922.01
Verordnung
über die Jagd und den Schutz
wildlebender Säugetiere und Vögel
(Jagdverordnung, JSV)
vom 29. Februar 1988 (Stand am 15. Juli 2021)
Präambel
Der Schweizerische Bundesrat,
gestützt auf das Jagdgesetz vom 20. Juni 19861 (Jagdgesetz),
auf Artikel 29f Absatz 2 Buchstaben a, c und d des Umweltschutzgesetzes
vom 7. Oktober 19832 und
auf Artikel 32 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes vom 16. Dezember 20053,4
verordnet:
1. Abschnitt Jagd
Art. 15
Art. 2 Für die Jagd verbotene Hilfsmittel
Folgende Hilfsmittel und Methoden dürfen für die Ausübung der Jagd nicht verwendet werden:
Fallen, ausser Kastenfallen zum Lebendfang, sofern diese täglich kontrolliert werden;
Schlingen, Drahtschnüre, Netze, Leimruten und Haken;
für die Baujagd: das Begasen und Ausräuchern von Tierbauten, das Ausgraben von Dachsen, die Verwendung von Zangen und Bohrern, die Abgabe von Treibschüssen und das gleichzeitige Verwenden von mehr als einem Hund pro Bau;
als Lockmittel verwendete lebende Tiere;
elektronische Tonwiedergabegeräte für das Anlocken von Tieren, Elektroschockgeräte, künstliche Lichtquellen, Spiegel oder andere blendende Vorrichtungen sowie Laserzielgeräte, Nachtsichtzielgeräte und Gerätekombinationen mit vergleichbarer Funktion;
Sprengstoffe, pyrotechnische Gegenstände, Gift, Betäubungsmittel und vergiftete oder betäubende Köder;
Armbrüste, Pfeilbogen, Schleudern, Speere, Lanzen, Messer, Luftgewehre und Luftpistolen;
Selbstladewaffen mit einem Magazin von mehr als zwei Patronen, Schrotwaffen mit einem Kaliber von mehr als 18,2 mm (Kaliber 12), Seriefeuerwaffen und Faustfeuerwaffen;
Feuerwaffen:
deren Lauf kürzer als 45 cm ist,
deren Schaft klappbar, teleskopartig ausziehbar oder nicht fest mit dem System verbunden ist,
deren Lauf auseinandergeschraubt werden kann,
die mit einem integrierten oder aufsetzbaren Schalldämpfer ausgerüstet sind;
das Schiessen ab Motorbooten, deren Leistung 6 kW übersteigt, ausser zur Verhinderung von Schäden an den ausgelegten Fanggeräten bei der Ausübung der Berufsfischerei;
das Schiessen ab fahrenden Motorfahrzeugen, Luftseilbahnen, Standseilbahnen, Sessel- und Skiliften sowie Eisenbahnen und Luftfahrzeugen;
für die Wasservogeljagd: Bleischrot.6
Abweichend von Absatz 1 dürfen für das Töten von Wildtieren, die nicht fluchtfähig sind, verwendet werden:
Faustfeuerwaffen für Fangschüsse;
Messer und Lanzen zum Anbringen eines Kammerstiches, wenn die Wildtiere verletzt sind und Fangschüsse Menschen, Jagdhunde oder erhebliche Sachwerte gefährden.7
Zur Sicherstellung einer tierschutzgerechten Jagd regeln die Kantone bei den nachfolgenden Hilfsmitteln:
Feuerwaffen: die zugelassene Munition und Kaliber, die maximal erlaubten Schussdistanzen sowie den periodischen Nachweis der Treffsicherheit als Voraussetzung für die Jagdberechtigung;
Jagdhunde: die Ausbildung und den Einsatz insbesondere für die Nachsuche, das Vorstehen und Apportieren, die Baujagd sowie die Jagd auf Wildschweine.8
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) kann Richtlinien für die Verwendung von Hilfsmitteln und Methoden erlassen.9
Die Kantone können die Verwendung weiterer Hilfsmittel verbieten.
