2024.RRGR.164
P 108-2024 DEPU (Gullotti, Tramelan) Für eine Strategie auf struktureller, didaktischer und sprachlicher Ebene für die berufliche Grundbildung in den Verwaltungskreisen Berner Jura und Biel/Bienne. Antwort des Regierungsrates
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Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates
Vorstoss-Nr.: 108-2024 Vorstossart: Postulat Richtlinienmotion: ☐ Geschäftsnummer: 2024.RRGR.164
Eingereicht am: 03.06.2024
Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Deputationsvorstoss: Ja Eingereicht von: DEPU (Gullotti, Tramelan) (Sprecher/in)
Weitere Unterschriften: 0
Dringlichkeit verlangt: Nein Dringlichkeit gewährt:
RRB-Nr.: 1143/2024 vom 13. November 2024 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert Antrag Regierungsrat: Annahme und gleichzeitige Abschreibung
Für eine Strategie auf struktureller, didaktischer und sprachlicher Ebene für die berufliche Grundbildung in den Verwaltungskreisen Berner Jura und Biel/Bienne
Der Regierungsrat wird beauftragt, zusammen mit den betroffenen Partnern eine Strategie für die berufliche Grundbildung in den Verwaltungskreisen Berner Jura und Biel/Bienne zu erarbeiten, um eine den Bedürfnissen angepasste Ausbildung und das Fortbestehen der aktuellen Ausbildungsstätten zu gewährleisten.
Begründung:
Die berufliche Grundbildung in den Verwaltungskreisen Berner Jura und Biel/Bienne bietet den Jugendlichen nach Abschluss der Volksschule unzählige Möglichkeiten. Diese – dual oder schulisch organisierten – Berufsbildungen führen zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis oder einer Berufsmatura. Sie werden an mehreren Standorten durchgeführt, in Biel, La Neuveville, Saint-Imier, Tramelan und Moutier (bis Mitte 2026), in verschiedenen öffentlichen oder privaten Schulen. So kann ein breites Angebot an Berufen das Interesse von Schülerinnen und Schülern auf sich ziehen, die nach der Volksschule in den Arbeitsmarkt oder in eine Berufsfachschule eintreten möchten.
Im Berner Jura und Biel-Seeland entscheiden sich ungefähr 2600 Schülerinnen und Schüler für eine berufliche Grundbildung und stehen der regionalen, kantonalen oder auch nationalen Wirtschaft bei Berufsantritt als kompetente, dynamische und motivierte Kandidatinnen und Kandidaten zur Verfügung. Die an den verschiedenen Schulstandorten angebotenen Ausbildungen sind insbesondere für die regionale Wirtschaft von grundlegender Bedeutung.
Im Rahmen des Projekts «Berufsfachschulen 2020» hat der Kanton Bern angefangen, Überlegungen in diesem Sinne für den ganzen Kanton anzustellen.
Für den französischsprachigen Teil des Kantons sind inzwischen jedoch verschiedene Elemente zutage getreten, die eine Vertiefung der Überlegungen wert sind.
Mit dem Wechsel von Moutier in den Kanton Jura werden im französischsprachigen Teil des Kantons Bern grosse Änderungen im Zusammenhang mit den Schulstandorten auf die berufliche Grundbildung zukommen. Das ceff ARTISANAT, mit dem Standort Moutier bis am 31. Dezember 2025, wird mit all seinen Bildungsgängen nach Biel umziehen.
Die Reformen in der Berufsbildung haben auch Auswirkungen auf die Ausbildungsstätten, insbesondere im kaufmännischen Bereich. Zurzeit bieten vier Schulen diese Ausbildung an, und sie werden sich in den kommenden Monaten Gedanken über ihre Zukunft als Ausbildungsstätte und die Umverteilung der Berufsbildungen machen müssen.
Das Projekt «Avenir Berne Romande», dessen Inhalt vom Grossen Rat im März 2023 angenommen wurde, legt verschiedene Standorte für ein Bildungszentrum im Berner Jura fest ( La Neuveville, Tramelan, Saint-Imier).
Mit dem Ende der Jurafrage erhalten die Beziehungen zwischen der Stadt Biel und dem Berner Jura neue Impulse, und die berufliche Grundbildung muss neu organisiert werden, um Synergien zu fördern und die Beziehungen zur Wirtschaft der beiden Regionen zu stärken. Es ist von grundlegender Wichtigkeit, eine Synergie und ein Gleichgewicht zwischen den beiden Regionen zu finden, so dass sich keine benachteiligt fühlt.
Die Zweisprachigkeit, die als Visitenkarte für den Kanton gilt, ist eine kulturelle Bereicherung und eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, die ihren Platz in den Überlegungen haben muss.
Die oben erwähnten Änderungen werden die berufliche Grundbildung tiefgreifend umgestalten. Für die Zusammenarbeit zwischen der französisch- und der zweisprachigen Region des Kantons muss ein strategisches Instrument entwickelt werden. Die Studie, die im Vorfeld von den Gemeindeverbänden Jura bernois, Bienne und Seeland Biel/Bienne durchgeführt wurde, konnte diese Aspekte nicht in ihrer Gesamtheit berücksichtigen.
