24.4091 · Interpellation · 2024-09-26
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Ziels 5 der Legislaturplanung 2023-2027 lautet: «Die Schweiz nutzt die Chancen der künstlichen Intelligenz, reduziert ihre Risiken und setzt sich für einen innovativen Standort Schweiz und eine zukunftsgerichtete nationale und internationale Regulierung ein.»
In überparteilichen, durch die Expedition Zukunft organisierten Workshops mit unterschiedlichen Wissensträgerinnen und Wissensträgern wurden verschiedene Handlungsfelder erarbeitet, um die Weichen für die Transformation der Schweiz im Bereich der Künstlichen Intelligenz zu stellen.
Damit die Schweiz die Chancen nutzen und Risiken vermeiden kann, muss es unser Ziel sein, die Daten- und KI-Kompetenz als Grundkompetenz anzuerkennen, das Kompetenzniveau in der Schweiz über die Vermittlung in der Grund- und Weiterbildung zu erhöhen und Spitzenforschung im Bereich KI zu ermöglichen.
Wir ersuchen den Bundesrat um Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Wie beurteilt der Bundesrat das Kompetenzniveau in der Schweiz verglichen mit anderen innovationstreibenden Ländern im Bereich Daten und Künstliche Intelligenz?
2. Anerkennt der Bundesrat Daten- und KI-Kompetenz als Grundkompetenz, vergleichbar mit Lesen und Schreiben?
3. Welche Massnahmen sind oder wären notwendig, um eine solche Anerkennung als Grundkompetenz umzusetzen?
4. Welche minimalen KI-Kompetenzen sollten bei welchen Bevölkerungsgruppen vorhanden sein?
5. Wie kann die Vermittlung von Daten- und KI-Kompetenz in die Grund- und Weiterbildung integriert werden?
6. Wo steht die Schweiz im Vergleich zur Weltspitze in der Forschung zu KI?
7. Ist es für den Bundesrat ein Ziel, im Bereich KI in der Schweiz Spitzenforschung zu betreiben?
8. Wie kann die Forschung im Bereich KI in der Schweiz gefördert werden?
Stellungnahme des Bundesrates
1. 2023 verfügten 34 Prozent der Schweizer Bevölkerung über digitale Grundkompetenzen und 42 Prozent über erweiterte digitale Kompetenzen. Damit liegt die Schweiz auf dem 5. Platz, über dem EU-Durchschnitt (27 %) und knapp hinter den nordischen Ländern. Die digitalen Kompetenzen werden in fünf Bereichen gemessen: Informations- und Datenkompetenz; Kommunikation und Kollaboration; Problemlösung; Erstellung von Inhalten; Sicherheit (www.bfs.admin.ch > Statistiken > Kultur, Medien, Informationsgesellschaft, Sport > Informationsgesellschaft > Strategieindikatoren > Bildung und Kompetenzen > Digitale Kompetenzen).
2. bis 5. Der Bundesrat anerkennt die wichtige Bedeutung von Daten- und KI-Kompetenz für eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Es liegt an den Kantonen und ihren Bildungsinstitutionen, die für den Unterricht und pädagogische Fragen zuständig sind, die zu erreichenden Mindestkompetenzen zu definieren. Die oben erwähnten Kompetenzen sind bereits in den Lehrplänen aller Bildungsstufen verankert. Auf Ebene der obligatorischen Schule, die Sache der Kantone ist, wird mit der digitalen Bildung insbesondere die Entwicklung einer kritischen Haltung gegenüber der Informations- und Datenverarbeitung gefördert. Im Gymnasium werden mit den 2023 und 2024 revidierten Rechtsgrundlagen die genannten Kompetenzen über die transversalen Unterrichtsbereiche sowie das neu maturitätsrelevante Grundlagenfach Informatik vermittelt. In der beruflichen Grundbildung ist die Nutzung von sowie die kritische Reflexion über KI ein wichtiger Bestandteil des ab 2026 geltenden neuen Rahmenlehrplans für Allgemeinbildung. Bei der Revision von Berufen in der Berufsbildung werden die Anforderungen der KI systematisch integriert, um den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes zu entsprechen. Dazu stellt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation die «Orientierungshilfe Digitale Transformation» zur Verfügung. Zudem läuft derzeit ein Projekt zur Entwicklung einer eidgenössischen Berufsprüfung im Bereich KI. Die Hochschulen ihrerseits unterstützen die Entwicklung der digitalen Kompetenzen der Studierenden, der Dozierenden wie auch der breiten Öffentlichkeit mit Aus- und Weiterbildungen, insbesondere in KI und Datenwissenschaft. Im Bereich der Weiterbildung besteht ein breites Angebot zu digitalen Kompetenzen, darunter auch KI, das verschiedenste Bedürfnisse abdeckt. Gemäss dem Bundesgesetz über die Weiterbildung umfassen die Grundkompetenzen das Lesen, Schreiben, mündliche Ausdrucksfähigkeit in einer Landessprache, Grundkenntnisse der Mathematik sowie die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wozu auch KI und Datenverarbeitung gehören. 2017 hat der Bund ein Programm lanciert, das die Arbeitgeber dabei unterstützt, ihre Mitarbeitenden in den für ihren Arbeitsalltag notwendigen Grundkompetenzen zu schulen, namentlich auch in IKT.
6. Der Bericht der interdepartementalen Arbeitsgruppe KI an den Bundesrat von 2019 zeigt, dass die Schweiz in Forschung und Entwicklung im Bereich KI grundsätzlich gut aufgestellt ist. Eine aktuelle systematische Auswertung der Publikationsdaten liegt nicht vor. Aufgrund des schnellen Fortschritts dürfte sich der Wettbewerb zuspitzen. Vor allem grosse Länder mit erheblichen Investitionen in KI stehen an der Spitze der weltweiten Publikationen.
7. und 8. Die Forschung spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Anwendung von KI. Grundsätzlich obliegt es den Forschungsakteuren selbst, neue technologische Entwicklungen angemessen zu adressieren. In den strategischen Planungen für die BFI-Periode 2025–2028 weisen die vom Bund unterstützten Akteure in der Forschung zahlreiche Aktivitäten im Bereich KI auf. Exemplarisch kann die Swiss AI Initiative im ETH-Bereich genannt werden, die unter Co-Leitung der ETH Zürich und der EPFL unter Nutzung des Supercomputers «Alps» an der Entwicklung von KI-Modellen arbeiten wird. Für die Forschungsförderung können die bestehenden Instrumente (etwa des Schweizerischen Nationalfonds) genutzt werden. Der Bundesrat wird im Rahmen der Umsetzung des Postulats 24.3140 Michel Aspekte zur Regulierung und Förderung von KI prüfen.