Art. 3 Ausnahmebewilligungen
Die Kantone können speziell ausgebildeten Angehörigen der Jagdpolizei oder Jägern die Verwendung verbotener Hilfsmittel gestatten, sofern dies nötig ist, um:
bestimmte Tierarten oder Lebensräume zu erhalten;
Wildschäden zu verhüten;
Tierseuchen zu bekämpfen;
10verletzte Tiere nachzusuchen und gegebenenfalls zu töten.
Sie führen eine Liste der berechtigten Personen.
Das BAFU kann den Einsatz verbotener Hilfsmittel für wissenschaftliche Untersuchungen und für Markierungsaktionen bewilligen.11
Art. 3bis12 Jagdbare Arten und Schonzeiten
Die jagdbaren Arten nach Artikel 5 des Jagdgesetzes werden wie folgt beschränkt oder erweitert:
die Moorente und das Rebhuhn sind geschützt;
die Saatkrähe ist jagdbar.
Die Schonzeiten nach Artikel 5 des Jagdgesetzes werden wie folgt beschränkt oder erweitert:
Wildschwein: Schonzeit vom 1. März bis 30. Juni; für Wildschweine, welche jünger als zweijährig sind, gilt ausserhalb des Waldes keine Schonzeit;
Kormoran: Schonzeit vom 1. März bis 31. August;
Rabenkrähe, Saatkrähe, Elster und Eichelhäher: Schonzeit vom 16. Februar bis 31. Juli; für Rabenkrähen, die in Schwärmen auftreten, gilt auf schadengefährdeten landwirtschaftlichen Kulturen keine Schonzeit.
2. Abschnitt Schutz
Art. 4 Regulierung von Beständen geschützter Arten
Mit vorheriger Zustimmung des BAFU können die Kantone befristete Massnahmen zur Regulierung von Beständen geschützter Tierarten treffen, wenn Tiere einer bestimmten Art trotz zumutbarer Massnahmen zur Schadenverhütung:13
ihren Lebensraum beeinträchtigen;
die Artenvielfalt gefährden;
14grosse Schäden an Wald, landwirtschaftlichen Kulturen oder Nutztierbeständen verursachen;
Menschen erheblich gefährden;
Tierseuchen verbreiten;
15Siedlungen oder im öffentlichen Interesse stehende Bauten und Anlagen erheblich gefährden;
16hohe Einbussen bei der Nutzung der Jagdregale durch die Kantone verursachen.
Die Kantone geben dem BAFU in ihrem Antrag an:
die Bestandesgrösse;
die Art und den örtlichen Bereich der Gefährdung;
das Ausmass und den örtlichen Bereich des Schadens;
die getroffenen Massnahmen zur Schadenverhütung;
die Art des geplanten Eingriffs und dessen Auswirkung auf den Bestand;
die Verjüngungssituation im Wald.17
Sie melden dem BAFU18 jährlich Ort, Zeit und Erfolg der Eingriffe.
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation19 (Departement) legt in einer Verordnung die Regulierung von Steinbockbeständen fest. Es hört zuvor die Kantone an.
Art. 4bis20 Regulierung von Wölfen
Wölfe eines Rudels dürfen nur reguliert werden, wenn sich das betroffene Rudel im Jahr, in dem die Regulierung bewilligt wird, erfolgreich fortgepflanzt hat. Die Regulierung erfolgt über den Abschuss von Jungtieren. Es darf höchstens eine Anzahl Wölfe erlegt werden, welche die Hälfte der im betreffenden Jahr geborenen Jungtiere nicht übersteigt.21
Ausnahmsweise kann im Rahmen der Regulierung nach Absatz 1 auch ein Elterntier, das besonders schadenstiftend in Erscheinung tritt, in den Monaten November bis Januar erlegt werden. Ein Elterntier gilt insbesondere dann als besonders schadenstiftend, wenn es über mehrere Jahre jeweils mindestens zwei Drittel des Schadens nach Absatz 2 verursacht.22
Die Wölfe sind soweit möglich nahe von Siedlungen oder Nutztierherden zu erlegen.23
Eine Regulierung bei Schäden an Nutztierbeständen ist zulässig, wenn im Streifgebiet eines Wolfsrudels, das sich erfolgreich fortgepflanzt hat, innerhalb von vier Monaten mindestens 10 Nutztiere getötet worden sind.24 Bei der Beurteilung der Schäden sind Artikel 9bis Absätze 3 und 4 sinngemäss anwendbar.
