24.1004 · Anfrage · 2024-03-07
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Ende 2025 sollen die Mehrfahrtenkarten, die vor der Fahrt abgestempelt werden müssen, abgeschafft werden. Dies ist die Absicht des ÖV-Branchenverbands Alliance Swiss Pass. Besonders für Kinder oder ältere Menschen sind die Mehrfahrtenkarten praktisch, um sich selbstständig im öffentlichen Verkehr zu bewegen. Es besteht die Gefahr, dass Menschen vom öffentlichen Verkehr ausgeschlossen werden.
Das Ziel der ÖV-Branche ist eine Ersatzlösung, die auch ohne Smartphone funktioniert.
Warum muss eine neue Lösung gefunden werden, wenn es schon ein bestehendes, funktionierendes und beliebtes Angebot gibt? Wie hoch schätzt der Bundesrat die Investitions- und jährlichen Betriebskosten für die neue Lösung? Als Vergleich, wie hoch sind die Betriebskosten der heutigen Lösung? Sieht der Bundesrat mit der neuen Lösung den service public beschnitten? Ist der Bundesrat bereit Einfluss zu nehmen, damit die Absicht des ÖV-Branchenverbands Alliance Swiss Pass rückgängig gemacht wird?
Stellungnahme des Bundesrates
Gemäss Alliance SwissPass konzentriert sich die Nutzung der Mehrfahrtenkarten zum Abstempeln auf gewisse regionale Tarifverbünde. In einigen Tarifverbünden der Westschweiz gibt es bereits seit längerem keine physischen Mehrfahrtenkarten mehr. Im Nationalen Direkten Verkehr ging die Nachfrage an Mehrfahrtenkarten in den letzten Jahren laut Alliance Swiss Pass stetig zurück. Viele mechanische Entwerter hätten ihr Lebensende erreicht und müssten ersetzt werden. Die Beschaffung von Ersatzteilen für die bestehenden mechanischen Entwerter sei zunehmend schwierig, da diese zum Teil nicht mehr erhältlich seien. Zudem seien für Neubeschaffungen frühe Entscheide erforderlich, da die Beschaffung inklusive Inbetriebnahme mehrere Jahre Zeit in Anspruch nehme. Alliance SwissPass schätzt, dass schweizweit rund 15'000 Entwerter im Einsatz sind. Gemäss Alliance SwissPass ergibt das Beschaffungskosten – bei 3’265 Franken je Entwerter – von rund 50 Millionen Franken. Die jährlich anfallenden Kosten für 15'000 Entwerter belaufen sich auf knapp 10 Millionen Franken. Gemäss Alliance SwissPass wird im Sommer 2024 das weitere Vorgehen im Umgang mit den mechanischen Entwertern für Papierkarten festgelegt. Zurzeit können deshalb keine Angaben zu den Kosten neuer Lösungen gemacht werden. Die gesetzliche Kompetenz für die Gestaltung der Tarife und Fahrausweis-Sortimente liegt bei der öV-Branche. Der Bundesrat unterstützt die Weiterentwicklung der Digitalisierung im öffentlichen Verkehr. Dabei ist er der Meinung, dass die öV-Branche im Rahmen ihrer Zuständigkeit bei den Tarifen und Fahrausweisen passende Lösungen für Reisende ohne Smartphone anbieten muss.