RRB Nr. 793/2025
Anfrage Stefanie Huber, Dübendorf, Wilma Willi, Stadel, und Nadia Koch, Rümlang, betreffend Schulprovisorien auf Sek-II-Stufe, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 148/2025
Sitzung vom 20. August 2025
793. Anfrage (Schulprovisorien auf Sek-II-Stufe) Die Kantonsrätinnen Stefanie Huber, Dübendorf, Wilma Willi, Stadel, und Nadia Koch, Rümlang, haben am 12. Mai 2025 folgende Anfrage eingereicht: An verschiedenen Standorten von Sek II (Mittelschulen, Berufsschulen) haben Baudirektion / Bildungsdirektion in den letzten Jahren bereits Provisorien umgesetzt oder sind solche für die kommenden Jahre in Planung oder Bau. Es sind dazu im Sinne einer Übersicht wenige Informationen verfügbar, da die regierungsrätliche Strategie nicht öffentlich ist. Es bleiben offene Fragen: Grund für diese Provisorien, beispielsweise zu den zusätzlichen Kosten, welche diese auslösen, den Umgang mit der Aufenthaltsqualität für die Betroffenen oder die Perspektiven an einzelnen Standorten. Gemäss Aussagen der Regierung muss bezüglich der Aufenthaltsqualität zwischen älteren Provisorien und den Provisorien der jüngsten Generation im Modulbau unterschieden werden. Für alle gilt, dass weniger Aufenthaltsräume wie Arbeitsplätze, Mensa, Aula etc. zur Verfügung stehen (Postulat KR-Nr. 411/2022 betreffend Einführung Standards [Holz-]Modulbauten für Bildungsprovisorien). Weiter entsteht durch weniger Stockwerke ein grösserer Flächenverbrauch, wodurch wieder mehr Ortswechsel anfallen. Neben Postulat KR-Nr. 411/2022 ist den Einreichenden auch KR-Nr. 93/2020 zu den kantonalen Berufsfachschulen bekannt. In diesem Zusammenhang bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Seit wann werden auf kantonaler Stufe für die Sek II professionelle Prognosen als Basis für die Schulraumbedürfnisse als Grundlage für die Planung verwendet?
2. Wie werden diese mit den Gemeinden auf Stufe Primarschule und Sekundarschule abgestimmt?
3. Welche Analyse gibt es ämterübergreifend auf kantonaler Ebene, warum momentan mit so vielen Provisorien gearbeitet werden muss?
4. Welche Lehren für die Planung wurden aus der Analyse gezogen, damit in Zukunft frühzeitiger zusätzlicher Raum geschaffen werden kann?
5. Was sind die Mehrkosten, wenn mit Provisorien gearbeitet wird, die längerfristig durch reguläre Bauten ersetzt werden müssen?
6. An welchen Standorten der Sek II findet der Unterricht in provisorischen und wo in regulären Schulräumen statt? Bitte um tabellarische Übersicht und unterteilt nach regulärem Schulraum, «älteren» Provisorien und Provisorien der neusten Generation.
7. Wir bitten um eine Aussage für betroffene Standorte, v.a. mit älteren Provisorien, wie diese weitergeführt respektive wann sie ersetzt werden sollen.
8. Welche statistisch aussagekräftigen Umfragen zur Aufenthaltsqualität respektive weiteren Verbesserungen wurden bei Lernenden, SchülerInnen und Lehrpersonen durchgeführt oder sind geplant?
9. In wie vielen Fällen der neueren Provisorien wurde auf Spezialnutzungen wie Aula, Mensa, Arbeits- und Aufenthaltsnischen verzichtet?