Eine Regulierung infolge erheblicher Gefährdung von Menschen ist zulässig, wenn sich Wölfe aus einem Rudel aus eigenem Antrieb regelmässig innerhalb oder in unmittelbarer Nähe von Siedlungen aufhalten und sich dabei gegenüber Menschen zu wenig scheu oder aggressiv zeigen.
Abschussbewilligungen sind auf das Streifgebiet des betreffenden Wolfsrudels zu beschränken. Sie sind bis spätestens am 31. Dezember des betreffenden Jahres zu erteilen und bis längstens am 31. März des nachfolgenden Jahres zu befristen.
Art. 4ter25 Ruhezonen für Wildtiere
Soweit es für den ausreichenden Schutz der wildlebenden Säugetiere und Vögel vor Störung durch Freizeitaktivitäten und Tourismus erforderlich ist, können die Kantone Wildruhezonen und die darin zur Benutzung erlaubten Routen und Wege bezeichnen.
Die Kantone berücksichtigen bei der Bezeichnung dieser Zonen deren Vernetzung mit eidgenössischen und kantonalen Jagdbanngebieten und Vogelreservaten und sorgen dafür, dass die Bevölkerung bei der Bezeichnung dieser Zonen, Routen und Wege in geeigneter Art und Weise mitwirken kann.
Das BAFU erlässt Richtlinien zur Bezeichnung und einheitlichen Markierung der Wildruhezonen. Es unterstützt die Kantone bei der Bekanntmachung dieser Zonen in der Bevölkerung.
Das Bundesamt für Landestopografie bezeichnet in den Landeskarten mit Schneesportthematik die Wildruhezonen sowie die darin zur Benutzung erlaubten Routen.
Art. 5 Präparation von geschützten Tieren
Tiere geschützter Arten dürfen nur präpariert werden, wenn sie tot aufgefunden oder aufgrund einer kantonalen Bewilligung erlegt oder gefangen worden sind.
Wer Tiere geschützter Arten präparieren will, muss sich in seinem Kanton registrieren lassen.
Wer ein Tier der folgenden geschützten Arten präparieren will, muss dies der Jagdverwaltung des Kantons melden, aus dem das Tier stammt:
alle geschützten Säugetiere;
alle Lappen- und Seetaucher;
Purpurreiher, Zwergreiher, Weissstorch;
Sing- und Zwergschwan, alle Wildgänse, Marmelente, Scheckente, Kragenente, Ruderente, Kolbenente, alle Sägerarten;
Auerhuhn, Haselhuhn, Steinhuhn, Wachtel;
alle Taggreifvögel;
Wachtelkönig, Grosser Brachvogel, Bekassine;
Eulen;
Ziegenmelker, Eisvogel, Wiedehopf;
Seidenschwanz, Blaumerle, Mauerläufer, Raubwürger, Rotkopfwürger.
Die Meldung muss innert 14 Tagen nach Eintreffen des Tieres im Präparationsbetrieb erstattet werden.
Der gewerbsmässige Handel mit Präparaten geschützter Tiere und die Werbung dafür sind verboten. Für den Handel mit alten, restaurierten Präparaten können die Kantone Ausnahmen vorsehen.
Art. 626 Haltung und Pflege geschützter Tiere
Die Bewilligung zur Haltung oder Pflege geschützter Tiere wird nur erteilt, wenn nachgewiesen ist, dass Erwerb, Haltung oder Pflege der Tiere der Gesetzgebung über Tierschutz sowie über Jagd und Artenschutz genügt.
Die Bewilligung zur Pflege wird ausserdem nur erteilt, wenn diese nachweislich pflegebedürftigen Tieren zukommt und durch eine sachkundige Person sowie in der geeigneten Einrichtung erfolgt. Die Bewilligung ist zu befristen.
Das BAFU erlässt bei Bedarf und nach Anhörung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) Richtlinien über die Pflege von geschützten Tieren.
Art. 6bis27 Falknerische Haltung von Greifvögeln
Die Bewilligung zur falknerischen Haltung von Greifvögeln wird nur erteilt, wenn:
die Vögel zur Ausübung der Beizjagd gehalten werden;
eine kantonale Berechtigung zur Ausübung der Beizjagd vorliegt; und
die falknerisch gehaltenen Vögel ihrem natürlichen Bedürfnis entsprechend ausreichend Gelegenheit zum Freiflug haben.
Bei der falknerischen Haltung von Greifvögeln ist die folgende Haltung zulässig:
während der Gefiedermauser und des Brutgeschehens in Mauserkammern;
zur Sicherstellung eines verletzungsfreien Fluges vorübergehend auf Flugdrahtanlagen;
kurzfristig in Anbindehaltung an der Fessel im Zusammenhang mit dem Transport, der Ausbildung von Jungvögeln, dem Flugtraining und der Jagdausübung.
Die Dauer der Anbindehaltung ist zu dokumentieren.
Das BAFU erlässt nach Anhörung des BLV eine Richtlinie über die falknerische Haltung von Greifvögeln.
Art. 7 Handel mit geschützten Tieren
Es ist verboten, lebende Tiere geschützter Arten anzubieten und zu veräussern. Ausgenommen sind Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden und für die eine Zuchtbestätigung vorliegt, oder die entsprechend gekennzeichnet sind, sowie Steinböcke, die gemäss Artikel 4 Absatz 4 gefangen wurden.
Die Bestimmungen der Verordnung vom 4. September 201328 über den Verkehr mit Tieren und Pflanzen geschützter Arten über Ein-, Durch- und Ausfuhr bleiben vorbehalten.29
Art. 830 Aussetzen von einheimischen Tieren
Das Departement kann mit Zustimmung der betroffenen Kantone bewilligen, dass Tiere von Arten, die früher zur einheimischen Artenvielfalt zählten, die heute aber in der Schweiz nicht mehr vorkommen, ausgesetzt werden. Voraussetzung ist der Nachweis, dass:
ein genügend grosser artspezifischer Lebensraum vorhanden ist;
rechtliche Vorkehren zum Schutz der Art getroffen worden sind;
weder Nachteile für die Erhaltung der Artenvielfalt und die genetische Eigenart noch für die Land- und Forstwirtschaft entstehen.
Das BAFU kann mit Zustimmung der Kantone bewilligen, dass Tiere geschützter Arten, die in der Schweiz bereits vorkommen und in ihrem Bestand bedroht sind, ausgesetzt werden. Die Bewilligung wird nur erteilt, wenn die Voraussetzungen gemäss Absatz 1 erfüllt sind.
Tiere, die ausgesetzt werden, müssen markiert und gemeldet werden (Art. 13 Abs. 4).
Art. 8bis31 Umgang mit nicht einheimischen Tieren
Tiere, die nicht zur einheimischen Artenvielfalt gehören, dürfen nicht ausgesetzt werden.
Die Einfuhr und Haltung nicht einheimischer Tierarten nach Anhang 1 ist bewilligungspflichtig. Eine Bewilligung wird erteilt, wenn die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller nachweist, dass die Tiere und deren Nachkommen nicht in die freie Wildbahn gelangen können.
Die Einfuhr und Haltung nicht einheimischer Tierarten nach Anhang 2 ist verboten. Für bestehende Haltungen und für die Einfuhr und Haltung zu Forschungszwecken kann ausnahmsweise eine Bewilligung erteilt werden, wenn die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller nachweist, dass die Tiere und deren Nachkommen nicht in die freie Wildbahn gelangen können. Die Bewilligung für bestehende Haltungen ist zu befristen.
