76 II 1
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Rubrum
1. Urteil der II. Zivilabteilung vom 16. Februar 1950
Sachverhalt
I.
S. Gemeinderat Maur gegen Pfister und Walder.
Anfechtung der Ehelichkeit (Ark. 253 ff. ZGB).
Die Klage der Heimatbehörde nach Art. 256? ZGB ist entsprechend den Vorschriften von Art. 253 und 256! auf drei Monate seit Kenntnisnahme von der Geburt befristet.
Désaveu (art. 253 et suiv. CC).
Conformément aux art. 253 et 256 al. 1 CC, l’action en désaveu que l’art. 258 al. 2 CC accorde à l’autorité du canton d’origine 86 presecrit en trois mois à partir du jour où celle-ci a conmi la naissance.
Contestazione della paternità (art. 253 e seg. C0).
Giusta gli art. 253 e 256 cp. 1 CC, l’azione di contestazione della paternità che l’art. 256 cp. 2 CC accorda alla, compeLente autorità del Cantone di attinenza sí prescrive col decorso di tre mesiì dal giorno in cui quest’autorità ebbe notizia della nascita.
1. Die Ehe Walder-Pfister wurde am 31. August 1946 geschlossen. Am 14. November 1946 gebar die Ehefrau 1 AB 76 II — 50 9 Familienrecht. N° 1.
das Kind Isabella. Der Ehemann focht dessen Ehelichkeit nicht an. Nach Scheidung der Ehe durch rechtskräftig gewordenes Urteil des Bezirksgerichtes Meilen vom 3. Juni 1948 erhob dann aber die Heimatbehörde (Gemeinderat Maur, Bezirk Uster) dahingehende Klage. Das Scheidungsurteil wurde der Gemeinderatekanzlei von Maur am 3. September 1948 im Dispositiv mitgeteilt. Bereits am Vortag war ferner eine Mitteilung der Amtsvormundschaft von Meilen beim Gemeinderat von Maur eingelangt, mit der Bemerkung, aus dem Urteil ergebe sich, dass Walder nicht der Vater des Kindes Isabella sei. Am 13. September 1948 folgte die Urteilsausfertigung nach. In den Erwägungen ist zu Ilesen, dass nach Darstellaung beider Parteien der Ehemann nicht der Vater der Isabelle sei. Er habe diese Frau geheiratet, « obwohl er wusste, dass sie damals von einem Dritten schwanger war ». Der Gemeinderat von Maur gab am 2. Dezember 1948 dem Amtsvormunde des Bezirkes Uster Auftrag, die Ehelichkeit des Kindes gerichtlich anzufechten. Die Klage wurde dann am 26. Februar 1949 beim Friedensrichter angebracht.
B. — Die Gerichte beider kantonalen Instanzen haben die Klage als verspätet abgelehnt, das Bezirksgericht Affeoltern am 28. Mai 1949, das Obergericht des Kantons Zürich am 2. September 1949.
C. — Mit vorliegender Berufung hält der Gemeinderat von Maur an der Klage fest. Eventuell trägt er auf Rückweisung der Sache an das Obergericht zu neuer Beurteilung an.
Erwägungen
Aus dem Fehlen einer Frisbbestimmung in Art. 256 Abs. 2 ZGB schliesst die klagende Behörde, die ihr zustehende Klage sei an keine Frist gebunden. Es liegt jedoch nahe, in dieser Hinsicht Art. 256 Abs. 1 ergänzend zu berücksichtigen. Ob dies zu geschehen habe, ist freilich durch den Gesetzestext nicht klargestellt. Tn BGE 42 II 89 wurde noch offen gelassen, ob die Klage der Heimatbehörde befristet seïi, und von welchem Zeitpunkt hinweg die Frist zu laufen hätte. Indessen ist nicht einzusehen, weshalb das Anfechtungsrecht der Heimatbehörde gänzlich unbefristet sein sollte. Den Fristbestimmungen von Art. 253 und 256 Abs. 1 ZGB liegt die Absicht zugrunde, die Ehelichkeit eines Kindes nicht auf unbestimmte Zeit hinaus der Anfechtung auszusetzen. Das muss auch der Heimatbehörde gegenüber zur Geltung kommen. Umsomehr, als ja deren Anfechtungsrecht in doppelter Hinsicht beschränkt ist. Stellt es sich zwar nicht als bloss subsidiäres Recht wie dasjenige der nach Art. 256 Abs. 1 ZGB klageberechtigten Personen dax, so ist ihm doch nur der Fall eines vor der Ehe gezeugten Kindes unterstellt und der Behörde hiebei die erleichterte Anfechtung nach Art. 255 ZGB versagt. Der beschränkte Inhalt dieses, erst bei der Gesetzesberatung im Ständerat eingeführten Anfechtungsrechtes einer Behörde (vgl. Sten.Bull. 15, 1163 ff., BGE 60 I 329) lässt es als geradezu unabweislich erscheinen, die in Art. 256 Abs. 1 enthaltene Fristbestimmung auf die Klage des Abs. 2 anzuwenden.