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Stefanie Huber, Dübendorf, Wilma Willi, Stadel, und Nadia Koch, Rümlang, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Seit der Einführung der wirkungsorientierten Verwaltungsführung im Jahr 2000 erstellt die Bildungsdirektion (Abteilung Bildungsplanung) durchgehend Prognosen auf der Sekundarstufe II. Dabei werden einerseits die Szenarien des Bundesamtes für Statistik (BFS) übernommen und anderseits auf Grundlage der bildungsstatistischen Erhebungen eigene Prognosen berechnet. In den letzten Jahren haben sich die eigenen Prognosen als Grundlage für das Regierungscontrolling und die Planung insgesamt bewährt. Die Bildungsdirektion erstellt Prognosen für die Volksschule, die Mittelschule und die Berufsbildung. Dabei sind die Annahmen der Bevölkerungsszenarien bezüglich Geburtenentwicklung und Zuwanderung von grosser Bedeutung. Diese Annahmen trifft die Bildungsdirektion nicht selbst, sondern sie stützt sich auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Amtes. Dieses regionalisiert das mittlere Szenario (Referenzszenario) des BFS für den Kanton Zürich. Zu Frage 2: Die im BFS-Referenzszenario für den Gesamtkanton getroffenen Annahmen werden vom Statistischen Amt für unterschiedliche Teilräume des Kantons Zürich regionalisiert und an aktuelle Bedingungen angepasst. Bei der Binnenwanderung zwischen den Gemeinden des Kantons wird das Muster der vergangenen zehn Jahre in die Zukunft fortgeschrieben. Dabei werden auch Kapazitätsgrenzen der Siedlungsentwick- lung berücksichtigt und in Form von Einwohnerpotenzialen in das Prognosemodell integriert. Die Bildungsdirektion bezieht vom Statistischen Amt die Bevölkerungsprognose der 0- bis 20-Jährigen pro Wohngemeinde sowie den prognostizierten Wanderungssaldo dieser Altersgruppe, jeweils in Einjahr-Altersklassen. Die Validierung der Volksschulprognosen findet durch Fachpersonen des Volksschulamtes statt. Ein Einbezug der Gemeinden erfolgt auf Anfrage einzelner Gemeinden. Zu Frage 3: Dass gegenwärtig mit Provisorien gearbeitet werden muss, ist auf kantonaler Ebene auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Massgebend ist das anhaltende Wachstum der Lernenden- und Schülerzahlen. Die Realisierung neuer Standorte nimmt Zeit in Anspruch für die Grundstückssicherung, die Schaffung von benötigtem Planungsrecht und die Projektentwicklung. Um schnell und zielgerichtet dem teilweise
standortspezifischen Bedarf an Schulraum entsprechen zu können und weil nutzbare Anmietflächen aufgrund der schulspezifischen Anforderungen meistens kaum gefunden werden, müssen Provisorien erstellt werden. Sämtliche bestehenden Schulstandorte auf SEK-II-Stufe im Eigentum des Kantons Zürich wurden 2021 und 2022 hinsichtlich einer möglichen Nachverdichtung durch das Immobilienamt analysiert. Bis zur Inbetriebnahme definitiver Standorte können so für den zwischenzeitlich anwachsenden Bedarf Lösungen verwirklicht werden. Zu Frage 4: Die Erfahrungen aus den letzten Jahren zeigen, dass aufgrund verschiedener unvorhersehbarer Entwicklungen wie Coronapandemie, Ukrainekrieg, Geburtenzahlen mit zusätzlichen Herausforderungen für die Prognosen umgegangen werden muss. Die neuesten BFS-Szenarien vom April 2025 werden gegenwärtig durch das Statistische Amt regionalisiert. Das BFS weist allerdings darauf hin, dass sowohl bei der Entwicklung der Geburtenzahlen als auch bei der Migration derzeit grosse Unsicherheiten im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung bestehen. Um in Zukunft zusätzlichen Schulraum schaffen zu können, müssen Vorhaben gestützt auf die Bildungs- bzw. Bedarfsplanung der Bildungsdirektion weiterhin frühzeitig initialisiert und vorangetrieben werden. Zudem werden gemäss RRB Nr. 243/2023 in urbanen Handlungsräumen vorsorglich Flächen gesichert. In den letzten Jahren wurde das Monitoring zum Bedarf an Schulraumkapazitäten verstärkt und mit den Regionalstrategien die notwendigen Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt. Aufgrund der vielfältigen Ansprüche und langwierigen Verfahren für die Erstellung von definitivem Schulraum sowie der derzeit grossen Unsicherheiten im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung kann auch künftig die Verwendung von Provisorien als sinnvolle Zwischenlösung nicht ausgeschlossen werden. Zu Frage 5: Die Kosten für Provisorien, die längerfristig durch reguläre Bauten ersetzt werden, stellen sich zusammen aus den Erstellungs- und den Rückbaukosten des Provisoriums und allfälligen Landkosten. Provisorien sind über die Lebensdauer betrachtet in der Regel teurer als definitiv erstellte Gebäude, da ihre Nutzungsdauer kürzer und somit die Abschreibung höher ist. Die Mehrkosten bestehen somit aus der Differenz der kürzeren Abschreibungsdauer gegenüber einer Abschreibung über einen längeren Nutzungszeitraum und werden kleiner, je länger das
