10.089
Armeebericht 2010
Germanier Jean-René · P-M · Nationalrat · Wallis · Freisinnig-demokratische Fraktion
Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen
L'entrée en matière est décidée sans opposition
Bundesbeschluss zum Armeebericht 2010
Arrêté fédéral relatif au rapport sur l'armée 2010
Detailberatung - Discussion par article
Titel und Ingress, Ziff. I
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates
Titre et préambule, ch. I
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil des Etats
Angenommen - Adopté
Ziff. II
Antrag der Mehrheit
... bis spätestens Ende 2012 ...
...
c. Die Finanzierung muss bei einem Ausgabenplafond von 5 Milliarden Franken ab 2013 die Einhaltung der Eckwerte sowie die Beseitigung der Ausrüstungslücken und die geplante Ersatzbeschaffung der Kampfflugzeuge (TTE) sicherstellen.
Antrag der Minderheit I
(Müller Walter, Borer, Miesch)
Bst. a
a. Die Kernkompetenz der Armee ist die Verteidigung, und die Armee entwickelt diese laufend weiter. Sie unterstützt subsidiär die zivilen Behörden ...
Antrag der Minderheit II
(Miesch, Borer, Bortoluzzi, Büchler, Hurter Thomas, Loepfe, Müller Walter, Perrin, Schlüer, Segmüller, Zuppiger)
Bst. b
b. ... über einen Sollbestand von 120 000 Militärdienstpflichtigen. Die Zahl ...
Antrag der Minderheit III
(Chopard-Acklin, Allemann, Birrer-Heimo, Galladé, Voruz)
Bst. b
b. ... über einen Sollbestand von 80 000 Militärdienstpflichtigen. Die Zahl ...
Antrag der Minderheit IV
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Lachenmeier, Lang, Müller Geri, Voruz)
Bst. b
b. ... über einen Sollbestand von 60 000 Militärdienstpflichtigen. Die Zahl ...
Antrag der Minderheit V
(Lang, Lachenmeier, Müller Geri)
Bst. b
b. ... über einen Sollbestand von 30 000 Militärdienstpflichtigen. Die Zahl ...
Antrag der Minderheit VI
(Müller Walter, Loepfe, Miesch, Zuppiger)
Bst. b
b. ... Militärdienstpflichtigen. Sie hat eine Ablösungsreserve von zwei Jahrgängen. Diese sind mit dem persönlichen Material ausgerüstet. Die Zahl ...
Antrag der Minderheit VII
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Voruz)
...
a. Die Armee bildet einen Teil der europäischen Sicherheitskooperation. Sie ist fähig, jederzeit mit 1000 Armeeangehörigen in Europa und der Welt zur Gewährleistung der menschlichen Sicherheit und zur Friedensförderung beizutragen.
abis. Der Bund beauftragt die Kantone in Form von Leistungsvereinbarungen, den Bestand ihrer Polizeikorps so auszugestalten, dass die Wahrnehmung nationaler Sicherheitsaufgaben umfassend gewährleistet ist.
ater. Bei schwerwiegenden Bedrohungen, die zwingend ein militärisches Eingreifen erfordern, trägt die Armee subsidiär zum Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur der Schweiz bei.
b. Die Armee verfügt zur Erfüllung ihrer Aufträge über einen Sollbestand von 60 000 Militärdienstpflichtigen (inklusive Reserve). Die Zahl der Durchdiener (freiwillige) beträgt höchstens 30 Prozent eines Rekrutenjahrganges.
Antrag der Minderheit VIII
(Miesch, Borer, Bortoluzzi, Büchler, Hurter Thomas, Loepfe, Müller Walter, Perrin, Schlüer, Segmüller, Zuppiger)
Bst. c
c. ... bei einem Ausgabenplafond von 5,2 Milliarden Franken ab 2013 ...
