21.3308 · Interpellation · 2021-03-18
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Lungenkrebs ist eine der häufigsten Krebsdiagnosen in der Schweiz und hängt meist mit dem Rauchen zusammen. Die Behandlung ist immer noch sehr ernüchternd. Es ist erwiesen, dass ein Screening, das auf einem Programm zum Thorax-Röntgen basiert, keinen Einfluss auf die Sterblichkeit hat.
Eine Hoffnung scheint auf dem Screening mittels Low-Dose-Computertomografie (CT) des Thorax zu liegen. Diese Technologie, die vier Mal sensibler ist als eine Röntgenaufnahme des Thorax und eine fünf Mal niedrigere Strahlendosis benötigt als eine übliche CT des Thorax, kann die Sterblichkeit bei Lungenkrebs um 25 bis 30 Prozent reduzieren. Bei Personen, die älter als 50 Jahre sind, die rauchen oder seit weniger als zehn Jahren nicht mehr rauchen und während mindestens 15 Jahren täglich mehr als eine Packung Zigaretten geraucht haben, kann diese Technologie einen Todesfall pro 320 Personen, die an dem Screening teilnehmen, verhindern.
Diese Zahl ist nur geringfügig höher als bei Brustkrebs (das Mammografie-Screening verhindert über 20 Jahre pro 250 Frauen einen Todesfall) oder Darmkrebs (das Screening mittels Darmspiegelung verhindert über 20 Jahre pro 170 Personen einen Todesfall). Bei Prostatakrebs verhindert das zwar nicht offizielle, aber ziemlich systematisch von Ärztinnen und Ärzten praktizierte Screening pro 500 Männer einen Todesfall.
Kann der Bundesrat Auskunft darüber geben, wie der heutige Stand der Überlegungen zu dieser Frage in der Schweiz aussieht und wie er ein solches Screening-Programm für eine der häufigsten Krebsarten in unserer Bevölkerung beurteilt?
Stellungnahme des Bundesrates
Der Nutzen einer Früherkennungsuntersuchung auf Lungenkrebs mit Hilfe der Niedrigdosis-Computertomographie (LD-CT) wird gegenwärtig vom Expertengremium Krebsfrüherkennung (Cancer Screening Committee) untersucht. Dieses Expertengremium ist im Rahmen der Nationalen Strategie gegen Krebs eingesetzt worden, um wissenschaftlich begründete, unabhängige Empfehlungen zu erarbeiten. Ein Bericht zur wissenschaftlichen Fragestellung (Scopingbericht) wurde im Oktober 2020 publiziert. Die Empfehlungen des Expertengremiums werden in der zweiten Hälfte 2022 erwartet.
Weiter ist eine aus medizinischen Fachvertretern bestehende interdisziplinäre "Swiss Lung Cancer Screening Implementation Group (CH-LSIG)" daran, die Machbarkeit und offene Fragen zu einer optimalen Früherkennungsstrategie zu explorieren.
Die private Stiftung für Lungendiagnostik bietet bereits ein Lungenkrebsscreening mit LD-CT an, deren Leistungen nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet werden.
Sobald die Empfehlungen des Expertengremiums sowie ein Antrag auf Kostenübernahme vorliegen, wird die Frage der Leistungspflicht im Rahmen der OKP von der Eidgenössischen Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen beraten. Anschliessend wird basierend auf deren Empfehlung das Eidgenössische Departement des Innern über eine OKP-Vergütung entscheiden. Die Ausgestaltung der Bedingungen für die Leistungspflicht, z. B. die Frage, ob Screeninguntersuchungen im Rahmen von kantonalen Programmen durchzuführen wären, wird Bestandteil der Beratungen und des Beschlusses sein. Gegebenenfalls wird die Implementierung dann auch in die Verantwortung der Kantone gelegt.
Antwort des Bundesrates.