Zuständig sind:
für die Bewilligung der Einfuhr: das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen32 nach vorgängiger Zustimmung des BAFU;
für die Bewilligung der Haltung: die kantonalen Behörden.
Die Kantone sorgen dafür, dass Bestände von Tieren nach Absatz 1, die in die freie Wildbahn gelangt sind, reguliert werden und sich nicht ausbreiten; soweit möglich entfernen sie diese, wenn sie die einheimische Artenvielfalt gefährden. Sie informieren das BAFU darüber. Das BAFU koordiniert, soweit erforderlich, die Massnahmen.
3. Abschnitt Wildschaden
Art. 9 Selbsthilfemassnahmen gegen Tiere geschützter Arten
Selbsthilfemassnahmen dürfen gegen Tiere folgender Arten ergriffen werden: Stare und Amseln.33
Die Kantone bezeichnen die zulässigen Hilfsmittel und legen fest, wer in welchem Gebiet und in welchem Zeitraum Selbsthilfemassnahmen ergreifen darf.
Art. 9bis34 Massnahmen gegen einzelne Wölfe
Der Kanton kann eine Abschussbewilligung für einzelne Wölfe erteilen, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten.
Ein erheblicher Schaden an Nutztieren durch einen einzelnen Wolf liegt vor, wenn in seinem Streifgebiet:
mindestens 25 Nutztiere innerhalb von vier Monaten getötet werden;
mindestens 15 Nutztiere innerhalb von einem Monat getötet werden; oder
mindestens 10 Nutztiere innerhalb von vier Monaten getötet werden, nachdem früher bereits Schäden durch Wölfe zu verzeichnen waren.35
Bei Tieren der Rinder- und Pferdegattung sowie bei Neuweltkameliden liegt ein erheblicher Schaden vor, wenn durch einen einzelnen Wolf innerhalb von vier Monaten mindestens zwei Nutztiere getötet wurden.36
Bei der Beurteilung des Schadens nach den Absätzen 2 Buchstabe c und 3 unberücksichtigt bleiben Nutztiere, die in einem Gebiet getötet werden, in dem trotz Schäden, die mehr als vier Monate zurückliegen, keine zumutbaren Schutzmassnahmen nach Artikel 10quinquies ergriffen worden sind.37
Schäden, die auf dem Gebiet von zwei oder mehr Kantonen entstanden sind, sind von den betroffenen Kantonen koordiniert zu beurteilen.
Die Abschussbewilligung muss der Verhütung weiteren Schadens an Nutztieren dienen. Sie ist auf längstens 60 Tage zu befristen sowie auf einen angemessenen Abschussperimeter zu beschränken. Dieser entspricht dem Alpperimeter, wenn dort keine zumutbaren Schutzmassnahmen ergriffen werden können.
Art. 1038 Entschädigung und Schadenverhütung
Der Bund leistet den Kantonen an die Entschädigung von Wildschäden die folgenden Abgeltungen:
3980 Prozent der Kosten von Schäden, die von Luchsen, Bären, Wölfen und Goldschakalen verursacht werden;
50 Prozent der Kosten von Schäden, die von Bibern, Fischottern und Adlern verursacht werden.
Die Kantone ermitteln die Höhe und die Verursacher des Wildschadens.
Der Bund leistet die Abgeltung nur, wenn der Kanton die Restkosten übernimmt.
Der Bund fördert Massnahmen, um Wildschäden durch Luchse, Bären, Wölfe und Goldschakale zu verhüten.40
Das BAFU kann Massnahmen gegen Biber, Fischotter und Adler verfügen, die erheblichen Schaden anrichten.41
...42
Art. 10bis43 Konzepte für einzelne Tierarten
Das BAFU erstellt Konzepte für die Tierarten nach Artikel 10 Absatz 1. Diese enthalten namentlich Grundsätze über:
den Schutz der Arten und die Überwachung von deren Beständen;
die Verhütung von Schäden und von Gefährdungssituationen;
die Förderung von Verhütungsmassnahmen;
die Ermittlung von Schäden und Gefährdungen;
die Entschädigung von Verhütungsmassnahmen und Schäden;
44die Vergrämung, den Fang oder, soweit nicht bereits durch die Artikel 4bis und 9bis geregelt, den Abschuss, insbesondere über die Erheblichkeit von Schäden und Gefährdungen, den Massnahmenperimeter sowie die vorgängige Anhörung des BAFU bei Massnahmen gegen einzelne Bären oder Luchse;
die internationale und interkantonale Koordination der Massnahmen;
die Abstimmung von Massnahmen nach dieser Verordnung mit Massnahmen in anderen Umweltbereichen.
Art. 10ter45 Verhütung von Schäden durch Grossraubtiere
Zur Verhütung von Schäden an Nutztieren durch Grossraubtiere beteiligt sich das BAFU zu 80 Prozent an den pauschal berechneten Kosten folgender Massnahmen:
Zucht, Ausbildung, Haltung und Einsatz von Herdenschutzhunden, welche die Anforderungen nach Artikel 10quater Absatz 2 erfüllen;
elektrische Verstärkung von Weidezäunen zum Schutz vor Grossraubtieren;
Elektrozäune zum Schutz von Bienenstöcken vor Bären;
weitere Massnahmen der Kantone in Absprache mit dem BAFU, sofern die Massnahmen nach den Buchstaben a-c nicht ausreichend oder nicht zweckmässig sind.46
Das BAFU kann sich zu höchstens 80 Prozent an den Kosten folgender Tätigkeiten der Kantone beteiligen:
regionale Schaf- und Ziegenalpplanung als Grundlage des Herdenschutzes;
Planung zur Entflechtung der Mountainbike- und Wanderwege vom Einsatzgebiet von Herdenschutzhunden nach Absatz 1 Buchstabe a sowie Umsetzung dieser Massnahmen;
Planung der Verhütung von Konflikten mit Bären.47
Das BAFU unterstützt und koordiniert die räumliche Planung der Massnahmen durch die Kantone. Es erlässt dazu eine Richtlinie.
Die Kantone integrieren den Herden- und Bienenschutz in ihre landwirtschaftliche Beratung.
Das BAFU kann Organisationen von gesamtschweizerischer Bedeutung unterstützen, welche die Behörden und die betroffenen Kreise über den Herden- und Bienenschutz informieren und beraten. Es kann solche Organisationen für die interkantonale Koordination der Massnahmen beiziehen.
Art. 10quater48 Herdenschutzhunde
Der Einsatzzweck von Herdenschutzhunden ist die weitgehend selbstständige Bewachung von Nutztieren und die damit zusammenhängende Abwehr fremder Tiere.
Das BAFU fördert den Herdenschutz mit Hunden, die:
zu einer Rasse gehören, die für den Herdenschutz geeignet ist;
für den Herdenschutz fachgerecht gezüchtet, ausgebildet, gehalten und eingesetzt werden;
hauptsächlich für das Bewachen von Nutztieren eingesetzt werden, deren Haltung oder Sömmerung nach der Direktzahlungsverordnung vom 23. Oktober 201349 gefördert wird; und
50...