Antrag der Minderheit IX
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, John-Calame, Lachenmeier, Lang, Voruz)
Bst. c
c. Die Ausgaben betragen jährlich höchstens 3,5 Milliarden Franken (plus Teuerung).
Antrag der Minderheit X
(Chopard-Acklin, Allemann, Birrer-Heimo, Galladé, Voruz)
Bst. c
c. Die Ausgaben betragen jährlich höchstens 4,4 Milliarden Franken (plus Teuerung).
Antrag der Minderheit XI
(Lang, Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, John-Calame, Lachenmeier, Voruz)
Bst. c
Streichen
Antrag der Minderheit XIII
(Müller Geri, Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Lachenmeier, Lang, Voruz)
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Antrag Allemann
Bst. c
c. ... sicherstellen. Der Ausgabenplafond wird wie bisher in einem referendumsfähigen Beschluss festgelegt.
Ch. II
Proposition de la majorité
... d'ici à fin 2012 au plus tard ...
...
c. Le financement, par le biais d'un plafond de dépenses d'un montant de 5 milliards de francs à partir de 2013, doit permettre de respecter les valeurs de référence, de combler les lacunes d'équipement existantes et d'assurer le remplacement partiel des avions de combat (TTE).
Proposition de la minorité I
(Müller Walter, Borer, Miesch)
Let. a
a. La compétence clé de l'armée est la défense. L'armée la maintient et la développe continuellement. Elle appuie les autorités civiles de manière subsidiaire ...
Proposition de la minorité II
(Miesch, Borer, Bortoluzzi, Büchler, Hurter Thomas, Loepfe, Müller Walter, Perrin, Schlüer, Segmüller, Zuppiger)
Let. b
b. ... l'armée dispose d'un effectif réglementaire de 120 000 militaires. La part de militaires ...
Proposition de la minorité III
(Chopard-Acklin, Allemann, Birrer-Heimo, Galladé, Voruz)
Let. b
b. ... l'armée dispose d'un effectif réglementaire de 80 000 militaires. La part de militaires ...
Proposition de la minorité IV
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Lachenmeier, Lang, Müller Geri, Voruz)
Let. b
b. ... l'armée dispose d'un effectif réglementaire de 60 000 militaires. La part de militaires ...
Proposition de la minorité V
(Lang, Lachenmeier, Müller Geri)
Let. b
b. ... l'armée dispose d'un effectif réglementaire de 30 000 militaires. La part de militaires ...
Proposition de la minorité VI
(Müller Walter, Loepfe, Miesch, Zuppiger)
Let. b
b. ... militaires. Elle dispose d'une réserve de deux classes d'âge, capable d'assurer la relève. Cette réserve est équipée avec l'équipement personnel. La part de militaires ...
Proposition de la minorité VII
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Voruz)
...
a. L'armée prend part à la coopération européenne en matière de sécurité. Elle est à même d'engager en tout temps 1000 militaires en Europe et dans le monde pour des missions visant à garantir la sécurité humaine et la promotion de la paix.
abis. La Confédération conclut des accords de prestations avec les cantons afin que ces derniers constituent leurs corps de police de manière que l'exécution des tâches visant à garantir la sécurité au niveau national soit garantie.
ater. En cas de menaces graves qui exigent une intervention militaire, l'armée participe de manière subsidiaire à la protection de la population et des infrastructures du pays.
b. Pour accomplir ses missions, l'armée dispose d'un effectif réglementaire de 60 000 hommes (y compris la réserve). La part de militaires en service long (volontaires et requis) représente au maximum 30 pour cent d'une volée de recrues.
Proposition de la minorité VIII
(Miesch, Borer, Bortoluzzi, Büchler, Hurter Thomas, Loepfe, Müller Walter, Perrin, Schlüer, Segmüller, Zuppiger)
Let. c
c. ... d'un plafond de dépenses d'un montant de 5,2 milliards de francs à partir de 2013 ...
