Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 1 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

EMARK-2003-13

Art. 12 und Art. 62 Abs. 2 VwVG, Art. 8 und 12 AsylG, Art. 33

Auszug aus dem Urteil der ARK vom 28. März 2003 i.S. A.C., Syrien

Art. 12 und Art. 62 Abs. 2 VwVG, Art. 8 und 12 AsylG, Art. 33 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 29 Abs. 2 BV: Untersuchungsgrundsatz und Rechtsanwendung von Amtes wegen; Grenzen dieser Prinzipien, insbesondere Verhältnis zur Mitwirkungspflicht; antizipierte Beweiswürdigung.

Trotz behördlicher Untersuchungspflicht bzw. Rechtsanwendung von Amtes wegen ist die ARK nicht gehalten, im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob sich die angefochtene Verfügung unter schlechthin allen Aspekten als korrekt erweist. Vielmehr sind zusätzliche Abklärungen zum Sachverhalt oder die Prüfung weiterer Rechtsfragen nur vorzunehmen, wenn hierzu aufgrund bestimmter, sich aus den Akten oder der Beschwerdeschrift ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht.

Art. 12 et 62 al. 2 PA, art. 8 et 12 LAsi, art. 33 al. 1 PA en relation avec l'art. 29 Cst. : maxime inquisitoire et application du droit d'office ; limites à ces principes, en particulier en regard de l'obligation de collaborer ; appréciation anticipée des preuves.

En dépit de la maxime inquisitoire, respectivement de l'obligation faite à l'autorité d'appliquer le droit d'office, la CRA n'est pas tenue de vérifier, en procédure de recours, si la décision querellée est absolument correcte sous tous ses aspects. Encore faut-il, pour que soient entreprises une clarification plus poussée de l'état de fait ou une analyse plus étendue de certaines questions de droit, que se présente une occasion suffisante, trouvant son ancrage dans les pièces du dossier ou dans l'acte de recours.

Art. 12 e art. 62 cpv. 2 PA, art. 8 e 12 LAsi, Art. 33 cpv. 1 PA in relazione all'art. 29 cpv. 2 Cost.: principio inquisitorio e applicazione d'ufficio del diritto; limiti del menzionato principio, segnatamente in relazione all'obbligo di collaborare; valutazione anticipata della prova.

Malgrado i principi inquisitorio e d'applicazione d'ufficio del diritto, la CRA non è tenuta, nella procedura ricorsuale, ad esaminare la legittimità della decisione impugnata sotto ogni aspetto. La ricerca attiva di fatti o l'esame di questioni giuridiche non sollevate nel ricorso interviene

allorquando vi sia sufficiente motivo di farlo sulla base dell'insieme delle emergenze processuali.

Sachverhalt

Der Beschwerdeführer stellte am 26. Mai 2002 ein Asylgesuch.

Mit Verfügung vom 9. Januar 2003 lehnte das BFF das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete gleichzeitig seine Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug der Wegweisung an.

Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Februar 2003 bei der ARK an.

Mit einer weiteren Eingabe vom 19. Februar 2003 ersuchte der Beschwerdeführer - sinngemäss - um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Im Übrigen stellte er in Aussicht, "im Laufe der kommenden Monate" nicht näher bezeichnete Beweismittel zur Stützung seiner Asylvorbringen nachzureichen.

Mit Zwischenverfügung vom 21. Februar 2002 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter Hinweis auf die Aussichtslosigkeit der eingereichten Beschwerde abgewiesen. Mangels näherer Angaben zu den mit Eingabe vom 19. Februar 2003 in Aussicht gestellten Beweismitteln wurde der - sinngemäss aus dieser Eingabe hervorgehende - beweisrechtliche Antrag um Fristansetzung nach Art. 8 Abs. 1 Bst. d i.V.m. Art. 110 Abs. 2 AsylG zur Nachreichung von Beweismitteln im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung ebenfalls abgewiesen.