Provisorium genutzt wird. Zu Frage 6: Wenn nicht nachfolgend aufgeführt, findet der Unterricht in regulären Schulräumen (einschliesslich Mietliegenschaften) statt: «ältere» Provisorien neuere Provisorien Kantonsschule Im Lee Kantonsschule Uetikon am See Varielbau (1972) Holzmodule, Unterricht und Sporthalle (2018, 2022, 2023) Kantonsschule Limmattal Kantonsschule Zimmerberg Sporthalle (1977) Bestandsbau, Unterricht (2020) Anmiete, Sporthallen (2021) Anmiete, Unterricht (2024) Kantonsschule Rychenberg Kantonsschulen Freudenberg / Enge Pavillon (1984) Holzmodule, Sporthallen (2022) Kantonsschule Freudenberg / Enge Berufsschule Bülach Pavillon (1993) Pavillon (Re-Use 2023) Berufsschule Bülach Kantonsschulen Campus Irchel Pavillons (2001 und 2005) Holzmodule, Sporthallen (2024) Kantonsschule Uster Kantonsschule Wiedikon «Parkschulcampus» Filiale Aussersihl Hohlstrasse, Pavillons (2013) Holzmodule, Unterricht und Sporthallen (2024) Kantonsschule Küsnacht Kantonsschule Uster Erweiterung Anmietcontainer temporär (2025–2027) Pavillons (Re-Use 2024) Kantonsschulen Freudenberg / Enge Kantonsschule Hottingen Anmietcontainer temporär (2025–2031) Filiale Oerlikon (2024)
«ältere» Provisorien neuere Provisorien Kantonsschule Stadelhofen Filiale Dübendorf Empa, Holzmodule, Unterricht und Sporthallen (ab 2026) Kantonsschule Stadelhofen Filiale Dübendorf IPZ, Anmiete, Unterricht und Sporthallen (voraussichtlich ab 2028) Kantonsschule Limmattal Filiale Affoltern, Holzmodule, Unterricht und Sporthallen (ab 2028)
Zu Frage 7: Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die «älteren» Provisorien, wie diese weitergeführt bzw. wann sie ersetzt werden sollen. «ältere» Provisorien Strategie Kantonsschule Im Lee Ersatz ist Teil der noch zu erarbeitenden Varielbau (1972) übergeordneten Strategie Winterthur (Erarbeitung bis etwa 2027) Kantonsschule Limmattal Kantonsschule Limmattal nutzt die Sporthalle Sporthalle (1977) ab Herbst 2025 nicht mehr Kantonsschule Rychenberg Ersatz ist Teil der noch zu erarbeitenden Pavillon (1984) übergeordneten Strategie Winterthur (Erarbeitung bis etwa 2027) Kantonsschule Freudenberg / Enge Rückbau im Rahmen der Gesamtinstand Pavillon (1993) setzung ab 2031 Berufsschule Bülach Die Pavillons sollen durch einen Erweite- Pavillons (2001 und 2005) rungsbau ersetzt werden (voraussichtlich 2028). Kantonsschule Uster Pavillons werden baulich ertüchtigt «Parkschulcampus» Pavillons (2013) (Nutzungshorizont 2035) Kantonsschule Küsnacht Temporäre Nutzung wird durch reguläre Anmietcontainer temporär (2025–2027) Anmiete in Küsnacht 2027 abgelöst. Kantonsschulen Freudenberg / Enge Temporäre Nutzung wird nach Gesamt Anmietcontainer temporär (2025–2031) instandsetzung 2031 aufgelöst.
Zu Frage 8: Statistisch aussagekräftige Umfragen zur Aufenthaltsqualität liegen keine vor. Insbesondere die Provisorien in Modulbauweise sind sowohl von Lernenden, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen gut akzeptiert. Wo nötig, werden punktuelle Verbesserungen laufend ausgeführt. Aktuelle Rückmeldungen von den Mittelschulprovisorien in Uetikon, in Wädenswil und auch vom Provisorium an der Hohlstrasse in Zürich sind sehr positiv.
Zu Frage 9: Auf die erforderlichen Arbeits- und Aufenthaltsbereiche wurde auch in den Provisorien nicht verzichtet. Im Provisorium für die Kantonsschule Uetikon am See wurden eine klassische Mensa und Aula durch einen Mehrzweckraum und einen Selbstversorgungsbereich kompensiert. Im Provisorium der Kantonsschule Wiedikon an der Hohlstrasse wird die Mensa durch einen Selbstversorgungsbereich abgedeckt. Die Aulafunktion kann vom Mehrzweckraum übernommen werden. An beiden Standorten bestehen ausreichend Verpflegungsangebote in der Umgebung. In den Provisorien der Kantonschule Stadelhofen in der Filiale Dübendorf Empa und der Kantonsschule Limmattal in Affoltern übernimmt jeweils ein Mehrzweckraum die Funktion einer Aula.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli