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Gegen Masseneinwanderung. Volksinitiative
Müller Walter · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · FDP-Liberale Fraktion
Ich danke, dass wenigstens ein paar wenige Ratsmitglieder hier sind.
Die SVP übt sich heute in der Verschleierungstaktik. Mir ist trotz aufmerksamem Zuhören nicht ganz klar, ob sie jetzt um die Schweiz Stacheldraht aufziehen oder nur einen Wassergraben bauen will; schlimmstenfalls könnte man den Wassergraben schwimmend überqueren. Die Frage ist und bleibt, ob die Sprecherinnen und Sprecher der SVP wirklich glauben, was sie hier zum Besten geben. Wir wissen alle sehr wohl, dass glauben nicht wissen heisst. Meines Erachtens trifft das heute hier bei diesem Thema besonders auf die SVP zu.
Ich möchte zu Beginn auch meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Aussenpolitiker, ich bin ein Befürworter des bilateralen Weges. Ich bin gegen einen Beitritt zur Europäischen Union, und ich bin gegen einen Beitritt zum EWR. Unter diesem Gesichtswinkel möchte ich doch eine kurze und nüchterne Beurteilung dieser Initiative machen. Ich möchte vorab eine aussenpolitische Beurteilung machen, die aussenpolitische Wirkung aufzeigen. Dann möchte ich die konkrete Wirkung beurteilen und fragen, wie sich die Zahlen verändern würden. Zuletzt stellt sich noch die Frage der flankierenden Massnahmen oder der damit verbundenen Bürokratie.
Heinz Brand hat heute hier erklärt, dass wir, wenn wir das entschieden haben, damit dann die Verhandlungspartner an den Verhandlungstisch zwingen. Zum Verhandeln braucht es zwei, es braucht nicht nur die Schweiz, es braucht auch die EU. Wenn hier ein Grundanliegen der EU tangiert wird - und die Initiative sagt ganz klar, dass Schweizerinnen und Schweizer Vorrang haben, was nicht kompatibel mit dem heutigen Freizügigkeitsabkommen ist -, dann würde meines Erachtens eine Nachverhandlung keine Änderung ergeben. Wir können sagen, dass wir im Endeffekt sehr lange eine instabile aussenpolitische Situation hätten. Man könnte heute mit Fug und Recht behaupten, dass die Initiative durchaus ein Steilpass für die EU-Beitrittswilligen sei.
Ich komme nun zu den Zahlen. In Artikel 121a Absatz 2 der Bundesverfassung gemäss Initiativtext steht ganz klar: "Die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz wird durch jährliche Höchstzahlen und Kontingente begrenzt ..." Nun gut, das ist beileibe keine Besonderheit. In Absatz 3 kommt die Präzisierung: "Die jährlichen Höchstzahlen und Kontingente für erwerbstätige Ausländerinnen und Ausländer sind auf die gesamtwirtschaftlichen Interessen der Schweiz unter Berücksichtigung eines Vorranges für Schweizerinnen und Schweizer auszurichten ..." Was heisst das konkret? Wer ermittelt die Bedürfnisse der Wirtschaft, und wie werden sie ermittelt? Wer hat dann Vorrang? Ist es die Industrie, die IT-Branche, das Spital, das Pflegeheim, die Behindertenorganisation oder die Landwirtschaft? Für die SVP ist die Landwirtschaft offenbar nicht sehr wichtig. Ich habe heute gehört, die Landwirtschaft beschäftige nicht viele ausländische Angestellte. Aber schauen Sie einmal den Gemüsebau an, schauen Sie einmal, wie viele ausländische Arbeitskräfte es dort gibt. Wir brauchen diese. Ja, vielleicht sagt das Parlament am Schluss, das seien nicht gesamtwirtschaftliche Interessen, das Gemüse könne man importieren, man brauche die Arbeitskräfte dringend für die Industrie, für die Spitäler oder für andere soziale Institutionen.
Es ist doch völlig klar, es war früher so, und es wird auch in Zukunft so sein: Wenn man sagt, die Höchstzahlen seien an den gesamtwirtschaftlichen Interessen auszurichten, dann wird sich praktisch nichts ändern, ausser die SVP will die Industrie abwürgen oder die Prosperität unseres Landes eindämmen. Ich wiederhole es noch einmal: Es wurden immer so viele Arbeitskräfte zugelassen, wie die Wirtschaft verlangte. Es war früher mit der Kontingentierung so, es ist jetzt mit der Freizügigkeit so, und es wird sich auch später nichts daran ändern. In Bezug auf die Zahlen erreichen Sie mit der Initiative vermutlich nichts oder fast nichts.
Ein Punkt, der auch immer wieder erwähnt wird, ist die Riesenbürokratie der flankierenden Massnahmen. Lesen Sie in der Initiative: "... unter Berücksichtigung eines Vorranges für Schweizerinnen und Schweizer auszurichten; die Grenzgängerinnen und Grenzgänger sind einzubeziehen. Massgebende Kriterien für die Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen sind insbesondere das Gesuch eines Arbeitgebers, die Integrationsfähigkeit und eine ausreichende, eigenständige Existenzgrundlage." Ja, meine Damen und Herren von der SVP, glauben Sie nicht, dass das für unser Gewerbe, für unsere Industrie eine Riesenbürokratie auslöst? Gewerbe und Industrie müssen begründen, warum sie Arbeitskräfte wollen, und sie werden sich irgendwann einmal sagen: "Das will ich nicht mehr, ich gehe mit Teilen meines Betriebes ins Ausland. Es ist mir doch zu blöd, hier dauernd diese Bürokratie zu erledigen!" Sie werden mit der Initiative also nichts erreichen oder das Gegenteil von dem, was Sie erreichen wollen. Die heutigen flankierenden Massnahmen sind vielleicht noch Peanuts im Vergleich zu dem, was in Zukunft kommt, zu diesen Riesenbegründungen.
Aussenpolitisch wird die Initiative zum Super-GAU werden. Wir werden jahrelange Instabilität haben. Wir werden in Zahlen kaum etwas gewinnen. Wir werden eine Riesenbürokratie auslösen.
Ich danke Ihnen, wenn Sie diese für unsere Wirtschaft schädliche Initiative deutlich ablehnen.
Hodgers Antonio · Mit-M · Nationalrat · Genf · Grüne Fraktion
Cette initiative porte sur la croissance de la population. En effet, ces dernières années, la population suisse a crû d'environ 63 000 habitants par année. La croissance peut en soi être positive comme négative. Prenons d'abord les aspects positifs. Notre productivité a nettement été améliorée la décennie passée: nous sommes le deuxième pays au monde en termes de productivité. La créativité également est un bienfait qui vient avec la migration. Nos assurances sociales sont saines grâce aux migrants, notamment l'assurance-vieillesse qui, sans l'immigration, serait largement déficitaire, ou d'autres assurances sociales au sujet desquelles on dénonce parfois une surreprésentation des migrants. Cela est dû en réalité au fait que les migrants sont surreprésentés dans les métiers à risques - comme les métiers du bâtiment où l'on se blesse -, ce qui fait qu'ensuite on les retrouve comme bénéficiaires de ces assurances.
En somme, les étrangers en Suisse représentent 22 pour cent de la population, mais ils génèrent 27 pour cent du PIB: rien que par ce chiffre-là, on voit bien que l'apport - d'un point de vue économique du moins - des étrangers à la Suisse est largement positif.
Là-dessus, il y a évidemment des aspects négatifs, je le reconnais volontiers. On voit que nos trains sont bondés, que les bouchons ont largement augmenté sur nos routes, qu'il est très difficile de trouver un logement, et, en tant que Genevois, je suis particulièrement sensible à cette problématique. Il est difficile de trouver un logement dans les zones urbaines. Les crèches et les écoles sont également en nombre insuffisant. Les espaces verts sont concurrencés et la pression sur le territoire se fait sentir.
En tant que membre du groupe des Verts, j'admets volontiers que la croissance n'amène pas forcément la prospérité. Un point de PIB supplémentaire n'équivaut pas forcément à un point de qualité de vie en plus. Mais, si je reconnais la pertinence de la question soulevée par l'initiative populaire de l'UDC, je me pose la question suivante: pourquoi cibler l'instrument migratoire? Est-ce que la migration est une cause ou une conséquence? C'est une conséquence, bien évidemment. Les étrangers qui arrivent dans notre pays ne sont pas passés à côté de la Suisse, ont vu de la lumière et sont entrés dans notre pays. Non! Les étrangers qui viennent dans notre pays arrivent avec un contrat de travail. Ce sont des employeurs suisses qui vont chercher les meilleurs éléments sur le marché européen. C'est cela, l'essentiel de la migration dans notre pays.
Donc, c'est bien le dynamisme économique, la volonté et la forte compétitivité de nos entreprises qui provoquent la migration. La migration n'est donc qu'un effet dont la cause est la croissance économique. Dès lors, il y a quelque chose de paradoxal dans la position de l'UDC, puisque, de sa main droite, elle dit vouloir une Suisse économiquement et fiscalement attractive; l'UDC défend des forfaits fiscaux pour les entreprises extrêmement bas, une politique entrepreneuriale extrêmement forte. Mais, de sa main gauche, l'UDC se plaint de la migration et du fait que les migrants occupent les routes, les écoles et les logements.
Il faut une conciliation dans cette politique. Prétendre que, avec une initiative pour freiner l'immigration, on va résoudre le problème, c'est comme prétendre qu'on va mieux conduire une voiture en accélérant et en freinant en même temps. Accélérer, ce serait maintenir une politique économique et fiscale extrêmement agressive sur la scène européenne, et freiner, ce serait adopter l'initiative de l'UDC pour stopper l'immigration. Cela ne va évidemment pas: on ne peut pas diriger un pays en lui donnant deux injonctions contradictoires.
Par conséquent, la solution des Verts porte sur le sens donné à notre prospérité économique. Il faut revoir notre modèle de développement; il faut concentrer le développement de notre pays sur la qualité de vie, sur des entreprises de qualité et compétitives. Au lieu de vouloir à tout prix attirer les entreprises multinationales, concentrons-nous afin de mettre plus l'accent sur les entreprises locales, sur nos PME, en mettant en oeuvre ce que les Verts ont synthétisé dans leur initiative populaire "pour une économie verte". Vous verrez qu'indirectement, sans mesures discriminatoires, sans mesures sur la migration elle-même, le nombre de migrants s'adaptera à une croissance, une croissance que l'on veut de qualité et plus durable.
Nidegger Yves · Mit-M · Nationalrat · Genf · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
En moins de sept mois, 136 000 citoyens suisses ont signé l'initiative populaire sur laquelle le Parlement se penche depuis ce matin pour lui apporter une réponse. Et ce nombre-là, dans un laps de temps aussi bref, démontre déjà qu'il existe une préoccupation importante au sein de la population, qui reconnaît le problème du caractère trop massif de l'immigration par rapport à ce qu'un petit pays, en comparaison avec ses voisins, peut absorber sans que le choc soit trop douloureux.
J'entends depuis ce matin des réponses données par le Parlement à ces 136 000 citoyens - qui préfigurent la position de centaines de milliers d'autres qui voteront en faveur de cette initiative -, réponses qui se réfèrent à une série de dogmes assez peu créatifs et trop souvent entendus. Il y en a trois principaux, auxquels je souhaiterais tordre le coup, si possible, dans les quelques minutes qui me sont imparties, étant précisé que répondre par des dogmes, de la part d'un Parlement, à une préoccupation citoyenne, n'est pas forcément la réponse la plus attendue ni la plus efficace.
Le premier dogme est l'idée que si la migration est nécessaire en raison du fléchissement de notre démographie et de notre économie surdimensionnée, la forme de la libre circulation absolue, telle qu'elle a été instaurée dans l'Union européenne, serait la seule forme autorisée et que toute restriction serait comme un crime de lèse-circulation, quelque chose de scandaleux en soi. Or nous savons très bien que, depuis les années 1970, notre économie est surdimensionnée et a fait appel à de nombreux travailleurs étrangers avec des systèmes de contingents, et que ce n'est pas la libre circulation des personnes qui a inventé la possibilité d'ouvrir la barrière; il n'y a pas besoin de l'inventer, car la barrière se lève à chaque fois qu'on le veut. Ce que la libre circulation des personnes a apporté, ce n'est pas une possibilité d'engager des travailleurs étrangers, mais une interdiction de baisser la barrière, même lorsque le flot se fait trop important et que ses inconvénients se font trop douloureux.
Bien sûr, les contingents impliquent un système de contrôles et d'autorisations. Je suis heureux de voir que toute la gauche veut lutter aujourd'hui contre la bureaucratie sur ce seul point, tout en rappelant néanmoins que les mesures d'accompagnement préconisées à gauche, à savoir un syndicaliste derrière chaque travailleur et un policier derrière chaque employeur, peuvent présenter aussi une certaine lourdeur bureaucratique et des coûts qui ne sont pas supportables.
Le deuxième dogme, c'est celui qui voudrait que les emplois poussent comme des champignons sous les pas des migrants lorsque ceux-ci traversent la frontière, évidemment dans le sens Europe-Suisse, parce que apparemment le phénomène ne se produit pas lorsqu'on traverse la frontière dans l'autre sens. Si les emplois poussent effectivement comme des champignons de notre côté de la frontière, ce n'est pas à cause de l'arrivée de migrants, c'est parce que les conditions-cadres, et en particulier le droit du travail qui est plus souple, le droit fiscal qui est moins terroriste et la faculté des entreprises à se financer par un système bancaire qui jadis fut prospère, attirent les emplois et les entreprises. C'est ensuite, bien évidemment, que les migrants arrivent. Renverser la cause et la conséquence, on l'a entendu plusieurs fois ce matin, n'est pas véritablement très éclairant.
