Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

Art. 41 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 1 und 2 FK: Asylwiderruf zufolge veränderter Verhältnisse; zwingende Gründe.

1995 / 16 - 153

16. Auszug aus dem Urteil der ARK vom 4. Juli 1995

i.S. L. und M. P.-V., Ungarn

Grundsatzentscheid:[1]

Art. 41 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 C Ziff. 5 Abs. 1 und 2 FK: Asylwiderruf zufolge veränderter Verhältnisse; zwingende Gründe.

1. In Ungarn, Polen und Tschechien ist die generelle Situation über den Zeitraum der letzten Jahre so demokratisch, rechtsstaatlich, menschenrechtskonform, stabil und dauerhaft, dass eine grundlegende Verbesserung der Verhältnisse angenommen wird, die die Anwendung von Artikel 1 C Ziffer 5 Absatz 1 FK rechtfertigt (Erw. 5a).

2. Die Ausnahmebestimmung von Artikel 1 C Ziffer 5 Absatz 2 FK, wonach triftige Gründe einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft entgegenstehen, bezieht sich nicht auf die Bestimmungen von Artikel 1 C Ziffer 1-4, sondern gilt nur bei Wegfall der seinerzeitigen Umstände im Sinne des ersten Absatzes von Artikel 1 C Ziffer 5 FK (Erw. 6a).

Der Ausnahmetatbestand von Artikel 1 C Ziffer 5 Absatz 2 FK ist auf alle Flüchtlinge anwendbar, nicht nur auf die statutären (Erw. 6b; Bestätigung der Praxis gemäss EMARK 1993 Nr. 31 S. 220 f.).

3. Die Formulierung, wonach triftige Gründe auf frühere Verfolgungen zurückzugehen haben, bedeutet, dass sich der Flüchtling im Zeitpunkt seiner Flucht in einer Verfolgungssituation im Sinne einer begründeten Furcht vor Verfolgung befunden haben muss, an welche Situation die geltend gemachten Gründe anknüpfen (Erw. 6c).

4. Der in der deutschen Übersetzung verwendete Begriff "triftige Gründe" in Artikel 1 C Ziffer 5 Absatz 2 FK ist im Sinne von "zwingende Gründe" zu verstehen (Erw. 6d).

5. Unter zwingenden Gründen, die auf frühere Verfolgungen zurückgehen, sind vorab traumatisierende Erlebnisse zu verstehen. Liegt ein solches Langzeittrauma vor, bestehen selbst dann zwingende Gründe, wenn die Aberkennung und der Asylwiderruf nicht zu einer Rückkehr

[1] Entscheid über eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung gemäss Art. 12 Abs. 2 Bst. a und b der Verordnung über die Schweizerische Asylrekurskommission (VOARK; SR 142.317).

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Lescha d’asil, Art. 41 — der Erlass wurde am 1. Oktober 1999, 1. April 2004, 1. Januar 2005, 29. Mai 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 12. Dezember 2008, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. April 2011, 29. September 2012, 1. Januar 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Februar 2014, 1. Juli 2015, 20. Juli 2015, 29. September 2015, 1. Oktober 2015, 29. September 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Juni 2019, 1. Januar 2020, 1. April 2020, 1. November 2020, 1. Januar 2021, 1. Juni 2022, 1. September 2022, 22. November 2022, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Juni 2024, 1. Januar 2025, 1. April 2025, 1. Juni 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Verordnung über die Schweizerische Asylrekurskommission, Art. 12 — der Erlass wurde am 1. Januar 2000, 1. Januar 2002 und 1. April 2004 erneut konsolidiert.