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Verordnung des BLW
über die Einschätzung und Klassifizierung von Tieren
der Rindvieh‑, Pferde-, Schaf- und Ziegengattung

vom 23. September 1999 (Stand am 1. Dezember 2003)

Präambel

Das Bundesamt für Landwirtschaft,

gestützt auf Artikel 6 Absatz 1 der Schlachtviehverordnung
vom 7. Dezember 19981,

verordnet:

Art. 1 Tiere der Rindviehgattung

Tiere der Rindviehgattung müssen anhand des Einschätzungs- und Klassifizierungssystems nach Anhang 1 eingestuft werden.

Art. 2 Tiere der Pferdegattung

Tiere der Pferdegattung müssen anhand des Einschätzungs- und Klassifizierungssystems nach Anhang 2 eingestuft werden.

Art. 3 Tiere der Schafgattung

Tiere der Schafgattung müssen anhand des Einschätzungs- und Klassifizierungssystems nach Anhang 3 eingestuft werden.

Art. 4 Gitzi

Gitzi müssen anhand des Einschätzungs- und Klassifizierungssystems nach Anhang 4 eingestuft werden.

Art. 5 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. Januar 2000 in Kraft.

Tiere der Rindviehgattung

(Art. 1)

A. Klassifizierung

1. Schlacht- und Masttierkategorien

Die Schlacht- und Masttiere werden unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und der Verwendungsmöglichkeiten der Schlachthälften in folgende Kategorien eingeteilt:

Kategorie

Abkürzung

Muni ungeschaufelte

MT

Muni ältere

MA

Ochsen bis maximal 4 Schaufeln

OB

Rinder bis maximal 4 Schaufeln

RG

Rinder/Jungkühe, Kühe bis maximal 4 Schaufeln

RV

Kühe

VK

Jungvieh

JB

Kälber

KV

2. Bestimmung der Handelsklasse

Die Handelsklasse wird auf Grund der Fleischigkeit und des Fettgewebes bestimmt2.

2.1 Fleischigkeit

Für die Festlegung der Fleischigkeitsklasse ist die Ausbildung der wertbestimmenden Körperpartien (Stotzen, Lenden, Rücken und Schulter) massgebend. Bei der Lebendvieheinschätzung dienen die «Metzgergriffe» dieser Beurteilung.

Fleischigkeitsklassen

Profile

Beschreibung

  1. sehr vollfleischig

sehr konvex

  • – Stotzen: betont breit, tiefe Behosung

  • – Lenden/Rücken: ausgesprochen breit und voll

  • – Schulter: stark ausgeprägt

  1. vollfleischig

konvex

  • – Stotzen: breit, tiefe Behosung

  • – Lenden/Rücken: breit und voll

  • – Schulter: ausgeprägt

  1. mittelfleischig

geradlinig

  • – Stotzen: gut entwickelt, ziemlich breit

  • – Lenden/Rücken: mittelmässig breit

  • – Schulter: gut entwickelt

  1. leerfleischig

konkav

  • – Stotzen: mässig entwickelt, schmal

  • – Lenden/Rücken: mässig entwickelt bis schmal

  • – Schulter: flach

  1. sehr leerfleischig

sehr konkav

  • – Stotzen: schwach entwickelt, sehr schmal, fleischleer

  • – Lenden/Rücken: schmal, dünn, spitzer Widerrist

  • – Schulter: flach eingefallen

Die Fleischigkeitsklassen werden zusätzlich wie folgt differenziert:

T– leer bis mittelfleischig;

die Anforderungen für T sind nur teilweise erfüllt

(Einstufung zwischen A und T)

T+ mittel- bis vollfleischig;

es sind teilweise die Anforderungen für H erfüllt

(Einstufung zwischen T und H)

Innerhalb der Fleischigkeitsklasse X wird zusätzlich wie folgt abgestuft, wobei die Fleischigkeit von 1X zu 3X abnimmt.

X 1X

2X

3X

Diese zusätzlichen Abstufungen sind zwingend bei der Einstufung von Lebendvieh auf überwachten öffentlichen Märkten anzuwenden.

