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RRB Nr. 21/2023

Kulturförderung, Förderpreise des Kantons Zürich 2023, Verleihung

11 da schaner 2023German5 min

Source zh.ch

Kulturförderung, Förderpreise des Kantons Zürich 2023, Verleihung

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 11. Januar 2023

21. Kulturförderung (Verleihung der Förderpreise des Kantons

Erwägungen

Zürich 2023) Der Kanton Zürich verleiht jährlich zwei mit je Fr. 30 000 dotierte Förder­ preise an Personen oder Gruppen, deren Werk von ausgewiesener künst­ lerischer Qualität ist und die über ein vielversprechendes Entwick­ lungspotenzial verfügen (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Förderpreise 2023 an das Popduo Ikan Hyu und den Schriftsteller Heinz Helle zu verlei­ hen. Die Band Ikan Hyu wurde Ende 2016 von der Winterthurerin Anisa Djojoatmodjo (geboren 1991) und der Zürcherin Hannah Bissegger (ge­ boren 1993) gegründet. Ihr Ruf als explosives Popduo schlug Wellen – bevor sie 2018 ihr erstes Album «Zebra» veröffentlichten, spielte Ikan Hyu bereits über 50 Konzerte in der ganzen Schweiz, unter anderem als Vorgruppe für die britische Rockband Royal Blood. Mit dem Album «Zebra» wurde Ikan Hyu zum SRF Best Talent des Monats gekürt. Seit­ her bespielen sie viele kleine und auch grosse Schweizer Festivalbühnen, wie zum Beispiel die Winterthurer Musikfestwochen, das Gurtenfestival und das Openair St. Gallen. International folgten Tourneen durch Sizilien und Indonesien sowie Auftritte am Reeperbahn Festival in Hamburg, an der Lethargy in Zürich, am Waves Festival in Wien oder am Euroso­ nic Festival in Groningen. Ikan Hyu bedeutet auf Indonesisch Haifisch und spielt einerseits auf Anisa Djojoatmodjos indonesische Wurzeln, anderseits auf den Ästhetikanspruch des Duos an. Dieser orientiert sich optisch an den Sphären der Tiefsee und des Weltalls. Dazu wieder­ um passt, dass die Schlagzeugerin und die Gitarristin mit ihrer Musik unentdeckte Welten aufsuchen. Gewagte elektronische Elemente er­ gänzen Versatzstücke aus Rock, Rap und Pop und ergeben eine Musik, die schroffe Kanten hat, aber mitreisst und voller fein gemachter und überraschender Details steckt. Ihren Gesang und Rap begleiten Anisa Djojoatmodjo und Hannah Bissegger mit elektronischen und akustischen Drumelementen, Moog-Bass, E-Gitarre, Theremin und Synthesizern aller Art. Die beiden gehören zu einer neuen Generation von Musike­ rinnen, die an der Zürcher Hochschule der Künste hochqualifiziert aus­ gebildet wurden und ihr Handwerk virtuos beherrschen. Das betrifft nicht nur ihren Bühnenauftritt, den Gesang und das instrumentale Spiel, sondern auch die Arbeit im Studio und das Zusammendenken von ver­ schiedenen ästhetischen und künstlerischen Ebenen. Sie ergründen und

gestalten aber auch ganz eigenständige, zeitgenössische musikalische Formen, haben eine beeindruckende kreative Produktivität und zeichnen sich insbesondere durch energievolle Liveauftritte aus. Daher überrascht es kaum, dass das Duo national und international eine immer grössere Resonanz erfährt. Der Förderpreis soll Ikan Hyu den nötigen Schub geben, um sich langfristig zu etablieren. Heinz Helle (geboren 1978) studierte Philosophie in München und New York und – nach seiner Arbeit als Texter bei verschiedenen Werbe­ agenturen – Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturin­ stitut in Biel. Heinz Helles vier Romane sind allesamt im renommierten Suhrkamp Verlag erschienen und stiessen auf durchweg positive Reso­ nanz bei Publikum, Kritik und Jurys. Literaturpreise, Stipendien und ein überregionales Medienecho stellten sich in schöner Regelmässigkeit ein. Zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet sich ein Lebens- und Werkzu­ sammenhang ab, der sich durch eine selten gewordene und keineswegs marktgängige Form der Wahrhaftigkeit von vielen anderen Tendenzen in der Gegenwartsliteratur abhebt. Dabei ist sein Schreiben in den letz­ ten zehn Jahren konsequent persönlicher und dadurch politischer ge­ worden. Die Schreibweise der Autofiktion ist zwar nicht Heinz Helles Erfindung, wird von ihm jedoch stilbildend um die Sphäre der Kultur­ theorie erweitert. Besonders deutlich wird das in seinen letzten beiden Romanen «Die Überwindung der Schwerkraft» und «Wellen». Schlag­ wörter wie Identitätspolitik, Gender Studies, Trauerarbeit oder Inter­ sektionalität sind bei ihm nicht akademische Manövriermasse, sondern Koordinaten literarischer Orientierungsversuche zwischen Herkunfts­ schaudern, Kleinfamilienversuchen, strukturellem, aber auch ganz kon­ kretem Gewaltbewusstsein und spätmoderner Ermüdung. Heinz Helles trotz hoher stilistischer und theoretischer Verdichtung höchst lesbaren Bücher stellen Fragen, setzen sich dem Risiko des stockenden Gesprächs aus und wollen nicht gefallen, sondern Rechenschaft geben. Zusam­ menfassend ist Heinz Helles Grösse als Autor darin begründet, dass er sich nicht kleiner, aber eben auch nicht feiner schreibt, als es sich nach Lage der Dinge ergibt. Mit der Verleihung des Förderpreises an Heinz Helle wird einerseits seinem bislang vorgelegten Werkkomplex Respekt gezollt, anderseits die feste Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass ebendieser Werkkomplex erst der Auftakt gewesen sein wird zu einem konsistenten, aber keineswegs vorhersehbaren literarischen Œuvre. Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförde­ rungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung [LS 440.11]). Der Betrag von Fr. 60 000 ist im Budget 2023 der Fachstelle Kultur enthalten.

Dispositiv

Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Förderpreise des Kantons Zürich 2023 von je Fr. 30 000 werden verliehen an: – Ikan Hyu – Heinz Helle

II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.

III. Mitteilung an Ikan Hyu, Heinz Helle und die Mitglieder der Kul­ turförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:

Kathrin Arioli