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RRB Nr. 972/2011

Zweisprachiger Fachunterricht an Berufsfachschulen, neue Ausgabe

17 d’avust 2011German6 min

Source zh.ch

Zweisprachiger Fachunterricht an Berufsfachschulen, neue Ausgabe

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 17. August 2011

972. Zweisprachiger Fachunterricht an Berufsfachschulen (Aufbauphase 2011–2015)

Erwägungen

1. Ausgangslage An insgesamt 19 Berufsfachschulen in fünf Kantonen der Deutsch- schweiz, davon zehn Schulen im Kanton Zürich, wurde zwischen 1999–2005 im Rahmen eines Pilotprojekts der zweisprachige Fach- unterricht «bili» eingeführt. Ziel des Projekts war, den Jugendlichen, die auf der Sekundarstufe II keinen Fremdsprachenunterricht haben, die Möglichkeit zu geben, die aus der Volksschule mitgebrachten Fremd- sprachenkenntnisse zu halten und zu vertiefen. Mit Verfügung der Bildungsdirektion vom 28. September 2006 wurde das daran anschliessende Fortsetzungsprojekt für 2006–2011 von «bili» im Kanton Zürich genehmigt. Hauptziel dieses zweiten Projekts war die Sicherstellung der Qualität des zweisprachigen Unterrichts an Berufs- fachschulen durch Förderung der methodisch-didaktischen und sprach- lichen Kompetenzen der Lehrpersonen sowie die Erprobung des zweisprachigen Qualifikationsverfahrens. Die Teilnahme im Umset- zungsprojekt beruhte auf freiwilliger Basis und war wiederum auf zehn Berufsfachschulen beschränkt. 2010 wurde die Universität Freiburg beauftragt, eine Evaluation des Projekts durchzuführen. Mit dieser wurde beabsichtigt, den Nutzen und Erfolg von «bili» an den Berufsfachschulen zu prüfen und eine Grundlage für die Entscheidung zur weiteren Entwicklung von «bili» zu schaffen.

2. Ergebnisse der Evaluation Die Ergebnisse des Schlussberichts vom Januar 2011 zeigen den Erfolg des Projekts: Lernende in «bili»-Klassen verfügen über die bes- seren Sprachkompetenzen und über gleich gute Sachkompetenzen wie solche, die nur den einsprachigen Fachunterricht besuchen. Insgesamt wird bili von keiner Schule infrage gestellt. Die Mehrheit der Lernen- den sowie der Schulleitungen und Lehrpersonen sind der Meinung, dass sich der Mehraufwand für den Aufbau und die Durchführung lohnt und die Weiterführung rechtfertigen. In der Evaluation werden die wichtigs- ten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung genannt: eine solide sprachliche und didaktische Ausbildung der Fachlehrpersonen, die Entwicklung von geeigneten Unterrichtsmaterialien, eine bessere Visibilität des zweisprachigen Unterrichts (Internet, Presse, Forschung),

bessere Vernetzung der Lehrpersonen in der eigenen Schule (Fachamt) sowie im In- und Ausland (Erfahrungsaustauschtreffen, Netzwerktagun- gen usw.) sowie die finanzielle Unterstützung des Kantons als Beitrag für den Mehraufwand der Lehrpersonen. Aufgrund der erhobenen Daten wird in den nächsten Jahren ein moderater Zuwachs im Bereich des zweisprachigen Unterrichts an den bestehenden Schulen empfohlen.

