau. Im Jahr 1996 wurde diese grundel erstmals in der andere Hohlräume geklebt und vom Männchen bis zum oberen Weichsel in Polen nachgewiesen, in die sie über ei- Schlupf bewacht. Die Larven sind freischwimmend und genen Kanal aus dem Dniestr eingedrungen ist. hen nach erreichen der Juvenilphase zum Bodenleben über. Aufgrund der freischwimmenden, driftenden Larven ist es Nackthals-Grundeln ernähren sich von einem breiten Spekfür Nackthals-Grundeln sehr einfach, sich flussabwärts mit trum bodenlebender Kleintiere und kleinen Fischen. der Strömung auszubreiten. Die Ausbreitung flussaufwärts ist weit schwieriger, findet aber möglicherweise über das Ballastwasser der Schiffe statt. Es ist kaum abzuschätzen, wie schnell die weitere Ausbreitung ablaufen wird.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die ökologischen Auswirkungen dieser Art sind kaum zu be- Eine Ansiedlung der Art ist langfristig sehr wahrscheinlich. urteilen. Die Nackthals-Grundel erreicht in der unteren Do- Dank der Schifffahrt wird sich die Art weiter donauaufwärts nau nicht die extrem hohen Individuendichten wie die Fluss- ausbreiten. In den Stauhaltungen der Donau wird sie sehr grundel, ist aber ebenfalls sehr anpassungsfähig. geeignete Habitate vorfinden. Von dort aus ist ihre Ausbrei- Sie übt wahrscheinlich einen starken Konkurrenz- und tung in den Rhein und über ganz West- und Mitteleuropa Prädationdruck auf alle bodenlebenden Fischarten aus. dank der zahlreichen Kanäle nur eine Frage der Zeit. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen sind nicht abschätzbar, könnten aber problematisch sein.
Quellenangaben
Danilkiewicz 1996; Miller 1986; Zweimüller et al. 2000.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Kessler-Grundel allochthon Neogobius kessleri potenziell
Systematik
Art: Kessler-Grundel Neogobius kessleri (Günther, 1861) Familie: Gobiidae (Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon, Tessin): Ghiozzo Padogobius bonelli
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von anderen invasiven Süsswassergrundeln zu unterscheiden: Mundwinkel unter der Augenmitte gelegen (vor Augenmitte bei anderen Arten); erste Rückenflosse ohne Augenfleck (vorhanden bei Schwarzmund-Grundel); Nasenöffnungen an sehr kurzen Röhren, die nie die Oberlippe überragen (überragen Oberlippe bei Marmorgrundel); Rücken vor der Rückenflosse komplett beschuppt (im vorderen Teil unbeschuppt bei Nackthals-Grundel); 68-76 Schuppen entlang der Längsachse (45-65 bei anderen Arten); Kopf abgeflacht (rund bei anderen Arten). Erreicht eine Länge von ca. 25 cm. Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Kessler-Grundel ist in den Unterläufen und Küstenseen der Flüsse heimisch, die ins Schwarze Meer entwässern. In der Donau war diese Fischart ursprünglich auf den untersten Teil des rumänischen Abschnitts beschränkt. Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Kessler-Grundel ist bisher nicht in das Rheineinzugsge- Hochrhein biet vorgedrungen.