Deshalb wird der Regierungsrat mit diesem Vorstoss aufgefordert, unter Berücksichtigung der Ausbildungszentren des Projekts ABR und den Schulen mit dem Standort Biel eine Strategie auf struktureller und didaktischer Ebene für die berufliche Grundbildung in den Verwaltungskreisen Berner Jura und Biel/Bienne zu erarbeiten, dies in Zusammenarbeit mit den politischen Institutionen vor Ort (BJR, RFB, Deputation), den Leitungen der betroffenen Schulen sowie Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft.
Antwort des Regierungsrates
Aufgrund des geplanten Kantonswechsels der Gemeinde Moutier vom Kanton Bern zum Kanton Jura per 1. Januar 2026 lancierte der Kanton Bern das dreiteilige Projekt «Avenir Berne romande» (ABR), das darauf abzielt, der Entwicklung des Berner Juras neue Impulse zu verleihen, die französischsprachige Komponente des Kantons aufzuwerten und seine Verankerung als Brückenkanton zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Schweiz zu stärken. Dieses Projekt schliesst auch den Bereich der beruflichen Grundbildung mit ein.
Auf den Verlust des Berufsschulstandorts Centre de formation professionnelle Berne francophone - ceff ARTISANAT in Moutier reagiert der Kanton mit der Verschiebung dieses Teils des
ceff auf August 2026 nach Biel. Die Berufe, welche zukünftig am ceff ARTISANAT in Biel beschult werden, wurden im Frühsommer 2024 der Öffentlichkeit kommuniziert.
Dieser Umzug hat Auswirkungen auf die Situation der Berufsfachschulen in Biel. Das ceff ARTI- SANAT und das Centre de formation professionnelle / Berufsbildungszentrum Biel-Bienne (CFP BBZ Biel-Bienne) sind deswegen in intensivem Austausch über die Rollen der beiden Institutionen auf dem Platz Biel. So wird beispielsweise von den Vertretern der beiden Institutionen derzeit an der Ausgestaltung der Brückenangebote gearbeitet.
Auch wenn sich mit dem Weggang von Moutier das Gravitationszentrum der Französischsprachigen im Kanton näher an Biel rückt, wird der Kanton Bern bei zukünftigen Entscheiden weiterhin auch die Interessen des Berner Jura und der Gesamtheit der französischsprachigen Bevölkerung und Wirtschaft berücksichtigen.
Der Austausch zwischen dem Kanton und den relevanten Gremien Conseil du Jura bernois (CJB) und Conseil des affaires francophones de l’arrondissement de Biel/Bienne (CAF) zu den Themen der beruflichen Grundbildung ist institutionalisiert. In diesem Kontext wurde eine Person zur Förderung von französischsprachigen Lehrstellen in Biel neu mandatiert.
Die Zusammenarbeit in der Berufsbildung mit den beiden Kantonen Jura und Neuenburg, welche unter dem Kürzel BEJUNE bekannt ist, wird auch nach dem Kantonswechsel von Moutier weitergeführt. In verschiedenen Berufen werden gemeinsame Klassen geführt. Der Kanton Bern ist zudem in einigen Berufen Standortkanton für die Beschulung von interkantonalen Klassen mit Lernenden aus der gesamten französischsprachigen Schweiz. Er wird sich weiter einsetzen, solche Angebote anzubieten.
In der beruflichen Grundbildung werden die pädagogisch-didaktischen Vorgaben durch die Bildungsverordnungen und Bildungspläne auf nationaler Ebene erlassen. Das pädagogische Konzept der Handlungskompetenzorientierung wird dabei mittlerweile in den meisten Berufsfeldern umgesetzt. In der Gestaltung der Bildungsinhalte hat der Kanton somit wenig Spielraum. Jedoch werden die didaktischen Rahmenbedingungen zukunftsweisend gestaltet.
So engagiert sich der Kanton Bern stark im Thema Zweisprachigkeit und Mobilität. Im Raum Biel/Bienne und Berner Jura sind diesbezüglich in den letzten Jahren mehrere Projekte angelaufen.
Die Herausforderung «Digitalisierung» wurde vom Kanton Bern aufgenommen und eine kantonsweite « Bring Your Own Device »-Strategie (BYOD-Strategie) eingeführt. Damit nimmt der Kanton Bern insbesondere im Vergleich mit der französischsprachigen Schweiz eine Vorreiterrolle ein.
Ab 2025 werden zudem die kantonalen Subventionen an die modularen Ausbildungen für Erwachsene am Centre interrégional de perfectionnement (CIP) in Tramelan deutlich erhöht.
Spätestens im vierten Quartal 2024 wird ein Projekt initialisiert, bei dem es darum geht, die Angebote der kaufmännischen Berufsausbildung im französischsprachigen Kantonsteil zu analysieren. Hierzu werden die relevanten Partner miteinbezogen.
Wie aufgezeigt ist der Kanton stetig damit befasst, mit seinen Partnerinnen und Partnern in den relevanten Bereichen strategisch daran zu arbeiten, im gesamten französischsprachigen Kantonsgebiet das Angebot in der beruflichen Grundbildung zum Wohle von Lernenden, Betrieben
und der Wirtschaft zu gestalten. In dem Sinne erachtet der Regierungsrat die Anliegen des Vorstosses als erfüllt.
Verteiler ‒ Grosser Rat