Erwägungen

4. [...]

c) Die behördliche Untersuchungspflicht im Asylverfahren (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) gilt nicht uneingeschränkt, sondern korreliert eng mit der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden im Sinne von Art. 8 Abs. 1 AsylG. Für die ARK besteht insbesondere keine Pflicht, über die Vorbringen der Beschwerde führenden Seite hinaus den Sachverhalt vollkommen neu zu erforschen, sondern sie kann sich vielmehr darauf beschränken, die Stichhaltigkeit der betreffenden Vorbringen zu prüfen, es sei denn, bereits die vorinstanzlichen

Akten oder aber die Ausführungen in der Beschwerdeschrift legten zusätzliche Abklärungen zum Sachverhalt nahe (vgl. EMARK 1995 Nr. 23, Erw. 5a, S. 222 f.; BGE 110 V 52 f.; VPB 61 [1997] Nr. 31, Erw. 3.2.2.; A. Kölz/I. Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, Rz. 603, 675 f.; U. Häfelin/G. Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 1625). Asylsuchende sind einerseits nach Art. 8 Abs. 1 AsylG zur Mitwirkung an der Feststellung des Sachverhalts verpflichtet, andererseits haben sie aber auch einen Anspruch darauf, was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV ergibt. Insbesondere sind sie nach Art. 33 Abs. 1 VwVG berechtigt, Beweise anzubieten, welche grundsätzlich im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs auch abzunehmen sind, soweit der zu beweisende Sachverhalt rechtserheblich ist. Die Behörde darf aber - im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung - von einer Abnahme angebotener Beweismittel absehen, wenn ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen werden kann, die rechtliche Überzeugung würde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert, also insbesondere dann, wenn der betreffende Sachverhalt bereits hinreichend erstellt erscheint, die Behörde den Sachverhalt aufgrund eigener Sachkunde und der Aktenlage ausreichend würdigen kann oder von vornherein gewiss ist, dass der angebotene Beweis keine wesentlichen Erkenntnisse zu vermitteln vermag (vgl. Kölz/Häner, a.a.O., Rz. 111, 271 und 320; EMARK 1995 Nr. 23, Erw. 5b, S. 223).

d) Die ARK ermittelt das anzuwendende Recht von Amtes wegen und ist an die Begründung der Begehren in keinem Fall gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Sie ist indessen nicht gehalten, nach allen möglichen Rechtsfehlern zu suchen. Vielmehr sind von der Beschwerde führenden Person nicht aufgeworfene Rechtsfragen nur zu prüfen, wenn hierzu aufgrund bestimmter, sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass besteht (vgl. BGE 110 V 52 f; Kölz/Häner, a.a.O., Rz. 677).

© 04.11.03

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Lescha d’asil, Art. 6, Art. 8, Art. 12 und Art. 110 — gelesen in der Fassung vom 1. Oktober 1999; der Erlass wurde am 1. April 2004, 1. Januar 2005, 29. Mai 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 12. Dezember 2008, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. April 2011, 29. September 2012, 1. Januar 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Februar 2014, 1. Juli 2015, 20. Juli 2015, 29. September 2015, 1. Oktober 2015, 29. September 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Juni 2019, 1. Januar 2020, 1. April 2020, 1. November 2020, 1. Januar 2021, 1. Juni 2022, 1. September 2022, 22. November 2022, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Juni 2024, 1. Januar 2025, 1. April 2025, 1. Juni 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Constituziun federala da la Confederaziun svizra, Art. 29 — gelesen in der Fassung vom 3. März 2002; der Erlass wurde am 1. April 2003, 1. August 2003, 8. Februar 2004, 2. März 2005, 27. November 2005, 21. Mai 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 30. November 2008, 17. Mai 2009, 27. September 2009, 29. November 2009, 7. März 2010, 28. November 2010, 1. Januar 2011, 11. März 2012, 23. September 2012, 3. März 2013, 9. Februar 2014, 18. Mai 2014, 14. Juni 2015, 1. Januar 2016, 12. Februar 2017, 24. September 2017, 1. Januar 2018, 23. September 2018, 1. Januar 2020, 1. Januar 2021, 7. März 2021, 28. November 2021, 13. Februar 2022, 1. Januar 2024 und 3. März 2024 erneut konsolidiert.
  • Lescha federala davart la procedura administrativa, Art. 12, Art. 33, Art. 62 und Art. 65 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2003; der Erlass wurde am 1. Januar 2004, 1. Januar 2007, 1. April 2007, 1. Mai 2007, 1. August 2008, 1. Januar 2009, 1. Januar 2011, 1. Mai 2013, 1. Januar 2015, 1. Januar 2017, 1. Januar 2018, 1. April 2019, 1. April 2020, 1. Januar 2021 und 1. Juli 2022 erneut konsolidiert.

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