Das BAFU erlässt nach Anhörung des BLV Richtlinien zu Eignung, Zucht, Ausbildung, Haltung und Einsatz von geförderten Herdenschutzhunden.51
Es erfasst in der Datenbank nach Artikel 30 Absatz 2 des Tierseuchengesetzes vom 1. Juli 196652 jährlich die Herdenschutzhunde, welche die Anforderungen nach Absatz 2 erfüllen.53
Art. 10quinquies54 Zumutbare Schutzmassnahmen vor Grossraubtieren
Zum Schutz von Nutztieren auf Weiden vor Grossraubtieren gilt im Sinne von Artikel 9bis Absatz 4 das Ergreifen der folgenden Massnahmen als zumutbar:
Schafe und Ziegen: Elektrozäune, die vor Grossraubtieren schützen, oder Herdenschutzhunde, welche die Anforderungen nach Artikel 10quater Absatz 2 erfüllen;
Neuweltkameliden, Weideschweine sowie Hirsche in Gehegen: Elektrozäune, die vor Grossraubtieren schützen;
Tiere der Rinder- und Pferdegattung: das Überwachen des Muttertiers mit seinem Jungtier während der Geburt, deren gemeinsame Haltung auf betreuten Weiden während den ersten zwei Lebenswochen sowie das sofortige Entfernen von Nachgeburten und toten Jungtieren;
Bienenstöcke: Elektrozäune, die vor Bären schützen;
weitere Massnahmen der Kantone nach Artikel 10ter Absatz 1 Buchstabe d.
Die Kantone bezeichnen die Alpperimeter, auf denen das Ergreifen von Schutzmassnahmen nach Absatz 1 als nicht zumutbar erachtet wird.
Nutztiere auf einem Hofareal, die sich in Ställen oder auf befestigten Auslaufflächen befinden, gelten als geschützt.
4. Abschnitt Forschung
Art. 11 Forschung über wildlebende Säugetiere und Vögel
Der Bund kann Forschungsstätten und Einrichtungen von gesamtschweizerischer Bedeutung für ihre Tätigkeit im öffentlichen Interesse Finanzhilfen gewähren. Diese können mit Auflagen verbunden werden.
Das BAFU unterstützt im Rahmen der bewilligten Kredite die praxisorientierte wildbiologische und ornithologische Forschung, insbesondere Untersuchungen über den Artenschutz, die Beeinträchtigung von Lebensräumen, über Wildschäden und Krankheiten wildlebender Tiere.
Das BAFU kann mit Zustimmung der kantonalen Jagdbehörden Organe der Jagdaufsicht oder Jagdberechtigte zur Unterstützung von wissenschaftlichen Untersuchungen beiziehen.
Art. 12 Schweizerische Dokumentationsstelle für Wildforschung
Das Departement legt die Aufgaben der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Wildforschung fest.
Art. 13 Markierung wildlebender Säugetiere und Vögel
Die Kantone können Aktionen zur Markierung jagdbarer Säugetiere und Vögel bewilligen, sofern sie wissenschaftlichen Zwecken, der Jagdplanung oder der Erhaltung der Artenvielfalt dienen.
Aktionen zur Markierung geschützter Säugetiere und Vögel kann das BAFU nach Anhören der Kantone bewilligen, sofern sie wissenschaftlichen Zwecken oder der Erhaltung der Artenvielfalt dienen.
Das BAFU bezeichnet Stellen, welche die Markierungsaktionen koordinieren. Diese Stellen legen die Art der Markierung, die Meldung und Rückmeldung markierter Tiere fest und informieren die beteiligten Stellen und Personen. Sie erstellen jährlich einen Bericht zuhanden des BAFU.
Alle Tiere, die markiert und freigelassen werden, müssen den Koordinationsstellen gemeldet werden.
5. Abschnitt Haftpflicht
Art. 14
Die minimale Deckungssumme für die Haftpflicht von Jägern beträgt 2 Millionen Franken.
6. Abschnitt Vollzug
Art. 15 Vollzug des Gesetzes durch die Kantone
Die Kantone erlassen die Ausführungsbestimmungen innert fünf Jahren nach Inkrafttreten des Jagdgesetzes55.
Sie berücksichtigen in ihrer Richt- und Nutzungsplanung die Erfordernisse des Arten- und Lebensraumschutzes.56
Art. 15a57 Vollzug des Jagdgesetzes durch den Bund
Wenden Bundesbehörden andere Bundesgesetze oder völkerrechtliche Vereinbarungen oder Beschlüsse an, die Gegenstände dieser Verordnung betreffen, so vollziehen sie dabei auch diese Verordnung. Sie hören vor ihrem Entscheid die Kantone an. Für die Mitwirkung des BAFU gelten die Artikel 62a und 62b des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes vom 21. März 199758.