Le troisième dogme, c'est celui du PIB - mon préopinant l'a abordé tout à l'heure -, qui est présenté comme la mesure de toute chose. Une croissance du PIB apporterait nécessairement la preuve qu'une politique est intelligente, efficace et satisfaisante. Il n'y a pas besoin d'être grand clerc pour comprendre que si l'on passe de 7 millions à 8 millions d'habitants, la seule consommation de ces nouveaux habitants booste le PIB, que les infrastructures qui sont en retard et qui doivent être construites au pas de charge augmentent le PIB. Mais des tas de choses moins plaisantes augmentent aussi le PIB: la construction de nouvelles prisons, l'engagement de nouveaux policiers, les systèmes d'alarme dont il faut maintenant s'équiper dans toutes les maisons. Le remplacement des objets qu'on vous vole à cause des vagues de cambriolages, parce qu'il n'y a plus de frontières, augmente aussi le PIB. Le PIB n'est pas la mesure de toute chose et n'est certainement pas suffisant pour évaluer le contentement de la population. Il y a des tas de choses non désirables qui augmentent le PIB, les amendes de parking par exemple.
Il faudrait instaurer une notion de "qualité de vie intérieure nette" plutôt que de "produit intérieur brut" pour véritablement répondre aux 136 000 citoyens qui, en sept mois, ont apporté leur signature à cette initiative pour que le Parlement se prononce à son sujet, et j'espère qu'il le fera de façon éclairée.
Gmür Alois · Mit-M · Nationalrat · Schwyz · Fraktion CVP-EVP
Die Wirtschaft brummt und läuft gut. Sie läuft so gut, dass die Wirtschaft auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen ist. Als Präsident eines Spitals, als Vertreter des Gastgewerbes und als Vertreter der Getränkebranche weiss ich, dass Unternehmen in diesen Branchen gar nicht mehr funktionierten ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland. Die Wirtschaft, das Gewerbe brauchen die Möglichkeit, unbürokratisch - ich betone: unbürokratisch - aus dem Ausland Arbeitskräfte zu holen. Die Schweizer werden dadurch nicht benachteiligt. Dank dem guten Funktionieren der Wirtschaft ist die Arbeitslosenquote in unserem Land sehr tief. Es gibt viele Arbeiten, die viele Schweizer nicht gern machen; man ist froh um ausländische Arbeitskräfte in Alters- und Pflegeheimen, in Spitälern, im Gastgewerbe, in der Logistik usw. Auch im hochqualifizierten Bereich bringen ausländische Arbeitskräfte mit ihrem Können und Wissen die Schweiz weiter. Es ist aber nicht so, dass nur die Wirtschaft und das Gewerbe von der Personenfreizügigkeit profitieren, nein. Jeder Einzelne hier drin und draussen auf der Strasse ist froh, wenn er krank ist, dass er gepflegt wird, ist froh, wenn im Hotel das Bett gemacht ist, ist froh, wenn er im Restaurant bedient wird. Alle profitieren davon, dass die Lebensmittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Die überdurchschnittliche Wettbewerbsfähigkeit und die grosse Leistungsfähigkeit der Schweiz, unser Wohlstand basieren auch auf der Arbeit unserer Zuwanderer, seien es Akademiker, Handwerker, Pflegefachleute oder Hilfsarbeiter. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt, die überfüllten Züge und verstopften Strassen einfach auf die Zuwanderung abzuschieben ist zu einfach. Wir Schweizer brauchen immer mehr Wohnraum, wir Schweizer wohnen je länger, je mehr nicht mehr dort, wo wir arbeiten, und fahren immer mehr hin und her. Die Initiative "gegen Masseneinwanderung" löst die Probleme nicht, sondern schadet der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und gefährdet unseren Wohlstand.
Ich bitte Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen.
Reimann Maximilian · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Das Wichtigste an dieser Volksinitiative ist aus meiner Sicht die Tatsache, dass sie zustande gekommen ist und der Souverän, Volk und Stände, nun Gelegenheit erhalten, zu einem der brisantesten politischen Gegenwartsthemen Stellung zu nehmen: Wie viel Zuwanderung erträgt die Schweiz? Soll der Trend zu einer überproportionalen Zunahme der ausländischen Wohnbevölkerung so weitergehen, oder soll diesem Trend die Spitze gebrochen werden? Soll nicht schon morgen, sondern erst übermorgen oder gar nie die 30-Prozent-Marke überschritten werden? Ich stelle diese Fragen wertneutral in den Raum.
Ich wähne mich dabei äusserst glücklich, in einem Land leben zu dürfen, wo das Volk, das stimmberechtigte Schweizervolk, über diese Fragen verbindlich entscheiden kann. Ich betone dieses Prinzip, dieses wertvolle Element der direkten Demokratie, besonders auch deshalb, weil gewisse Kreise mit allen erdenklichen Mitteln am Werk sind, es einzuschränken und auszuhebeln, wie etwa der selbsternannte Club Helvétique. Ihr Heilmittel ist die zunehmende Ungültigerklärung von Volksinitiativen, vor allem dann, wenn sie irgendwelchem Staatsvertrags- oder Völkerrecht widersprechen. Im vorliegenden Fall hätten sie, wäre ihnen die Rückstutzung der direkten Demokratie bereits gelungen, wohl so argumentiert, diese Masseneinwanderungs-Initiative widerspreche der Personenfreizügigkeit, ergo verstosse sie gegen einen bilateralen Vertrag mit der EU, unterhöhle damit Völkervertragsrecht und sei folglich ungültig zu erklären. Zudem - so die Gilde der Demokratieaufweichler weiter - stamme diese Volksinitiative von rechts bis rechts aussen, trage also den Stempel der Rechtspopulisten, und deshalb könne es gar nicht schaden, wenn sie schon vor der Abstimmung im Keime erstickt werde.
So weit wird es glücklicherweise nie kommen, denn das Schweizervolk wird sich nie selber aus dem Rennen nehmen, wird sich nie selber degradieren. Zu positiv - insbesondere im Vergleich mit anderen Staaten - sind die Errungenschaften, ist das, was wir auf Basis der direkten Demokratie erreicht haben.
Zudem ist hier auch der Ort, um auf die andere Volksinitiative mit ähnlicher Zielsetzung hinzuweisen, auf die im links-ökologischen Spektrum herangewachsene Ecopop-Initiative, die einen recht strengen Stopp bei der Zuwanderung zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen anstrebt, und zwar dauerhaft. Sie sehen, auch links der Mitte macht man sich grosse Sorgen über eine Überbevölkerung der Schweiz, auch links der Mitte ist man in höchstem Masse besorgt über die immer mehr zu platzen beginnenden Infrastrukturen, die überfüllten Züge, die zunehmenden Staus und damit das Chaos auf unseren Strassen, in unseren Städten und Dörfern. Sind das nun allesamt Linkspopulisten, die die Ecopop-Initiative zustande gebracht haben? Ich überlasse die Antwort dazu all jenen, die nicht müde werden, die geistigen Väter und Mütter der vorliegenden Initiative ins Lager der Rechtspopulisten abzudrängen, was immer sie unter diesem Begriff auch verstehen mögen.
Für mich heisst Populismus politische Nähe zum Volk. Wer über ausreichend Populismus verfügt, ist auch in der Lage, eine Volksinitiative zustande zu bringen. Gilden, wie der abgehobene Club Helvétique, sind es nicht. Populus helveticus, das Schweizervolk, wird demnächst also Gelegenheit haben, über zwei Zuwanderungs-Initiativen zu befinden. Die vorliegende, mit Absender SVP, hat einen zeitlichen Vorsprung. Ob eine zeitliche Harmonisierung der beiden verfahrensrechtlich möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Ob zeitliche Harmonisierung überhaupt wünschenswert ist, hängt auch nicht von mir ab. Für heute genügt es zu wissen, dass sowohl rechts der Mitte als auch links der Mitte grösstes Unbehagen über das Tempo und die Auswirkungen einer ungebremsten Zuwanderung herrscht. Dazu soll und muss das Volk sich an der Urne äussern können. Die beiden Volksbegehren kommen folglich zur richtigen Zeit.
Dasjenige, um das es heute geht, unterstütze ich voll und ganz. Gegen dieses wird nun seit Stunden der Teufel an die Wand gemalt, und es wird noch Ungemach, Repressalien und weiss Gott was alles prophezeit. Es wird nichts so heiss gegessen, wie es gekocht wird, schon gar nicht in der Politik. Jedes Land, das auch nur annähernd einer so hohen Zuwanderung ausgesetzt ist wie die Schweiz, wird Verständnis haben für entsprechende Gegenmassnahmen. Solche zu ergreifen ist legitim, ist demokratisch, ist staats- und völkerrechtlich korrekt. Darüber wird das Schweizervolk souverän entscheiden, was immer wir ihm heute für eine Empfehlung abgeben werden.
Reynard Mathias · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Sozialdemokratische Fraktion
Beaucoup de choses ont déjà été dites à propos de cette initiative, et je vais tâcher de revenir sur les points essentiels qui plaident pour un rejet net de ce texte, en y ajoutant quelques éléments plus généraux sur la libre circulation des personnes et des problèmes auxquels nous devons répondre aujourd'hui avec sérieux en tant qu'élus du peuple.
Même si l'argument ne semble pas beaucoup intéresser les représentants de certains partis présents dans cette salle, il convient de rappeler - comme cela a été fait plusieurs fois - que cette initiative est incompatible avec les engagements internationaux de la Suisse, notamment avec la Convention européenne des droits de l'homme ou encore la Convention relative aux droits de l'enfant.
Mais outre ces problèmes d'incompatibilité, cette initiative est surtout une proposition totalement irresponsable pour notre pays, pour notre économie - donc pour les travailleurs de ce pays -, pour notre positionnement au niveau international, pour notre prospérité.
En effet, une acceptation de l'initiative remettrait totalement en cause la voie bilatérale. Le texte proposé étant incompatible avec l'Accord sur la libre circulation des personnes, il faut s'attendre à ce que les sept accords juridiquement liés par la clause guillotine soient dénoncés. En outre, d'autres accords conclus entre la Suisse et l'Union européenne - et dont notre pays profite grandement - pourraient également être remis en question. Une telle initiative reviendrait à isoler la Suisse et à l'affaiblir durablement sur la scène internationale. Les mêmes qui ne juraient, il y a quelques années, que par la voie bilatérale entendent aujourd'hui la détruire.
Mais cette initiative est également un danger pour l'économie suisse. L'Union européenne est notre principal partenaire commercial: un franc sur deux est gagné par nos échanges avec l'Union européenne. Notre économie profite de cette situation et a un besoin accru de travailleurs étrangers qui participent à la croissance, au développement et à la réussite de notre pays. Ce besoin est particulièrement important dans certains secteurs, comme la construction, la restauration, le tourisme. Défendre cette initiative, c'est soutenir un projet dont les conséquences seront terriblement néfastes pour notre économie.
Nous ne pouvons donc qu'inviter notre conseil à recommander le rejet de cette initiative irresponsable et dangereuse pour notre pays.
Il faut toutefois mettre également le Conseil fédéral et le Parlement face à leurs propres responsabilités politiques. La libre circulation des personnes apporte énormément à la Suisse sur le plan économique, mais elle profite, pour l'heure, avant tout à certaines entreprises et non à toute la population suisse. Pire, elle pose certains problèmes concrets dans plusieurs domaines comme l'emploi, le logement, ou encore les infrastructures. Nous sommes en réalité loin du tableau idyllique dressé par le Conseil fédéral. Plutôt que de rester passif, ce dernier doit impérativement prendre de sérieuses mesures pour garantir les salaires, créer des logements à prix abordables, investir dans les infrastructures et mener une véritable politique en faveur de l'accès à la formation pour tous afin d'offrir à la jeunesse de notre pays des opportunités dans les nombreux secteurs où nous manquons de personnel qualifié.
Concernant l'emploi, quelques mesures comme la responsabilité solidaire ont été décidées et doivent impérativement être appliquées dans les plus brefs délais. Mais elles ne sont pas suffisantes. Pour que la libre circulation profite à l'ensemble de la population, et notamment aux travailleurs, il faut impérativement introduire un salaire minimum, parce que de nombreuses branches qui ne connaissent pas aujourd'hui de convention collective de travail se trouvent dans une situation qui correspond finalement à une situation où la sous-enchère salariale est tolérée. Il est également urgent de renforcer les contrôles pour éviter les abus et de prendre des mesures spécifiques pour les régions frontalières. Ces décisions sont aujourd'hui indispensables pour lutter contre le dumping salarial.
Enfin, sur le plan du logement, le Conseil fédéral doit aussi prendre de véritables mesures plutôt que d'assister passivement à l'augmentation persistante des loyers initiaux. Il faut dès aujourd'hui proposer des logements à loyers abordables, mieux protéger les locataires et instaurer un plafond pour les loyers initiaux. La crise du marché du logement doit être prise au sérieux par les autorités politiques de ce pays.
