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26.3151 · Postulat · 2026-03-17

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht zum Stand der Finanzbildung der Schweizer Bevölkerung sowie der bestehenden Lücken zu erstellen und Handlungsmöglichkeiten für die Verbesserung des Finanzwissens aufzuzeigen.

Begründung

Das neue Familienbarometer von Pro Familia Schweiz zeigt auf, dass das grösste Problem der Familien die Finanzlage ist. Dies war bereits in den Jahren 2023-2025 der Fall. 46 Prozent der befragten Familien gaben an, dass ihr Einkommen knapp ausreiche und 7 Prozent, dass es nicht ausreichte. Familien mit kleinen Kindern zwischen 0 und 3 Jahren geben mit 53 Prozent besonders häufig an, dass ihr Einkommen nur knapp ausreiche. Diese Aussagen beruhen auf einer subjektiven Einschätzung. Es muss davon ausgegangen werden, dass zumindest teilweise mangelndes Wissen im Umgang mit Finanzen zur geschilderten Situation geführt hat. Lücken im Finanzwissen bestehen aktuellen Studien zufolge besonders bei Familien mit niedrigem Einkommen, bei Frauen, bei bildungsfernen Familien, Migrantinnen und Migranten sowie Jugendlichen. Rund die Hälfte der jungen Menschen in der Schweiz kann drei grundlegende Fragen zu Zins, Inflation und Risikodiversifikation nicht korrekt beantworten. Zudem wissen viele von ihnen nicht, wie man eine Steuererklärung ausfüllt. Viele Berufstätige besitzen zwar ein funktionales Grundwissen, doch insbesondere in einkommensschwächeren und bildungsferneren Gruppen bleiben Verständnis und Verhalten (Sparen, Vorsorge, Investieren) deutlich hinter dem zurück, was für langfristige finanzielle Sicherheit nötig wäre.

Die Schweiz machte bisher wenig zur Verbesserung der Finanzbildung und vernachlässigt damit die Prävention von (Steuer-)Schulden oder Altersarmut. So gibt es beispielsweise anlässlich der jährlichen, vom International Network on Financial Education (INFE) der OECD organisierten Awareness-Kampagne «Global Money Week» im internationalen wie europäischen Vergleich nur spärliche Aktivitäten in der Schweiz (Swiss Money Week). Der Bedarf zur Verbesserung der Finanzbildung zeigt sich auch in diversen Berichten über Jugendverschuldung.

Da verschiedene Bildungs- und Finanzakteure betroffen sind (Kantone, Finanzinstitute, zivilgesellschaftliche und privatwirtschaftliche Organisationen), ist eine nationale Perspektive zentral.

Antrag des Bundesrates

Ablehnung

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat erachtet es als wichtig, dass alle über das erforderliche Finanz- und Wirtschaftswissen verfügen, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden und weiterzuentwickeln. Laut dem Armutsmonitoring 2025 (www.armutsmonitoring.ch) ist das Bildungsniveau an sich ausschlaggebend für ein erhöhtes Armutsrisiko, und nicht allein das spezifische Finanzwissen. Im Rahmen der Nationalen Plattform gegen Armut wurde 2018 eine Studie veröffentlicht, die Ansätze zur Prävention und Bewältigung von Verschuldung und Armut in der Schweiz verbindet (www.gegenarmut.ch > Studien und Arbeitshilfen > Schulden). Im spezifischen Fall von Frauen zeigen Studien, dass diese über weniger Finanzwissen verfügen als Männer. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass sie teilweise über weniger finanzielle Mittel verfügen und somit weniger geübt sind (www.ekf.admin.ch > Publikationen > Fachzeitschrift Frauenfragen > 2023 > Artikel von Monika Bütler «Finanzwissen ist ein Schlüssel zur Gleichstellung»).

Die Vermittlung finanzspezifischer Inhalte zur Finanzbildung in der obligatorischen Schule und in den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe II ist ausschliesslich Sache der Kantone. In allen drei sprachregionalen Lehrplänen gehört das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld zu den Lernzielen auf der Sekundarstufe I. Im Gymnasium ist «Wirtschaft und Recht» seit 2024 ein Grundlagenfach für alle Schülerinnen und Schüler; in der Fachmittelschule ist es ein obligatorischer Bestandteil des Lernbereichs «Geistes- und Sozialwissenschaften». Die Zuständigkeit des Bundes beschränkt sich auf die nachobligatorische Bildung, insbesondere die Berufsbildung, wo wirtschaftliche Kompetenzen im Rahmen des allgemeinbildenden Unterrichts gefördert werden. Ziel ist es unter anderem, den Lernenden geeignete Instrumente in die Hand zu geben, damit sie ihr Leben mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln verantwortungsvoll gestalten, ihre wirtschaftliche Situation analysieren und ihre Interessen wahrnehmen können. Der Bund setzt sich gemeinsam mit den Kantonen für den Erwerb und den Erhalt von Grundkompetenzen bei Erwachsenen ein, unter anderem im Bereich der Mathematik. Das Bundesgesetz über die Weiterbildung (WeBiG; SR 419.1) sieht hierfür die Ausrichtung von Finanzhilfen an die Kantone vor.

Das Finanzwissen der Jugendlichen wird auch durch andere Angebote gestärkt. Beispielsweise hat die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) zusammen mit verschiedenen kantonalen Steuerverwaltungen im Auftrag der Schweizerischen Steuerkonferenz speziell für Jugendliche die Website www.steuern-easy.ch mit Informationen zu Steuern und zur Steuererklärung entwickelt. Die ESTV veröffentlicht zudem den «Leitfaden für zukünftige Steuerpflichtige». Die Schweizerische Nationalbank bietet ihrerseits das Bildungsangebot Iconomix für Schulen der Sekundarstufe II an (www.iconomix.ch). Darüber hinaus bieten private Initiativen im ausserschulischen Bereich wie Young Enterprise Switzerland oder FinanceMission praxisnahe Wirtschaftskurse an. Der Bund kann diese Akteure punktuell unterstützen, soweit sie Projekte realisieren, die die Voraussetzungen des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes (KJFG, SR 446.1) erfüllen. Für einen Überblick über die Massnahmen und Initiativen zur Förderung des unternehmerischen Denkens und Handelns in der Schweizer Bildungslandschaft, einschliesslich der Finanzbildung, verweist der Bundesrat auf seinen Bericht in Erfüllung des Postulates 21.4348. Die Erstellung eines zusätzlichen Berichts in diesem Bereich erachtet der Bundesrat nicht als angezeigt.



Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

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