Proposition de la minorité IX
(Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, John-Calame, Lachenmeier, Lang, Voruz)
Let. c
c. Les dépenses annuelles se monteront à 3,5 milliards de francs au maximum (plus la compensation du renchérissement).
Proposition de la minorité X
(Chopard-Acklin, Allemann, Birrer-Heimo, Galladé, Voruz)
Let. c
c. Les dépenses annuelles se monteront à 4,4 milliards de francs au maximum (plus la compensation du renchérissement).
Proposition de la minorité XI
(Lang, Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, John-Calame, Lachenmeier, Voruz)
Let. c
Biffer
Proposition de la minorité XIII
(Müller Geri, Allemann, Birrer-Heimo, Chopard-Acklin, Galladé, Lachenmeier, Lang, Voruz)
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Proposition Allemann
Let. c
c. ... de référence. Le plafond de dépenses continue d'être fixé dans un arrêté sujet au référendum.
Müller Walter · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Freisinnig-demokratische Fraktion
Ich spreche zum Antrag der Minderheit I. Die Kernkompetenz der Armee ist die Verteidigung, die Armee entwickelt diese laufend weiter, und sie unterstützt subsidiär die zivilen Behörden - dies, zusammengefasst, mein Änderungsantrag.
Worum geht es bei meinem Antrag, und was will ich damit erreichen? Ich will erstens die Armee verfassungskonform im Interesse unseres Landes ausrichten und zweitens einen bewussten Entscheid herbeiführen, damit später, wenn sich die Armee in eine völlig falsche Richtung entwickelt, niemand jammern muss, das sei eigentlich nicht die Meinung gewesen.
Die ständerätliche Formulierung spricht von der Aufrechterhaltung der Kernkompetenz Verteidigung und will, dass die Armee mit dem Gros und einer Ablösung subsidiär die zivilen Behörden unterstützt. Das kann man durchaus so wollen. Aber wird diese Formulierung dem Verfassungsauftrag noch gerecht? "Nein", ist meine glasklare Antwort. Das wäre ein Paradigmenwechsel, wie wir ihn in unserer Sicherheitspolitik noch nie vollzogen haben; das bestätigen mir heute übrigens auch verschiedene Ständeräte. Zur Klarheit sei hier der Verfassungsauftrag für die Armee gemäss Artikel 58 Absatz 2 der Bundesverfassung wiederholt: "Die Armee dient der Kriegsverhinderung und trägt bei zur Erhaltung des Friedens; sie verteidigt das Land und seine Bevölkerung. Sie unterstützt die zivilen Behörden bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung anderer ausserordentlicher Lagen. Das Gesetz kann weitere Aufgaben vorsehen."
Der Ständerat will nun mit seiner Formulierung eine klare Umkehr des Verfassungsauftrages. Zum Hauptauftrag wird damit die Unterstützung der zivilen Behörden, und die Verteidigung wird auf den Erhalt der Kernkompetenz heruntergestuft. Wenn Sie gemäss Mehrheitsantrag der ständerätlichen Formulierung zustimmen, was ich nicht hoffe, müssen Sie keine neuen Flugzeuge und auch keine schweren Waffen mehr kaufen. Die bestehenden werden genügen, damit ein kleiner Teil der Armeeangehörigen noch zum Kompetenzerhalt bezüglich der Verteidigungsfähigkeit ausgebildet werden kann.
Mit dieser Ausrichtung der Armee wird wohl auch Artikel 173 der Bundesverfassung betreffend die weiteren Aufgaben und Befugnisse der Bundesversammlung verletzt. Es heisst dort in Buchstabe a: "Sie trifft Massnahmen zur Wahrung der äusseren Sicherheit, der Unabhängigkeit und der Neutralität der Schweiz." Ein weiterer schwerer Konstruktionsfehler wäre es, wenn mit dem Schwerpunkt "Unterstützung der zivilen Behörden" die Armee in die Nähe einer parapolizeilichen Truppe auf Bundesebene degradiert würde, was wiederum schnell einmal die Polizeihoheit der Kantone tangieren könnte. Es käme sozusagen zu einer Softarmee, die weder Fisch noch Vogel wäre, die weder Verteidigungskraft aufwiese noch wirklich kompetent im Bereich der Polizeiaufgaben wäre.
