2024.BKD.4845
Geschäftsbericht 2024 der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern). Kenntnisnahme
11 da zercladur 2025German10 min
Source be.ch
Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 635/2025 Datum RR-Sitzung: 11. Juni 2025 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Geschäftsnummer: 2024.BKD.4845 Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Geschäftsbericht 2024 der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern). Kenntnisnahme
Erwägungen
1. Gegenstand
Die Aufgaben, Ziele und Vorgaben für die PHBern sind im Gesetz vom 8. September 2004 über die deutschsprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91), in der Bildungsstrategie des Kantons Bern sowie im Leistungsauftrag des Regierungsrates vom 15. Dezember 2021 an die PHBern für die Jahre 2022–2025 (RRB 1469/2021, 1318/2022) und im Leistungsauftrag der Bildungs- und Kulturdirektion vom 17. September 2021 an die PHBern für die Jahre 2022–2025 in den Bereichen Weiterbildung und Dienstleistungen festgelegt.
Der Regierungsrat stellt zuhanden des Grossen Rates fest, dass die PHBern im Berichtsjahr gute Leistungen erbracht hat. Ihr Geschäftsbericht zeigt auf, dass sie erfolgreich im Rahmen ih- rer vorgegebenen Aufgaben und Ziele tätig war. Folgende Punkte sind besonders hervorzuhe- ben:
− An der PHBern waren im Studienjahr 2024/2025 (Stichdatum 15. Oktober 2024) 31691 Studie- rende in den Grundausbildungsstudiengängen (Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Schulische Heilpädagogik) immatrikuliert (Vorjahr: 3207 Studierende). Dies sind 1,2 % we- niger Studierende als im Vorjahr.
− Weiterhin rückläufig ist die Studienintensität bei gleichzeitig verlängerter Studienzeit, aufgrund vermehrter Übernahme von vakanten Stellen an den Schulen durch Studierende. Deswegen ist neben den Studierendenzahlen vermehrt die Entwicklung der Anzahl immatrikulierter Erst- semestriger (Neueintritte) zu beachten. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,5 % zurück- gegangen. Ein Rückgang der Neueintritte ist bei allen Grundausbildungen festzustellen 2. Auch die Neueintritte in dem im Jahr 2023 neu eingeführten, nur kantonal anerkannten Studiengang Primarstufe mit Berufsmaturität sind im Vorjahresvergleich rückläufig.
− Um vor dem Hintergrund des veränderten Studienverhaltens die Ausbildungsleistung der PHBern besser beobachten zu können, werden neu auch die Anzahl Abschlüsse ausgewie- sen. In der Periode vom 1. August 2023 bis 31. Juli 2024 wurden 766 Abschlüsse vergeben; 40 Abschlüsse mehr (+ 5,5 %) als in der Vorjahresperiode.
Studierende der Regelstudiengänge inkl. Studierende der Erweiterungs- und Ergänzungsausbildungen ohne paralleles Regelstudium und inkl. Studie- rende Fachdidaktikzentrum. Quelle: Studierendenstatistik der PHBern (https://www.phbern.ch/ueber-die-phbern/hochschule/portraet/statistiken).
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Neueintritte bei der Ausbildung von Primarlehrpersonen (inkl. kantonal anerkannter Studiengang Primarstufe mit Berufsmaturität) um –7,4 % (–21), bei der Ausbildung von Lehrpersonen der Sekundarstufe I um –13,3 % (–44), bei der Ausbildung von Lehrpersonen der Sekundarstufe II um –18,1 % (–25) und im Masterstudiengang Schulische Heilpädagogik um –6,8 % (–9) rückläufig.
− An den pädagogischen Hochschulen der Schweiz waren im Herbstsem ester 2024 gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) 24 550 Studierende immatrikuliert. Dies entspricht einem Wachstum, gemäss Daten des BFS 3, von 3,8 %. Der Rückgang der Studierendenzahlen an der PHBern beträgt gemäss BFS 1 %; die PHBern ist weiterhin die drittgrösste pädagogische Hochschule der Schweiz, deren Studierendenanteil fiel jedoch innerhalb desselben Rangs leicht zurück.
− Die Anzahl der ausserkantonalen Studierenden in den Grundausbildungsstudiengängen der PHBern (1088 per Stichdatum 15. Oktober 20244) ist – wie bereits in den Vorjahren – wesent- lich höher als die Anzahl der Berner Studierenden in Grundausbildungsstudiengängen an aus- serkantonalen pädagogischen Hochschulen (411 per Stichdatum 15. Oktober 2024).
