21.3631 · Interpellation · 2021-06-02
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Kinder und Jugendliche sind besonders stark von den Auswirkungen von Covid-19 und den einschränkenden Massnahmen betroffen. Umso alarmierender ist die Datenlage im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit: Der 2020 publizierte Nationale Gesundheitsbericht "Gesundheit in der Schweiz - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" und das 2019 verabschiedete Manifest zur Kinder- und Jugendgesundheit haben grosse Lücken bei Daten zu Kinder- und Jugendlichen und darauf beziehend Handlungsbedarf festgestellt. Die bundesrätliche Gesundheitsstrategie 2030 hat daraufhin in Ziel 1 explizit die "Förderung der Digitalisierung und Nutzung der Gesundheitsdaten" aufgenommen.
Bereits 2017 hatte der Bund in der Studie "Erarbeitung Erhebungsmethoden für Datenlücken der Kinder- und Jugendgesundheit in der Schweiz" festgehalten, dass Datenlücken unter anderem behoben werden könnten, indem bestehende Datenquellen, z. B. die Daten der schulärztlichen Dienste, besser aufeinander abgestimmt und koordiniert genutzt werden. Tatsächlich sind im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit einige Daten bereits vorhanden, allerdings sehr dezentral und nicht koordiniert. Es besteht keine Übersicht über bestehende und geplante Studien; auch wird nirgends zusammengefasst, welche Indikatoren zu welchem Zweck und in welchem Rahmen bereits erhoben werden.
Angesichts von Covid-19 hat eine bessere Datenlage zu Kinder- und Jugendgesundheit eine neue Dringlichkeit erhalten. Ich ersuche deshalb den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Wie gedenkt der Bundesrat, die Gesundheitsstrategie 2030 umzusetzen, um bestehende Datenlücken im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit zu beheben?
2. Wie beabsichtigt der Bundesrat die Kantone, Ämter und Hochschulen darin zu unterstützen, um Erhebungen besser aufeinander abzustimmen?
3. Wie will der Bundesrat vorgehen, damit zukünftig bestehende Datenquellen koordiniert genutzt werden können?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Wie der Bundesrat bereits in der Stellungnahme zur Motion 19.4069 Roduit "Schweizer Kohortenstudie zur Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" und in der Antwort auf die Interpellation 21.3218 Wyss "Fehlende statistische Grundlagen zur körperlichen und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" festgehalten hat, ist er sich bewusst, dass die Daten zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen Lücken aufweisen. Um diese zu schliessen, plant das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Einführung eines Indikatorensets für die Kinder- und Jugendgesundheit, welches den Bedarfsrahmen für eine systematische Erhebung von Gesundheitsdaten festlegt. Anschliessend ist es zu prüfen, ob die relevanten Indikatoren durch bestehende Erhebungen abgedeckt werden können.
In diesem Zusammenhang wird, wie im Postulat 21.3220 Roduit "Die Auswirkungen von Covid-19 auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen" angegeben, Anfang 2022 die Möglichkeit geprüft, Fragen zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in die nächste Phase der Schweizer Gesundheitsstudie (www.schweizer-gesundheitsstudie.ch) zu integrieren. Zurzeit läuft die Pilotphase dieser Studie nur mit Erwachsenen. Ebenfalls ist zu prüfen, Fragen zu diesem Thema in die Schweizerische Gesundheitsbefragung (https://www.bfs.admin.ch > Statistiken finden > Gesundheit > Schweizerische Gesundheitsbefragung) aufzunehmen.
Diese Ansätze werden zu einem besseren Verständnis und Monitoring der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen führen und zur Erreichung der Ziele der Strategie Gesundheit2030 (www.bag.admin.ch > Strategie & Politik > Gesundheit2030 > Gesundheitspolitische Strategie des Bundesrats 2020-2030) beitragen.
2 und 3. Der Bundesrat hat die Ergebnisse des Nationalen Gesundheitsberichts 2020 "Gesundheit in der Schweiz - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" (www.obsan.ch > Publikationen > Gesundheit in der Schweiz - Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene) zur Kenntnis genommen. Das BAG ist in Kontakt mit der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren, um das Follow-Up dieses Berichts zu planen. Dabei werden die Handlungsempfehlungen insbesondere im Bereich der Daten zur Gesundheit und der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen priorisiert. Weiter werden Kantone, Ämter und Hochschulen an der Erarbeitung des Indikatorensets beteiligt, sodass alle ihren Bedarf einbringen und ihren Beitrag leisten können. Die später erhobenen wie auch bestehende Daten sollen für alle Akteure abruf- und nutzbar gemacht werden. Das BAG plant, die konkreten Arbeiten zur Erarbeitung der Indikatoren 2022 zu beginnen.
Antwort des Bundesrates.