Was muss denn eine Armee zur Unterstützung der zivilen Behörden leisten können? Ich sage, das ist klar: bewachen, schützen, verteidigen und Katastrophenhilfe leisten. Sie muss also in der Lage sein, vom Bewachen und Schützen fliessend in einen robusten Einsatz mit Verteidigungsfähigkeit zu wechseln. Das kann nur eine Armee tun, deren Schwerpunkt bei der Verteidigungskompetenz liegt. Ich bitte vor allem die bürgerlichen Parteien, hier Klarheit zu schaffen und die Ausrichtung der Armee verfassungskonform zu gestalten.
Ich erinnere an einige Zitate, die heute Morgen bei der Debatte gefallen sind. Kollege Arthur Loepfe hat als Kommissionssprecher klar gesagt: "Die Armee muss auch kämpfen können." Geri Müller hat die Frage gestellt: "Wollen Sie die Armee auf die Bevölkerung loslassen?" Ja, wenn Sie die Armee mehrheitlich subsidiär einsetzen wollen, könnte das der Fall sein. Pius Segmüller von der CVP hat gesagt: "Die Zukunft der Armee ist eine staatspolitische Entscheidung." Ich bitte Sie, staatspolitisch zu entscheiden und hier die Armee verfassungskonform auszurichten. In der "Aargauer Zeitung" lese ich heute: "Die SVP will eine Verteidigungsarmee."
Wenn Sie all diesen Worten und Voten folgen, dann müssen Sie dem Antrag der Minderheit I zustimmen.
Miesch Christian · Mit-M · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Wir haben heute Morgen selbst aus dem Mund des Herrn Bundesrates gehört, dass die Armee, die der Bundesrat vorschlägt - mit 80 000 Armeeangehörigen und 4,3 Milliarden Franken -, die im Armeebericht 2010 vorgesehenen Aufgaben nicht erfüllen kann. Die Armee hat, das ist unumstritten, drei Teilaufträge: die Verteidigung, die Unterstützung der zivilen Behörden und die Friedensförderung. Diese drei Aufträge sind in der Bundesverfassung und im Militärgesetz festgeschrieben. Der Souverän hat sie in verschiedenen Abstimmungen bestätigt und 2003 zum Beispiel zu einer Armee von 220 000 Angehörigen Ja gesagt. Der Zusatzbericht zum Armeebericht vom 28. März 2011 zeigt uns klar auf, welche Leistungen nötig sind und welche Mittel es braucht, damit die Armee diese drei Teilaufträge erfüllen kann. Mit den 15 000 Armeeangehörigen am Boden und den 7000 für die Wirkung in der Luft, wie der Bundesrat es vorschlägt, kann die Schweiz ihrer völkerrechtlichen Verpflichtung zur bewaffneten Neutralität nicht mehr glaubwürdig nachkommen. Aber auch die 35 000 Armeeangehörigen, die im Armeebericht für die Unterstützung der zivilen Behörden vorgesehen sind, reichen in keiner Art und Weise aus, wie man feststellt, wenn man den Bedarf, den nur schon der Schutz der vielen lebenswichtigen Objekte erfordert, seriös ermittelt. Dieser Bestand sichert weder die nötige Durchhaltefähigkeit, noch reicht er aus, wenn eine Krise mit mehreren Brennpunkten zu bewältigen ist. Das haben mittlerweile auch die Kantone bestätigt.