100 km
bisher kein Nachweis im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Kessler-Grundel Neogobius kessleri
Ausbreitung Ökologie
Diese expansive Art breitet sich seit einigen Jahren die Do- Die Kessler-Grundel besiedelt in erster Linie hohlraumreiche nau aufwärts aus. Die Kessler-Grundel wurde in der öster- Uferpartien der Unterläufe grosser Flüsse und Seen. In groreichischen Donau erstmals 1994 nahe Wien nachgewie- bem Hartsubstrat wie z. B. in Uferbefestigungen (Blocksen. Im Jahr 1999 gelang der ersten Fund aus der oberen wurf), grobkiesigem Flussgrund und Totholz kommt sie in Donau bei Straubing in Deutschland. sehr hohen Dichten vor. Aufgrund der freischwimmenden, driftenden Larven ist es Kessler-Grundeln werden nach zwei Jahren mit einer Länge für Kessler-Grundeln sehr einfach, sich flussabwärts mit der von ca. 10 cm geschlechtsreif. Sie laichen mehrmals zwi- Strömung auszubreiten. Die Ausbreitung flussaufwärts ist schen April und Mai. Die Eier werden an die Unterseite von weit schwieriger. Kessler-Grundeln wurden in der ungari- Steinen, Muschelschalen oder in andere Hohlräume geklebt schen Donau fast zeitgleich wie in Österreich nachgewie- und vom Männchen bis zum Schlupf bewacht. Die Larven sen. Der Donau-Abschnitt zwischen Straubing und Wien sind freischwimmend und gehen nach erreichen der Juvenilscheint noch unbesiedelt zu sein, was eine Verschleppung phase zum Bodenleben über. der Kessler-Grundel über Schiffe (Ballastwasser) wahr- Kessler-Grundeln ernähren sich von einem breiten Spekscheinlich macht. Es ist kaum abzuschätzen, wie schnell die trum bodenlebender Kleintiere und kleinen Fischen. weitere Ausbreitung ablaufen wird.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die ökologischen Auswirkungen dieser Art sind kaum zu be- Eine Ansiedlung der Art ist langfristig sehr wahrscheinlich. urteilen. Die Kessler-Grundel erreicht in der unteren Donau Dank der Schifffahrt wird sich die Art aber weiter donauaufnicht die extrem hohen Individuendichten wie die Flussgrun- wärts ausbreiten. In den Stauhaltungen der Donau wird sie del, ist aber ebenfalls sehr anpassungsfähig. sehr geeignete Habitate vorfinden. Von dort aus ist ihre Aus- Kessler-Grundeln ernähren sich aber stärker räuberisch. Sie breitung in den Rhein und über ganz West- und Mitteleuroüben wahrscheinlich einen starken Konkurrenz- und Präda- pa dank der zahlreichen Kanäle nur eine Frage der Zeit. tiondruck auf alle bodenlebenden Fischarten aus. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen sind nicht abschätzbar, könnten aber problematisch sein.
Quellenangaben
Miller 1986; Seifert & Hartmann, 2000; Weissenbacher et al. 1998; Zweimüller et al. 1996.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Schwarzmund-Grundel allochthon Neogobius melanostomus potenziell
Systematik
Art: Schwarzmund-Grundel Neogobius melanostomus (Pallas, 1814) Familie: Gobiidae (Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon, Tessin): Ghiozzo Padogobius bonelli
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An der Kombination folgender Merkmale von anderen invasiven Süsswassergrundeln zu unterscheiden: Erste Rückenflosse mit grossem, dunklen Augenfleck in der zweiten Hälfte (fehlt bei anderen Arten); Rücken vor der Rückenflosse komplett beschuppt (im vorderen Teil ohne Schuppen bei Nackthals-Grundel); Nasenöffnungen an sehr kurzen Röhren, die nie die Oberlippe überragen (überragen Oberlippe bei Marmorgrundel); Mundwinkel vor der Augenmitte gelegen (unter Augenmitte bei Kessler-Grundel); 45-57 Schuppen entlang der Längsachse (68-76 bei Kessler-Grundel); Kopf rund (abgeflacht bei Kessler-Grundel). Wird ca. 25 cm lang. Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Schwarzmund-Grundel ist im Schwarzen Meer und Kaspischen Meer sowie den Unterläufen und Küstenseen der Flüsse heimisch, die in diese Meere entwässern. In der Donau war diese Fischart ursprünglich auf den untersten Teil des rumänischen Abschnitts beschränkt. Mittelrhein
Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Schwarzmund-Grundel ist bisher nicht in das Rheinein- Hochrhein zugsgebiet vorgedrungen.