− Eine anhaltende Herausforderung bleibt der Lehrpersonenmangel. Die PHBern unterstützt mit grossem Engagement das Berufsfeld Schule bei der Bewältigung des Mangels. Mit ihren noch stärker individualisiert und flexibel konzipierten Studienplänen ermöglicht die PHBern Studieren- den während des Studiums an einer Schule angestellt zu sein. Aktuell unterrichten rund 1500 Studierende an Schulen. Dies bringt aber auch neue Herausforderungen. Die Parallelität von Studium und Anstellung führt vermehrt zu einer Verlängerung der Studienzeit und dadurch zu einer abnehmenden Studienintensität. Dies wiederum beeinflusst die FHV-Einnahmen der PHBern negativ, da diese sich an den geleisteten ECTS-Punkten orientieren. Auch müssen Ver- anstaltungen mehrfach angeboten werden, was zu erhöhten Aufwänden führt (bspw. höhere Personalaufwände durch die Neuanstellungen). Die Semesterplanung der Studierenden erfolgt kurzfristiger, was Schwankungen in der Auslastung der Veranstaltungen generiert.
− Personen ohne adäquate pädagogische Ausbildung unterstützte die PHBern im Bereich der Weiterbildungen und Dienstleistungen auch im Jahr 2024 mit einem umfassenden Angebot (bspw. Sommer Camp für Unterrichtende ohne Lehrdiplom oder CAS «Unterrichten mit aus- ländischem Lehrdiplom»). Die PHBern orientiert sich bei diesen Angeboten stets am Bedarf von Berufsfeld und Kanton.
− Zu erwähnen ist auch der Fokus der PHBern auf Heterogenität und Inklusion. Die PHBern bie- tet hierzu den Bachelor Primarstufe+ und den Master S1+ an. Die beiden Studiengänge er- möglichen es interessierten Studierenden, ihr Studium mit einem Schwerpunkt in Heilpädago- gik zu ergänzen und sich vertieft mit der Heterogenität im Klassenzimmer auseinanderzuset- zen.
− Der im Herbst 2023 gestartete Studiengang Primarstufe ohne EDK-anerkanntes Lehrdiplom wurde im Berichtsjahr optimiert, damit der Übergang vom spezifischen Aufbaustudium ins Pro- gramm des Bachelorstudiengangs Primarstufe noch besser gelingt. Im Herbstsemester 2024 starteten 17 Studierende (Vorjahr 27) den Studiengang. Die im Rahmen des Studiums zu ab- solvierenden Prüfungen führen zu einer deutlich höheren Ausfallquote als in regulären Studi- engängen. Die Einführung dieses Studiengangs hat bisher insgesamt nicht zu einer Zunahme der Anzahl Studierenden auf der Primarstufe geführt.
− An der PHBern liefen im Kalenderjahr 2024 46 laufende Forschungs- und Entwicklungspro- jekte; davon 15 Forschungsprojekte in Kooperation mit anderen Institutionen wie Hochschulen, Bundesämtern, kantonalen Ämtern, Stiftungen. Der Anteil der Forschungserträge aus Drittmit- teln reduzierte sich im Berichtsjahr um CHF 340 000 auf CHF 2 262 000 und entspricht 2,3 %
Das BFS berücksichtigt folgende Angebote nicht: kantonale Angebote, die nicht EDK-anerkannt sind; Facherweiterungsstudien; Kooperationsstudien- gänge (Fachdidaktikzentrum, Bilingualer Studiengang). ohne Studierende FDZ Sport, FDZ NMG-NE und IVP Bilingualer Studiengang (Immatrikulation an der HEP-BEJUNE)
(Vorjahr 2,7 %) des betrieblichen Ertrags. Diese Drittmittelerträge unterliegen, abhängig von Projektfortschritt und Projekteingaben, jährlichen Schwankungen. Im Jahr 2023 waren die Er- träge ausserordentlich hoch und bewegen sich im Berichtsjahr ungefähr auf dem Wert von 2022.
− Im Rechnungsjahr 20235 sind die jährlichen Kosten pro Vollzeitäquivalent eines/einer Studie- renden der Grundausbildungen der PHBern (Durchschnittswert aller Grundausbildungsstudi- engänge) um 13,4 % gestiegen. Sie liegen aber weiterhin unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt (dieser ist im gleichen Zeitraum um 4,1 % gestiegen).
