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19.4029 · Interpellation · 2019-09-12

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird eingeladen, folgende Fragen zu beantworten:

1. Welchen Stellenwert hat für den Bundesrat die Frühförderung der Kinder- und Jugendgesundheit?

2. Welche konkreten Massnahmen im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit beabsichtigt der Bundesrat im Rahmen der NCD-Strategie zu unterstützen und umsetzen zu lassen?

Begründung

Die ersten Lebensjahre sind für die gesamte weitere Entwicklung eines Menschen von zentraler Bedeutung. Es ist davon auszugehen, dass es 80 bis 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz gutgeht. 10 bis 20 Prozent aber sind gefährdet, gesundheitliche und soziale Probleme zu entwickeln wie Sucht, Gewalt oder psychische Belastungen. Mit entsprechender Förderung und Prävention können Krankheiten und psychische Störungen vermindert, die Entwicklung gefördert und die durch die Krankheitslast direkt und indirekt verursachten Kosten reduziert werden.

Der Bund hatte daher von 2009 bis 2014 ein Modellvorhaben zur "Integrationsförderung im Frühbereich" durchgeführt und unterstützt die Integrationsförderung seit 2014 über kantonale Integrationsprogramme. Damit verfolgt er unter anderem den chancengleichen Zugang zu den Angeboten der frühen Förderung. Kinder sind auch eine wichtige Zielgruppe der Nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten 2017-2024. Trotzdem sind sich Fachleute einig, dass Massnahmen zur Förderung in der frühen Kindheit verstärkt werden müssen. Dies wird auch im kürzlich verabschiedeten Manifest für Kinder- und Jugendgesundheit gefordert, das von vielen Organisationen unterstützt wird.

Stellungnahme des Bundesrates

1. Gesundheitsförderung und Prävention in der ersten Lebensphase wirken sich positiv auf den weiteren Lebensverlauf aus und verringern die Kosten des Gesundheits-, Sozial- und Strafrechtswesens. Für den Bundesrat ist deshalb die Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern durch eine adäquate und koordinierte Grundversorgung mit Bildungsmassnahmen sowie im Sozial- und Gesundheitswesen von Bedeutung. Die Umsetzung dieser Politiken liegt heute im Wesentlichen bei den Kantonen. Die Präventionsmassnahmen des Bundes legen einen besonderen Fokus auf sozioökonomisch benachteiligte Familien oder Familien mit Migrationshintergrund.

Im Rahmen der Umsetzung des Postulates 19.3417 der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates, "Strategie zur Stärkung der frühen Förderung", und koordiniert mit der Erfüllung der Motion Eymann 18.3834, "Frühe Sprachförderung vor dem Kindergarteneintritt als Voraussetzung für einen Sek-II-Abschluss und als Integrationsmassnahme", wird der Bundesrat eine Klärung des Begriffs der frühen Förderung und eine Auslegeordnung zu den Verantwortlichkeiten im Bereich der frühen Kindheit im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen vornehmen. In diesem Kontext unterstützt der Bundesrat auch das Postulat Gugger 19.3262, "Geht es den Kindern gut, geht es der Schweiz besser", welches im Nationalrat am 26. September 2019 angenommen wurde.

2. Im Rahmen der Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD, 2017-2024) wurden und werden im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit diverse Aktivitäten umgesetzt. Unter Einbezug der relevanten Akteure hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein Konzept zur "Gesundheitsförderung und Prävention in der frühen Kindheit" erarbeitet (BAG, August 2018). Bei den darin definierten Massnahmen geht es zum einen um Sensibilisierung sowie die Information von Fachpersonen, Eltern und Entscheidungsträgern über die Bedeutung der Gesundheitsförderung und Prävention in der frühen Kindheit. Zum anderen geht es um die Früherkennung und Prävention von Adipositas sowie die Vernetzung und Integration der Akteure der Gesundheitsversorgung und der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Gerade sozial benachteiligte Familien sollen so zu einem möglichst frühen Zeitpunkt bessere Unterstützung erhalten.

Folgende Studien wurden im Rahmen der NCD-Strategie veröffentlicht: Studie zur Datenlage über die Gesundheit der 0- bis 4-jährigen Kinder in der Schweiz (ZHAW, Februar 2019); Studie über die Kommunikation zwischen schwangeren oder stillenden Migrantinnen und den ärztlichen Fachkräften (Studie Bridge, BFH, Juli 2017); Studie über die Gesundheitsversorgung von Frauen und Säuglingen in Asylunterkünften (Studie Refugee, BFH, Juli 2017). Weitere Daten zur frühen Kindheit wird der im Jahr 2020 erscheinende Gesundheitsbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums bereitstellen.

Über die NCD-Strategie hinaus werden in der Bundesverwaltung weitere Massnahmen zur Förderung der Kinder- und Jugendgesundheit umgesetzt, insbesondere in den Bereichen Sozialpolitik, Chancengerechtigkeit, Migration und Integration. Ebenso unterstützt der Bund die ausserschulische Arbeit, um Kinder in ihrem körperlichen und geistigen Wohlbefinden zu fördern (Art. 2a des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes (KJFG; SR 446.1). Andere Organisationen, an denen der Bund beteiligt ist, leisten ebenfalls einen Beitrag zur frühen Förderung. Die Tripartite Konferenz hat sich 2012 bis 2017 im Rahmen eines Integrationsdialogs dem Thema "Aufwachsen - Gesund ins Leben starten" gewidmet und im November 2017 dazu Empfehlungen veröffentlicht. Als Beitrag zu diesem Integrationsdialog entwickelte das Netzwerk Kinderbetreuung den Info-Feed "Frühe Kindheit" und publiziert regelmässig Informationen zu früher Kindheit, Integration, Gesundheit, Armutsbekämpfung.

Antwort des Bundesrates.