100 km
bisher kein Nachweis im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Schwarzmund-Grundel Neogobius melanostomus
Ausbreitung Ökologie
Diese expansive Art breitet sich die Donau aufwärts aus. Die Schwarzmund-Grundel besiedelt in erster Linie hohl- Schwarzmund-Grundeln wurden in der österreichischen raumreiche Uferpartien der Unterläufe grosser Flüsse und Donau erstmals 1999 in einem Hafenbecken nahe Wien Seen. In grobem Hartsubstrat wie z. B. in Uferbefestigungen nachgewiesen. Nur wenige Jahre zuvor wurde für diese Art (Blockwurf), grobkiesigem Flussgrund und Totholz kommt der Erstnachweis für die jugoslawischen Donau erbracht. sie in sehr hohen Dichten vor. Schwarzmund-Grundeln wurden mit Ballastwasser von Schwarzmund-Grundeln werden nach 3-4 (Männchen) bzw. Überseeschiffen nach Nordamerika verschleppt und breiten nach 2-3 (Weibchen) Jahren geschlechtsreif. Sie können sich derzeit in den Grossen Seen massiv aus. Zudem haben zwischen April und September mehrmals laichen, im Mittel sie, wahrscheinlich aus der Wolga stammend, über osteuro- alle 18-20 Tage. Die Tiere überleben allerdings das Jahr ihpäische Kanalsysteme die Ostsee erreicht und kommen rer Fortpflanzung im allgemeinen nicht. Die Eier werden an dort stellenweise sehr häufig vor. die Unterseite von Steinen, Muschelschalen oder in andere Aufgrund der freischwimmenden, driftenden Larven ist es Hohlräume geklebt und vom Männchen bis zum Schlupf für Schwarzmund-Grundeln sehr einfach, sich flussabwärts bewacht. Die Larven sind freischwimmend und gehen nach mit der Strömung auszubreiten. Die Ausbreitung flussauf- erreichen der Juvenilphase zum Bodenleben über. wärts ist weit schwieriger, findet aber möglicherweise über Schwarzmund-Grundeln ernähren sich von einem breiten das Ballastwasser der Schiffe statt. Es ist kaum abzuschät- Spektrum bodenlebender Kleintiere. zen, wie schnell die weitere Ausbreitung ablaufen wird.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die ökologischen Auswirkungen dieser Art sind kaum zu be- Eine Ansiedlung der Art ist langfristig sehr wahrscheinlich. urteilen. Die Schwarzmund-Grundel erreicht in der unteren Dank der Schifffahrt wird sich die Art weiter donauaufwärts Donau extrem hohe Individuendichten, insbesondere über ausbreiten. In den Stauhaltungen der Donau wird sie sehr grobem Hartsubstrat (Grobkies, Blockwurf). geeignete Habitate vorfinden. Von dort aus ist ihre Ausbrei- Sie üben wahrscheinlich einen starken Konkurrenz- und tung in den Rhein und über ganz West- und Mitteleuropa Prädationdruck auf alle bodenlebenden Fischarten aus. dank der zahlreichen Kanäle nur eine Frage der Zeit. Die Auswirkungen auf die empfindlichen Artengemeinschaften unserer Seen mit ihren spezifischen Felchen- und Saiblingsformen sind nicht abschätzbar, könnten aber problematisch sein.
Quellenangaben
Ahnelt et al. 1998; Jude et al. 1992; Miller 1986; Wiesner et al. 2000.
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Marmorgrundel allochthon Proterorhinus marmoratus potenziell
Systematik
Art: Marmorrundel Proterorhinus marmoratus (Pallas, 1814) Familie: Gobiidae (Grundeln) Ordnung: Gobiiformes Klasse: Osteichthyes (Knochenfische) Verwandte Art (rezent/autochthon, Tessin): Ghiozzo Padogobius bonelli
aus Ladiges & Vogt (1979) Bestimmung
An den Nasenöffnungen, welche sich an der Spitze von zwei Röhren befinden, die die Oberlippe überragen, leicht von allen anderen europäischen Süsswassergrundeln zu unterscheiden. Marmorgundeln werden ca. 10 cm lang.