− Die PHBern hat per 1. Januar 2024 ein neues Finanzsystem eingeführt. Dabei wurden die Fi- nanzprozesse, der Kontenplan und das Handbuch zur Rechnungslegung der PHBern gemäss Art. 70 PHV angepasst. Die Definition von «nahe stehenden Personen» wurde gemäss Swiss GAAP FER 15 überprüft sowie in der Jahresrechnung 2024 die Vorgaben gemäss Swiss GAAP FER 28 «Zuwendungen der öffentlichen Hand» erstmalig angewendet. Gemäss Rah- menkonzept von Swiss GAAP FER musste dabei auch das Geschäftsjahr 2023 an die neuen Grundlagen angepasst werden (Darstellung der Vorjahreszahlen, wie wenn die neuen Grunds- ätze der Rechnungslegung schon immer angewendet worden wären). An diversen Stellen in der Jahresrechnung 2024 resultierten somit auch Veränderungen der Finanzzahlen für das Vorjahr (bspw. Tabelle 5.8.1 auf Seite 46 der Jahresrechnung).
− Im Jahr 2024 verzeichnete die PHBern einen Gesamtertrag von CHF 97.6 Mio.; mit einem Kantonsbeitrag in der Höhe von CHF 63.6 Mio.6 betrug der Anteil des Kantons am Gesamter- trag der PHBern 65,1 % (Vorjahr: 64,9 %). In der Jahresrechnung 2024 schliesst die PHBern mit einem Verlust von CHF 6.1 Mio. ab (Vorjahr: Verlust von CHF 1.3 Mio.). Damit fällt das Re- sultat schlechter aus, als in der Finanzplanung vom Vorjahr budgetiert. Die grössten Verände- rungen zum Vorjahr auf der Ertragsseite der Erfolgsrechnung sind die budgetgemässe Erhö- hung des Kantonsbeitrags um 1 %. Gleichzeitig fielen die FHV-Einnahmen unerwartet tiefer aus, da die Anzahl ausserkantonaler Studierender an der PHBern leicht abnahm, insbeson- dere aber die Studienintensität sank. Des W eiteren reduzierten sich die Erträge aus Drittmit- teln, nach einem aussergewöhnlich hohen Ertrag im Jahr 2023, auf die Werte vom Jahr 2022. Auf der Aufwandsseite fiel ein deutlich höherer Personalaufwand an. Dazu führten einerseits die Umsetzung der vom Kanton vorgegebenen Gehaltsmassnahmen, andererseits aber auch Neuanstellungen und Pensenerhöhungen. Die PHBern hat insbesondere aufgrund der Zu- nahme der Studierendenzahlen im Jahr 2023 und der Einführung zusätzlicher Praktikawochen ab August 2023 im Personalbereich Aufstockungen vorgenommen, die sich ab 2024 für das ganze Kalenderjahr auf die Höhe des Personalaufwands auswirken.
− Die PHBern weist per 31. Dezember 2024 ein negatives Eigenkapital von CHF –15.2 Mio. aus. Sie hat ihre Jahresrechnung mit einem Verlust abgeschlossen aufgrund von Kostensteigerun- gen, welche sie nicht beeinflussen kann, namentlich die Umsetzung der kantonalen Lohnmas- snahmen und die Übernahme von Vorsorgeverpflichtungen. Ihr Eigenkapital ist bereits seit ih- rer Entlassung in eine eigene Rechnung (2014) negativ, da bereits damals Vorsorgeverpflich- tungen ohne Ausfinanzierung in ihre Rechnung übertragen wurden. Aus diesem Grund fehlen der Hochschule Reserven und sie musste ab Mitte 2024 zur Sicherstellung ihrer Liquidität mehrfach Kapital bei der Tresorerie anfordern. Regierungsrat und Parlament haben im Budget 2025 und Aufgaben-/Finanzplan (AFP) 2026–2028 des Kantons Bern erste Massnahmen zur
Es können lediglich Aussagen für das Rechnungsjahr 2023 gemacht werden, da die offiziellen BFS-Zahlen zu den Finanzen der pädagogischen Hoch- schulen erst im August 2025 für das Jahr 2024 publiziert werden. Kantonsbeitrag abzüglich der objektfinanzierten Angebote für Sekundarstufe II von CHF 500 000 und Schul- und Gemeindebibliotheken von CHF 100 000 (vgl. Vortrag zum RRB 1389/2023).