In BGE 42 II 89 wurde die Frage aufgeworfen, ob diese Klagefrist gegenüber der Heimatbehörde gleichfalls mit der Kenntnis von der Geburt oder erst mit dem Verzicht des Ehemannes auf Anfechtung der Ehelichkeit oder endlich erst mit der Kenntnis des Anfechtungsgrundes sollte zu beginnen haben. Letzteres erachtes EGGER,
2.
Auflage, zu Árt. 256 N. 5, ales angemessen. Das Gesetz bietet aber für eine solche Abweichung von den Fristbestimmungen der Art. 253 und 256 Abs. 1 im einen oder andern Sinne keinen Anhaltspunkt. Es fehlt auch an einem zureichenden sachlichen Grund hiefür. Die Heimatbehörde kann unabhängig von der Stellungnahme des Ehemannes klagen, sie braucht nicht abzuwarten, ob er verzichte oder die ihm eingeräumte Klagefrist versüume (deren Beginn zu ermitteln ibr übrigens oftmals nicht möglich wäre). Es ist sodann nicht einzusehen, weshalb das Anfechtungsrecht der Heimatbehörde in der Weise privilegiert werden sollte, 4 Familienrecht. N® 2.
dass die Frist erst mit der Kenntnis des Anfechtungsgrundes zu beginnen hätte. Erfährt die zuständige Behörde von einer im ersten Halbjahr der Ehe eingetretenen Geburt, 80 hat gie ohne weiteres Veranlassung, einem für sie allenfalls gegebenen Anfechtungsgrunde nachzuforschen. Mit Recht hält denn auch die vorherrschende Lehre die Kenntnis von der Geburt hier ebenfalle für den Fristbeginn als massgebend (WAIBLINGER, Begriff und Ausübung der Anfechtungerechte, 175 ; BRIDEL, La règle « Pater is est... », 140 ; SILBERNAGEL, 2. Aufl., zu Art. 256 N. 6; RossEL et MENTHA, 2. Aufl., 416).
Diese Kenntnis trat nicht ohne weiteres durch die Mitteilung der Geburt an das Zivilstandsamt des Heimatortes ein, woh] aber dann durch die (nach der Scheidung der Ehe erfolgte) Anzeige an die Kanzlei (und damit an die Adresse) der zuständigen Behörde selbst. Da von da hinweg mehr als drei Monate bis zur Klageanhebung beim Friedensrichter verstrichen sind, war die Klage in der Tat verspätet.
Dispositiv
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 2. September 1949 bestätigt.
2.
Extrait de l’arrêt de la IT? Cour civile du 30 mars 1950 dans la cause R. contre B.
Action en paternité. Preuve d’une naissance à terme. Cas dans lesquels, eu égard à la durée de la grossesse, la cohabitation de la mère avec un tiers durant la période critique permet d'élever des doutes sérieux gur la paternité du défendeur (art. 314 CC).
Vaterschafisklage. Beweis der Reife des Kindes bei der Geburt. In welchen Fällen ist ein in die kritische Zeit fallender Mehrverkehr der Mutter im Hinblick auf die Sechwangerschaftedauer geeignet, erhebliche Zweifel an der Vaterschaft des Beklagten zu rechtfertigen ? Art. 314 ZGB.
Azione di paternità. Prova d’una nascita a tempo, Casí in cui, conmsiderata la durata della gravidenza, la coabitazione della madre con un terzo durante il periodo critico consente di sollevare seri dubbi zulla paternità del convenuto (art. 314 CC).
3.
Aux termes de l’art. 314 al. 2 CC la présomption instituée par lalinéa premier cesse sì des faits établis permettent d'élever des doutes sérieux gur la paternité du défendeur. Le Tribunal cantonal a admis qu’il n’en était pas ainsíi en l’espèce et que les intimées avaient par conséquent rétabli en leur faveur la présomption que Fart, 314 al. 1 fait peser gur le recourant. Partant de la constatation que l’enfant était née à terme et considérant qu’elle était venue au monde exactement neuf mois après la cohabitation de la mère avec le recourant, alors que les relations avec M. étaient postérieures d’un mois au moins, le Tribunal cantonal a estimé que la paternité du recourant ne pouvait se heurter à des doutes sérieux dans le sens de l’art. 314 al. 2, A cela le recourant objecte en premier lieu que la constatation de la naissance à terme de l’enfant repose uniquement sur la déclaration de la sage-femme et paraît vouloir soutenir que cette constatation aurait dû être fondée sur lavis d’un médecin.
En principe, tout ce qui a trait à la preuve et notamment au mode de preuve relève de la procédure et partant du droit cantonal. L’art. 8 CC exige toutefois une preuve idoine et. interdit par conséquent de prendre en considération un moyen de preuve qui serait absolument impropre à former la conviction du juge gur Ie point de fait qu’il a à trancher. Il en sera ainsi, par exemple, lorsque de par 8a nature ce point ne peut être élucidé que par une personne possédant des connaissances spéciales. Mais l’application de ce principe ne conduit pas à exiger dans tous les cas que la preuve d’une naissance à terme soit basée sur l’avis d’un médecin. En efffet, de par leur formation professionnelle, les sages-femmes possèdent des connaissances spéciales qui, en général, doivent leur permettre de reconnaître si un enfant présente manifestement Iles signes d’une naissance à terme. Dès lors la ques-