Si le Conseil fédéral et le Parlement continuent de fermer les yeux sur ces problèmes et se murent dans l'attentisme sans prendre de mesures concrètes, il est certain qu'un jour, la population suisse acceptera une initiative aussi irresponsable et dangereuse que celle que nous examinons aujourd'hui.
Büchel Roland Rino · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Bei all den Emotionen, Herr Reynard, welche die Gegner der Initiative und auch Sie in die Diskussion eingebracht haben, sind entscheidende ökonomische Fakten auf der Strecke geblieben. Deshalb möchte ich ein paar Worte zur Bilanz der Schweizer Volkswirtschaft und zur Zuwanderung in den letzten zehn Jahren sagen.
Zuerst zur Volkswirtschaft: Es gab ein schönes Wachstum in der erwähnten Zeit. Wie aber sieht es mit der Produktivität aus? Wenn wir bemessen wollen, wie gut es einem Land geht, ist es das Wachstum pro Kopf, das zählt. Da sind Sie wohl mit mir einverstanden. Selbstverständlich ist das Bruttoinlandprodukt in der Schweiz gewachsen, viel stärker als im krisengeschüttelten EU-Europa. Das ist jedoch vor allem so, weil mehr Köpfe hinter diesen Zahlen stecken oder - es geht ja um Arbeit - vor allem auch mehr Hände.
Das "Beschäftigungsbarometer" vermeldet jedes Jahr 1 bis 1,5 Prozent mehr Arbeitende. Als Folge ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden seit dem Jahr 2002 um 15 Prozent gestiegen. Wie aber hat sich das Inlandprodukt entwickelt? Die Wertschöpfung hat um 19 Prozent zugenommen. Das ist passabel. Aber Sie müssen kein Mathematiker sein, um festzustellen, dass unter dem Strich nicht einmal ein halbes Prozent mehr Leistung je Arbeitsstunde bleibt. Verglichen mit den aufstrebenden Staaten im asiatischen Raum ist das weniger als nichts. In den letzten vier, fünf Jahren war die Bilanz noch negativer: Die Produktivität der Einwanderer ist in dieser Zeit zurückgegangen. Warum das? Weil ein grosser Teil der zusätzlich Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung arbeitet. Nur schon im letzten Jahr nahm die Zahl der Verwaltungsangestellten um 3,7 Prozent zu.
Anstatt zu forschen, anstatt zu denken, anstatt zu arbeiten, "spezialisieren" wir uns mehr und mehr darauf, zu koordinieren, zu evaluieren und zu beraten. Ein Beispiel: All der Aufwand, den wir heute für ein Heer an studierten und hochbezahlten Bildungs- und Gesundheitsmanagern betreiben, nützt weder den Schülern noch den Kranken, geschätzter Kollege Gmür.
Nochmals kurz zum BIP - ich will hier keine Vorlesung in Volkswirtschaftslehre halten, deshalb nur kurz -: Die Lage ist sogar noch weniger erbauend, als es die Zahlen vermuten lassen. Warum das? Es hat mit der Erhebungsmethode zu tun. Weil man den Output der Beamten nicht messen kann, werden deren Löhne und Kosten nämlich als Leistung direkt dem Inlandprodukt zugerechnet. Das BIP steigt also, obwohl keine anrechenbaren Leistungen erbracht werden. Zudem müssen diese Stellen von jenen bezahlt werden, die etwas herstellen, und zwar etwas, was man verkaufen und exportieren kann.
Viele Leute wurden in diesem Saal während der letzten Stunden richtiggehend abqualifiziert: Als Hinterwäldler oder Insulaner soll gelten, wer Probleme erkennt und nach Lösungen sucht.
Die Schweiz wächst jährlich um die Grösse einer Stadt wie Luzern oder St. Gallen. Seit der Öffnung der Grenzen zur EU sind fast 700 000 Menschen mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Sind diese Menschen wirklich so hochqualifiziert, wie es die beiden Kommissionssprecherinnen sagten, und wie man es in den Voten immer wieder hören konnte?
Nehmen wir das letzte Jahr: Von woher wanderten die Leute vor allem ein? Aus den sogenannten Gips-Staaten - also aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. Den Rekord hält Portugal mit 12 900 Nettozuwanderern. Viele dieser Leute landen, leider, oft sehr schnell in unserem dichten sozialen Netz. Ich frage Kollege Caroni: Sind es denn jene Menschen, die Sie in Heiden, Hundwil oder Herisau so dringend brauchen? Schon heute ist es so, dass Angehörige der EU-/Efta-Staaten mehr Geld aus der Arbeitslosenkasse beziehen, als sie einzahlen.
Ich habe versucht, ein paar Fakten zusammenzutragen. Wenn Sie das auch tun und die Ergebnisse einfach nüchtern auswerten, werden auch Sie diese sinnvolle Initiative zur Annahme empfehlen.
Fluri Kurt · Mit-M · Nationalrat · Solothurn · FDP-Liberale Fraktion
Wir verkennen nicht, dass das schweizerische Wirtschaftswachstum und die vergleichsweise hohe Zuwanderung der letzten Jahre zu einem Bevölkerungswachstum geführt haben, dass sich die Herausforderungen bei der Integration, auf dem Wohnungsmarkt, bei der Infrastruktur, bei der Raumplanung und in der Bildungspolitik entsprechend vergrössert haben. Diese Fakten sind jetzt vonseiten der Vertreter der SVP, vonseiten der Befürworter der Initiative, x-fach wiederholt worden. Herr Rutz hat gesagt, wir müssten den Problemen in die Augen schauen; Herr Fehr hat gesagt, die Initiative sei das einzige Rezept; Herr Maximilian Reimann hat empfohlen, nicht den Teufel an die Wand zu malen; mein Vorredner hat soeben volkswirtschaftliche Überlegungen gemacht, die sicher nicht falsch sind.
Tatsache ist aber, dass wir nicht Australien und nicht Kanada sind. Wir leben in Europa, und wir haben die bilateralen Verträge mit der EU abgeschlossen. In diesen bilateralen Verträgen sind eben die berufliche Qualifikation und die Ausbildung kein Kriterium für die Zuwanderung. Das ist Ihnen allen ebenfalls bekannt.
Das Rezept, es seien neue Verhandlungen zu führen, tönt sehr gut. Aber Sie glauben ja selbst nicht daran - so naiv sind Sie nicht -, dass in der heutigen Situation in Europa Neuverhandlungen mit der EU zu einem besseren Ergebnis führen würden als zu dem, was wir haben. Ich glaube, wir müssen froh sein darüber, dass wir diese Verträge haben und dass sie seitens der EU nicht bestritten werden. Ein besseres Ergebnis ist in diesem Klima, das in Europa gegenüber unserem Land herrscht - ob zu Recht oder zu Unrecht -, nicht erzielbar. Diesen Weg lehnen wir ganz klar ab.
Den anderen Weg, der heute schon mehrfach empfohlen wurde, nämlich den sozialistischen Weg - so nenne ich das mal -, mit Mindestlohnvorschriften ausserhalb der Gesamtarbeitsverträge und ausserhalb der Sozialpartnerschaft, mit Mietzinsvorschriften, die eine Höchstmiete vorsehen, usw., lehnen wir auch ab. Das sind Rezepte, die nicht marktwirtschaftsverträglich sind.
An sich kennen wir alle den Weg, den wir bereits vor Langem eingeschlagen haben, den es weiterzuverfolgen gilt und den wir gegebenenfalls anzupassen haben. Wir kennen die flankierenden Massnahmen vom Juni 2004; wir haben sie im letzten Jahr angepasst. Am 1. Januar 2013 ist bekanntlich die verstärkte Bekämpfung der Scheinselbstständigkeit bei ausländischen Dienstleistungserbringern in Kraft getreten. Die Sanktionsmöglichkeiten für Arbeitgeber, welche gegen zwingende Mindestlöhne in Normalarbeitsverträgen verstossen, sind in Kraft gesetzt worden. Es gibt Sanktionsmöglichkeiten bei Verstössen gegen allgemeinverbindlich erklärte Gesamtarbeitsverträge usw. Seit dem 1. Mai 2013 sind auch die verschärften Bestimmungen betreffend die Lohnangaben im Rahmen des Online-Meldeverfahrens durch ausländische Arbeitgeber in Kraft.
Wir haben die Solidarhaftung, die wir vor Kurzem beschlossen haben. Wir haben die Ventilklausel verlängert. Auch hier: Glauben Sie tatsächlich - Sie alle, die mit uns zusammen die Verlängerung der Ventilklausel verlangt haben -, dass mit diesem Wissen die EU uns günstigere Bedingungen bei einer Neuverhandlung des Freizügigkeitsabkommens gewähren würde? Das glauben Sie ja selbst nicht! Wir haben die Weiterführung der Kontingente gegenüber Rumänien und Bulgarien bis 2014 usw.
Sie machen sich, die SVP-Vertreter meine ich jetzt, immer etwas über die Integration lustig. Andererseits beklagen Sie sich, wenn die Integration nicht greift und dementsprechend Kriminalität oder Desintegration und deren Erscheinungen publik werden. In Tat und Wahrheit bewähren sich die Integrationsmassnahmen - die Integrationsvereinbarungen in den Kantonen, der obligatorische Sprachunterricht, das Einbürgerungsverfahren, das ein höheres Gewicht auf die Integration legt. Wir sind auch positiv eingestellt gegenüber den Integrationsmassnahmen, die bei der nächsten Revision des Ausländergesetzes anstehen.
Sie beklagen sich über die zunehmende Enge in den Verkehrsmitteln. Wir wissen aber, dass sich auch unsere Mobilität wesentlich gesteigert hat. Ein grosser Teil der Mobilität ist Freizeitverkehr. Wir haben heute Morgen über Fabi beraten und werden morgen abschliessend entscheiden. Wir werden die Strasseninfrastrukturfinanzierung absichern.
Sie beklagen sich über Wohnungsmangel und steigende Mietpreise. Sie wollen die einschneidenden Rezepte, die gegen die marktwirtschaftlichen Grundsätze verstossen, nicht, wie wir auch nicht. Sie lehnen aber gleichzeitig raumplanerische Massnahmen ab, die zu einer klaren Trennung des Siedlungsgebietes vom Nichtsiedlungsgebiet führen. Sie wehren sich auch gegen raumplanerische Massnahmen, die zu einer Verdichtung führen. All das lehnen Sie ab. Ich frage mich, ob Sie das Problem überhaupt lösen wollen.
Wir wollen es lösen, aber nicht mit Ihren Rezepten. Wir wollen es auch nicht mit den Rezepten von links lösen, sondern wir wollen es auf dem eingeschlagenen, bewährten Weg lösen.
Wir bitten Sie deshalb, diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen.
Quadri Lorenzo · Mit-M · Nationalrat · Tessin · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
L'iniziativa popolare "contro l'immigrazione di massa" contiene una richiesta che definirei di una semplicità disarmante, ossia che la Svizzera torni a regolare i flussi d'immigrazione. Regolare l'immigrazione è uno dei compiti fondamentali di uno Stato che rientra negli stessi presupposti della sua esistenza. Con gli accordi bilaterali e segnatamente con la libera circolazione delle persone, la Svizzera ha rinunciato a questa sua facoltà nei confronti dei cittadini dell'Unione europea, una scelta che ha avuto conseguenze negative soprattutto per le regioni di frontiera.
Malgrado la SECO continui imperterrita, per il tramite di statistiche addomesticate, a sostenere tesi del tipo "immigrazione uguale ricchezza" ed a raccontare che anche nelle regioni di frontiera con la libera circolazione delle persone tutto fila a meraviglia, la realtà del territorio è ben diversa.
Se lo stesso Consiglio federale ha ritenuto di ricorrere alla clausola di salvaguardia vuol dire che il quadro roseo dipinto dalla SECO e da altri - più volte anche da chi negli interventi in questa sala mi ha preceduto, forse non conoscendo la realtà delle regioni di frontiera - probabilmente non trova un riscontro sul terreno.
L'Europa, soprattutto quella del sud, si trova in una crisi nera e noi questa Europa in crisi nera ce l'abbiamo fuori dalla porta di casa. In Italia si è giunti al punto da invitare pubblicamente i cercatori d'impiego ad emigrare in Svizzera, il che nel caso concreto significa in Ticino. Quindi, non essendo la vicina Penisola in grado di risolvere i propri problemi occupazionali li scarica su di noi per il tramite della libera circolazione delle persone. Questo è, tra l'altro, probabilmente l'unico punto su cui destra e sinistra della vicina Penisola sono riuscite a mettersi d'accordo.
Aggiungo che le nuove ondate di asilanti arrivati in Sicilia dall'Eritrea venivano indirizzate verso nord - come prassi consolidata.
È chiaro che in tali circostanze l'immigrazione incontrollata non può esistere e quindi bisogna avere il coraggio di fare retromarcia. A questo si aggiunge che al momento della stipula e poi della votazione popolare sugli accordi bilaterali non si poteva certo prevedere la crisi gravissima in cui sarebbe precipitata l'Europa e non si poteva neppure prevedere la situazione allarmante in cui si sarebbe venuta a trovare l'Italia, dove perfino una regione del nord come il Piemonte nell'ultimo rating di Moody's risulta declassata a "junk", cioè a spazzatura.