3. Einführung des zweisprachigen Unterrichts an Berufsfachschulen Mehrsprachigkeit hat für die Schweiz eine unbestritten hohe Bedeu- tung. Art. 15 Abs. 3 Satz 1 des Sprachengesetzes vom 5. Oktober 2007 (SR 441.1) hält fest, dass sich Bund und Kantone im Rahmen ihrer Zuständigkeit für einen Fremdsprachenunterricht einsetzen, der gewähr- leistet, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit über Kompetenzen in mindestens einer zweiten Landes- sprache und einer weiteren Fremdsprache verfügen. Die am 14. Juni 2007 beschlossene Einführung von Englisch ab der 2. Primarschulklasse im Kanton Zürich hat zur Folge, dass ab 2012 Lernende mit acht Jahren Englischunterricht in die Sekundarstufe II übertreten. Für die Jugend- lichen in beruflichen Grundbildungen ohne Fremdsprachenunterricht heisst das, dass sie ihre erworbenen Sprachkenntnisse nicht weiterent- wickeln können. Dies betrifft rund 50% der Jugendlichen an Berufsfach- schulen im Kanton Zürich. Zweisprachiger Fachunterricht ist für sie die einzige Möglichkeit, ihre Sprachkenntnisse zu erhalten und zu vertiefen. Gute sprachliche Kompetenzen sind nicht nur für die Mobilität und das berufliche Weiterkommen der Lernenden wichtig, sondern auch für ihre künftige schulische Weiterbildung (Berufsmaturität für Erwachsene, Höhere Fachschule usw.). Zurzeit unterrichten im Rahmen des Projekts 35 Lehrpersonen an insgesamt zehn Berufsfachschulen im Kanton Zürich ein Fach zwei- sprachig, an einer Schule in der Kombination Deutsch/Französisch, an allen anderen Deutsch/Englisch. Bereits jetzt finden an mehreren Schu- len zweisprachige Abschlussprüfungen statt. Mindestens eine weitere Schule wird ab 2011/12 den zweisprachigen Unterricht in mehreren Fächern regelmässig anbieten. Um Wechsel vom einsprachigen zum zweisprachigen Unterricht und umgekehrt zu ermöglichen, sollten «bili»-Klassen parallel zu Regelklassen geführt werden. An seiner Sitzung vom 2. Mai 2011 hat der Bildungsrat die Ein- führung des zweisprachigen Unterrichts an Berufsfachschulen begrüsst. Er empfiehlt, das Modell Deutsch/Französisch an Berufsfachschulen vermehrt anzubieten. Ferner wird «bili» für anspruchsvollere 3- und 4-jährige Ausbildungen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis und Berufsmaturitätsklassen empfohlen.

4. Kosten und Finanzierung Für die Aufbauphase von fünf Jahren (September 2011 bis Ende Dezember 2015) ist von insgesamt Fr. 1 600 000 auszugehen. Kostenstelle 2011 2012 2013 2014 2015 Entlastungen Lehrpersonen 3020/3050 128 000 172 800 211 200 180 700 128 000 inkl. Sozialleistungen Methodisch-didaktische und sprachliche Weiterbildung 3020/3050 76 000 84 000 52 000 52 000 52 000 Entwicklung Materialien 3020/3050 15 000 15 000 15 000 15 000 15 000 Fachamt bili 3020/3050 19 200 19 200 19 200 38 400 38 400 Entlastung Projekt- 3020/3050 40 000 40 000 40 000 unterstützung Projekt Französisch 3020/3050 20 000 20 000 20 000 20 000 Unvorhergesehenes 10 000 10 000 10 000 10 000 10 000 Total pro Jahr 248 200 361 000 367 400 356 100 263 400

Bei der Kostenberechnung wird mit einer Zunahme von zehn neu einsteigenden Lehrpersonen in den ersten zwei Jahren gerechnet. Darin sind enthalten: einmalige Entlastungen für den Besuch eines obligatori- schen Kurses für zweisprachige Didaktik, auf drei Jahre befristete Ent- lastungen für das Vorbereiten und Erteilen von zweisprachigem Fach- unterricht, einmalige Entlastungen für das Erproben und Durchführen von zweisprachigen Abschlussprüfungen (Qualifikationsverfahren) sowie wiederkehrende Entlastungen für das Führen eines schulinternen bili- Fachamtes. Zudem sind Mittel für sprachliche und didaktische Weiter- bildungen sowie für die Entwicklung von zweisprachigen Materialien vorgesehen. Für die Entwicklung und Weiterführung des zweisprachi- gen Unterrichts in der Kombination Französisch/Deutsch an Berufs- fachschulen sind zusätzliche Mittel in der Kostenberechnung enthalten. Als Projektunterstützung zur Erarbeitung und Durchführung dieses Projekts sowie für den Zusatzaufwand in den Bereichen Information, Beratung und Koordination der Einführung von bili an den Berufsfach- schulen sind zusätzliche Entlastungsstunden von Lehrpersonen vorge- sehen. Vom Gesamtbetrag von Fr. 1 600 000 für die Einführung des zwei- sprachigen Unterrichts sind Fr. 1 440 000 im KEF 2011–2014 zulasten der Erfolgsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 7306, Berufsbildung, einge- stellt. Die restlichen Kosten von höchstens Fr. 160 000 können durch Ver- schiebungen und Einsparungen innerhalb der Leistungsgruppe Nr. 7306, Berufsbildung, kompensiert werden. Nach Ablauf der Aufbauphase ist mit jährlich wiederkehrenden Kosten von höchstens Fr. 280 000 zu rech- nen.

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Für die Aufbauphase (2011–2015) des zweisprachigen Unterrichts an Berufsfachschulen wird eine neue Ausgabe von Fr. 1 600 000 zulasten der Erfolgsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 7306, Berufsbildung, be- willigt.

II. Mitteilung an die Finanzdirektion und die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber:

Husi