Ich fordere Sie daher auf, sich stattdessen für eine leistungsfähige Milizarmee mit einem aktiven Bestand von 120 000 Armeeangehörigen einzusetzen. Nur mit diesem Modell, das im Übrigen immer noch eine massive Reduktion des aktuellen Armeebestandes bedeutet, lassen sich die verfassungsmässigen Aufträge innerhalb der geltenden sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen erfüllen. Dieses Modell erlaubt im Gegensatz zu anderen Modellen nicht nur ein Minimum an operativen Kräften für den Verteidigungsfall, sondern mit zwei Ablösungen auch eine wesentlich bessere und miliztaugliche Durchhaltefähigkeit.
Der Zusatzbericht beweist, dass ehrlicherweise nur ein Bestand von 120 000 Armeeangehörigen alle Erfordernisse zu erfüllen vermag, die an die Leistungsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit und die Reaktionsfähigkeit der Armee zu stellen sind. Der Zusatzbericht zeigt im Weiteren auf, dass die Leistungsfähigkeit der Armee bei den verschiedenen Modellen zwar stark variiert, dass die finanziellen Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten aber vergleichsweise gering sind: Mit einem Bestand von 120 000 Armeeangehörigen ist die Armee wesentlich leistungsfähiger, als wenn sie einen Bestand von 100 000 aufweist, und in finanzieller Hinsicht ist dies mit vergleichsweise geringeren Mehrkosten verbunden.
Das Modell mit 120 000 Armeeangehörigen ermöglicht eine wirkungsvolle Umsetzung des Milizsystems und damit auch eine effiziente Ausschöpfung des Milizpotenzials. Das Verhältnis zwischen Ausbildung und Wiederholungskursen wird nur bei einem Bestand von 120 000 Armeeangehörigen als sehr gut eingestuft. Die Investitionen in die Ausbildung unserer Armeeangehörigen lohnen sich bei diesem Modell am besten. Diese Aspekte sind aus staatspolitischen und militärischen Überlegungen äusserst wichtig.
Die 120 000 Armeeangehörigen sollen mit dem nötigen robusten Material ausgerüstet werden. Nur so lässt sich etwa bei der Infanterie, die auch in Zukunft das Gros der Truppen stellen wird, das erforderliche Minimum an Multifunktionalität sicherstellen, das zur Bewältigung der verschiedenen Bedrohungen und Risiken notwendig ist. Wir fordern Sie daher auf, das vom VBS errechnete jährliche Budget von 5,2 Milliarden Franken - das ist eine Differenz von lediglich 200 Millionen Franken - zu bewilligen. Um zu verhindern, dass der Armee in Zukunft wieder das nötige Geld fehlt, ist dieser konkrete Budgetrahmen in den Beschluss aufzunehmen; wir haben es schon gehört. Aus diesem Grund sollten wir für ein Armeebudget in der Grössenordnung von 5,2 Milliarden votieren.
Ich bitte Sie, dieser Minderheit zu folgen. Stimmen Sie dem Soll-Bestand von 120 000 Militärdienstpflichtigen zu! Ich danke Ihnen für die Unterstützung.
Chopard-Acklin Max · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Ganz offensichtlich bin ich heute bundesratstauglich, zumindest was die Kompromissfähigkeit bei dieser Vorlage in Bezug auf die künftige Armeegrösse und deren finanzielle Mittel betrifft. Meine Minderheitsanträge III und X nehmen nämlich genau die Eckwerte auf, die der Bundesrat für die künftige Armee vorgesehen hat. Es sind dies erstens ein Soll-Bestand von 80 000 Militärdienstpflichtigen und zweitens ein Kostendach von 4,4 Milliarden Franken zuzüglich Teuerung. Zum Vergleich: Die heutige Armee hat jährlich einen Plafond von 4,1 Milliarden Franken zur Verfügung, dies jedoch bei einem Effektivbestand von rund 180 000 Armeeangehörigen.