Art. 16 Eidgenössische Jagdstatistik
Die Kantone melden dem BAFU jährlich bis zum 30. Juni den Bestand der wichtigsten jagdbaren und geschützten Tierarten, die Anzahl der erlegten und der eingegangenen Tiere sowie die gemeldeten präparierten geschützten Tiere. Sie machen zudem Angaben über die Anzahl der Jäger, die verwendeten verbotenen Hilfsmittel und über die zur Verhütung und Vergütung von Wildschäden aufgewendeten Mittel.
Das BAFU kann in besonderen Fällen, insbesondere wenn der Bestand einer Art stark zu- oder abnimmt, von den Kantonen weitere statistische Unterlagen verlangen und Richtlinien über die Erhebung der Bestände erlassen. Es hört die Kantone vorher an.
Art. 17 Entzug der Jagdberechtigung
Das BAFU stellt den Kantonen jährlich eine Liste der Personen zu, denen die Jagdberechtigung nach Artikel 20 Absatz 1 des Jagdgesetzes entzogen worden ist.
Art. 18 BAFU
Das BAFU hat die Aufsicht über den Vollzug des Jagdgesetzes.
Es erlässt die Verfügungen nach den Artikeln 10 Absätze 1 und 3 sowie 11 Absatz 1.59
Es gibt die minimalen Geodatenmodelle und Darstellungsmodelle für Geobasisdaten nach dieser Verordnung vor, für die es im Anhang 1 der Geoinformationsverordnung vom 21. Mai 200860 als Fachstelle des Bundes bezeichnet ist.61
Art. 18bis62 Änderung der Listen der Anhänge 1 und 2
Das Departement passt nach Anhörung der betroffenen Bundesstellen sowie der betroffenen Kreise die Listen der Anhänge 1 und 2 an, wenn es zu neuen Erkenntnissen über die Invasivität von Tierarten oder von deren natürlichen Ausbreitung gelangt.
7. Abschnitt Schlussbestimmungen
Art. 19 Aufhebung bisherigen Rechts
Die Vollziehungsverordnung vom 7. Juni 197163 zum Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz wird aufgehoben.
Art. 20 Änderung bisherigen Rechts
...64
Art. 2165
Art. 22 Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. April 1988 in Kraft.
Nicht einheimische Tierarten, deren Einfuhr und
Haltung bewilligungspflichtig ist
(Art. 8bis Abs. 2)
Wissenschaftlicher Name | Deutscher Name |
Sylvilagus spec. | Baumwollschwanzkaninchen |
Tamias sibiricus | Streifenhörnchen |
Ondatra zibethicus | Bisamratte |
Myocastor coypus | Nutria |
Castor canadensis | Kanadischer Biber |
Nyctereutes procyonoides | Marderhund |
Procyon lotor | Waschbär |
Neovison vison | Amerikanischer Nerz |
Dama dama | Damhirsch |
Cervus nippon | Sikahirsch |
Cervus canadensis | Wapiti |
Odocoileus virginianus | Weisswedelhirsch |
Ovis aries | Mufflon |
Alectoris chukar | Chukar-Steinhuhn |
Alectoris rufa | Rothuhn |
Tadorna ferruginea | Rostgans |
Alopochen aegyptiaca | Nilgans |
Branta canadensis | Kanadagans |
Cygnus atratus | Schwarzschwan |
Myiopsitta monachus | Mönchssittich |
Psittacula krameri | Halsbandsittich |
Hybriden zwischen wildlebenden Tieren und Haustieren, die gemäss Artikel 86 der Tierschutzverordnung vom 23. April 200866 den Wildtieren gleichgestellt sind. |
Nicht einheimische Tierarten, deren Einfuhr und
Haltung verboten ist
(Art. 8bis Abs. 2)
Wissenschaftlicher Name | Deutscher Name |
Sciurus carolinensis | Grauhörnchen |
Oxyura jamaicensis | Schwarzkopfruderente |
Greifvogel-Arthybriden |