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18.3835 · Motion · 2018-09-25

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, ein nationales Forschungsprogramm (NFP) "Alzheimerkrankheit" zu lancieren.

Begründung

Aktuell leiden in der Schweiz etwa 110 000 Menschen an der Alzheimerkrankheit. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ergeben sich sehr schwierige Lebenssituationen. Oft ist es bei Fortschreiten der Krankheit nicht mehr möglich, Betreuungsarbeit zu Hause zu leisten; ein Heimaufenthalt wird nötig. Dies führt zu enormen Kosten für die Betroffenen, ihre Familien und die Gemeinwesen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Krankheitsfälle in der Schweiz bis 2030 verdoppeln werden und 2050 sogar auf 350 000 ansteigen. Massnahmen, welche von Bund und Kantonen zu treffen sind, finden sich in der ausgezeichneten Nationalen Demenzstrategie 2014-2019 des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Anstrengungen, die Ursachen dieser Krankheit zu erforschen und Medikamente gegen die Alzheimerkrankheit zu entwickeln, sind vordringlich. Weltweit wird intensiv geforscht. Der Durchbruch ist noch nicht erfolgt. Nach dem vollständigen Rückzug von Pfizer aus dem Thema Alzheimer in diesem Jahr kommt der Frage nach der Zusammenarbeit zwischen der Schweizer Industrie und der Grundlagenforschung der Universitäten in diesem Bereich eine besondere Bedeutung für den Standort Schweiz zu. Die Pharmaindustrie in der Schweiz setzt nach wie vor erhebliche Mittel ein für die Alzheimerforschung. Es wäre wichtig, diese privaten Forschungsanstrengungen durch Forschung an Schweizer Universitäten zu flankieren und damit zu unterstützen. Wenn es gelingt, in der Schweiz Forschungsdurchbrüche in einheimischen Pharmaunternehmen oder in Universitäten zu erzielen, würden unsere Volkswirtschaft und die Hochschulen davon profitieren. Das wäre auch wegweisend für die Zusammenarbeit zwischen forschender Industrie und einzelnen Hochschulen.

Ein nationales Forschungsprogramm (NFP) "Alzheimerkrankheit" könnte mithelfen, die Schweiz in diesem Forschungsbereich gut zu positionieren. Es wäre auch eine ideale Komplementierung der BAG-Strategie im Bereich der Gesundheitsversorgung. Das Thema würde so in der Schweiz ganzheitlich bearbeitet.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat teilt die Auffassung des Motionärs, dass der Erforschung der Alzheimerkrankheit eine wichtige gesundheits- und gesellschaftspolitische wie auch volkswirtschaftliche Bedeutung zukommt. Die von Bund und Kantonen verabschiedete Nationale Demenzstrategie 2014-2019 hat denn auch zum Ziel, die Betreuung und Pflege von an Demenz erkrankten Menschen zu optimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Auch in der Forschung ist die Bedeutung der Alzheimerkrankheit erkannt. Forscherteams von Schweizer oder in der Schweiz ansässigen Firmen sowie an verschiedenen Hochschulen forschen intensiv an verbesserten Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Im Rahmen der vom Bund finanzierten Programmforschung werden ebenfalls verschiedene Forschungsprojekte in diesem Gebiet durchgeführt, so etwa im mittlerweile abgeschlossenen Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) "Neuro-Plastizität und Reparatur des Nervensystems". Ferner wird im Nationalen Forschungsprogramm "Gesundheitsversorgung" (NFP 74) ein Projekt realisiert, welches die unterschiedlichen kantonalen Verfahren zur Früherkennung und Frühdiagnose von Demenzerkrankungen beleuchtet und Empfehlungen für Best Practices erarbeitet. Zusätzlich haben Forschende über die Projektförderung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) jederzeit die Möglichkeit, Mittel für die Durchführung wissenschaftlicher Projekte - auch zum Thema Alzheimerkrankheit - zu beantragen. Die Mittel werden nach dem Wettbewerbsprinzip vergeben. Gemäss Forschungsdatenbank hat der SNF zwischen 2016 und 2018 über verschiedene Förderungsinstrumente insgesamt 71 Projekte mit Bezug zu Alzheimer unterstützt (http://p3.snf.ch/Default.aspx?query=alzheimer).

Solch grosse gesellschaftliche Herausforderungen wie die Erforschung von Alzheimererkrankungen können schliesslich nicht einzig auf nationaler Ebene gelöst werden. So ist die Schweiz auch auf internationaler Ebene aktiv und beispielsweise an der EU Joint Programme Initiative "Neurodegenerative Disease Research" beteiligt. Diese hat zum Ziel, Forschungsanstrengungen und gemeinsame Investitionen der teilnehmenden Staaten zu koordinieren, welche sich mit der Ursache, der Diagnose, der Therapie sowie mit geeigneten Versorgungsansätzen für Menschen mit neurodegenerativen Krankheiten beschäftigen. Zudem werden im Rahmen von Horizon 2020 bisher insgesamt 29 Projekte mit Schweizer Beteiligung mit Bezug zur Alzheimerforschung durchgeführt. Im Rahmen der europäischen Initiative "Innovative Medicines Initiative" schliesslich werden neurodegenerative Erkrankungen in enger Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Industrie erforscht.

Vor diesem Hintergrund sieht der Bundesrat keinen Bedarf, ein spezifisches NFP zu lancieren. Im Grundsatz erfolgt die Themenwahl für neue NFP bottom-up. Interessierte Kreise können Themenvorschläge jeweils im Rahmen einer neuen NFP-Prüfrunde einreichen, die dann in einer Gesamtwürdigung priorisiert werden. Die Fristen und Bedingungen für neue NFP-Vorschläge werden jeweils auf der Website des zuständigen Fachamtes kommuniziert (www.sbfi.admin.ch). Nach Prüfung aller Vorschläge formuliert dieses mögliche Programmthemen und leitet sie zur Machbarkeitsprüfung an den SNF weiter.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.