2.2 Fettgewebe

Die Fettgewebeklasse wird durch den Ausmastgrad (Fettansatz und Fettabdeckung) bestimmt. Dabei werden das Auflagefett sowie bei Schlachtkörpern die Fettablagerung in der Brust- und Bauchhöhle beurteilt. Bei der Lebendvieheinschätzung dienen die «Metzgergriffe» dieser Beurteilung.

Fettgewebeklassen

Beschreibung

  1. ungedeckt

keine Fettabdeckung; Griffe nicht ausgebildet

  1. teilweise gedeckt

leichte Fettabdeckung, Muskulatur teilweise sichtbar; einzelne Griffe leicht spürbar ausgebildet

  1. gleichmässig gedeckt

mittlere, gleichmässige Fettabdeckung, Muskulatur generell abgedeckt; alle Griffe spürbar ausgebildet, kernig

  1. stark gedeckt

betont ausgeprägte Fettabdeckung, auf einzelnen Partien übermässig; einzelne Griffe stark ausgebildet

  1. überfett

Fettabdeckung generell übermässig, wulstartige Fettgebilde; alle Griffe zu stark ausgebildet

B. Einschätzung

Lebendtiere und Schlachtkörper werden eingeschätzt, indem nacheinander die Schlacht- und Masttierkategorie, die Fleischigkeit und das Fettgewebe, wie in den vorangehenden Ziffern 1, 2.1 und 2.2 definiert, bewertet werden.

Tiere der Pferdegattung

(Art. 2)

A. Klassifizierung

1. Schlachttierkategorien

Die Schlachttiere werden unter Berücksichtigung des Alters in folgende Kategorien eingeteilt:

Kategorie

Alter

Saugfohlen

bis und mit dem 12. Monat

Jungpferde

ab dem 13. bis und mit dem 29. Monat

Schlachtpferde

ab dem 30. Monat

2. Bestimmung der Handelsklasse

Die Handelsklasse wird auf Grund der Fleischigkeit und des Fettgewebes bestimmt3.

2.1 Fleischigkeit

Für die Festlegung der Fleischigkeitsklasse ist die Ausbildung der wertbestimmenden Körperpartien (Stotzen, Lenden, Rücken und Schulter) massgebend.

Fleischigkeitsklassen

Profile

Beschreibung

  1. sehr vollfleischig

sehr konvex

  • – Stotzen: betont breit und voll

  • – Lenden/Rücken: ausgeprägt breit und voll

  • – Schulter: stark ausgeprägt

  1. vollfleischig

konvex

  • – Stotzen: breit und voll

  • – Lenden/Rücken: breit und voll

  • – Schulter: ausgeprägt

  1. mittelfleischig

geradlinig

  • – Stotzen: gut entwickelt, ziemlich breit

  • – Lenden/Rücken: mittelmässig breit

  • – Schulter: gut entwickelt

  1. leerfleischig

konkav

  • – Stotzen: mässig entwickelt, eher schmal

  • – Lenden/Rücken: mässig entwickelt bis schmal

  • – Schulter: flach

  1. sehr leerfleischig

sehr konkav

  • – Stotzen: schwach entwickelt, schmal, fleischleer

  • – Lenden/Rücken: schmal, dünn, spitzer Widerrist

  • – Schulter: flach eingefallen

2.2 Fettgewebe

Die Fettgewebeklasse wird durch den Ausmastgrad (Fettansatz und Fettabdeckung) bestimmt. Dabei werden das Auflagefett sowie die Fettablagerung in der Brust- und Bauchhöhle beurteilt.

Fettgewebeklassen

Beschreibung

  1. ungedeckt

Fettabdeckung

  1. teilweise gedeckt

leichte Fettabdeckung, Muskulatur teilweise sichtbar

  1. gleichmässig gedeckt

mittlere, gleichmässige Fettabdeckung, Muskulatur generell abgedeckt

  1. stark gedeckt

betont ausgeprägte Fettabdeckung

  1. überfett

Fettabdeckung übermässig, wulstartige Fettgebilde

B. Einschätzung

Schlachtkörper werden eingeschätzt, indem nacheinander die Schlachttierkategorie, die Fleischigkeit und das Fettgewebe, wie in den vorangehenden Ziffern 1, 2.1 und 2.2 definiert, bewertet werden.