Foto J. Freyhof Ursprüngliche Verbreitung Niederrhein
Die Marmorgrundel ist im Schwarzen Meer und Kaspischen 2001 Meer sowie den Unterläufen und Küstenseen der Flüsse heimisch, die in diese Meere entwässern. Zudem kommt diese Grundel natürlicherweise in Gewässern vor, die ins Marma- 2000 rameer und in die östlichen Ägäis entwässern. Vor ca. 100 2001 Mittelrhein
Jahren war sie in der Donau auf den mittleren und unteren 2000 1999
Abschnitt unterhalb Wiens beschränkt. Oberrhein
Heutige Verbreitung im Einzugsgebiet des Rheins
Die Marmorgrundel wurde im Jahr 1999 erstmals im Main Hochrhein bei Bamberg nachgewiesen. Seither breitet sich diese Art offenbar sehr schnell flussabwärts aus. Schon im Jahr 2000 gab es den ersten Nachweis bei Brohl, südlich von Koblenz und 2001 wurde das erste Tier auf der Höhe der Wuppermündung nahe Düsseldorf gefangen. 100 km
Nachweise im Rheineinzugsgebiet
Beschreibung der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Marmorgrundel Proterorhinus marmoratus
Ausbreitung Ökologie
Offenbar handelt es sich bei der Marmorgrundel um die er- Die Marmorgrundel besiedelt vor allem Altwässer und Haste Fischart, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal in den fenanlagen sowie hohlraumreiche Uferpartien grosser Flüsse Rhein vorgedrungen ist. Sehr wahrscheinlich wird sie sich und Seen. In dichten Pflanzenbeständen, in Totholz oder in im gesamten Rhein unterhalb der Mainmündung schnell grober Uferbefestigung (z. B. Blockwurf) ist sie häufig. ausbreiten. Marmorgrundeln werden nach 1-2 Jahren geschlechtsreif Aufgrund der freischwimmenden, driftenden Larven ist es und laichen mehrmals zwischen April und Juli. Die Eier werfür Marmorgrundeln sehr einfach, sich flussabwärts mit der den an die Unterseite von Steinen, Muschelschalen oder in Strömung auszubreiten. Die flussaufwärts gerichtete Aus- andere Hohlräume geklebt und vom Männchen bis zum breitung wird sehr viel langsamer voran gehen. Allerdings Schlupf bewacht. Die Larven sind freischwimmend und gekann hier die Verschleppung durch die Schiffahrt (Ballast- hen nach erreichen der Juvenilphase zum Bodenleben über. wasser), wie bei allen Grundeln, zu einer sehr schnellen Marmorgrundeln ernähren sich von einem breiten Spektrum Ausbreitung führen. bodenlebender Kleintiere.
Ökologische Auswirkungen Bedeutung für die Schweiz
Die ökologischen Auswirkungen dieser Art sind kaum zu be- Eine Ansiedlung der Art ist langfristig sehr wahrscheinlich. urteilen. Die Marmorgrundel ist ausgesprochen anpas- Die Art wird sich vermutlich dank der Schifffahrt rheinaufsungsfähig. Durch ihre Kleinwüchsigkeit ist sie sicher kein wärts ausbreiten. In den Stauhaltungen des Oberrheins wird starker Konkurrent und Räuber für andere bodenlebenden sie sehr geeignete Habitate finden. Von dort aus ist ihre Fischarten. Möglicherweise wird sie sich relativ unproblema- Ausbreitung in die Schweiz nur eine Frage der Zeit. tisch in die Systeme der gestauten, grossen Flüsse einfügen. Die Marmorgrundel wird aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur mitteleuropäischen Fischfauna als unproblematisch eingeschätzt, weil die Artengemeischaft in den Fliessgewässern des Herkunftsgebiets ähnlich derjenigen in der Schweiz ist. Da Marmorgundeln sich in den österreichischen Voralpenseen unauffällig integriet haben, ist dies auch für die Schweiz zu erwarten.
Quellenangaben
Brenner et al. 2002; Miller 1986; Reinartz et al. 2000; Schadt 2000.