Analysiert man nun die Bedrohungslage, erkennt man, dass es weder eine übergrosse Armee noch eine dringliche Beschaffung zusätzlicher Kampfflugzeuge braucht. Die Schweiz liegt schliesslich im Herzen Europas und ist von einem äusserst breiten Ring demokratischer Staaten umgeben. Es droht auf absehbare Zeit weit und breit kein militärischer Angriff, weder von einem unserer Nachbarstaaten noch aus der weiteren Umgebung. Der luftpolizeiliche Auftrag, den es gibt, und die Sicherung des schweizerischen Luftraums können problemlos mit den vorhandenen Mitteln bewältigt werden. Die heutige Armeegrösse ist nicht mehr zu rechtfertigen, und sie ist auch nicht finanzierbar. Ausrüstungslücken und Mängellisten sind die Folge davon.
Der Bundesrat hat deshalb gehandelt, das ist anzuerkennen, und hat mit dem Armeebericht 2010 vorgesehen, den Bestand und das Budget der Armee der aktuellen Situation anzupassen. Die Maxime lautet: besser eine kleinere Armee und dafür eine voll finanzierte. So kommt der Bundesrat zur Losung: 80 000 Armeeangehörige für 4,4 Milliarden Franken. Das Interessante ist, dass auch die FDP, die CVP, die SVP und die BDP den finanziellen Rahmen in etwa so sahen und noch vor Kurzem, vor sehr kurzer Zeit, Positionspapiere vorlegten, in denen sie übereinstimmend feststellten, dass die Armee jährlich nicht mehr als 4 Milliarden Franken kosten dürfe. Beispielsweise hielt die CVP in ihrem Papier vom 18. Juni 2010 fest: "Zur Finanzierung der Landesverteidigung (exklusive Drittleistungen und Immobilien) sollen von den Bundesfinanzen mittel- bis längerfristig 4 Milliarden zur Verfügung gestellt werden. Vorbehalten bleiben Sonderfinanzierungen für besondere Beschaffungen." Sehr deutlich formulierte es die SVP vor zwei Jahren in ihrem Positionspapier vom 10. November 2009: "Was die richtige Höhe des für die Armee notwendigen finanziellen Betrages ist, kann nicht nach der Wunschliste des Militärs bestimmt werden, denn wer mit dem Auftrag der Armee betraut ist, hat stets zu wenig Mittel. Die Frage ist vielmehr: 'Welche Möglichkeiten gibt es, um mit den vorhandenen Mitteln (rund 4 Milliarden Franken jährlich) den Auftrag erfüllen zu können?'" So weit die SVP. Auch die BDP hielt in ihrem Armeepapier vom 14. Januar 2010 fest, die Zahl von 4 Milliarden Franken solle genügen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der bürgerlichen Parteien: Zwischenzeitlich hat in den Kommissionsberatungen entgegen Ihren Parteiversprechen die Masslosigkeit Einzug gehalten. Mit jährlich wiederkehrenden Ausgaben von 5000 Millionen Franken soll, ideologisch motiviert, eine übergrosse Armee durchgepaukt werden, die mit der realen Bedrohungslage der Schweiz nichts mehr zu tun hat und finanzpolitische Sachzwänge erzeugt, die nicht zu rechtfertigen sind; es wird auch nicht aufgedeckt, woher das Geld kommen soll. Jetzt, da wir als Folge der Währungskrise mit steigenden Sozialausgaben und sinkenden Steuereinnahmen rechnen müssen, ist dies doppelt störend.
Denken Sie daran: Es gibt keine öffentliche Sicherheit ohne soziale Sicherheit. Es darf nicht sein, dass immer dann, wenn es um die Sozialversicherungen in unserem Land geht, das Geld fehlt, aber dann, wenn es um die Armee geht, dreistellige Millionenbeträge kein Problem sind. Das ist eine doppelbödige Politik.
Ich bitte Sie im Sinne eines Kompromisses, meinen Minderheitsanträgen und somit den ursprünglichen Eckwerten des Bundesrates mit einer Armee von 80 000 Angehörigen und einem Kostendach von 4,4 Milliarden Franken zuzustimmen.