Le condizioni sono dunque radicalmente cambiate e questo giustifica sotto tutti i punti di vista un'inversione di rotta. Questo giustifica che la Svizzera si riappropri della facoltà di regolare i flussi migratori a tutela del nostro mercato del lavoro, della nostra sicurezza e anche del nostro Stato sociale. L'immigrazione incontrollata provoca poi costi infrastrutturali importanti, derivanti da un aumento anormale della popolazione, e adesso è legata anche all'aumento degli affitti, come è stato peraltro dimostrato anche dai promotori apartitici dell'iniziativa Ecopop che sono stati citati in precedenza.
L'iniziativa popolare "contro l'immigrazione di massa" merita inoltre un sostegno massiccio da parte del Ticino poiché essa prevede la reintroduzione dei contingenti per i frontalieri. Il contingentamento è l'unica misura possibile per evitare al nostro cantone un pesante deterioramento occupazionale con gravissime ripercussioni sociali. Qualsiasi altra misura è benvenuta, per carità, ma alla fine sono misure come il classico cerotto sulla gamba di legno, perché non risolvono il problema alla radice. L'unica possibilità è quindi una modifica radicale, un cambiamento di rotta ragionevole, come quello che viene proposto dall'iniziativa popolare "contro l'immigrazione di massa" che invito a sostenere.
Gysi Barbara · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion
Ich bitte Sie, die Initiative "gegen Masseneinwanderung" zur Ablehnung zu empfehlen.
Zurück zur Kontingentierung, das ist nun wirklich keine Option. Wir wollen nicht zu den Verhältnissen der Siebzigerjahre zurückkehren. Die Zuwanderung war damals übrigens nicht tiefer. Auch mit einer Kontingentierung kann die Zuwanderung durchaus hoch ausfallen, denn es ist die Arbeitswelt, die die Nachfrage und damit auch die Höhe der Kontingente bestimmt. Stark lobbyierende Branchen werden zu höheren Kontingenten kommen - etwa die Bauern -, aufsteigende Branchen, die vielleicht noch nicht so gut vernetzt sind, könnten dann das Nachsehen haben. Das ist im grossen Stil wirtschaftsfeindlich; das wollen wir auf keinen Fall.
Was mir aber sehr wichtig scheint: Mit Kontingenten sind die Arbeitnehmenden weit weniger geschützt, die Aufenthaltsbewilligungen für Migrantinnen und Migranten werden prekärer, als dies heute der Fall ist. Das gilt es auf jeden Fall zu verhindern. Mir geht es um kalkulierbare und gute Bedingungen für die Arbeitnehmenden: Es braucht genügend Schutz; als Gewerkschafterin ist mir das enorm wichtig und ein grosses Anliegen.
Wir brauchen auch geregelte Verhältnisse mit der EU. Der bilaterale Weg hat sich im Grundsatz bewährt, und der Arbeitsmarkt kann so durchaus auch kontrolliert werden. In der Schweiz muss zu Schweizer Löhnen gearbeitet werden - das ist das Wesentliche.
Diese Initiative ist nicht risikolos, denn diese Initiative wird, denke ich, zur Kündigung der Bilateralen führen. Da streuen uns die Vertreter und Vertreterinnen der Initiative Sand in die Augen, wenn sie meinen, die Kontingentierung sei auch im Rahmen der Bilateralen möglich bzw. man könnte da einfach die Bilateralen neu verhandeln. Was es braucht, ist nicht eine populistische Initiative gegen die Masseneinwanderung, sondern einen Ausbau der flankierenden Massnahmen. Da gibt es Handlungsbedarf; das sagen wir auch. Gerade in den Grenzregionen besteht die Gefahr des Lohndumpings, und es werden auch immer wieder Fälle aufgedeckt. Tiefstlöhne kommen verschiedenenorts, auch in den Grenzregionen vor: Nicht nur in der Westschweiz und im Tessin, nein, auch bei uns in der Ostschweiz, gerade im St. Galler Rheintal, werden immer wieder Fälle von Tiefstlöhnen und Lohndumping aufgedeckt. Das ist skandalös und muss bekämpft werden, doch nicht mit einer Initiative wie dieser, sondern mit verstärkten flankierenden Massnahmen und auch mit genügend Kontrollen und effektiven Bussen.
Was wir brauchen, sind Mindestlöhne, weil, wie gesagt, in der Schweiz zu Schweizer Löhnen gearbeitet werden soll. Was es auch braucht, sind Gesamtarbeitsverträge als Standard für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Entwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft ist auf die Zuwanderung angewiesen. Die demografischen Veränderungen zeigen, dass wir diese Arbeitskräfte benötigen. Wir werden nicht den ganzen Bedarf aus dem Inland abdecken können. Es braucht aber nicht nur flankierende Massnahmen im Arbeitsbereich, es braucht sie auch für den Wohnbereich.
Ich möchte Sie bitten, die Initiative abzulehnen.
Müri Felix · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Die Missstände und Probleme durch die Masseneinwanderung und den damit verbundenen Bevölkerungszuwachs werden von allen Parteien mehrheitlich bestätigt. Die Lösungsansätze sind aber grundverschieden. Die Linke will einmal mehr sozialistische Anliegen wie Mindestlöhne, gemeinnützigen Wohnungsbau und Steuererhöhungen propagieren. Mit solchen Forderungen werden nur die Symptome bekämpft, die Ursache hingegen, die unkontrollierte Zuwanderung, kann man so nicht in den Griff bekommen. Solange die Schweiz als Wohn- und Arbeitsort so attraktiv ist, so lange werden Ausländer in die Schweiz kommen. Doch vielleicht ist es ja genau das, was die SP möchte: das Niveau der Schweiz auf EU-Standard senken, indem sie der Wirtschaft den liberalen Boden entzieht und den Bürgern die Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten nimmt. So wäre der Weg in die EU, den die Linken anstreben, frei und sicherlich kürzer.
Andere klammern sich an die Vorstellung, man könne das Zuwanderungsproblem mit einer Beschränkung der Migration aus Drittstaaten lösen. Dabei kommt nur ein Bruchteil der Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern. Herr Noser möchte alle gut ausgebildeten Spanier in der Schweiz haben. Ist doch klar, dass alle hierherkommen möchten, sagt Herr Noser. Hoffentlich weiss er, dass es noch andere Staaten mit gut ausgebildeten Personen gibt. Wenn er die auch noch alle möchte, ist unser Titel "Masseneinwanderung" sogar untertrieben. Dann gibt es die Schweiz bald nicht mehr.
Es zeigt sich, dass eine Lösung ohne die Diskussion über die Personenfreizügigkeit nicht möglich ist. Die SVP hat als einzige Partei den Missstand bekämpft, aber sämtliche parlamentarischen Vorstösse wurden hier im Saal leider abgelehnt. Als letztes Mittel zur Beschränkung der Masseneinwanderung bleibt nun diese Initiative. Eine solche Initiative übt den nötigen Druck auf die politischen Instanzen aus und fordert den Bundesrat auf, endlich zu handeln.
Aeschi Thomas · Mit-M · Nationalrat · Zug · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Die SVP-Masseneinwanderungs-Initiative fordert, dass die Schweiz die Einwanderung von Ausländern in Zukunft wieder selbst steuern kann. Mittels jährlicher Höchstzahlen und Kontingente soll die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländern in der Schweiz begrenzt werden. Die Schweiz würde mit der Annahme dieser Initiative wieder zum System wechseln, das sie vor der Annahme der Personenfreizügigkeit hatte und das vorbildhaft funktionierte. Eine bedeutende Verbesserung bestünde jedoch darin, dass in Zukunft die Höchstzahlen für sämtliche Bewilligungen unter dem Ausländerrecht unter Einbezug des Asylwesens und der Grenzgänger gelten würden.
Die SVP ist sehr überrascht, wie gross die Widerstände gegen dieses Anliegen sind. Es ist doch selbstverständlich, dass ein Land selbst bestimmen kann, welche und wie viele Personen einwandern dürfen! In vielen anderen Ländern sind Quoten und Punktesysteme eine Selbstverständlichkeit. Weil es sich dabei um klassische Einwanderungsländer handelt, haben sie schon viel früher realisiert, dass die Einwanderung ausser Rand und Band gerät, wenn sie nicht gesteuert wird. Gerne gehe ich im Folgenden auf die Einwanderungssysteme einzelner Länder ein.
Die wichtigste Leitlinie der australischen Einwanderungsrichtlinien lautet: "The criteria for the Migration Program are selective - those applicants who meet Australia's requirements and have good prospects for successful settlement are chosen. There are detailed rules governing entry in each migration category and selection is based on a case-by-case assessment of applications." Sie sehen: In Australien gilt der Leitsatz, dass Immigration selektiv ist und dass für eine Einwanderung die Kriterien detaillierter Richtlinien erfüllt sein müssen. Einwanderer werden mittels eines Punktesystems durch den Staat ausgewählt. Es ist nicht etwa umgekehrt wie bei uns, wo die Ausländer selbst bestimmen können, indem sie schauen, in welchem Land sie die höchsten Sozialleistungen erhalten, und dann auch dort einwandern. Das australische System ist also genau das Gegenteil der Schweizer Personenfreizügigkeit, wo jeder Einwanderer nur minimalste Bedingungen erfüllen muss, um in die Schweiz einwandern zu dürfen.
Auch in Kanada gibt es zwei bedeutende Kategorien, in welche die Einwanderer eingeteilt werden. Im "Business Immigration Program" werden gezielt Investoren angeworben, welche planen, in Kanada Geld zu investieren, und so Arbeitsplätze und Steuersubstrat schaffen. Es wird also sichergestellt, dass unter dem Strich das Land einen Nutzen von einem Einwanderer hat und nicht schon nach kurzer Zeit Sozialleistungen bezahlen muss. Im kanadischen "Federal Skilled Workers Program" werden wie in Australien die einwanderungswilligen Personen mittels eines detaillierten Programms auf Herz und Nieren geprüft. Nur wer diese sehr hohen Anforderungen erfüllt, wird schlussendlich zur Einwanderung zugelassen.
Auch die USA stellen "Economic Visas" für "high-skilled workers" aus. Pro Jahr werden so unter diesem System 65 000 Einwanderer ins Land gelassen, welche ebenfalls beweisen müssen, dass sie diese hohen amerikanischen Anforderungen erfüllen.
Die Beispiele aus Australien, Kanada und den USA zeigen, dass klassische Einwanderungsländer schon lange gelernt haben, gezielt jene Personen anzuziehen, welche ihrem Land auch einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Weshalb die anderen Parteien hier im Parlament, welche sich wie die SVP "bürgerlich" nennen, dies nicht einsehen, ist mir unverständlich.
Es wird gefragt, wer denn bei der Einwanderung Vorrang hätte, wenn man dieses System anpassen würde. Unter dem heutigen System haben alle Einwanderer Vorrang. Jeder kann kommen - und es kommt auch jeder. Die heutige Personenfreizügigkeit ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt. Wir können und wollen nicht jedes Jahr um Zehntausende von Nettoeinwanderern wachsen. Aus diesem Grund benötigen wir unbedingt ein Quoten- und Punktesystem, wie es andere typische Einwanderungsländer bereits haben.
Geschätzte Kollegen aus den Fraktionen der FDP/die Liberalen, GLP, CVP und BDP: Sagen Sie nicht immer Nein - sagen Sie Ja zu diesem fortschrittlichen System, welches andere Länder schon seit Jahren erfolgreich anwenden.
Müller Philipp · Mit-M · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion
Nehmen wir an, ich sei einer derjenigen, der beschränken will - nicht mehr Zuwanderung, kein Wachstum der Gesamtbevölkerung. Nehmen wir das an. Ich würde Ihre Volksinitiative trotzdem nicht unterstützen, und ich würde sie nicht unterschreiben.
In den Sechzigerjahren hatten wir eine Kontingentspolitik - die Sechzigerjahre wurden heute hier erwähnt, und die damalige Einwanderungspolitik wurde als vorbildlich dargestellt. In den Sechzigerjahren hatten wir Jahre, zum Beispiel 1962, mit einer Bruttoeinwanderung von 204 000 Personen; ich werde mir erlauben, hier ein paar wenige Zahlen zu erwähnen, weil offenbar heute nur wenige Zahlen genannt wurden. 1962 waren es also 204 000 Personen, und 1963 kamen 210 000 Personen. Im letzten Jahr, 2012, waren es 143 000 Personen. Das heisst, die Kontingentspolitik ist nicht tauglich, um die Einwanderung zu begrenzen.
Wenn ich Ihren Text lese, stellen sich zwei Fragen. Erste Frage: Wer bestimmt überhaupt die Höhe der Kontingente? Zweite Frage: Wie hoch sollen denn die Kontingente sein? Sollen wir hier drin jährlich über die Höhe der Kontingente verhandeln und debattieren? Das kann es nicht sein! Sie trauen der Wirtschaft nicht, weil sie zu viele Arbeitskräfte in die Schweiz holt und immer gleich die Fünfjahresbewilligung im Freizügigkeitsbereich beantragt, anstatt mit Kurzaufenthaltsbewilligungen zu arbeiten. Ich gebe Ihnen Recht; das ist so. Ich höre hier drin immer nur das Wort "Freizügigkeit". Man nimmt nicht zur Kenntnis, dass wir beispielsweise eben auch eine Einwanderung aus Drittstaaten haben, die nichts mit Europa und nichts mit der Freizügigkeit zu tun hat und jährlich - jedes Jahr - rund 40 000 Menschen in die Schweiz bringt.