Literaturverzeichnis Mitt. zur Fischerei Nr. 72
7 Literaturverzeichnis
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Bildkatalog der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Flussneunauge Lampetra fluviatilis, Foto J. Freyhof Meerneunauge Petromyzon marinus, Foto J. Freyhof
Atlantischer Stör Acipenser sturio, Foto J. Freyhof Maifisch Alosa alosa, Foto J. Freyhof
Lachs Salmo salar, Foto J. Freyhof Meerforelle Salmo trutta, Foto J. Freyhof
Marmorkarpfen Aristichthys nobilis, Foto EAWAG Rapfen Aspius aspius, Foto J. Freyhof
Goldfisch Carassius auratus auratus, Foto J. Freyhof Giebel Carassius auratus gibelio, Foto J. Freyhof
Bildkatalog der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Karausche Carassius carassius, Foto J. Freyhof Graskarpfen Ctenopharyngodon idella, Foto EAWAG
Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix, Foto EAWAG Blaubandbärbling Pseudorasbora parva, Foto J. Freyhof
Schwarzer Zwergwels Ameiurus melas, Foto J. Freyhof Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss, Foto J. Freyhof
Bachsaibling Salvelinus fontinalis, Foto J. Freyhof Namaycush Salvelinus namaycush, Foto Zool. Museum Zürich
Sonnenbarsch Lepomis gibbosus, Foto J. Freyhof Forellenbarsch Micropterus salmoides, Foto J. Freyhof
Bildkatalog der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Zander Sander lucioperca, Foto J. Freyhof Sterlet Acipenser ruthenus, Foto J. Freyhof
Zobel Abramis sapa, Foto J. Freyhof Aland Leuciscus idus, Foto J. Freyhof
Dickkopf-Elritze Pimephales promelas Foto K. Schmidt Weissflossengründling Romanogobio albipinnatus, Foto J. Freyhof
Zährte Vimba vimba, Foto J. Freyhof Chin. Schlammpeitzger Misgurnus anguillicaudatus, Foto J. Freyhof
Amerikanischer Hundsfisch Umbra pygmaea, Foto J. Freyhof Zwergstichling Pungitius pungitius, Foto J. Freyhof
Bildkatalog der Fischarten Mitt. zur Fischerei Nr. 72
Amurgrundel Perccottus glehni, Foto J. Freyhof Flussgrundel Neogobius fluviatilis, Foto J. Freyhof
Nackthals-Grundel Neogobius gymnotrachelus, Foto J. Freyhof Kessler-Grundel Neogobius kessleri, Foto J. Freyhof
Schwarzmund-Grundel Neogobius melanostomus, Foto J. Freyhof Marmorgrundel Proterorhinus marmoratus, Foto J. Freyhof
Mitteilungen zur Fischerei - Informations concernant la pêche (Bezugsquelle BUWAL / Commande OFEFP)
Nr. 60 Hochrhein: Aufstiegkontrollen 1995/96. Vergleichmit früheren Erhebungen. Rückgang der Rotaugenbestände; mögliche Ursachen. 1998. 215 S. Nr. 61 Einfluss von Abwassereinleitungen aus Kläranlagen auf Fischbestände und Bachforelleneier. 1999. 201 S. Nr. 62 Biologie, Gefährdung und Schutz des Schneiders (Alburnoides bipunctatus) in der Schweiz. 1999. 46 S. Biologie, menaces et protection du spirlin (Alburnoides bipunctatus) en Suisse. Nr. 63 Fischfangrückgang in schweizerischen Fliessgewässern. 1999. 29 S. Baisse des captures de poisson dans les cours d'eau suisses. Nr. 64 Schutzkonzept des Apron (Zingel asper): Bestandesaufnahme im Doubs. 1999. 43 S. Concept de protectionde l'apron (Zingel asper): recensement des effectifs dans le Doubs. Nr. 65 Verbreitung der Flusskrebse in der Schweiz. 1999. 41 S. Atlas de distribution des écrevisses en Suisse. Nr. 66 Fortbildungskurs für Fischereiaufseher vom 26. bis 28. August 1998 in Landquart (GR). 2000. 52 S. Cours de perfectionnement pour gardes-pêche du 26 au 28 août 1998 à Landquart (GR). Corso federale di perfezionamento per guardapesca dal 26 al 28 agosto 1998 a Landquart (GR). Nr. 67 Monitoring der Nase (Chondrostoma nasus) in der Schweiz. 2000. 18 S + Anhänge. Monitoring du nase (Chondrostoma nasus) en Suisse. Nr. 68 Fortbildungskurs für Fischereiaufseher vom 30. August bis 1. September 2000 in Jongny/ Vevey (VD). 2001. 131 S. Cours de perfectionnement pour gardes-pêche du 30 août au 1er septembre 2000 à Jongny/Vevey (VD). Corso federale di perfezionamento per guardapesca dal 30 agosto al 1° settembre 2000 a Jongny/Vevey (VD). Nr. 69 Bestandesentwicklung des Aals (Anguilla anguilla) im Hochrhein. 2001. Nr. 70 Äschenpopulationen von nationaler Bedeutung / Populations d’ombres d’importance nationale / Popolazioni di temoli d’importanza nazionale. 2002. Nr. 71 Erfolgskontrolle zum Fischbesatz in der Schweiz / Contrôle d'efficacité du repeuplement piscicole en suisse. 2002.