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24.4071 · Interpellation · 2024-09-26

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Um einer Opioid-Epidemie vorbeugen zu können, braucht die Schweiz Daten zur Entwicklung zur Opioidabgabe und zum -verbrauch sowie Schadensindikatoren. Opioide sind die Basis vieler Medikamente und werden häufig zur Schmerztherapie eingesetzt. Man spricht von Abhängigkeit auf Rezept und meint damit, dass Menschen auf legalem Weg abhängig werden, aber in die Illegalität gedrängt werden können, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Ich bitte den Bundesrat folgende Fragen zu beantworten:

Verfügt der Bund über Daten,

1. die schweizweit Umfang und Entwicklung der Opioid-Verwendung in Praxen und Spitälern sowie Abhängigkeiten bei Patienten aufzeigen?

2. um die mit dem Opioidkonsum einhergehenden Schäden zu erfassen, u.a. die Zahl derer, die über ärztliche Verschreibungen Abhängigkeit entwickelt haben, Langzeiteinnahmen über 6 Monate und die Zahl der opioidbedingten Spitaleinweisungen und Todesfälle?

3. Was tut der Bundesrat um einer möglichen Epidemie vorzubeugen?

4. Ist der Bundesrat bereit, eine interdisziplinäre Expertengruppe einzusetzen, um das BAG bei Daten und Kriterien mit Blick auf Präventionsmassnahmen und -instrumente zu unterstützen?

Begründung

In den USA ist das Opioid Fentanyl Todesursache Nr. 1 bei Menschen zwischen 18 und 49 Jahren. Alle 7 Minuten stirbt ein Mensch. Das Drogenelend breitet sich in ganz Nordamerika aus. Das Problem begann jedoch mit der übermässigen Verschreibung von Oxycodon in den 1990er Jahren. Die Fallzahlen etwa in MonAM weisen zwar für die Schweiz keine akute Situation aus, aber Studien des Kantonsspitals Baden, des Inselspitals sowie eine ETHZ-Studie von 2022 zeigen, dass sich das Problem besonders bei starken Opioiden wie Oxycodon verschärft: Die Zahl der Notfallanrufe wegen Opioid-Vergiftungen bei Tox Info Suisse nahm zwischen 2000 bis 2019 um 177% zu. Gleichzeitig haben sich die Opioid-Verkaufszahlen von Apotheken und Ärztinnen von 14'300 verkauften Einheiten pro 100'000 Einwohner auf 27'400 fast verdoppelt. Sie stiegen etwa gleich stark wie in den Niederlanden und Dänemark, allerdings sind die Pro-Kopf-Verkäufe in der Schweiz substanziell höher. Wir kennen zwar Warnungen vor Opioidabgaben an Nicht-Tumorpatienten und ein Studienprojekt zur Verbesserung der Spitalabgabe. Ohne Datengrundlage sind wir aber in Bezug auf eine sich europaweit verschärfende Entwicklung schlecht vorbereitet.

Stellungnahme des Bundesrates

1. + 2. Opioidhaltige Medikamente sind ein zentraler Bestandteil in der Behandlung von schweren Erkrankungen. Der Bund nimmt das Abhängigkeitspotential dieser Medikamente sehr ernst und beobachtet die Entwicklung in diesem Bereich. Um zu beobachten, in welchem Umfang opioidhaltige Medikamente verwendet werden, können Daten der Krankenversicherungen und Verkaufszahlen herbeigezogen werden. Weiter kann mittels dem Abwassermonitoring des DroMedArio-Projekts, welches das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitfinanziert, der Gesamtverbrauch von Opioiden überwacht werden. Diese Datenquellen weisen insgesamt nicht auf eine Zunahme in den letzten Jahren hin. Die Daten der Krankenversicherungen zeigen ein stabiles Niveau der vergüteten opioidhaltigen Medikamente zwischen 2015 und 2022. Das Abwassermonitoring zeigt ebenfalls keine deutliche Veränderung des Gesamtverbrauchs zwischen 2021 bis Mitte 2024. Diagnostizierte Erkrankungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Opioiden werden grundsätzlich in den Statistiken der Krankenhäuser, der Todesfälle und der Suchthilfe erfasst. Diese enthalten auch Fälle von Abhängigkeiten, die auf eine längerfristige Einnahme von opioidhaltigen Medikamenten zurückzuführen sind. Deren Anzahl ist indes sehr viel geringer als die Abhängigkeiten durch Opioide, insbesondere Heroin, die aus dem illegalen Handel bezogen werden. Gemäss Statistiken der Suchthilfe nahmen die Behandlungseintritte wegen Suchtproblemen mit Opioiden zwischen 2013 und 2022 ab. 3. + 4. Die Nationale Strategie Sucht ist auf Substanzen und Verhaltensweisen ausgerichtet, die abhängig machen können. Der Bundesrat hat diese Strategie kürzlich bis 2028 verlängert (bag > de > home > strategie-und-politik > nationale-gesundheitsstrategien > strategie-sucht). Der Massnahmenplan zur Strategie Sucht sieht Aktivitäten in Bezug auf psychoaktive Medikamente in den Bereichen Prävention, Früherkennung und Suchthilfe vor. Um die Entwicklungen im Bereich des problematischen Gebrauchs opioidhaltiger Schmerzmittel in der Schweiz verfolgen zu können, führen das BAG und der Berufsverband der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) seit 2021 jährlich fachliche Austauschtreffen durch. Weiter finanziert das BAG das Projekt der FMH «PEPra - Prävention mit Evidenz in der Praxis» mit. Diese Plattform bietet unter anderem im Bereich der Medikamentenverschreibung vertiefte Informationen und Hilfsmittel, sowie ein Schulungsmodul, das sich gänzlich der Schmerzmedizin widmet.