Wir alle gehen davon aus und wissen, dass wir eine starke Einwanderung haben. Auch die FDP/die Liberalen haben keine Freude daran, wenn viele kommen, so viele, dass der Unmut in der Bevölkerung steigt. Wenn Sie also die Einwanderung beschränken wollen, dann machen Sie doch bitte zuerst eine Analyse! Das braucht nicht allzu viel. Sie können beispielsweise auf die FDP-Homepage gehen. Und wenn Sie die Analyse machen, sehen Sie, dass bei der Einwanderung über die Personenfreizügigkeit die Erwerbstätigenquote bei gegen 70 Prozent liegt. Bei der Drittstaateneinwanderung liegt sie bei nicht einmal 17 Prozent.
Wenn Sie hier monieren, dass das Bruttoinlandprodukt nicht mehr wächst als die Bevölkerung, haben Sie Recht. Machen Sie wiederum die Analyse, und Sie werden feststellen, dass es darin begründet liegt, dass zu viele Menschen kommen, die nicht arbeiten. Sie kommen eben nicht aus der EU über die Personenfreizügigkeit, sie kommen aus Drittstaaten.
Wenn Sie hier drin monieren, der Asylbereich sei nicht in Ordnung, dann haben Sie auch Recht, dann ziehen wir am selben Strick. Aber der Asylbereich macht 4 Prozent der Einwanderung aus, und man könnte provokativ sagen, dies sei 95 Prozent des Ärgers, da haben Sie auch Recht. Aber ich bitte Sie doch, eine Analyse zu machen. Es wurde hier auch moniert, bei der Einwanderung liege der Anteil des Familiennachzugs bei über 50 Prozent. Das ist falsch. Bei der Personenfreizügigkeit lag der Anteil des Familiennachzugs letztes Jahr bei 23,6 Prozent, bei der Drittstaateneinwanderung hingegen bei 52,4 Prozent. Ich spiele wieder einmal mit den Zahlen, das ist einfach so. Aber das muss man wissen.
Wenn Sie weiter schauen, dann sehen Sie, dass es bei der Personenfreizügigkeit auch wieder Unterschiede gibt. Je höher qualifiziert die Leute sind, umso geringer ist der Anteil des Familiennachzugs. Bei den Deutschen liegt er bei 18 Prozent, bei den Türken liegt er bei 60 Prozent. Denn von dorther - und nicht über die Personenfreizügigkeit - kommen relativ viele Leute, die ganz schlecht qualifiziert sind. Das sind die Analysen, die zuerst gemacht werden müssen, wenn Sie beschränken wollen und wenn Sie Ihre Ziele auch erreichen wollen. Auch die FDP hat sich Gedanken gemacht. Auch wir wollen etwas verändern. Es gibt auch im Rahmen der Personenfreizügigkeit Möglichkeiten und Massnahmen, die man ergreifen kann, ohne dass man das Abkommen im Grundsatz gefährdet, ohne dass man es kündigen muss. Ich habe zu wenig Zeit, um das auszuführen, ich würde Sie auch langweilen, aber denken Sie daran: Auch hier hat die FDP Rezepte. Es sind im Übrigen nicht Rezepte, die nicht beissen. Wenn sie das zusammen umsetzen würden und die Frau Bundesrätin am selben Strick ziehen würde, was ich mir erträume - "I had a dream", hat mal jemand gesagt -, dann könnten wir das Problem lösen, ohne die Freizügigkeit zu gefährden.
Setzen wir also, zusammengefasst, dort an, wo die Probleme liegen: bei jenen Menschen, die in die Schweiz kommen, nicht arbeiten und sich nicht an unsere Gesetze und an unsere Rechtsordnung halten, die stören, die ökonomisch nicht ins Land passen - ohne dass wir die humanitäre Tradition deswegen aufgeben müssen, und ohne völkerrechtliche Verträge wie das Freizügigkeitsabkommen, das ökonomisch und wirtschaftlich ganz klar ein Vorteil ist, zu gefährden.
Büchel Roland Rino · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Geschätzter Kollege Müller, ich zitiere Sie sinngemäss. Sie haben gesagt: "Nehmen wir an, ich sei einer, der die Zuwanderung beschränken will." Herr Müller, ich nehme das an. Heute sind wir bei 23 Prozent Ausländern. Auf wie viele Prozente wollten Sie im Jahr 2000 die Ausländer beschränken?
Müller Philipp · Mit-M · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion
Herr Büchel, ich gehe davon aus, dass Sie nicht annehmen, dass ich nicht geglaubt habe, dass diese Frage kommt. Es waren 18 Prozent. Jetzt wollen Sie vielleicht noch wissen, wie viele das sind? - Nein.
Fehr Jacqueline · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion
Auch ich bitte Sie, diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen, und auch ich möchte nicht alles wiederholen, was schon gesagt worden ist. Es wurde viel gesprochen, insbesondere auch von den Vertreterinnen und Vertretern der SVP. Aber bisher konnte mir von ihrer Seite noch niemand erklären, weshalb es, wenn die Menschen über Kontingente in die Schweiz kommen statt über den freien Personenverkehr, nicht zu Lohndruck kommen sollte. Sie wissen es genauso gut wie wir, wie ich: Ob die Löhne unter Druck kommen, hängt nicht davon ab, ob die Menschen über Kontingente oder über den freien Personenverkehr in die Schweiz kommen; ob die Mieten steigen, hängt nicht davon ab, ob die Menschen über Kontingente oder über den freien Personenverkehr in die Schweiz kommen; und genauso wenig hängt die Raumplanung davon ab, auf welchen Wegen und nach welchen Rechtssystemen die Menschen in die Schweiz kommen.
Wir selber haben es in der Hand, die Spielregeln in unserem Land so zu gestalten, dass die Früchte der Arbeit allen zugute kommen. Wir selber haben es in der Hand, die Gesetze so auszugestalten, dass Lohndruck bekämpft werden kann. Wir selber haben es in der Hand, die Raumplanung so zu gestalten, dass es nicht zu einer Zersiedelung kommt. Wir müssen zwei Dinge tun. Wir müssen erstens das hiesige Potenzial nutzen. Wir müssen dazu schauen, dass Väter und Mütter auch in der Familienphase erwerbstätig sein können. Alleine wenn wir es den Frauen, die bereits erwerbstätig sind, ermöglichen würden, einen Tag pro Woche mehr zu arbeiten, weil die Betreuung funktioniert, könnten 20 000 Arbeitsplätze von ihnen besetzt werden und müssten nicht über Zuwanderung besetzt werden. Wir können das hiesige Potenzial nutzen, indem wir die Weiterbildung fördern. Das ist das eine, was wir tun müssen.
Das Zweite, was wir tun müssen: Wir müssen die Zuwanderung mit innenpolitischen Massnahmen begleiten, mit Massnahmen, die gegen Lohndruck und gegen höhere Mieten wirken. Da stehen insbesondere Sie von der FDP, der CVP, der BDP und der GLP in der Pflicht, denn wenn wir weiterhin eine offene Volkswirtschaft wollen, müssen Sie bereit sein, diese Massnahmen so zu erweitern, dass sie wirken. Glauben Sie nicht, dass die Menschen in diesem Land der weiteren Öffnung der Schweiz zustimmen, wenn gleichzeitig die Löhne unter Druck kommen und die Mieten steigen! Das werden sie nicht tun. Und zählen Sie nicht auf die SVP. Wir wissen es alle: Die ungelösten Probleme sind das politische Kapital der SVP, und die SVP wird alles daransetzen, dass die Probleme grösser werden und sicher nicht gelöst werden.
Und zum Schluss vielleicht noch eine Frage: Wer würde eigentlich die Kontingente verteilen, und aufgrund welcher Berechnungen würden sie verteilt werden? Wer würde entscheiden, ob zuerst die Bauern ihren Bedarf decken können oder ob es das Gesundheitswesen sein soll, ob es in der West-, Ost- oder Zentralschweiz sein soll? Soll es der Bundesrat sein, der nach Façon der SVP sowieso alles falsch macht und sowieso nichts versteht und sowieso nicht weiss, welches die Bedürfnisse des Volkes sind? Soll es das Parlament sein, das in den Augen der SVP ebenso versagt und die Verantwortung nicht wahrnimmt, oder soll es am Schluss die SVP sein, die diese Kontingente festlegt und damit sagt, wie es funktionieren soll?
Im Ernst, wir wissen alle, dass diese Initiative nicht zur Lösung der Probleme beitragen wird, aber wir wissen ebenso alle, dass wir anderen diese Probleme lösen müssen, denn es wird kein Ja zu einer weiteren Öffnung der Schweiz geben, wenn es nicht zu wirksamen Massnahmen gegen Lohndruck und gegen steigende Mieten kommt.
Müller Leo · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Fraktion CVP-EVP
Die Initiative "gegen Masseneinwanderung" verlangt eine grundsätzliche Neuausrichtung der schweizerischen Zuwanderungspolitik. Dieser Bereich soll wieder neu und wieder umfassend geregelt werden. Die Initiative will insbesondere erreichen, dass die Schweiz die Zuwanderung wieder durch die Festlegung von jährlichen Höchstzahlen steuert, und zwar für alle Zulassungen. Negative Folgen der Zuwanderung sollen dadurch vermieden werden.
Die vorgeschlagene Lösung ist insbesondere nicht mit dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU und auch nicht mit der Konvention der Efta vereinbar. Eine Annahme der Initiative stellt, das haben wir jetzt schon mehrmals gehört, die bewährten bilateralen Beziehungen mit unseren europäischen Partnerländern infrage; das schadet der Schweizer Wirtschaft, das schadet unserem Land, und das schadet - zu diesem Thema will ich mich vor allem äussern - auch der Schweizer Landwirtschaft. Ich will mich jetzt speziell mit den Auswirkungen auf die Landwirtschaft auseinandersetzen.
Die produzierende Landwirtschaft würde mit einer Annahme der Initiative geschwächt. Die Initiative fordert die Festsetzung von jährlichen Höchstzahlen bei allen Zulassungsarten, unabhängig von der Herkunft. Bei der Verteilung der Kontingente hätte die Landwirtschaft das Nachsehen, weil es sich dort praktisch ausschliesslich um weniger qualifizierte Arbeitskräfte handelt. Es sind ja vor allem Erntehelferinnen und Erntehelfer, auf die die Landwirtschaft angewiesen ist. Das sind aus verschiedenen Gründen weniger qualifizierte Arbeitskräfte. Es sind Arbeitskräfte, die nicht oder weniger erwünscht sind; sie haben ein sehr geringes Steuersubstrat, die Integration ist schwierig usw. Es ist daher absehbar, dass die Landwirtschaft, wie auch ähnliche Berufszweige wie die Gastronomie, die Hotellerie, das Baugewerbe, Pflegeinstitutionen usw., im harten Konkurrenzkampf um Arbeitskräfte leer ausgehen würde.
Fallen diese Arbeitskräfte weg, ist ein Ersatz durch Schweizer Arbeitskräfte nicht oder kaum möglich, da solche nicht rekrutierbar und auch zu teuer sind. Da diese Arbeitskräfte heute vorab in der produzierenden Landwirtschaft - ich denke vor allem an den Gemüsebau, an den Obstbau, an den Weinbau, an Tierhaltungsbetriebe usw. - angestellt sind, würden diese Betriebe in der Folge ihre Produktion extensivieren müssen. Gerade das widerspricht aber dem Verfassungsauftrag, den die Landwirtschaft hat. Es braucht genügend Landwirtschaftsbetriebe, die Landwirtschaft ist dementsprechend auf genügend Arbeitskräfte angewiesen. Mit der Beschränkung der Zuwanderung würde gerade die produzierende Landwirtschaft geschwächt. Der schon heute tiefe Selbstversorgungsgrad würde weiter sinken. Ebenso ist die Landwirtschaft gefordert, ihre Strukturen anzupassen. Dazu werden grössere Betriebsstrukturen gefordert. Für solche Strukturanpassungen braucht es neben dem Betriebsleiter auch Arbeitskräfte. Die Initiative erschwert aber gerade den Zugang von solchen Arbeitskräften.
Eine Annahme der Initiative hätte zudem zur Folge, dass wieder zum alten System der Kontingente zurückgekehrt werden müsste. Die Rekrutierung der Arbeitskräfte, insbesondere in der Landwirtschaft, würde nicht mehr durch die Nachfrage gesteuert, sondern sie würde durch die Administration gesteuert, also durch Kontingente. Dazu wären - und das haben wir auch schon mehrmals gehört - wiederum Behördenentscheide erforderlich. Das würde eine Bürokratie hervorrufen, die wir ja alle nicht wollen.
Ich bitte Sie auch aus dieser Sicht, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen. Ich bitte Sie, der Kommissionsmehrheit zu folgen.
Brunner Toni · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Es ist ein Privileg, dass man in der Schweiz, wenn man im Parlament mit seinen politischen Vorstellungen und Lösungsansätzen nicht durchkommt, diese vors Volk bringen kann. Man kann Unterschriften für eine Volksinitiative sammeln - und das letzte Wort hat der Souverän. Darum sind wir zum Volk gegangen und haben wegen der Massenzuwanderung Unterschriften für eine Initiative gesammelt.
Ich schätze darum die Situation realistisch ein, wenn ich sage, dass es heute hier drin für diese Initiative wohl keine Mehrheit geben wird. Hätten wir nämlich mit unseren politischen Vorstössen früher schon hier im Parlament Erfolg gehabt, wäre diese Initiative gar nicht notwendig gewesen.