Tiere der Schafgattung

(Art. 3)

A. Klassifizierung

1. Schlacht- und Masttierkategorien

Die Schlacht- und Masttiere werden unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht sowie der Verwendungsmöglichkeiten der Schlachthälften in folgende Kategorien eingeteilt:

Kategorie

Lämmer mit 0 Schaufeln

Schafe mit 2 Schaufeln

Schafe mit 4 Schaufeln und ältere

Weidelämmer mit 0 Schaufeln bis maximal 40 kg Lebendgewicht

2. Bestimmung der Handelsklasse

Die Handelsklasse wird auf Grund der Fleischigkeit und des Fettgewebes bestimmt4.

2.1 Fleischigkeit

Für die Festlegung der Fleischigkeitsklasse ist die Ausbildung der wertbestimmenden Körperpartien (Gigot, Lenden, Rücken und Schulter) massgebend. Bei der Lebendtiereinschätzung dienen die «Metzgergriffe» dieser Beurteilung.

Fleischigkeitsklassen

Profile

Beschreibung

  1. sehr vollfleischig

sehr konvex

Ausgeprägte Muskelfülle

  • – Gigot: sehr breit, tief angesetzt, stark gewölbt

  • – Lenden/Rücken: betont breit und voll

  • – Schulter: stark ausgeprägt

  1. vollfleischig

konvex

Gute Muskelfülle

  • – Gigot: breit, tief angesetzt, gewölbt

  • – Lenden/Rücken: breit und voll

  • – Schulter: ausgeprägt

  1. mittelfleischig

geradlinig

Durchschnittliche Muskelfülle

  • – Gigot: gut entwickelt, ziemlich breit

  • – Lenden/Rücken: mittelmässig breit

  • – Schulter: gut entwickelt

  1. leerfleischig

konkav

Mässige Muskelfülle

  • – Gigot: mässig entwickelt, schmal

  • – Lenden/Rücken: schmal und dünn

  • – Schulter: flach

  1. sehr leerfleischig

sehr konkav

Geringe Muskelfülle

  • – Gigot: schwach entwickelt, sehr schmal

  • – Lenden/Rücken: sehr schmal

  • – Schulter: flach, eingefallen

2.2 Fettgewebe

Die Fettgewebeklasse wird durch den Ausmastgrad (Fettansatz und Fettabdeckung) bestimmt. Dabei werden das Auflagefett sowie bei Schlachtkörpern die Fettablagerung in der Brust- und Bauchhöhle beurteilt. Bei der Lebendtiereinschätzung dienen die «Metzgergriffe» dieser Beurteilung.

Fettgewebeklassen

Beschreibung

  1. ungedeckt

keine Fettabdeckung; Griffe nicht ausgebildet

  1. teilweise gedeckt

leichte Fettabdeckung, Muskulatur teilweise sichtbar; Kauten- und Rippengriff leicht ausgebildet

  1. gleichmässig gedeckt

mittlere Fettabdeckung, Muskulatur generell leicht abgedeckt, Griffe spürbar ausgebildet

  1. stark gedeckt

ausgeprägte Fettabdeckung, Muskulatur stark abgedeckt; Griffe stark ausgebildet

  1. überfett

übermässige Fettabdeckung; Griffe stark ausgebildet

B. Einschätzung

Lebendtiere und Schlachtkörper werden eingeschätzt, indem nacheinander die Schlacht- und Masttierkategorie, die Fleischigkeit und das Fettgewebe, wie in den vorangehenden Ziffern 1, 2.1 und 2.2 definiert, bewertet werden.

Gitzi

(Art.4)

A. Klassifizierung

1. Schlachttierkategorie

Gitzi ab 5 kg Schlachtgewicht

2. Bestimmung der Handelsklasse

Weil bei Gitzi auf die Festlegung der Fettgewebeklasse verzichtet wird, wird die Handelsklasse auf Grund der Fleischigkeit bestimmt.

2.1 Fleischigkeit

Für die Festlegung der Fleischigkeitsklasse ist die Ausbildung der wertbestimmenden Körperpartien (Lenden, Rücken sowie Schlegel) massgebend.

Fleischigkeits- bzw. Handelsklasse

H vollfleischig

T mittelfleischig

A leerfleischig

B. Einschätzung

Schlachtkörper werden eingeschätzt, indem die Fleischigkeit, wie in der vorangehenden Ziffer 2.1 definiert, bewertet wird.