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24.4053 · Interpellation · 2024-09-26

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Die Paralympischen Spiele, die gerade in Paris stattgefunden haben, zeigen die wachsende Bedeutung und Popularität des Behindertensports sowohl in Bezug auf die Teilnahme von Athletinnen und Athleten als auch in Bezug auf das Interesse der Öffentlichkeit. Die 21 Medaillen, welche die Vertreterinnen und Vertreter des Schweizer Behindertensports gewonnen haben, sind ein grossartiger Beweis dafür.

Doch die Athletinnen und Athleten mit Behinderung müssen immer noch viele Hindernisse überwinden, damit sie teilnehmen können. Die Integration von Menschen mit Behinderung in Aktivitäts-, Ausbildungs- und Unterstützungsprogramme der Sportarten für Menschen ohne Behinderung gestaltet sich schwierig. Als vorbildliches Beispiel kann man die Stelle des oder der Verantwortlichen für Handitennis nennen, die vor Kurzem auf Anregung von Personen geschaffen wurde, die sich sehr für die Vereinigung Handisport Genf engagieren. Darüber hinaus ist die Rollenverteilung selbst auf höchster Ebene des Behindertensports sowohl hinsichtlich der Finanzierung als auch der Ausbildung sehr komplex.

Der Behindertensport in der Schweiz hängt zurzeit sozusagen hauptsächlich vom Sozialbereich und nicht vom Sportbereich ab. Wenn jedoch eine echte Inklusion erreicht werden soll, so sollten die politischen und administrativen Strukturen des Bundes vorangehen, indem sie Athletinnen und Athleten mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung als vollwertige Athletinnen und Athleten und nicht als hilflose oder kranke Personen betrachten. Es wäre demnach der Überlegung wert, die verschiedenen Subventionen und Hilfen an Sportstrukturen und nicht unbedingt an Sozialversicherungen auszurichten. Dies sollte jedoch nicht dazu führen, dass Personen die Sozialhilfe für ihre täglichen Bedürfnisse entzogen wird. Es geht lediglich darum, eine sportliche Aktivität zu unterstützen.

Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

  • Ist er auch der Meinung, dass der Schweizer Behindertensport stärker gefördert und unterstützt werden sollte?

  • Wie denkt er über die komplexe Verflechtung der Strukturen, die sich mit Behindertensport befassen?

  • Ist er der Ansicht, dass ein Paradigmenwechsel stattfinden sollte, gemäss dem Athletinnen und Athleten mit Behinderung als vollwertige Athletinnen und Athleten und nicht als unterstützte Personen betrachtet werden?

  • Beabsichtigt er, diese Überlegungen im Rahmen der Stellungnahme zur gerade eingereichten Inklusions-Initiative einzubeziehen?

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat erachtet alle Menschen mit Interesse und Freude an Sport und Bewegung unabhängig ihrer körperlichen oder sozialen Voraussetzungen als Teil des Sportsystems der Schweiz. Die Förderung von Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen sind ein bedeutender und selbstverständlicher Teil der Sport- und Bewegungsförderung des Bundes. Zu den entsprechenden Fördermassnahmen im Leistungs- und Breitensport haben grundsätzlich alle Menschen Zugang. So können heute auch Menschen mit Behinderungen grundsätzlich gleichermassen wie Teilnehmende ohne Behinderungen von Leistungen aus der Sportförderung profitieren. Beispielsweise in Zusammenhang mit den über Swiss Olympic ausgerichteten Beiträgen an die (Behinderten-)Sportverbände zur Förderung des Leistungssports, die Spitzensportförderung der Armee oder der Teilnahme an J+S-Angeboten. Im Rahmen der Invalidenversicherung werden Angebote der national und sprachregional tätigen Behindertenorganisation für den Breitensport von Menschen mit Behinderungen unterstützt (Art. 74 Bundesgesetz über die Invalidenversicherung; SR 831.20). Mit den Beiträgen wird den behinderungsspezifischen Bedürfnissen der Teilnehmenden Rechnung getragen. Die Sport- und Bewegungsförderung von Menschen mit Behinderungen durch den Bund erfolgt damit heute im Rahmen mehrerer Fördersysteme. Aus Sicht des Bundesrats konnte die Sport- und Bewegungsförderung von Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren auf verschiedenen Ebenen verbessert werden. Dies zum Beispiel durch die Einführung von Zusatzbeiträgen für entsprechende Angebote im Programm Jugend und Sport, die Mitfinanzierung von Massnahmen zur Förderung der Inklusion durch Swiss Olympic oder die Erhöhung der Anzahl Athletinnen und Athleten mit Behinderungen in der Spitzensportförderung der Armee. Der Bundesrat ist sich der Komplexität der heutigen Fördermechanismen und Zuständigkeiten bei der Sport- und Bewegungsförderung von Menschen mit Behinderungen und der bestehenden Fragestellungen in Zusammenhang mit der Inklusion bewusst. Die Prüfung von Möglichkeiten zur Reduktion der Komplexität und zur Optimierung des Zusammenspiels der verschiedenen Fördermassnahmen im Kontext der Inklusion ist aus Sicht des Bundesrats angezeigt. Neben den involvierten Bundesstellen sind hier auch die Kantone und die privaten Partner gefordert.