Der Hintergrund unserer Initiative sind die massiv angewachsenen Zuwanderungszahlen, daraus sind die Besorgnis und letztlich auch die Erkenntnis entstanden, dass die Schweiz die Einwanderung nicht mehr selber steuern kann. Das möchten wir von der SVP ändern. Die Schweiz ist schliesslich ein souveräner Staat.
Ich habe heute die Debatte hier drin sehr genau mitverfolgt. Ich muss zu den Vertretern der anderen Parteien Folgendes sagen: Sie haben mit Kritik an unserem Volksbegehren nicht gegeizt. Sie haben aber mit eigenen Vorschlägen, was die Zuwanderung betrifft und wie wir sie in den Griff bekommen sollen, gegeizt. Wenn ich das, was ich von Ihnen gehört habe, kurz zusammenfassen müsste, dann müsste ich sagen, dass es ein grosses Schulterzucken war und dass diejenigen, die in Bezug auf eigene Vorschläge nicht ratlos waren, die Situation beschönigten. Sie sagten, dass alles gar nicht so schlimm sei, oder verwiesen präventiv auf die Europäische Union und sagten, dass wir mit Verhandlungen sowieso nichts erreichen könnten. Glauben Sie wirklich daran, oder sagen Sie das einfach? Werfen wir doch einen Blick auf das europäische Umland:
Ein erstes Beispiel ist die Ventilklausel. Gestern erreichte uns die Meldung, dass die EU-Staaten die einseitige Anrufung der Ventilklausel durch die Schweiz akzeptiert haben. Man habe sie sogar stillschweigend zur Kenntnis genommen. Das ist ja eigentlich noch verblüffend, wenn ich daran denke, wie hier in der Schweiz bereits wieder das Horrorszenario heraufbeschworen wurde, dass man hier das Verhältnis zur Europäischen Union belasten werde und dass man das gescheiter nicht tun würde - aber nichts dergleichen ist geschehen. Warum wird die Ventilklausel von der Europäischen Union akzeptiert? Sie wird akzeptiert, weil die Voraussetzungen erfüllt sind, weil wir das damals ausgehandelt haben und weil wir schwarz auf weiss belegen können, dass es mit der Anzahl der Zugewanderten in die Schweiz ein Problem gibt. Darum stösst man eben auch auf Verständnis, aber man muss so etwas halt auch aushandeln, sonst kann man sich nicht darauf berufen.
Ein zweites Beispiel ist die Schengen-Reform. Die Europäische Union reformiert Schengen. Ab 2014 sollen an nationalen Grenzen für die Dauer von höchstens zwei Jahren wieder Grenz- und Passkontrollen eingeführt werden können. Man muss sich dazu auf eine Notsituation berufen, z. B. darauf, dass eine massenhafte Ankunft von Asylbewerbern befürchtet wird. Die EU bewegt sich also. Im Prinzip ist das eine Abkehr von der bisherigen Schengen-Politik, welche von den europäischen Staaten selber kommt.
Ein drittes Beispiel ist das Fürstentum Liechtenstein, EWR-Mitglied und Schengen-Land. Als autonomer Staat nimmt sich das Fürstentum Liechtenstein trotzdem das Recht auf eine restriktive Ausländerpolitik, z. B. im Zuwanderungsbereich. Einwanderung 2011 ins Fürstentum Liechtenstein: 650 Personen. Auswanderung 2011 aus dem Fürstentum Liechtenstein: 467 Personen. Saldo: Einwanderung 2011 ins Fürstentum Liechtenstein: 183 Personen. 2011 hatten sie 75 Asylgesuche. Mit ihrer restriktiven Asylpolitik hatten sie gerade mal zwei Flüchtlinge, nämlich eine Frau aus China und einen Mann aus Somalia, anerkannt.
Diese drei Beispiele zeigen doch, dass die Zuwanderung überall ein Thema ist. Als selbst Herr Darbellay von der CVP einen Vorschlag in Richtung der Begrenzung der Zuwanderung machte, sagte er tatsächlich - das war am 20. April dieses Jahres -, dass wir die Ventilklausel in Dauerrecht überführen sollten. Wer das will, kommt letztlich zum Schluss, dass er unserer Initiative zustimmen muss. Wir müssen mit der Europäischen Union nachverhandeln. Sagen Sie Ja zur Initiative!
Tschümperlin Andy · Mit-M · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion
63 Rednerinnen und Redner haben sich auf der Liste für das heutige Geschäft eingetragen. Dazu kommen 15 Sprecherinnen und Sprecher der Kommission und der Fraktionen. 31 dieser Rednerinnen und Redner gehören der SVP-Fraktion an. Mehr als die Hälfte der Fraktion hat heute in dieser Debatte also gesprochen. Bei der Durchsicht dieser Liste staunte ich aber nicht schlecht, dass ausgerechnet Jean-François Rime, der Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes, nichts zu sagen hatte. Ausgerechnet der Präsident der Dachorganisation der Schweizer KMU hat nichts dazu zu sagen. Ich hätte mich auf das Votum gefreut. Ich hätte mich köstlich darüber amüsiert, wenn ich vom höchsten KMU-Vertreter gehört hätte, wie er mit einem Salto rückwärts die Position des Schweizerischen Gewerbeverbandes mit jener seiner Partei vereinbaren will.
Wir haben es heute bereits mehrmals gehört, ich sage es trotzdem noch einmal: Der Schweizerische Gewerbeverband, also der Verband, den Jean-François Rime präsidiert, lehnt diese Volksinitiative ab. Der Gewerbeverband nennt im Positionspapier drei Hauptargumente gegen diese Initiative:
1. Die Initiative ist mit dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU nicht vereinbar. Bei einer Annahme müsste der bisherige bilaterale Weg der Schweiz mit der EU mit grosser Wahrscheinlichkeit gekündigt werden.
2. Die Initiative führt zu einem bürokratischen Mehraufwand. Würde die Initiative angenommen, müsste jedes Gesuch einzeln geprüft werden. Es müsste ein Gesuch eines Arbeitgebers vorliegen. Dann müssten die Höchstzahlen überprüft werden. Es müsste dann abgeklärt werden, ob der Vorrang einer Schweizerin oder eines Schweizers berücksichtigt werden muss. Die Integrationsfähigkeit mit der entsprechenden Existenzgrundlage müsste auch noch eingeschätzt werden. Stellen Sie sich diesen Aufwand einmal praktisch vor! Nur schon die Überprüfung der Integrationsfähigkeit einer Person würde Stunden dauern. Sie erinnern sich an unsere Diskussionen in diesem Saal. Wir haben sie einige Male geführt. Wer bestimmt das? Ist es die SVP? Der Bundesrat? Oder braucht es eine gesetzliche Grundlage? Erinnern Sie sich an unsere Debatten dazu. Die Vorstellungen sind hier sehr unterschiedlich.
3. Die Initiative bremst das Wirtschaftswachstum. Das heutige Modell der Zuwanderung basiert darauf, dass die wirtschaftliche Lage die Nachfrage nach Arbeitskräften beeinflusst. Das ist auch gut so.
Zum Schluss unserer mehrstündigen Debatte schliesse ich mit einem Zitat von unserer Fraktionssprecherin Bea Heim: "Es kommt ja nicht allzu oft vor, dass so unterschiedliche Organisationen - der Arbeitgeberverband, der Gewerkschaftsbund, der Gewerbeverband, Travail Suisse, der Bauernverband und die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen - unisono der gleichen Meinung sind wie die SP, der Bundesrat und die Staatspolitische Kommission: Die Initiative gehört klar abgelehnt!"
Rime Jean-François · Mit-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Monsieur Tschümperlin, je vous remercie de m'avoir donné l'occasion de parler; il est vrai que je ne figure pas sur la liste des orateurs.
Ma position mérite une brève explication: vous savez tous dans quelles circonstances j'ai repris la présidence de l'USAM, suite au départ imprévu de Monsieur Bruno Zuppiger. Vous devriez savoir, comme moi, que quand vous faites partie du comité d'une initiative populaire, vous ne pouvez plus retirer votre nom par la suite, c'est pourquoi mon nom y figure encore. En l'occurrence, lorsque j'ai été élu, j'ai dit que je resterais absolument neutre dans ce débat, par rapport à mon parti et par rapport à l'USAM. C'est dans ce sens-là que j'ai renoncé à prendre position aujourd'hui.
Romano Marco · Mit-M · Nationalrat · Tessin · Fraktion CVP-EVP
L'iniziativa "contro l'immigrazione di massa" utilizza un colpo di cannone per uccidere una piccola ape per restare in tema con il dibattito sull'apicoltura di ieri. Sparando, molto verosimilmente, ucciderete l'ape, ma tacete, o non comprendete, le conseguenze del colpo su tutto quanto sta attorno. Gli effetti collaterali saranno pesanti e la presunta soluzione espone la Svizzera a gravi pericoli.
Per la Svizzera, introdurre e regolare la migrazione oggi con contingenti, significa sparare irrimediabilmente sulla via bilaterale, che ci pone in una condizione d'eccezione nei rapporti economici con i Paesi europei. Quale conseguenza generale, con la messa in discussione della via bilaterale, si aprirebbe un vortice di discussioni e di forzature che potrebbe aprire le porte all'entrata nell'Unione europea, realtà in pesante crisi economica e istituzionale. L'isolazionismo d'altro canto è pura utopia, distruttiva per il nostro Paese da un punto di vista economico e soprattutto inapplicabile nella quotidianità. Una terza via ad oggi non è nota e i promotori dell'iniziativa non sono in grado di indicarcela. Teniamoci la via bilaterale, cerchiamo di gestirla al meglio, e non scherziamo con il fuoco.
Questa iniziativa popolare va respinta, ma la discussione offre comunque l'opportunità di richiamare la necessità di agire e di controllare, nei limiti del possibile anche di limitare, la libera circolazione delle persone. Gli spazi di manovra sono dati, non c'è bisogno di cannoneggiare tutto il sistema. È una questione di responsabilità di tutti gli attori in campo.
Invitando il Parlamento a respingere l'iniziativa e a raccomandare al popolo la non accettazione, mi appello a voi invitandovi a comprendere la necessità di agire a sostegno della situazione tesa nelle regioni di frontiera, nelle regioni periferiche. La Svizzera e il Ticino hanno bisogno di misure pratiche, realizzabili e forti per gestire e controllare meglio la libera circolazione delle persone.
Lo stesso vale per la libera prestazione dei servizi. Introdurre contingenti pare la soluzione a tutti i mali, ma in realtà non risolverebbe i problemi reali. Gli effetti negativi sarebbero nettamente superiori ai presunti benefici, tutti da dimostrare.
Tocca al Consiglio federale, con la SECO e l'Ufficio federale della migrazione, collaborare con maggiore intensità ed efficacia con i cantoni affinché siano applicate regole strette e uniformi in tutto il Paese. Gli accordi sono dati, vi è margine per un'applicazione maggiormente capace di tutelare il mercato interno. Questo margine oggi non è sufficientemente preso in considerazione. Se non rispondiamo con atti concreti, offriamo sostegno indiretto ad iniziative come queste. È ora di smetterla di dire che tutto va bene, le medie nazionali non rispecchiano le situazioni contingenti di difficoltà. Affrontiamo i problemi e non avremo bisogno di una politica di contingenti che distrugge la via bilaterale.
Penso a un migliore controllo dei permessi e ad un maggiore rigore nel rilascio di quest'ultimi; penso alla necessità di eliminare situazioni di evidente vantaggio concorrenziale per lo straniero; penso al fatto che gli imprenditori italiani sotto i 10 000 franchi non devono pagare l'IVA; penso a misure di accompagnamento a contrasto del dumping salariale - non salari minimi generalizzati, ma salari vincolanti per settore -; penso a misure nel mondo della formazione per riportare gli svizzeri ad occupare settori professionali dimenticati. Gli spazi di manovra sono dati, occorre sfruttarli fino in fondo.
Ma non è solo responsabilità della politica: imprenditori e attori economici svizzeri, assumetevi le vostre responsabilità, nel presente e nel futuro. Il comportamento delle imprese e degli operatori locali è fondamentale nella difesa del mercato interno e dell'occupazione indigena. Privilegiare il consumo interno, privilegiare l'assunzione di manodopera locale, privilegiare ditte locali è già oggi possibile, tocca ad ognuno di noi dare il proprio contributo.
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Herr Nationalrat Bortoluzzi hat heute gesagt, man sollte viel häufiger solche Debatten führen. Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für diese sehr spannende Diskussion, aber allzu häufig sollten Sie solche Debatten vielleicht doch nicht durchführen.
Ich möchte mit etwas Positivem beginnen. Wir leben in einem Land, das in internationalen Rankings in Bezug auf die Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit regelmässig obenaufschwingt, und zwar ist es nicht nur oben, sondern häufig ganz oben oder sogar zuoberst. Das ist eigentlich toll. Und nicht nur das, auch in Bezug auf die Arbeitslosigkeit haben wir ein so tiefes Niveau, dass uns sehr viele andere Staaten darum beneiden. Fazit: Unser Land ist attraktiv. Normalerweise ist man ja stolz darauf, wenn man attraktiv ist; für uns oder zumindest für einige von uns ist das jetzt aber offenbar eher ein Problem. Vielleicht gehört es etwas zu unserem Land, dass man nicht gerne über die Erfolge spricht und auch nicht stolz ist, sondern sich lieber über die Probleme unterhält.
