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24.3174 · Interpellation · 2024-03-13

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Das BAG hat im August 2023 ein Factsheet Fertilität mit dem Titel " ​Können Chemikalien die Fruchtbarkeit beeinträchtigen? " veröffentlicht. Darin weist es darauf hin, dass Unfruchtbarkeit ein echtes Problem der öffentlichen Gesundheit ist, da seit mehreren Jahrzehnten die Zahl der Menschen mit Unfruchtbarkeitsproblemen stetig steige.

Die Spermienqualität von jungen Schweizern wird heute bei weniger als 40% als gut bezeichnet. Verschiedene Studien (z. B. Istvan et al. 2021) vermuten einen Zusammenhang zwischen der Spermienqualität junger Männer und einer möglichen Exposition ihrer Mütter gegenüber bestimmten Chemikalien (darunter endokrine Disruptoren) während der Schwangerschaft im beruflichen Umfeld.

Diese toxischen Substanzen scheinen zu einem noch unbekannten Teil aus Mikroplastik zu stammen, den wir zu uns nehmen, wie dieStudie von Kortenkamp et al. (2022) belegt.

Kann der Bundesrat uns in diesem Zusammenhang über die wissenschaftlichen Fortschritte bei der Suche nach den Ursachen von Unfruchtbarkeit im Zusammenhang mit der Aufnahme von Mikroplastik informieren?

Falls neue Studien durchgeführt wurden, welche Erkenntnisse und Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Falls nicht, beabsichtigt der Bundesrat, solche Forschungen anzustossen, und zwar mit der gebotenen Dringlichkeit, die aufgrund der Feststellung, dass unsere Bevölkerung auf eine allgemeine Unfruchtbarkeit zusteuert, gegeben ist?

Stellungnahme des Bundesrates

An der in der Schweiz und weltweit beobachteten Abnahme der Fruchtbarkeit sind viele verschiedene Faktoren beteiligt: veränderte Konsumgewohnheiten, Tabakkonsum, Übergewicht, Stress. Zu den mutmasslichen Ursachen gehören auch Chemikalien, die in unserer Umwelt und in Alltagsgegenständen – auch in Plastik und Mikroplastik – vorkommen. Es ist jedoch schwierig, einen direkten Zusammenhang zwischen der Exposition mit Chemikalien und einer verminderten Fruchtbarkeit herzustellen, und abzuschätzen, wie bedeutend dieser Faktor im Vergleich zu anderen ist.Die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Fruchtbarkeit sind noch wenig erforscht. Daher ist es derzeit noch nicht möglich, die konkrete Wirkung von Mikroplastik auf das Fortpflanzungssystem zu analysieren und zu ermitteln, ob die beobachteten Auswirkungen auf die physische Präsenz dieser Partikel oder auf die Exposition mit den darin enthaltenen Chemikalien zurückzuführen sind. Derzeit konzentriert sich die Forschung auf die Analyse von Einzelstoffen oder Stoffgruppen, die in Plastik und Mikroplastik enthalten sind. In der Schweiz unterstützt der Bund über das SCAHT (Schweizerisches Zentrum für Angewandte Humantoxikologie) verschiedene Forschungsprojekte, bei denen die Wirkung von Stoffgruppen wie Bisphenolen oder Phthalaten untersucht wird.Manche dieser Stoffe sind bereits untersagt oder werden nur noch stark eingeschränkt in Plastik verwendet (z. B. Verbot von BPA in Babyfläschchen oder generelles Verbot bestimmter Phthalate). Im Rahmen der Strategie für nachhaltige Chemikalien (environ­ment.ec.europa.eu > strategy > chemicals-strategy_en) plant die EU ein Verbot aller gefährlichen Substanzen in Konsumgütern. Sie hat auch eine Kunststoffstrategie (environment.ec.europa.eu > strategy > plastics-strate­gy_en) lanciert, mit der sie schrittweise die freiwillige Zugabe von Mikroplastik in (kosmetischen oder anderen) Produkten untersagt. Das Schweizer Chemikalienrecht ist weitgehend mit dem EU-Recht harmonisiert. Die Massnahmen der EU, die sich aus der Kunststoffstrategie ergeben, werden in die EU-REACH-Verordnung integriert und im Rahmen einer autonomen Umsetzung in das Schweizer Recht übernommen. Dies gewährleistet ein hohes Schutzniveau für Mensch und Umwelt in der Schweiz und verhindert Handelshemmnisse mit der EU.