21.4400 · Motion · 2021-12-09
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, der Tiergesundheit nachgewiesenermassen förderliche Produktionssysteme zu unterstützen, insbesondere das Konzept "Freiluftkalb", damit die Tiergesundheit verbessert und der Antibiotikaeinsatz reduziert werden kann.
Begründung
Der Bundesrat hat erkannt, dass mit tiergerechter Haltung der hohe Antibiotikaeinsatz in der Kälbermast zielgerichtet angegangen werden kann. Er hat deshalb in der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik (AP22+) ein Modul Tiergesundheit vorgeschlagen: "Betriebe, die auf eigenen Wegen oder mit unterstützenden Massnahmen eine besonders gute Gesundheit ihrer Nutztiere, die über den gesetzlichen Anforderungen liegt, erreichen, sollen Beiträge erhalten".
Im Rahmen des "Freiluftkalb"-Konzeptes konnte in mehreren Studien der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern aufgezeigt werden, dass sich der Einsatz von Antibiotika bei Freiluftkälbern um 80 Prozent reduzierte. In Betrieben mit dem neuen Konzept wurden fünfmal weniger Antibiotika-Behandlungstage verzeichnet als auf Vergleichsbetrieben. Dies lag an der viel besseren Gesundheit der Tiere: Bei diesen Kälbern traten nicht nur deutlich weniger Atemwegs- und Verdauungskrankheiten auf, es konnten auch viele Todesfälle verhindert werden (minus 50 Prozent Sterblichkeit). Die Freiluftkälber werden ganzjährig im Aussenbereich gehalten. Dazu steht ihnen nach einer kurzen Quarantänephase dauerhaft ein grosser Auslauf zu Verfügung, der mit reichlich Stroh eingestreut ist. Dieser ist gedeckt, damit die Kälber vor Regen und Hitze geschützt sind. Damit die Kälber nicht starkem Wind ausgesetzt sind, haben sie Zugang zu einem Unterschlupf.
Betriebe, die das "Freiluftkalb"-Konzept umsetzen, sollen Tiergesundheitsbeiträge ausbezahlt werden können, damit die Tiergesundheit verbessert und der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bund hat das Projekt "Freiluftkalb" sowie dessen Nachfolgeprojekt "Wirtschaftlichkeit Freiluftkalb" finanziell unterstützt. Der Bundesrat nimmt den erfreulichen Einfluss auf die Gesundheit der Kälber positiv zur Kenntnis. Mit geringfügigen Anpassungen, indem den Kälbern ein teilweiser ungedeckter Auslauf zur Verfügung gestellt wird, kann das System "Freiluftkalb" von den bestehenden RAUS-Beiträgen profitieren. Die Projektverantwortlichen wurden diesbezüglich informiert.
Der Bundesrat hat mit der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+; BBl 2020 3955) vorgeschlagen, eine Gesetzesgrundlage zur Stärkung der Tiergesundheit zu schaffen. Das Parlament hat in der Wintersession 2020 bzw. in der Frühlingssession 2021 beschlossen, die AP22+ zu sistieren, bis der Bundesrat einen Bericht zur künftigen Ausrichtung der Agrarpolitik vorgelegt hat (vgl. Postulat 20.3931 bzw. 21.3015). Der Bundesrat wird den Postulatsbericht voraussichtlich bis Mitte 2022 verabschieden. Anschliessend kann das Parlament die Vorlage beraten.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.