Es ist aber unbestritten, dass die Schweiz ein sehr attraktives Land ist, und zwar nicht nur wegen der schönen Landschaften und wegen der hohen Lebensqualität, sondern weil sie eben auch ein attraktiver Ort ist für die Arbeit, für die Arbeitskräfte, für die Arbeitnehmenden. Es kommen viele Arbeitskräfte in die Schweiz, und es kommen auch viele Firmen in die Schweiz. Während wir bei den Firmen automatisch das Gefühl haben, das sei gut für unser Land, ist die Einschätzung bei den Menschen etwas unterschiedlich. Aber es ist so, es kommen viele Arbeitskräfte in unser Land, es war in den letzten hundert Jahren immer so: Wenn der Wirtschaftsmotor brummte, kamen viele Arbeitskräfte, wenn der Wirtschaftsmotor stotterte, kamen weniger. Das hat sich in den letzten hundert Jahren nicht geändert, das war immer so.
Wenn wir die Arbeitskräfte, die gekommen sind, nicht gebraucht hätten, dann hätten wir heute eine hohe Arbeitslosigkeit. Das haben wir aber nicht, und das heisst, dass der Arbeitsmarkt die Arbeitskräfte, die gekommen sind, immer auch gebraucht und entsprechend absorbiert hat. Ich bin froh, ich habe heute eigentlich von allen gehört, dass die Zuwanderung für unser Land gut und wichtig ist und dass wir ohne Zuwanderung nicht dort wären, wo wir heute sind. Ich nenne Ihnen nur ein Beispiel, damit Sie sich noch einmal ganz bewusst machen, dass das eben nicht leere Worte sind: Ohne ausländische Arbeitskräfte hätten wir heute keinen Basistunnel am Gotthard. Im Jahr 2010, kurz vor dem Durchstich, waren 87 Prozent der Arbeitskräfte auf der Baustelle Ausländer und 13 Prozent Schweizer.
Das Problem ist also nicht die Zuwanderung an sich, sondern es ist offenbar das Gefühl, dass heute niemand die Zuwanderung steuert. Deshalb ist es ja das Ziel der Volksinitiative, über die wir heute debattieren, dass die Schweiz die Zuwanderung eigenständig steuern kann, dass wir die Zuwanderung selber in die Hand nehmen. Das haben die Befürworter der Initiative heute mehrmals so gesagt.
Der Bundesrat hat Verständnis dafür, dass man die Zuwanderung steuern will und dass man will, dass die Schweiz sie selber steuert. Nur ist die Frage: Wer steuert denn eigentlich heute die Zuwanderung? Warum kommen eigentlich so viele Zuwanderer in unser Land? Weil sie ganz offensichtlich in der Schweiz Arbeit finden. Warum finden sie Arbeit? Weil sie Arbeitgeber haben, weil sie Unternehmen finden, die sie beschäftigen, und weil sie Leute finden, die ihnen Aufträge geben. Und wer gibt ihnen diese Arbeit, wer beschäftigt eigentlich diese ausländischen Arbeitskräfte? Wenn Sie die Branchen anschauen, in denen diese Migranten oder diese ausländischen Arbeitskräfte arbeiten - zum Beispiel jene aus dem EU-/Efta-Raum -, dann sehen Sie, wer sie beschäftigt: Es sind die Bauunternehmer, es sind die Bauern, es sind die Gastwirte, es sind die Hoteliers, es sind die Dienstleistungsbetriebe, der Handel, die Maschinenindustrie, es sind die Spitaldirektionen und Heimleitungen - sie alle stellen ausländische Arbeitskräfte an, sie beschäftigen diese.
In den Augen der Befürworter, der Initianten der Initiative, sind es also die Genannten, die ganz offensichtlich so masslos Zuwanderung verursachen. Es sind offenbar diese Unternehmer und diese Arbeitgeber, die die unkontrollierte Zuwanderung verursachen. Sie sind offenbar auch schuld daran, dass wir verstopfte Züge haben, dass unsere Natur verschandelt wird, dass die Wohnungsmieten steigen und die Löhne gedrückt werden.
Wenn Sie dieser Meinung sind, dann müssen Sie mit diesen Branchen sprechen, dann müssen Sie mit der Wirtschaft sprechen, dann müssen Sie mit Herrn Nationalrat Noser sprechen. Er war übrigens heute während des ganzen Tages der Einzige, ich habe heute sehr aufmerksam zugehört, der sich geoutet hat. Er hat gesagt: Ich stelle solche Leute an, ich bin einer, der Arbeitskräfte aus dem EU-/Efta-Raum anstellt.
Wenn Sie diese Fragen an die Unternehmer stellen, dann müssen Sie diese dann auch fragen - fragen Sie auch Herrn Noser -, warum es die Wirtschaft nicht schafft, ihren Hunger auf ausländische Arbeitskräfte etwas zu zügeln. Warum lässt sie es zu, dass Schweizer sich in die Enge gedrängt fühlen? Warum setzt sich die Wirtschaft nicht vermehrt dafür ein, dass die gutausgebildeten Frauen eine Stelle finden und in der Schweiz arbeiten können? Warum beschäftigen diese Unternehmer 265 000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger, wenn sich doch die Bevölkerung in den Grenzregionen dadurch so schlecht fühlt? Warum haben die Arbeitgeber im Tessin kein Verständnis für die Tessiner Bevölkerung, die sich durch die über 50 000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger so bedrängt fühlt? Was ist denn los mit diesen Unternehmen? Warum denken sie nicht an die Bevölkerung? Warum ebnen die Unternehmer und die Arbeitgeber offenbar heute den ausländischen Arbeitskräften den Weg in die Sozialversicherungen?
Sie merken an diesen Fragen, dass das Ganze doch etwas komplexer ist und dass es sich lohnt, hier genauer hinzuschauen. Es war für mich heute, ehrlich gesagt, schon etwas erstaunlich, mit welchen Vorwürfen Wirtschaftsvertreter die Wirtschaft eingedeckt haben. Es war für mich ebenso erstaunlich, dass diese Wirtschaftsvertreter ausgerechnet den Behörden mehr Vertrauen schenken als der Wirtschaft, als den Arbeitgebern und den Unternehmen in unserem Land.
Die Initianten wollen, dass die Behörden bei der Zuwanderung das Steuerrad übernehmen. Die Behörden sollen sagen, wie viele Arbeitskräfte in unser Land kommen sollen, wie viele Arbeitskräfte unsere Wirtschaft braucht. Die Behörden sollen sagen, was im Gesamtinteresse unseres Landes ist; sie sollen nicht nur sagen, wie viele Menschen kommen dürfen, sondern sie sollen auch noch sagen, wer kommen darf. Man traut das nämlich der Wirtschaft, dem Arbeitsmarkt ganz offensichtlich nicht zu. Das ist doch ziemlich erstaunlich!
Der Bundesrat bedankt sich für dieses fast unbegrenzte Vertrauen. Es scheint ihm aber in diesem Fall nicht wirklich gerechtfertigt zu sein.
Die Befürworter der Initiative gehen offenbar davon aus, dass es eine "richtige" Zahl gibt, eine "richtige" Anzahl von Zuwanderern, dass es eine Zahl gibt, die nicht masslos ist. Wie hoch ist dann diese Zahl? Was wäre dann eine massvolle Zuwanderung? Es ist erstaunlich: Den ganzen Tag hat niemand gesagt, was man darunter versteht. Ich habe nur gehört, dass das, was wir heute haben, nicht gehe, dass das nicht erträglich sei. Ich habe gehört, es seien zu viele zugewandert; ich habe gehört, 80 000 Zuwanderer netto seien zu viel. Was ist denn richtig?
Das ist schon meine Frage an die Befürworter dieser Initiative. Ist die Zahl von 10 000 richtig, sind 20 000 richtig, sind 50 000 richtig? Wer bekommt dann diese Kontingente und wer nicht? Sagen Sie den Bauern, dass sie auf ihre 10 000 ausländischen Arbeitskräfte verzichten müssen? Sagen Sie den Gastronomen, dass sie ihre 20 000 ausländischen Arbeitskräfte nicht mehr bekommen?
Heute wurden auch die Probleme benannt, die wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung haben. Ich glaube, es ist richtig, dass wir über diese Probleme auch sprechen. Die Zuwanderung, die wir haben, die wir brauchen und die in den letzten Jahren nicht nur stark war, sondern vor allem auch rasch erfolgte, wirkt sich schon auf unsere Gesellschaft und auf unser Zusammenleben aus. Sie wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus. Es stimmt, wenn die Arbeitskräfte vor allem aus Ländern kommen, in denen es gegenüber der Schweiz ein grosses wirtschaftliches Gefälle gibt, dann ist das Risiko gross, dass das auf die Löhne der Schweizer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer drückt. Das wollen wir nicht. Deshalb waren die flankierenden Massnahmen schon am Anfang, bei der Einführung der Personenfreizügigkeit, die Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung die Personenfreizügigkeit überhaupt akzeptiert hat. Die flankierenden Massnahmen sind weiterhin eine Voraussetzung dafür, dass die Akzeptanz erhalten bleibt. Der Vollzug ist wichtig. Wenn neue Probleme auftauchen oder Missbräuche bekanntwerden, müssen wir diese Probleme und Missbräuche auch mit neuen, mit zusätzlichen Instrumenten bekämpfen.
Zum Stichwort Wohnungsmarkt: Ja, es stimmt, es gibt Regionen in der Schweiz, in denen günstiger Wohnraum rar geworden ist. Es genügt aber nicht, wenn wir uns darüber beklagen: Wir müssen etwas tun! Städte und Kantone tun einiges, und wir müssen sie dabei unterstützen. Der Bundesrat überlegt ebenfalls Massnahmen, mit denen er hier für mehr günstigen Wohnraum sorgen kann, und Ihre Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie fordert ebenfalls weitere Massnahmen.
Etwas dürfen wir aber nicht vergessen, wenn wir über dieses Thema sprechen: Der Wohnraumbedarf von uns allen hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm zugenommen. Viele von Ihnen haben wahrscheinlich ihr Kinderzimmer noch mit zwei oder drei Geschwistern geteilt. Ihre Grosskinder oder Ihre Kinder schlafen aber wahrscheinlich nicht mehr mit ihren zwei oder drei Geschwistern im gleichen Zimmer: Die haben alle ihr eigenes Zimmer. Unser Wohnraumbedarf hat enorm zugenommen, und das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt.
Es wurde gesagt, dass unser Kulturland unter Druck sei. Das stimmt: Unser Kulturland, unsere Landschaft ist in Bedrängnis, die Zersiedelung in unserem Lande ist bedenklich. Dagegen gibt es Instrumente, die man dann aber auch ergreifen muss. Die Revision des Raumplanungsgesetzes, die ja bei der letzten Abstimmung von der Bevölkerung angenommen worden ist, enthält solche Instrumente. Man kann sich dann aber nicht jedes Mal dagegen wehren, man muss auch bereit sein, solche Eingriffe und Massnahmen zu unterstützen.
Es ist richtig, dass unsere Infrastrukturen belastet sind. Die Züge, die Strassen sind belastet. Das ist aber nicht nur wegen der Zuwanderung so. Sie wissen es auch: Viele von uns pendeln, immer mehr Menschen haben ihren Arbeitsplatz und ihre Wohnung nicht mehr am gleichen Ort. Wir pendeln über immer weitere Strecken. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Infrastruktur. Eine Zahl, die Sie sich merken müssen, vor allem, wenn Sie an die verstopften Strassen denken: Die Hälfte des motorisierten Individualverkehrs ist Freizeitverkehr. Es ist also eine ganz freiwillige Angelegenheit, ob Sie sich hier in die verstopften Strassen stürzen oder nicht.
Auch hier, wie bei allen genannten Bereichen, würde ich aber sagen: Die Zuwanderung kann Probleme verschärfen oder verstärken. Die Probleme sind aber hausgemacht, und vor allem haben wir die Lösungen in der Hand und können sie steuern. Wir müssen es aber auch tun.
Die Frage ist, welche Antworten diese Volksinitiative auf diese Fragen, auf diese Probleme gibt, welche Lösungen die Initiative bietet. Die Initiative verlangt Höchstzahlen, Kontingente, und zwar die Einführung von Kontingenten für die Einwanderung aus der ganzen Welt. Es ist nicht mehr eine europäische Frage, sondern die Initiative will, dass wir ein Kontingentsystem für die Einwanderung aus der ganzen Welt einführen.
Kontingente hatten wir schon einmal. Unter dem Kontingentsystem haben wir in den Sechziger- und Siebzigerjahren Hunderttausende von ausländischen Arbeitskräften ins Land geholt. Deshalb wissen wir heute: Kontingente bedeuten nicht tiefe Zuwanderung, das ist eine falsche Gleichung. Was wir aber auch wissen, ist: Kontingente bedeuten Bürokratie, und zwar viel Bürokratie; vor allem dann, wenn, wie das die Initiative fordert, noch ein gesetzlich vorgeschriebener Inländervorrang gelten soll. Sie müssen sich das einmal ganz konkret vorstellen: Mit diesem gesetzlich vorgeschriebenen Inländervorrang und den Kontingenten müsste die Verwaltung die Kontingente aufteilen zwischen den Arbeitskräften pro Kanton, pro Branche, pro Status, also z. B. Status L- oder B-Bewilligung. Die Verwaltung müsste auch die 265 000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger einzeln bewilligen, im Tessin, in Genf, in der Bodenseeregion: Jeder einzelne Arbeitgeber müsste beweisen, dass er keine inländische Arbeitskraft gefunden hat. Übrigens, wenn man die Initiative wörtlich nimmt, dann müssten auch noch die 200 000 Erwerbstätigen unter 90 Tagen, die im Meldeverfahren hier sind, einzeln bewilligt werden.