Verringerung dieser strukturellen Unterfinanzierung für die nächste Leistungsauftragsperiode (2026–2029) beschlossen. Das Jahresergebnis 2024 und die unter Einschluss dieser Mass- nahmen aktualisierte Finanzplanung zeigen jedoch auf, dass die Verluste ohne zusätzliche Schritte weiterhin stark wachsen werden. Die auf der Kantonsbeitragshöhe gemäss kantona- lem Budget 2025 und AFP 2026–2028 basierenden Planrechnungen 2025–2028 der PHBern sehen Verluste von insgesamt CHF 25 Mio. vor. Aufgrund fehlender Reserven wird die PHBern voraussichtlich erneut auf die Liquiditätssicherung der Tresorerie angewiesen sein. Ohne eine zusätzliche Anpassung ihrer Grundfinanzierung im Zuge des aktuellen Budget- und Finanzplanungsprozesses würde sie künftig mit grosser Wahrscheinlichkeit diese Darlehen aber nicht mehr zurückzahlen können.
− Die PHBern hat zusammen mit den anderen Berner Hochschulen in ihrem Leistungsauftrag die Aufgabe Aufbau und Betrieb des Kompetenzzentrums BeLEARN erhalten. Zur Überprü- fung der Umsetzungsstandes dieses Legislaturziels wurde gleichzeitig mit der Erteilung der Leistungsaufträge an die Hochschulen ein separater Controlling-Zyklus definiert: Für BeLEARN wird dem Amt für Hochschulen jährlich eine eigene Berichterstattung zu vordefinier- ten Kenngrössen unterbreitet. Das Controlling-Gespräch zum Reporting fand anfangs Mai 2024 für das Geschäftsjahr 2023 statt. Die Anzahl BeLEARN-Projekte der fünf Hochschulen befindet sich deutlich über der antizipierten Zielgrösse. Auch die Leistungen von BeLEARN im Bereich Wissenstransfer (Referate & Tagungsbeteiligungen) übertrafen die Zielvorgaben. Ent- wicklungsfähig ist in der 2. Projektphase (2025–2028) der Aufbau von langfristigen Partner- schaften mit weiteren zusätzlichen Partnern aus der Hochschul- und Bildungswelt oder von Projekten mit privaten Förderpartnern. Die Mittelverwendung zeigt, dass die Hochschulen die ihnen zugeteilten Mittel zweckentsprechend verwenden. Das nächste Controllinggespräch fin- det Ende Mai 2025 für das Geschäftsjahr 2024 statt.
− Die Umsetzung des Leistungsauftrags 2022–2025 (Studienjahr 2023/2024) wurde durch die Bildungs- und Kulturdirektion im jährlichen Controllinggespräch mit der PHBern vom 16. De- zember 2024 geprüft. Die Bildungs- und Kulturdirektion stellte fest, dass die PHBern den ihr durch die Gesetzgebung erteilten Auftrag umfassend und in sehr guter Qualität erfüllt und dass die PHBern die Zielvorgaben des Leistungsauftrags des Regierungsrates und der Bildungs- und Kulturdirektion erreicht oder übertroffen hat. Der direktionsübergreifende Koordinations- ausschuss Controlling Hochschulen befasste sich am 22. April 2025 mit dem Geschäftsbericht der PHBern.
2. Rechtsgrundlagen
− Art. 48 Abs. 2 und Art. 74b Abs. 2 des Gesetzes vom 8. September 2004 über die deutsch- sprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91)
− Art. 62 Abs. 3 der Verordnung vom 16. November 2022 über die deutschsprachige Pädagogi- sche Hochschule (PHV; BSG 436.911)
3. Beschluss
Aufgrund des Antrags der Bildungs- und Kulturdirektion wird beschlossen:
1. Der Geschäftsbericht 2024 der Pädagogischen Hochschule Bern wird zur Kenntnis genom- men.
2. Gestützt auf Artikel 74b, Absatz 2 des Gesetzes vom 8. September 2004 über die deutsch- sprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91) beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat, vom Bericht Kenntnis zu nehmen.
Im Namen des Regierungsrates
Christoph Auer Staatsschreiber
Verteiler ‒ Grosser Rat
Beilagen ‒ Geschäftsbericht 2024 der PHBern