Moser Tiana Angelina · Nationalrat · 2010-09-27
Moser Tiana Angelina · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-09-27
Wortprotokoll
Wir Grünliberalen unterstützen den Minderheitsantrag, sowohl den Gegenvorschlag als auch die Volksinitiative "Jugend und Musik" zur Annahme zu empfehlen.
Der gesellschaftliche Wert der Musik und des Musikunterrichts ist auch für uns Grünliberale unbestritten. Zu einer ganzheitlichen Bildung gehört zwingend ein qualitativ hochstehender Musikunterricht. Die Breitenwirkung des Musikunterrichts ist bewiesen; wir haben das heute schon verschiedentlich gehört. Musikalische Förderung von Kindern wirkt sich positiv auf die mathematischen und sprachlichen Fähigkeiten aus; im Rahmen der Pisa-Studien schneiden jeweils diejenigen Länder besonders gut ab, die auch einen hohen Musikunterrichtsanteil aufweisen.
Ein Musikunterricht, der hohen qualitativen Ansprüchen gerecht wird, hat selbstverständlich einen unverkennbaren, ja elementaren kulturellen Wert. Dabei reicht es nicht, einfach gemeinsam ein paar Lieder zu singen, auch wenn das sehr wichtig und schön ist; vielmehr erfordert die Erfassung der Weite und Tiefe von Musik eine fundierte Ausbildung. Erst eine fundierte Ausbildung ermöglicht die Wahrnehmung von und den Umgang mit musikästhetischer Vielfalt. Eine solche musikalische Bildung kann nur von Lehrpersonen vermittelt werden, die eine entsprechende Qualifikation haben. Insbesondere hier bestehen aber offensichtliche Mängel. Heute [PAGE 1515] kann jeder Lehrer auf der Stufe Vorschule, Primar- oder Sekundarschule wählen, ob er sich im Fach Musik ausbilden lassen will oder eben nicht. Es ist somit dem Zufall überlassen, ob ein Schüler oder eine Schülerin im Fach Musik von einer ausreichend qualifizierten Person unterrichtet wird. Ein Hauptziel der Initiative ist somit eine qualitative Verbesserung des Musikunterrichts. Mittel dazu ist etwa die Festlegung von Standards für den Unterricht und von Eckwerten für die Ausbildung von Lehrkräften. In beiden Bereichen ist der Handlungsbedarf anerkannt. Das hat nicht nur der Musikbildungsbericht 2005 aufgezeigt, sondern kam auch in den Hearings klar zum Ausdruck.
Der Zugang zur Musik ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss vermittelt werden. Wenn Kinder und Jugendliche den Zugang zur Musik finden, Freude daran haben und sie als Hobby weiterbetreiben, dann ist das aus gesellschaftlicher Sicht eine überaus sinnvolle Freizeitbeschäftigung und kann nur begrüsst werden. Das gilt für die Musik genau gleich wie für den Sport. Gerade bildungsferne Junge haben aber diesen Zugang oft nicht. Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung soll ihnen die Schule diesen Zugang ermöglichen. Dafür braucht es minimale Standards, insbesondere was die Ausbildung der Lehrkräfte anbelangt.
Ein weiteres anerkanntes Defizit sehen wir in der Begabtenförderung. Die Begabtenförderung im musikalischen Bereich ist in der Schweiz heute weitgehend unbefriedigend. Hier kann die Initiative ebenfalls Abhilfe schaffen. Die Kantone bemühen sich zwar, all diese Mängel zu beheben, eine Lösung zeichnet sich aber in absehbarer Zeit nicht ab. Grundsätze auf Bundesebene vermögen hier auch die Bemühungen der Kantone zu unterstützen.
Zudem ist eine kostenneutrale Umsetzung der Initiative möglich und wird von uns Grünliberalen auch vorausgesetzt. Die Initiative als solche hat keine finanziellen Konsequenzen. Mögliche finanzielle Implikationen stehen primär im Zusammenhang mit den vorgeschlagenen Massnahmen des Initiativkomitees und sind nicht direkt Bestandteil des Initiativtextes. Da wir die ordnungspolitischen Bedenken des Bundesrates als durchaus berechtigt erachten, jedoch gleichzeitig den Handlungsbedarf klar anerkennen, unterstützen wir den Minderheitsantrag, der sowohl die Initiative wie auch den Gegenvorschlag zur Annahme empfiehlt.
[VS]