Kein Wunder, sind die Wirtschaftsverbände geschlossen gegen diese Initiative. Der Schweizerische Gewerbeverband hat Anfang 2012 eine Umfrage publiziert, und die hat gezeigt, dass zwei Drittel ausdrücklich nicht zum Kontingentsystem zurückkehren wollen. Der Gewerbeverband sagt zu dieser Initiative, dass sie das Wirtschaftswachstum bremse, dass sie zu einem bürokratischen Mehraufwand führe und dass sie keine Lösung für die Nebeneffekte der Zuwanderung biete. Der Bauernverband ist auch gegen die Initiative, und zwar, weil damit die Landwirtschaft geschwächt werde und weil die Initiative den Zugang zu Arbeitskräften erschwere und die Kontingente zu teuren Verwaltungsverfahren führen würden. Auch Economiesuisse ist gegen die Initiative, die Gewerkschaften sind gegen die Initiative - ich sage es noch einmal: Die versammelte Wirtschaft kämpft gegen diese Initiative.
Ich komme zu den Schlussfolgerungen: Die Zuwanderung ist wichtig, und die Zuwanderung ist gut für unser Land, und zwar nicht nur wegen des Arbeitsmarktes, sondern auch aus kulturellen und aus sozialen Gründen - auch wegen des Familiennachzuges, auch wegen der Kinder, die zu uns kommen. Unser Land ist ein Land der Vielfalt. Die Vielfalt ist eine unserer Stärken, und die Zuwanderung gehört zu dieser Vielfalt. Dort, wo die Zuwanderung negative Auswirkungen auf die Gesellschaft, auf unser Zusammenleben hat, müssen wir Lösungen finden, aber nicht indem wir gegen die Arbeitskräfte kämpfen, sondern indem wir mit ihnen gemeinsam Lösungen für unsere Gesellschaft finden.
Der Bundesrat und Sie, die Bundesversammlung, können diese Lösungen nicht alleine finden. Wir leben in einem föderalistischen Staat, wir können die Lösungen nur gemeinsam finden, mit den Kantonen, mit den Städten, aber auch mit den Sozialpartnern. Das gilt auch für die Bereiche Wohnungsmarkt, Infrastrukturen und Landschaftsschutz. Alle müssen mitmachen, auch die Arbeitgeber, auch die Unternehmerinnen und Unternehmer, die ausländische Arbeitskräfte brauchen. Auch sie müssen Verantwortung übernehmen für die Integration, und sie müssen Verantwortung dafür übernehmen, dass überall dort, wo inländische Arbeitskräfte da sind, diese auch berücksichtigt werden, dass ihnen auch eine Chance gegeben wird und dass wir damit unser inländisches Potenzial besser nutzen als bisher.
Ich bitte Sie, vermischen Sie Zuwanderung und Asyl nicht miteinander! Erstens machen die Asylsuchenden weniger als 5 Prozent der gesamten Zuwanderung aus. Zweitens hat unser Land eine humanitäre Tradition. Deshalb spielen wir die Flüchtlinge nicht gegen die Arbeitskräfte aus.
Was passiert, wenn die Initiative angenommen wird? Ich sage es ganz nüchtern: Gemäss Vertrag fallen nach sechs Monaten alle Bilateralen I automatisch dahin - so viel kann man heute sagen. Die Bevölkerung hat dreimal Ja gesagt zur Personenfreizügigkeit. Jetzt wird sie sich ein viertes Mal dazu äussern können. Das ist gut. Es ist gut, dass wir darüber diskutieren. Wir werden der Bevölkerung aufzeigen, was die Personenfreizügigkeit bringt, was die Alternativen wären, welches die Antworten sind, die wir überall dort haben, wo die Zuwanderung eben die Gesellschaft nicht nur bereichert, sondern auch belastet. Und wir werden der Bevölkerung aufzeigen, dass diese Initiative keine Antwort auf echte Probleme ist, sondern neue Probleme schafft.
Ich bitte Sie, dem Bundesrat und der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen und diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen.
Wobmann Walter · Mit-M · Nationalrat · Solothurn · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin, in den letzten zwanzig Jahren hat die Schweizer Bevölkerung um rund eine Million zugenommen, vor allem durch Zuwanderung. Jetzt meine Grundsatzfrage: Wie viele Einwohner verträgt unser kleines Land in Zukunft?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Besten Dank für diese Frage, Herr Wobmann. Ich würde gerne eine Rückfrage stellen, aber das darf ich nicht. War das schlecht für unser Land? Ich habe Ihnen die wirtschaftliche Situation aufgezeigt. Was müssen wir tun? Einerseits müssen wir dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft die Arbeitskräfte kriegt, die sie tatsächlich braucht. Andererseits müssen wir dafür sorgen, dass der Zusammenhalt und das gesellschaftliche Leben in unserem Land auch gut funktionieren, wenn Menschen in unser Land kommen. Dafür gibt es keine Zahl, sondern dafür gibt es konkrete Massnahmen.
Moret Isabelle · Mit-F · Nationalrat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion
J'aimerais rappeler les principales conclusions de la majorité de votre commission.
La majorité de la commission constate que, malgré un système de contingents, la Suisse a connu une immigration plus forte dans les années 1970 qu'aujourd'hui.
La libre circulation des personnes permet donc de contenter les entreprises dans leur besoin en main-d'oeuvre, sans la rigidité et la bureaucratie du système des contingents.
La majorité considère le mécanisme de préférence nationale comme une procédure lente et bureaucratique. Pour démontrer que l'ordre de priorité a été respecté, l'employeur devrait prouver qu'il a cherché sur le territoire national des employés qui pourraient correspondre à ses besoins.
La majorité partage le constat des associations économiques quant à l'asymétrie entre les grands et les petits acteurs de l'économie. Les grandes entreprises obtiendraient des contingents nécessaires, alors que les petites structures risqueraient d'être lésées lors de la fixation des seuils annuels. Tout à l'heure, Monsieur Noser nous a parlé de l'exemple de sa propre entreprise et de ses craintes à ce sujet.
La remise en cause de la libre circulation des personnes et, par extension, le risque de rupture des Bilatérales préoccupent la majorité de la commission. Compte tenu de son haut niveau d'exportation vers l'Union européenne, la Suisse se retrouverait affaiblie économiquement sans l'accès au marché européen. Pour mémoire, l'Union européenne absorbe 60 pour cent de nos exportations, et une place de travail sur trois dépend de nos relations avec l'Union européenne. Or l'initiative n'aborde pas la question des relations de notre pays avec l'Union européenne. De même, elle ne propose pas d'alternative à une potentielle rupture des autres accords des Bilatérales I en raison de la clause guillotine.
La majorité de la commission estime qu'une renégociation de la libre circulation avec l'Union européenne pourrait s'avérer très difficile, voire impossible.
Je vous rappelle donc la conclusion de notre commission: elle vous invite, par 18 voix contre 7, à adhérer au projet du Conseil fédéral, donc à recommander au peuple et aux cantons de rejeter cette initiative populaire sans contre-projet.
Humbel Ruth · Mit-F · Nationalrat · Aargau · Fraktion CVP-EVP
Die Meinungen sind gemacht, dennoch möchte ich Ihnen noch ein paar Fakten in Erinnerung rufen und auch zwei Falschaussagen korrigieren.
Zuerst ist festzuhalten, dass die bilateralen Verträge demokratisch gut legitimiert sind. Dreimal hat das Schweizervolk die Abkommen an der Urne bestätigt: im Jahr 2000, im Jahr 2005 und im Jahr 2009. Die Zuwanderung aus den EU-Staaten ist die Folge der Nachfrage der Unternehmungen nach Arbeitskräften. Da stehen primär auch einmal die Arbeitgeber und Unternehmungen in der Verantwortung. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Initianten kein Vertrauen haben in die Wirtschaft, in die Unternehmungen, obwohl sie sonst immer vorgeben, deren Interessen wahrzunehmen. Die Initianten rufen nach dem Staat: Einmal mehr soll der Staat regeln, was die Unternehmen offensichtlich nicht können, nämlich Ausländerinnen und Ausländer nach den Bedürfnissen der Wirtschaft als Arbeitskräfte in die Schweiz zu holen.
Es wurde so dargestellt, als ob das Freizügigkeitsabkommen ein Freipass für alle EU-Bügerinnen und -Bürger wäre. Das ist natürlich nicht so. Wer aus der EU in die Schweiz kommen will, braucht einen gültigen Arbeitsvertrag, oder er muss selbstständig sein - da haben wir in Zusammenhang mit den flankierenden Massnahmen die Dokumentationspflicht verschärft -, oder er muss als Nichterwerbstätiger über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, darf also keine Sozialhilfe beanspruchen. Rechtsmissbräuche werden durch die Personenfreizügigkeit nicht gedeckt. Rechtsmissbräuchliches Verhalten muss von unseren Behörden konsequent geahndet und unterbunden werden.
Wir haben verschiedene Zahlen gehört, insbesondere auch, was die Belastung des Sozialsystems, der IV und der Sozialhilfe, angeht. Dabei wurde insbesondere auf den hohen Anteil von Türken und Ex-Jugoslawen, namentlich Serben, in der IV hingewiesen. Das hat rein gar nichts mit der Personenfreizügigkeit zu tun; bekanntlich gehören die Türkei und Serbien nicht zur EU. Es sind vielmehr die Spätfolgen der Kontingentspolitik. Tatsache ist, dass die EU-Bürgerinnen und -Bürger heute mehr in die AHV und in die IV einzahlen, als sie an Renten beziehen.
Auch die Kriminalität wurde bemüht: Die steigende Kriminalität in unserem Land hat aber nichts mit der Personenfreizügigkeit mit der EU zu tun. Die Kriminalstatistik zeigt ganz klar auf, dass es bei Schweizerinnen und Schweizern wie auch bei Ausländerinnen und Ausländern mit Wohnsitz in der Schweiz keine steigende Kriminalität gibt, sondern die Zahlen konstant bleiben. Die Kriminalität steigt bei den Kriminaltouristen wie auch bei den Asylsuchenden.
Wir haben Exponentinnen und Exponenten des Schweizerischen Gewerbeverbandes gehört. Ich möchte daran erinnern, dass der Schweizerische Gewerbeverband im Hearing wie alle anderen Wirtschaftsverbände der Schweiz sich klar gegen die Initiative geäussert hat. Er stellte eine von ihm durchgeführte Umfrage vor, wonach 70 Prozent seiner Mitglieder gegen die Initiative sind. Sie wollen nicht zum alten System der Personenkontingente zurück. Es wurde uns vom Gewerbeverband aufgezeigt, dass der Ausländeranteil in der Baubranche 50 Prozent beträgt, im Hotellerie- und Gastgewerbe 40 Prozent, in der Landwirtschaft 30 Prozent, im Gesundheitswesen über 30 Prozent. Wir könnten so fortfahren und wären dann eben bei der in dieser Debatte mehrmals gestelten Frage nach der Zuteilung der Kontingente.
Überfüllte Züge, verstopfte Strassen, überhöhte Mieten, zubetonierte Landschaften, Druck auf Arbeitsplätze und Löhne - das sind Probleme, welche uns und die Bevölkerung beschäftigen. Wir haben im Parlament auch verschiedentlich Gelegenheit, in den entsprechenden Handlungsfeldern Lösungsansätze zu finden. Die Masseneinwanderungs-Initiative aber löst keines dieser Probleme.
Ich fasse zusammen und möchte dazu aus dem Papier des Schweizerischen Gewerbeverbandes zitieren, das uns zugestellt worden ist. Die Masseneinwanderungs-Initiative ist abzulehnen, "weil sie mit dem Freizügigkeitsabkommen nicht vereinbar ist, weil sie das Wirtschaftswachstum bremst, weil die Initiative zu einem bürokratischen Mehraufwand führt und weil sie keine Lösung ist, um die Nebeneffekte der Zuwanderung zu beseitigen."
Ich bitte Sie, der klaren Kommissionsmehrheit - der Entscheid fiel mit 18 zu 7 Stimmen - zu folgen und die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen.
Graf Maya · P-F · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion
Eintreten ist obligatorisch
L'entrée en matière est acquise de plein droit
Bundesbeschluss über die Volksinitiative "gegen Masseneinwanderung"
Arrêté fédéral relatif à l'initiative populaire "contre l'immigration de masse"
Detailberatung - Discussion par article
Titel und Ingress, Art. 1
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre et préambule, art. 1
Proposition de la commission
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Angenommen - Adopté
Art. 2
Antrag der Mehrheit
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Antrag der Minderheit
(Fehr Hans, Aeschi Thomas, Bugnon, Joder, Pantani, Perrin, Rutz Gregor)
... die Initiative anzunehmen.
Proposition de la majorité
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Proposition de la minorité
(Fehr Hans, Aeschi Thomas, Bugnon, Joder, Pantani, Perrin, Rutz Gregor)
... d'accepter l'initiative.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit ... 128 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit ... 49 Stimmen
Präsidentin (Graf Maya, Präsidentin): Gemäss Artikel 74 Absatz 4 des Parlamentsgesetzes findet keine Gesamtabstimmung statt.