Zuppiger Bruno · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Herr Chopard, Sie haben jetzt so nach Schalmeienklängen getönt, indem Sie die bundesrätliche Meinung vertreten haben. Aber ich sehe, dass Sie bei der Minderheit IV einen Soll-Bestand von 60 000 Militärdienstpflichtigen unterstützen. Wenn man noch weiter hinuntergehen würde, würden Sie wahrscheinlich auch einen Soll-Bestand von 30 000 Soldaten unterstützen. Also, Sie sind nicht ehrlich, wenn Sie so argumentieren, wie Sie das vorhin gemacht haben - oder gehe ich falsch in dieser Annahme?
Chopard-Acklin Max · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Herr Zuppiger, Ihre Annahme ist in einem Fall richtig und im andern falsch. Vorneweg: Den Minderheitsantrag V für einen Soll-Bestand von 30 000 Militärdienstpflichtigen habe ich nicht unterschrieben - lesen Sie bitte die Unterlagen. Ich habe aber sehr wohl die Minderheitsanträge IV und IX zusammen mit der SP-Delegation unterschrieben; das ist unser Modell: ein Soll-Bestand von 60 000 Militärdienstpflichtigen und 3,5 Milliarden Franken. Ich habe in der Begründung zu meinem Minderheitsantrag III aber auch gesagt, dass ich für einen Kompromiss bereit bin. Denn hier hat die Masslosigkeit Einzug gehalten angesichts der Anträge, die viel zu hoch gehen. Der Bundesratsentwurf wurde durch die ständerätliche und die nationalrätliche Kommission übersteuert. Ich halte das für finanzpolitisch fragwürdig und bedrohungspolitisch nicht notwendig.
Malama Peter · Mit-M · Nationalrat · Basel-Stadt · Freisinnig-demokratische Fraktion
Kollege Chopard, Sie behaupten, das Positionspapier der FDP zu kennen. Meine Frage ist: Was steht darin betreffend die Rahmenbedingungen, wie viele Milliarden Franken unsere Armee benötigt, um eine leistungsfähige Armee sein zu können? Wenn Sie "5 Milliarden Franken" antworten, dann haben Sie die richtige Antwort gegeben.
Chopard-Acklin Max · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Ich bedaure, dass ich Ihnen erklären muss, was in Ihrem eigenen Positionspapier steht. Ich habe es auf dem Laptop und werde es Ihnen nachher gerne ausdrucken und übergeben. Dann können wir das zusammen recherchieren.
Scherer Marcel · Mit-M · Nationalrat · Zug · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Kollege Chopard, Sie haben jetzt eine Kehrtwende auf dem Absatz gemacht: Sie plädieren jetzt für 80 000 Leute in der Armee, dabei sind Sie in der GSoA. Stimmt das?
Chopard-Acklin Max · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Ich danke Ihnen für die Frage. Ich habe nicht explizit für eine Armee von 80 000 Mann plädiert und für 4,4 Milliarden Franken, sondern ich habe für den Kompromiss plädiert. Ich sage das gerne noch einmal. Wir von der SP beantragen 60 000 Mann und 3,5 Milliarden Franken. Wir sind aber auch realistisch und sehen, dass das eine schwierige Sache sein wird. Mit meinem Minderheitsantrag biete ich Ihnen Hand, eine Brücke zu bauen, um diese masslose Übertreibung von 5 Milliarden oder sogar 5,2 Milliarden Franken - das wurde schon in den Raum gestellt - und 120 000 Mann zu stoppen. Damit wir das nicht machen müssen, würden wir sogar 80 000 Mann und 4,4 Milliarden Franken zustimmen. Das ist ein Kompromissangebot, und übrigens sind das die Eckwerte des Bundesrates. Ich glaube nicht, dass der Bundesrat deshalb GSoA-verdächtig wäre.
Die Beratung dieses Geschäftes wird unterbrochen
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