RRB Nr. 35/2022
Kulturförderung, Förderpreise des Kantons Zürich 2022, Verleihung
12 da schaner 2022German5 min
Source zh.ch
Kulturförderung, Förderpreise des Kantons Zürich 2022, Verleihung
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 12. Januar 2022
35. Kulturförderung (Verleihung der Förderpreise des Kantons
Erwägungen
Zürich 2022) Der Kanton Zürich verleiht jährlich zwei mit je Fr. 30 000 dotierte Förder- preise an Personen oder Gruppen, deren Werk von ausgewiesener künst- lerischer Qualität ist und die über ein vielversprechendes Entwicklungs- potenzial verfügen (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Förderpreise 2022 an den Kunstraum Last Tango und den Musiker Edouard Mätzener zu verleihen. Last Tango wurde 2016 von Arianna Gellini (geboren 1984) und Linda Jensen (geboren 1985) als Off-Space gegründet. Die beiden Kuratorin- nen verfügen nicht nur über vielfältige internationale Erfahrung, sondern auch über eine erfrischende Portion Neugierde, Eigenständigkeit und Be- harrlichkeit. Nach mehreren Zwischennutzungen ist Last Tango heute in einem ehemaligen Lagerhaus direkt an der Limmat angesiedelt, nur einen Steinwurf entfernt vom Löwenbräukunst-Areal. Das Programm der ersten Jahre zeichnete sich durch Zwei-Personen-Ausstellungen aus. Seit 2018 werden zunehmend auch Gruppenausstellungen veranstaltet. Ein grundlegendes Interesse der Gründerinnen liegt in unerwarteten Paarungen oder Kombinationen von Kunstpraxen sowie darin, Über- schneidungen, Ähnlichkeiten oder Spannungen, auch über Generationen- und Landesgrenzen hinweg, spürbar zu machen. Last Tango hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der Szene entwickelt und ist zum Garant für Neuentdeckungen geworden. Von Anfang an waren weibliche Positionen stark vertreten im Programm von Gellini und Jen- sen, die ihre Ausstellungen äussert professionell vermitteln und mit je- weils überraschenden Begleitprogrammen ergänzen. Die Präsentationen sind immer sorgfältig kuratiert und mit fundierten Konzepten und zeit- gemässen Fragestellungen untermauert. Die Entwicklung, die ihr Kunst- raum seit der Gründung durchlief, ist beeindruckend, wie auch die be- achtliche Berichterstattung in der lokalen und internationalen Presse zeigt. Bis heute fanden 21 Ausstellungen mit rund 90 Künstlerinnen und Künstlern statt, darunter viele Erstpräsentationen in Zürich, etwa von der dänischen Künstlerin Kirstine Roepstorff oder dem in Hongkong wohnhaften Nadim Abbas. Auch die lokale Szene ist in den Ausstellun- gen gut vertreten.
2021 wurde Last Tango zu einem Kunstverein umgewandelt: Die Neu- ausrichtung soll zusätzlich dazu beitragen, ein vielfältiges Publikum zu- sammenzubringen, um gegenseitiges Verständnis, kritische Reflexion und engagierte Zusammenarbeit zu fördern und eine lebendige Kunstgemein- schaft zu bilden. Dazu wurde ein fachkundiger Vorstand mit renommier- ten Persönlichkeiten bestellt, dem unter anderem Fanni Fetzer (Direk- torin des Kunstmuseums Luzern), Daniel Kurjakovic (Kurator im Kunst- museum Basel) und Christiane Rekade (Kuratorin in der Fachstelle Kunst am Bau der Stadt Zürich) angehören. Der Förderpreis 2022 soll die Initiantinnen von Last Tango, Arianna Gellini und Linda Jensen, in ihrer äusserst wertvollen Vermittlungs- und Vernetzungsarbeit bestärken und in dieser Phase der Weiterentwick- lung unterstützen. Der Geiger Edouard Mätzener (geboren 1989 in Zürich) gab sein Solo- debüt mit zwölf Jahren im Casino Basel mit dem Zürcher Kammeror- chester unter der Leitung von Howard Griffiths. Den Master of Music erspielte er sich dann an der Yale University, denjenigen für Specialized Performance Soloist an der Hochschule in Basel. Seither fanden Auftritte unter anderem mit dem Kammerorchester Basel, der Camerata Zürich und dem Sinfonieorchester Basel statt. Seine Konzerte brachten ihn in Konzertsäle in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Israel, Brasilien, Japan, Südkorea und den USA. Aber nicht nur als Solist, sondern auch als Kammermusiker sorgt er für Furore. Als zweiter Geiger des Merel Quartetts überzeugt Edouard Mätzener als feinsinniger Musi- ker, der mit Genauigkeit und Spontaneität auf seine Mitmusikerinnen und Mitmusiker eingeht. Neben seiner Passion für Kammermusik ist er als Gründungsmitglied, Geiger und Komponist treibende Kraft der Klezmer- Band Cheibe Balagan, die spätestens seit dem Auftritt im Film «Wolken- bruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» einem breiten Pu- blikum bekannt geworden ist. Der in Zürich lebende Edouard Mätzener bewegt sich mit so traumwandlerischer Sicherheit zwischen Klassik, Jazz und World Music, dass seine Geige genauso authentisch nach jiddischer Folkgeige wie nach swingendem Bass oder glänzender Violine klingt. Da- bei reiht er keine aufgesetzten Effekte aneinander, sondern lotet detail- reich die poetischen Nuancen der Musik aus. Der Förderpreis ist eine An- erkennung für seine Vielseitigkeit, vereint mit seinem hohen Anspruch an jede Form musikalischen Ausdrucks. Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförde- rungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung [LS 440.11]). Der Betrag von Fr. 60 000 ist im Budget 2022 der Fachstelle Kultur ent- halten.
Dispositiv
Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Förderpreise des Kantons Zürich 2022 von je Fr. 30 000 werden verliehen an: – Last Tango – Edouard Mätzener
II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.
III. Mitteilung an Last Tango, Edouard Mätzener und die Mitglieder der Kulturförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli